09-02-2026, 12:18 - Wörter:
Ihre Augenbrauen wanderten ein wenig amüsiert nach oben. «Wie ein Höhlentroll? Wohl kaum, Cathal. Davon bist du schon im Normalzustand sehr weit entfernt. Unsere Optik richtet sich ohnehin nicht rein nach dem, was die Augen sehen. Auch das, was wir ausstrahlen, verändert, wie wir auf andere wirken können.» Und seine Ausstrahlung veränderte sich gerade sehr. War da eben noch ein leichtes Lächeln in seinen Mundwinkeln gewesen, so verschwand es nun. Und machte einer Distanz Raum, die sie schon die letzten Jahre zwischen sich und ihm verspürt hatte. Maebh war nicht davon ausgegangen, dass es etwas mit ihr direkt zu tun gehabt hätte. Viel mehr war sie dem Glauben erlegen, dass vermutlich Moira entsprechen Einfluss auf ihn genommen hatte. Sie hatte das nicht hinterfragt. Und hatte auch nicht versucht, sich zwischen die beiden Kinder zu drängen. Ohnehin war sie nur wenige Jahre älter als Cathal und hatte es ausgesprochen seltsam gefunden, einem Zwanzigjährigen zu erklären, was er vom Leben zu halten hatte. Sie war ihm stattdessen offen begegnet. Mit Liebe und Verständnis und ohne sich all zu groß um seine Situation zu scheren oder sie ihm immer wieder aufs Brot zu schmieren. Umso mehr irritierte sie nun die offene Feindseligkeit.
Er musste sie nicht abschütteln. Maebh zog die Hand bereits zurück, als die Feindseligkeit in seiner Stimme neue Höhen gewann. Überrascht blinzelnd sog sie kaum hörbar die Luft ein. Kaum hörbar für normale Menschen. Für Cathal kam das Geräusch vermutlich einem rauschenden Sturm gleich.
«Ich fürchte, ich kann dir nicht ganz folgen, Cathal. Wann habe ich dir jemals deine Unzulänglichkeiten ins Bewusstsein gerufen? Ich kann mich eher daran erinnern, dass ich dir bei jeder sich bietenden Gelegenheit gesagt habe, dass du sehr wohl alles tun kannst, was du tun möchtest. Mir ist bewusst, dass blind zu sein kein vergänglicher Zustand ist. Und mit Einschränkungen einhergeht. Aber ich empfinde es nicht als etwas abstoßendes oder als etwas, das dir zum Nachteil angereicht werden sollte.»
Was war nur in ihn gefahren? Hatte es etwas mit dem zu tun, dass Eanruig schon angesprochen hatte? Dass es einen Konflikt zwischen ihr und den Kindern gab? Cathal hatte sie mit freundlicher Distanz behandelt. Aber das hier war offene Feindseligkeit. Er suchte den Konflikt. Und Maebh war damit im ersten Moment völlig überfordert. Doch wie auch bei ihrem Mann ließ sie Cathal sprechen. Und begegnete ihm mit Geduld, Ruhe und Verständnis.
Und dann... platzte die Bombe. Es war, als hätte Cathal sie mit eiskaltem Wasser überschüttet und für einen kurzen Moment spürte Maebh, wie ihr eiskalt wurde. Und dann begannen ihre Ohren zu rauschen.
«Cathal Fraser! Du setzt dich jetzt hin und hörst mir ganz genau zu!», platzte es aus ihr raus, bevor sie überhaupt darüber nachdenken konnte. Mit überaschend fester Hand zog sie ihren Stiefsohn auf den nächsten Sitzplatz und sorgte dafür, dass er sich hinsetzte.
«Ich habe nichts entschieden! Ich habe überhaupt nicht das Recht irgendwas zu entscheiden! Hätte ich das, dann wäre die Welt ein besserer Ort, verstehst du das? Du müsstest nicht heiraten, wenn du es nicht willst. Deine Schwester müsste ihr zu Hause nicht irgendwann verlassen. Alle Kinder erhielten den gleichen Anteil am Erbe und euer Vater müsste sich nicht permanent den Kopf darüber zerbrechen, wie er es richtig angeht. Ich habe nichts entschieden! Ich habe einfach nur zugehört und deinem Vater erklärt, dass er schon die richtige Entscheidung treffen wird.»
Sie war lauter geworden. Was ungewöhnlich für sie war. Doch der Vorwurf, sie hätte ihre Stiefkinder einfach zurückgelassen, um das eigene Kind nach oben zu schieben, war schlichtweg unfair. Und nicht wahr.
«Ich wollte auch nicht heiraten, Cathal! Ich war so unglücklich! Glaubst du, ich verstehe das nicht? Glaubst du wirklich, eine Mutter wünscht sich für ihr Kind, dass es am Tag seiner Hochzeit so unglücklich ist, wie du es gerade bist? Du solltest dich freuen. Aufgeregt sein. Es sollte dich emotional aufwühlen. Glücklich machen!»
Sie sprach nie von ihm als ihr Stiefsohn. Für Maebh waren die Kinder ihres Mannes ihre Kinder. Sie wusste nicht einmal, ob sie das jemals so klar ausformuliert hatte. Ob sie es jemals gehört hatte. Es war nie dazu gekommen, dass sie darüber sprachen.
«Wir alle spielen die Rollen, die man uns zugedacht hat, Cathal. Ich weiß, dass dir das hier nicht gefällt. Ich wünschte, ich könnte es für dich verändern. Aber diese Macht ist mir nicht gegeben. Warum begegnest du mir also mit so viel Groll?»
Er musste sie nicht abschütteln. Maebh zog die Hand bereits zurück, als die Feindseligkeit in seiner Stimme neue Höhen gewann. Überrascht blinzelnd sog sie kaum hörbar die Luft ein. Kaum hörbar für normale Menschen. Für Cathal kam das Geräusch vermutlich einem rauschenden Sturm gleich.
«Ich fürchte, ich kann dir nicht ganz folgen, Cathal. Wann habe ich dir jemals deine Unzulänglichkeiten ins Bewusstsein gerufen? Ich kann mich eher daran erinnern, dass ich dir bei jeder sich bietenden Gelegenheit gesagt habe, dass du sehr wohl alles tun kannst, was du tun möchtest. Mir ist bewusst, dass blind zu sein kein vergänglicher Zustand ist. Und mit Einschränkungen einhergeht. Aber ich empfinde es nicht als etwas abstoßendes oder als etwas, das dir zum Nachteil angereicht werden sollte.»
Was war nur in ihn gefahren? Hatte es etwas mit dem zu tun, dass Eanruig schon angesprochen hatte? Dass es einen Konflikt zwischen ihr und den Kindern gab? Cathal hatte sie mit freundlicher Distanz behandelt. Aber das hier war offene Feindseligkeit. Er suchte den Konflikt. Und Maebh war damit im ersten Moment völlig überfordert. Doch wie auch bei ihrem Mann ließ sie Cathal sprechen. Und begegnete ihm mit Geduld, Ruhe und Verständnis.
Und dann... platzte die Bombe. Es war, als hätte Cathal sie mit eiskaltem Wasser überschüttet und für einen kurzen Moment spürte Maebh, wie ihr eiskalt wurde. Und dann begannen ihre Ohren zu rauschen.
«Cathal Fraser! Du setzt dich jetzt hin und hörst mir ganz genau zu!», platzte es aus ihr raus, bevor sie überhaupt darüber nachdenken konnte. Mit überaschend fester Hand zog sie ihren Stiefsohn auf den nächsten Sitzplatz und sorgte dafür, dass er sich hinsetzte.
«Ich habe nichts entschieden! Ich habe überhaupt nicht das Recht irgendwas zu entscheiden! Hätte ich das, dann wäre die Welt ein besserer Ort, verstehst du das? Du müsstest nicht heiraten, wenn du es nicht willst. Deine Schwester müsste ihr zu Hause nicht irgendwann verlassen. Alle Kinder erhielten den gleichen Anteil am Erbe und euer Vater müsste sich nicht permanent den Kopf darüber zerbrechen, wie er es richtig angeht. Ich habe nichts entschieden! Ich habe einfach nur zugehört und deinem Vater erklärt, dass er schon die richtige Entscheidung treffen wird.»
Sie war lauter geworden. Was ungewöhnlich für sie war. Doch der Vorwurf, sie hätte ihre Stiefkinder einfach zurückgelassen, um das eigene Kind nach oben zu schieben, war schlichtweg unfair. Und nicht wahr.
«Ich wollte auch nicht heiraten, Cathal! Ich war so unglücklich! Glaubst du, ich verstehe das nicht? Glaubst du wirklich, eine Mutter wünscht sich für ihr Kind, dass es am Tag seiner Hochzeit so unglücklich ist, wie du es gerade bist? Du solltest dich freuen. Aufgeregt sein. Es sollte dich emotional aufwühlen. Glücklich machen!»
Sie sprach nie von ihm als ihr Stiefsohn. Für Maebh waren die Kinder ihres Mannes ihre Kinder. Sie wusste nicht einmal, ob sie das jemals so klar ausformuliert hatte. Ob sie es jemals gehört hatte. Es war nie dazu gekommen, dass sie darüber sprachen.
«Wir alle spielen die Rollen, die man uns zugedacht hat, Cathal. Ich weiß, dass dir das hier nicht gefällt. Ich wünschte, ich könnte es für dich verändern. Aber diese Macht ist mir nicht gegeben. Warum begegnest du mir also mit so viel Groll?»
