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We will always carry our chains.
12.10.1016 - 08:00
Festung Kenmaras

Herbstland
Cathal Fraser
Herbstland
Alter 25
Beruf Prinz von Kenmara
Wohnort Kenmara
Stand Verlobt
User Natsch
#7
Ihre Maßregelung hätte im Grunde an Granit abprallen können, doch zu Cathals eigener Überraschung tat sie es nicht. Vielleicht, weil er hören wollte, was sie sagte. Vielleicht, weil das Kind in ihm, das in einer dunklen Ecke seines Inneren zusammengekauert saß, es hören wollte. Und Maebh hatte recht – schon wieder –, denn der Zorn stand ihm nicht.
Es war derselbe Zorn wie am Esstisch, als Muirín sich im Ton vergriffen hatte und etwas in ihm unkontrolliert hervorgesprungen war, um zu schützen, was in seinem Herzen noch immer einen festen Platz hatte. Auch wenn er sich nach außen stolz und erhaben gab, als könne er davon niemals abhängig sein – es war seine Familie. Und dieser Zorn war neu – oder vielmehr die beunruhigende Erkenntnis, wie mühelos er sich nun seinen Weg bahnte und an die Oberfläche brach, wie eine Wurzel, die den Boden sprengte, weil in der Erde kein Raum mehr für sie war.

Das Gold seiner Iriden verschwamm um eine Nuance, als er den Blick kurz senkte, als wolle er ihrem Blick ausweichen. Ein Blinzeln, ein Atemzug – dann fand er seine Härte wieder.
„Dieser Zorn ist ein Produkt“
, schnaubte er.
„Ich habe ihn lange genug zurückgehalten.“
Er holte tief Luft und stieß sie geräuschvoll wieder aus.
„Sollte stimmen, was du sagst, dann hat mein Vater kein Vertrauen in mich“
Cathal bemühte sich um einen ruhigeren Tonfall, auch wenn der Zorn noch immer in seiner Stimme vibrierte.
Er hörte das feine Rascheln des Stoffes, als Maebh den Kopf schüttelte, immer wieder. Ihre Antwort auf seinen Vorwurf klang irritiert, und für einen Moment fragte er sich, ob er die Gemahlin seines Vaters ernsthaft gekränkt hatte.
„Eine Täuschung von dir wäre leichter zu ertragen als seine Ablehnung“
, gestand er schließlich und fuhr sich mit der Hand über das frisch rasierte Kinn. Die Worte waren ehrlich – und sie ließen ihn ungewohnt verletzlich zurück.
Er glaubte zu spüren, dass Maebh sich ähnlich fühlte. Dass sie nach Worten suchte. Das tiefe Seufzen, das ihrer Brust entwich, und die Stille danach verrieten ihm, dass sie noch nicht geendet hatte. Wer hatte je behauptet, Glück sei für jeden bestimmt? Ihre Worte bewiesen, dass es zumindest nicht in ihren Reihen zu finden war. Es gab Wichtigeres als Glück. Macht, zum Beispiel.
Dass sein Vater gelitten hatte – vielleicht noch immer litt –, war für Cathal schwer vorstellbar und gewiss kein Ziel, das er je verfolgt hätte. Vielleicht hatte er durch den steten Fokus auf sich selbst und die selbstgewählte Isolation jenen empathischen Impuls verloren, der ihm den Blick dafür hätte öffnen können. Doch es fehlte ihm in diesem Moment die Fähigkeit, diesen Umstand zu bedauern. Die Enttäuschung glättete nichts; sie schärfte nur die Kanten seiner Sicht.
„Ihr habt eure Schwierigkeiten gut vor uns verborgen“
, sagte er schließlich ruhiger, nachdenklicher.
„Aber vielleicht sollte er einmal mit seinen Kindern sprechen, um ihre Interessen zu kennen.“
Der Satz klang wie ein Urteil. Endgültig. Und doch wusste Cathal nicht, ob er wirklich wollte, dass es gesprochen wurde.

Als sich ihre warmen, zierlichen Finger um seine Hände schlossen, zog sich etwas in Cathals Brust zusammen – fein und beinahe lautlos. Er spürte, wie sich ihre Position veränderte, eine leichte Berührung an seinem Knie, die ihm neben den leisen Geräuschen verriet, dass die Gemahlin seines Vaters vor ihm niedergekniet war. Cathal schluckte. Ein leiser Widerwille regte sich in ihm, nicht, weil er sie fortschicken wollte, sondern weil er nicht wollte, dass sie kniete. Doch er sagte nichts. Sein Kopf neigte sich leicht nach vorn, während er seine Hände an ihr Gesicht führen ließ.
Zunächst war es befremdlich. Er hatte Maebh noch nie auf diese Weise berührt. Sie war ihm eine große Unbekannte – in Gestalt und Mimik. Er kannte ihre Stimme, ihren Geruch, den Rhythmus ihrer Schritte, doch wie sie aussah, hatte er sich nie vorgestellt. Und er hatte sich auch nie die Mühe gemacht, es herauszufinden.
Seine Daumen strichen über ihre hohen Wangenknochen, tasteten den feuchten Schleier, der auf ihrer Haut lag und ihm verriet, dass sie weinte. Am liebsten hätte er sich selbst hart getadelt und er konnte nicht verhindern, dass es etwas mit ihm machte. Diese Tränen waren es, die den Zorn in ihm widerwillig, zischend zu ersticken drohten. Er hatte sie wirklich getroffen. Wirklich. Seine Lippen zogen sich leicht nach unten, die Augenbrauen schoben sich kritisch zusammen, als würde ihm erst jetzt bewusst, dass es Worte waren, die tiefer schneiden konnten als jede Klinge.
„Ich weiß…“
, sagte er ruhig, weil ihm bewusst war, dass nicht sie es war, die diesen Zorn verdiente. Vielleicht hatte ihn niemand wirklich verdient – auch wenn er ihn irgendwo abladen musste. Dass sein Vater ihn hatte schützen wollen und ihn damit zugleich in seinem Leben beschnitt, hätte Cathal womöglich verstanden, wäre er selbst Vater gewesen. Doch er war es nicht. Er sah nur seine gescheiterten Versuche, Ansprüchen gerecht zu werden, die vor allem seine eigenen waren.
„Die Liebe meiner Mutter hat immer gedroht, mich zu ersticken… Seine ist der ihren ähnlich, wenn nicht sogar schlimmer.“
, brach es schließlich leise aus ihm heraus. Mit der Erinnerung kam auch jene Erleichterung zurück, die sich einst unter die Trauer gemischt hatte. Eine Erleichterung, für die er sich geschämt hatte.
Er hätte weiter über seinen Vater sprechen können, über Verantwortung, über Erwartungen, über all das Ungesagte zwischen ihnen. Doch es waren ihre letzten Worte, die seine Aufmerksamkeit an sich zogen.
„Es ist nicht deine Aufgabe, uns zu befreien“
, sagte er leiser, ernster.
„Ich fürchte, wir würden nicht einmal wissen, wohin wir dann gehen sollten.“
, diesmal zupfte ein vages Schmunzeln an seinen Lippen, während er noch einmal über ihre Wangen strich um die Tränen zu trocknen.
„Und meine sollte es nicht sein, dich zum Weinen zu bringen“
, seufzte er leise. Der Ton war ungewohnt gedämpft, beinahe kleinlaut, und verriet mehr über seinen Ärger auf sich selbst als über die Situation. Seine Unbeherrschtheit lag ihm schwer im Magen. Natürlich konnte es sein, dass sie all das spielte, dass jede Regung Teil einer Rolle war, die sie perfektioniert hatte. Doch in diesem Moment wollte Cathal das nicht glauben. Vielleicht, weil es einfacher war. Vielleicht, weil es schmerzhafter gewesen wäre, ihr nach ihren Worten die Echtheit abzusprechen.
„Es tut mir leid, Maebh. Wie ich mit dir gesprochen habe.“
Seine Daumen lösten sich langsam von ihren Wangenknochen und glitten tastend der klaren Linie ihres Kiefers entlang, vorsichtig, als müsse er jeden Zentimeter neu verhandeln. Die Berührung war sanft, fast prüfend, und er verweilte nicht lange genug, um sie zu etwas zu machen, das zu viel hätte sein können. Ihr Gesicht fühlte sich fein geschnitten an unter seinen Händen, ruhig in seiner Struktur. Es lag etwas Selbstverständliches darin, etwas Aristokratisches, das ihm vertraut vorkam, ohne dass er wusste warum. Vielleicht, weil es ihn an seine Schwestern erinnerte. Vielleicht, weil Schönheit in diesen Mauern immer eine bestimmte Sprache gesprochen hatte – eine, die er kannte, auch ohne sie je gesehen zu haben.
„Ich werde mit ihm sprechen. Aber mach unser Unglück nicht zu deinem – du bist nicht verantwortlich für den schweren emotionalen Seegang dieser Familie.“
Und wenn dies ein unverstellter Blick auf ihr wahres Wesen gewesen war, dann fragte er sich unwillkürlich ob sie tatsächlich zu gut für diese Familie war.
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RE: We will always carry our chains. - von Cathal Fraser - 09-02-2026, 22:10

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