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We will always carry our chains.
12.10.1016 - 08:00
Festung Kenmaras

Herbstland
Cathal Fraser
Herbstland
Alter 25
Beruf Prinz von Kenmara
Wohnort Kenmara
Stand Verlobt
User Natsch
#1
Cathal hatte seine Bediensteten fortgeschickt, nachdem der dritte von ihnen an seinem Gewand gezupft und imaginäre Falten geglättet hatte, die selbst der blinde Fürstensohn von Kenmara nicht zu erspüren vermochte. Seine Nerven lagen blank, seine Laune hatte ihren tiefsten Punkt erreicht – und es lag nicht unmittelbar an seiner zukünftigen Gemahlin. Vielmehr war es der schlichte Umstand, dass diese Hochzeit nicht seinem Willen entsprang.
Er sollte sich einem Schicksal beugen, das er nie für sich vorgesehen hatte. Denn man verheiratete ihn nicht nur – mit einer Frau aus dem Herbstland, einer Verbindung, der er keinen Sinn abgewinnen konnte –, sondern raubte ihm auf lange Sicht auch den Status, den er sich über Jahre hinweg mühsam erkämpft hatte. Er wollte nicht wie ein Kind klingen, wollte sich nicht in Flüchen über die Ungerechtigkeit verlieren, und doch empfand er es genau so. Ungerecht. Ein bitteres Gefühl, das ihn nun vollends überkam. Wo er sonst kühle Distanz und unbeugsame Ablehnung zur Schau tragen konnte, wurde die Trauung an diesem Tag zur Krönung all dessen, was er als den Abschied von seinem eigentlichen Schicksal betrachtete – und das nur, weil er blind war. Weil sein Körper eine Fehlfunktion hatte. Weil er schwach war.

Seine rechte Hand fuhr sich über die Stirn – eine fahrige Geste, über die er sich sogleich ärgerte, da sie verriet, wie ihm die Souveränität entglitt. Unruhig schritt er in seinem Gemach auf und ab, als ließe sich auf diese Weise noch ein Ausweg aus seiner Lage finden. Er wusste, dass er alt genug war; dass es stets nur eine Frage der Zeit gewesen war, bis sein Vater diese Entscheidung treffen würde. Und ja – es lag eine gewisse Logik darin. Cathal konnte sie erkennen, so sehr es ihn auch nervte. Doch… Cathal schluckte und schüttelte den Kopf. Albern. Er war albern. Ohne Zweifel. Es war seine Pflicht, und er würde ihr nachkommen – eine weitere Prüfung, die er bestehen musste, so wie er es immer getan hatte.

Ein leises Klopfen an der Tür ließ ihn in der Bewegung innehalten und riss ihn aus seinen Gedanken. Sein Kopf fuhr in die Richtung des Geräuschs – ein Reflex, den die Natur ihm offenbar doch gelassen hatte, obwohl seine Augen nichts sahen. Cathal rechnete mit Moira, einem letzten, hitzigen Austausch über diese unerträgliche Situation. Ein angespanntes
„Komm herein“
entwich seinen Lippen, während er vergeblich versuchte, die Schultern zu lockern. Niemand aus seiner Familie sollte ihn so angespannt sehen, erst recht nicht seine Schwester, die ohnehin genug Sorgen trug.
Denn sie wusste es. Sie würde die Nächste sein. Und damit würde sie Kenmara den Rücken kehren – selbstverständlich würde sie zu ihrem zukünftigen Gemahl ziehen, nicht umgekehrt. Und in diesem unausweichlichen Schritt würde sie ihn verlieren. Denn so sehr es den Anschein haben mochte, dass er von ihr abhängig war, war es in Wahrheit sie, die von ihm abhängig war. Von seiner Nähe, seinem Rat, seiner stillen Stärke. Ohne ihn würde ein Teil von ihr verloren sein, so unverzichtbar, so unersetzlich, wie ein Schatten, der der Sonne folgt. Es war keine Arroganz, die ihm diese Gewissheit gab, sondern die Art, wie sie mit ihm sprach, und die Art, wie sie von seiner Aufmerksamkeit zehrte – so wie sie einst voneinander gezehrt hatten. Doch Cathal wusste ebenso, dass er sie, wenn es seine Pflicht war, eines Tages woanders hinverheiraten würde. Dass sie niemals dafür bestimmt waren, ein Leben lang Seite an Seite zu stehen oder Kenmara für sich allein zu beanspruchen. Dem Schicksal konnte man nicht den Rücken kehren. Er nicht dem seinen, und sie nicht dem ihren.

Als sich die Tür öffnete, spürte Cathal sofort, dass es nicht Moira war, die ihn aufsuchte. Automatisch legte sich eine steinerne Maske über seine Züge – doch es war keine Ablehnung. Nur Distanz. Ein Schutzwall, vielleicht, um den jahrelangen Schmerz in seiner Brust einzuschließen, ihn gefangen zu halten wie ein wildes Tier, das nicht für das Licht des Tages geboren war und sich nur der Dunkelheit anvertraute.
„Was kann ich für Euch tun?“
Seine Stimme klang mechanisch, beinahe fremd in den eigenen Ohren, während er sich abwandte und ein paar Schritte zurücktrat – ein instinktiver Rückzug, der ihn innerlich aufwühlte, weil er sich so vor sich selbst verriet. Er streckte die Hand aus, tastete das kalte, raue Gemäuer der Burg ab, suchte Halt in der Härte des Steins, als könnte er sich daran klammern, um den Sturm in seiner Brust zu bändigen. Erst dann wandte er sich wieder der Tür zu, als müsse er genau bestimmen, in welchem Winkel er stand, um nicht überrascht zu werden – nicht von der Welt, nicht von seinem Schicksal, und schon gar nicht von sich selbst.
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We will always carry our chains. - von Cathal Fraser - 08-02-2026, 20:03

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