09-02-2026, 16:54 - Wörter:
Offenkundig hatte sie ihn damit überrumpelt. Der Umstand, dass sie ihn so spielend leicht auf den Stuhl bugsieren konnte, ohne dass er sich wehrte, sprach dafür. Noch nie hatte sie so harsch mit ihm gesprochen. Sie war für gewöhnlich sanft. Zart wie das Gras, das auf den Koppeln der Pferde wuchs und an dem sie sich satt fressen konnten. Weich wie die gräsernen Wogen, die auf den Klippen zu sehen waren. Maebh war kein harter Mensch. Aber sie hatte ihre Grenzen. Und Cathal hatte eine davon überschritten.
«Nein!», hielt sie dagegen. «Das glaube ich nicht. Ich halte überhaupt nichts von dieser Entscheidung und ich finde, dass er dir damit Verantwortung nimmt. Und die Möglichkeit, an dir selbst zu wachsen. Bei allen Göttern, die es irgendwo gibt, Cathal... ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass du mit deinen Aufgaben überfordert wärst. Dein Kopf funktioniert. Du kannst eben nicht sehen. Es ist ein Makel. Aber alle Menschen haben Makel. Und deiner ist wenigstens nur körperlich aber dein Charakter ist doch eigentlich gut! Dieser Zorn steht dir wirklich nicht zu Gesicht», maßregelte sie ihn nun mit ruhiger aber fester Stimme.
Sie nahm wahr, dass seine Finger sich in den Stoff seiner Hose krallten, aber sie sagte nichts dazu. Sie verbot ihm sicher nicht, sich irgendwie zu regulieren. Und sie fand zudem auch, dass dieser Moment nun nicht abgebrochen werden sollte. Er brauchte Raum für seine Gefühle. Seine Gedanken. Wie wichtig dieses Gespräch gerade war, wusste vermutlich keiner von ihnen.
«Du glaubst also, dass es mir zusagt, deinen Vater zu manipulieren?», wollte sie völlig verdattert wissen. «Cathal, was sagst du denn da?»
Maebh war von Grund auf schockiert von den Worten, die er an sie richtete. Immer wieder schüttelte sie den Kopf und versuchte sich einen Reim darauf zu machen, wie das nun zustande kam. Einerseits warf er ihr genau diesen Umstand vor. Andererseits warf er ihr vor, genau diese Manipulation nicht anzuwenden. Dann seufzte sie leise.
«Stopp. Warte. Ich glaube, du missverstehst hier eine Sache gravierend. Und die möchte ich ein für alle mal klar machen, Cathal. Ich bin hier, weil ich verheiratet wurde. Das war nicht meine Entscheidung. Und es war auch nicht die deines Vaters. Wir waren beide nicht glücklich und dein Vater ist ein... trauriger Mensch. Er lässt sich das nicht anmerken, weil er für euch stark sein möchte. Aber er glaubt immer, er handelt genau richtig und in eurem Interesse. Wir sind uns erst seit kurzem halbwegs nah, Cathal. Wir... wir haben auch Schwierigkeiten uns mit der Situation zu arrangieren. Und er leidet sehr darunter. Genau wir ihr unter dem Verlust eurer Mutter gelitten habt. Aber ich bin nicht hier, um ihn in eine bestimmte Richtung zu manipulieren.»
Sie seufzte leise und suchte merklich nach Worten. Die Stille war angespannt, signalisierte, dass sie noch nicht fertig war mit sprechen.
«Ich habe mit diesen Gedanken gespielt. Und ich kann mir vorstellen, dass du dich verraten und hintergangen fühlst. Deine schlimmsten Selbstzweifel haben sich bestätigt und es war nie mein Ziel, dass das geschieht, Cathal. Ich habe so viel Vertrauen in dich und deine Fähigkeiten.»
Sie biss sich auf die Unterlippe, als er ihr erklärte, dass sie nicht dafür gemacht waren, glücklich zu sein. Er würde hören können, dass sie den Kopf schüttelte. Und als er weitersprach, fasste sie nach seinen Händen und ging vor ihm auf die Knie. Er würde es spüren können. Sie begab sich mit Absicht in diese Position. Sah zu ihm auf, seine Hände zu ihrem Gesicht hebend, damit er es spüren konnte. Auch die Tränen, die seine Worte über ihr Gesicht laufen ließen. Aber das war gleich.
«Ich weiß», gab sie zurück. «Und du bist zurecht wütend. Aber ich bin nicht die Person, bei der du das adressieren solltest. Cathal, er hat Angst um dich. So sehr, dass er nicht zulässt, dass du erwachsen wirst. Auf eigenen Füßen stehst. Er würde alles tun, um dich zu beschützen. Du wirst so sehr geliebt, Cathal... aber er kann das nicht sagen, weißt du? Genau wie du gefangen bist, ist auch er gefangen. Und ich weiß nicht, was ich tun soll, um euch zu befreien. Ich möchte einfach nur für euch da sein. Jeder Mensch hat ein wenig Glück verdient.»
Sie selbst schloss sich da aus. Ihre Aufgabe war es einfach, das jetzt in den Griff zu bekommen. Cathal hatte einen schönen Tag verdient. Einen Moment, in dem man ihn vor allem beschützte, das von außen kam. Und möglichst auch vor seinem dunklen Innern.
«Nein!», hielt sie dagegen. «Das glaube ich nicht. Ich halte überhaupt nichts von dieser Entscheidung und ich finde, dass er dir damit Verantwortung nimmt. Und die Möglichkeit, an dir selbst zu wachsen. Bei allen Göttern, die es irgendwo gibt, Cathal... ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass du mit deinen Aufgaben überfordert wärst. Dein Kopf funktioniert. Du kannst eben nicht sehen. Es ist ein Makel. Aber alle Menschen haben Makel. Und deiner ist wenigstens nur körperlich aber dein Charakter ist doch eigentlich gut! Dieser Zorn steht dir wirklich nicht zu Gesicht», maßregelte sie ihn nun mit ruhiger aber fester Stimme.
Sie nahm wahr, dass seine Finger sich in den Stoff seiner Hose krallten, aber sie sagte nichts dazu. Sie verbot ihm sicher nicht, sich irgendwie zu regulieren. Und sie fand zudem auch, dass dieser Moment nun nicht abgebrochen werden sollte. Er brauchte Raum für seine Gefühle. Seine Gedanken. Wie wichtig dieses Gespräch gerade war, wusste vermutlich keiner von ihnen.
«Du glaubst also, dass es mir zusagt, deinen Vater zu manipulieren?», wollte sie völlig verdattert wissen. «Cathal, was sagst du denn da?»
Maebh war von Grund auf schockiert von den Worten, die er an sie richtete. Immer wieder schüttelte sie den Kopf und versuchte sich einen Reim darauf zu machen, wie das nun zustande kam. Einerseits warf er ihr genau diesen Umstand vor. Andererseits warf er ihr vor, genau diese Manipulation nicht anzuwenden. Dann seufzte sie leise.
«Stopp. Warte. Ich glaube, du missverstehst hier eine Sache gravierend. Und die möchte ich ein für alle mal klar machen, Cathal. Ich bin hier, weil ich verheiratet wurde. Das war nicht meine Entscheidung. Und es war auch nicht die deines Vaters. Wir waren beide nicht glücklich und dein Vater ist ein... trauriger Mensch. Er lässt sich das nicht anmerken, weil er für euch stark sein möchte. Aber er glaubt immer, er handelt genau richtig und in eurem Interesse. Wir sind uns erst seit kurzem halbwegs nah, Cathal. Wir... wir haben auch Schwierigkeiten uns mit der Situation zu arrangieren. Und er leidet sehr darunter. Genau wir ihr unter dem Verlust eurer Mutter gelitten habt. Aber ich bin nicht hier, um ihn in eine bestimmte Richtung zu manipulieren.»
Sie seufzte leise und suchte merklich nach Worten. Die Stille war angespannt, signalisierte, dass sie noch nicht fertig war mit sprechen.
«Ich habe mit diesen Gedanken gespielt. Und ich kann mir vorstellen, dass du dich verraten und hintergangen fühlst. Deine schlimmsten Selbstzweifel haben sich bestätigt und es war nie mein Ziel, dass das geschieht, Cathal. Ich habe so viel Vertrauen in dich und deine Fähigkeiten.»
Sie biss sich auf die Unterlippe, als er ihr erklärte, dass sie nicht dafür gemacht waren, glücklich zu sein. Er würde hören können, dass sie den Kopf schüttelte. Und als er weitersprach, fasste sie nach seinen Händen und ging vor ihm auf die Knie. Er würde es spüren können. Sie begab sich mit Absicht in diese Position. Sah zu ihm auf, seine Hände zu ihrem Gesicht hebend, damit er es spüren konnte. Auch die Tränen, die seine Worte über ihr Gesicht laufen ließen. Aber das war gleich.
«Ich weiß», gab sie zurück. «Und du bist zurecht wütend. Aber ich bin nicht die Person, bei der du das adressieren solltest. Cathal, er hat Angst um dich. So sehr, dass er nicht zulässt, dass du erwachsen wirst. Auf eigenen Füßen stehst. Er würde alles tun, um dich zu beschützen. Du wirst so sehr geliebt, Cathal... aber er kann das nicht sagen, weißt du? Genau wie du gefangen bist, ist auch er gefangen. Und ich weiß nicht, was ich tun soll, um euch zu befreien. Ich möchte einfach nur für euch da sein. Jeder Mensch hat ein wenig Glück verdient.»
Sie selbst schloss sich da aus. Ihre Aufgabe war es einfach, das jetzt in den Griff zu bekommen. Cathal hatte einen schönen Tag verdient. Einen Moment, in dem man ihn vor allem beschützte, das von außen kam. Und möglichst auch vor seinem dunklen Innern.
