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Kriege sind einfacher als Töchter
11.10.1016 - 10:00
Festung, Kenmaras | Zimmer von Moira Fraser
Eanruig Fraser Moira Fraser

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Moira Fraser
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#6
Als der Vater seiner gratwandelnden Tocher Grenzen zog, fühlte es sich an, als hätte jemand leise eine Tür geschlossen. Nicht mit einem Knall, sondern mit jener endgültigen Sanftheit, die keinen Zweifel ließ, dass sie nun verriegelt war. Moira senkte den Blick nicht. Sie ließ ihn dort, wo er war, auf seinem Gesicht, auf den Linien um seinen Mund, auf der Härte, die ihm so natürlicherweise innewohnte. Und doch war es in diesem Moment nicht jene Härte, die sie traf, sondern etwas viel Leiseres: die klare Erkenntnis, dass sie in dieser Angelegenheit nicht diejenige war, der er folgte. Es war kein verbaler Schlag, kein Vorwurf. Auch keine offene Zurückweisung. Es war etwas viel Schlimmeres: Die stille Ordnung der Dinge. Sie spürte es in der Art, wie er Maebh schützte. Nicht laut, nicht defensiv, sondern selbstverständlich. Als wäre da nie die Frage aufgekommen, auf welcher Seite er stand. Und in diesem Selbstverständnis lag etwas, das sie tiefer verletzte als jede scharfe Zurechtweisung. Ein Teil von ihr hatte natürlich schon immer gewusst, dass es so war. Ein anderer Teil hatte gehofft, es wäre anders. Und er würde es sagen, wenn sie unter sich waren. Wie früher.

Ihre Finger glitten über den Rand des Schreibtisches, tastend, als suche sie Halt in der Maserung des Holzes. Das edle Eibenholz war kühl, glatt poliert von Jahren ihrer Berührung. Sie dachte an die Nächte, in denen sie hier gesessen und geschrieben hatte, während ihr Vater draußen auf den Burgzinnen stand, den Böen trotzend, die Klippen hinabblickend. Immer zwischen Pflicht und Meer, immer zwischen Liebe und Schweigen. Jetzt stand seine Tochter wieder einmal zwischen ihm und Maebh, und Moira wusste, ohne dass er es aussprechen musste, dass er sich in dieser Sache für seine Frau entschieden hatte. Nicht zwingend gegen seine Tochter, das würde er nie tun. Aber eben auch nicht für sie. Sie hörte seine Worte nachhallen: dass es nicht um Schutz gegangen sei. Dass es angemessen gewesen sei. Dass man ihr nichts Böses gewollt habe. Und dass sie gut daran täte, Maebh Wohlwollen zu sehen. Sie wollte widersprechen, doch sie schluckte es hinunter. Aus Respekt vor seiner Authorität und nicht zuletzt ihrer eigenen Würde.

Stattdessen hob sie den Blick wieder, ruhig, gesammelt, beinahe zu still. Als er von Frieden sprach, fühlte sie ein leises Ziehen in der Brust. Frieden... Dieses Wort klang wie etwas Zerbrechliches, das man in eine Vitrine legte, in der Hoffnung, niemand würde es berühren. Und letzten Endes war sie es gewesen, die man aus dem Raum entfernt hatte, um diesen Frieden zu bewahren. Sie hörte, wie er weitersprach, spürte, wie die Worte über ihren Bruder und ihre eigene Zukunft scharf nachklangen in ihrem Geist. Natürlich wusste sie, dass sie Cathal nicht ewig zur Seite konnte. Sie war weder seine Mutter, noch sein Gewissen. Und doch fühlte es sich an, als würde man ihr den Boden unter den Füßen wegziehen, wenn man ihr sagte, dass sie eines Tages fern sein würde – fern von Kenmara, fern von ihm, fern von allem, was sie kannte und liebte.

Sie stellte sich kurz vor, wie es wäre: ein fremder Hof, fremde Gesichter, fremde Erwartungen. Ein Mann, der sie vielleicht ansah wie Besitz. Der ihren Geist beschnitt und sie einengte. Ohne Cathal. Der Gedanke ließ etwas in ihr verkrampfen. Als ihr Vater erwähnte, dass auch Cathal nicht höflich gewesen sei, hob sie die Augenbrauen kaum merklich. Ein Hauch von Verteidigung flackerte auf, instinktiv und schützend, doch sie unterdrückte ihn. Stattdessen atmete sie aus, langsam, kontrolliert. Sie wandte den Blick zum Erker, dorthin, wo das Licht in schrägen Bahnen auf den Stein fiel. Ein Moment der Stille entstand, voll von Unausgesprochenem. Schließlich richtete sie sich ein Stück auf. „Ich habe nie erwartet, dass Ihr Maebh widersprecht“, sagte sie leise, fast sachlich. Keine Anklage, eher eine Feststellung. „Ich verstehe, dass sie Euer Frieden ist, Vater.“  Sie sah ihn an, nicht herausfordernd, sondern suchend. Als würde sie etwas in ihm finden wollen, das ihr sagte, dass sie sich irrte. Dass sie ihm doch wichtiger war als sie gerade glaubte. Dann ließ sie den Moment los. Sie legte die Hand flach auf den Tisch, als wolle sie damit das Gespräch verankern. „Ich werde morgen Eurer Seite stehen. Ohne Drama oder Vorwurf.“ Ein bedauernder Zug begleitete ihre Worte bei der Erkenntnis, dass sie dies überhaupt aussprechen muss. Ein Atemzug, dann mit deutlich mehr Feuer: „Aber ich werde nicht so tun, als hätte ich meinen Platz nicht bemerkt.“
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RE: Kriege sind einfacher als Töchter - von Moira Fraser - 04-09-2025, 20:43
RE: Kriege sind einfacher als Töchter - von Moira Fraser - 08-11-2025, 17:22
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