11-02-2026, 23:10 - Wörter:
Cathal hörte Maebh aufmerksam zu. Sein Gesicht blieb ruhig, der konzentrierte Blick ins Leere gerichtet, doch die Anspannung lag weiterhin spürbar in seinem Körper. Es grenzte beinahe an ein Ärgernis, dass sie dem Feuer seines Zorns kein weiteres Zündholz reichte, sondern stattdessen beruhigend auf seinen Verstand einwirkte – mit ihren Worten, mit ihren Berührungen, mit der Selbstverständlichkeit, mit der sie sich ihm stellte, obwohl sie es nicht hätte tun müssen.
Sie hätte gehen können. Einfach gehen. Doch sie tat es nicht. Sie blieb. Obwohl er sich ihr gegenüber unmöglich benahm. Und so egoistisch dieser Gedanke auch war – der Prinz von Kenmara rechnete es ihr an. Dass sie nicht auswich. Dass sie die Konfrontation hielt. Dass sie sich weder kleinmachen ließ noch vor ihm zurückzuckte. Es war, als gäbe es um sie einen unsichtbaren Schutzwall, an dem die Flammen seiner Wut wirkungslos abglitten – wie Feuer an Drachenhaut, das keinen Halt fand.
Ihre Frage ließ seine Lippen zu einem schiefen, selbstironischen Lächeln zucken, doch es erreichte seine Augen nicht. Er schüttelte leicht den Kopf. Nein. Er war egoistisch. Durch und durch. Natürlich sah er zuerst sich selbst. Seine Kränkung. Seinen Anspruch. Seine Enttäuschung. Alles musste sich an ihm messen lassen, als wäre er der Mittelpunkt eines Gefüges, das sich doch nie nach ihm gerichtet hatte.
Ob dieses Verhalten aus dem Gefühl geboren war, übergangen zu werden, übersehen, nicht genug zu sein – oder ob es schlicht Bequemlichkeit war, wusste er nicht. Vielleicht redete er es sich nur schön. Vielleicht war es einfacher, die Welt für hart zu erklären, als sich einzugestehen, dass er selbst härter war, als er es sein wollte. Und vielleicht war er gar kein Opfer der Umstände. Vielleicht war er einfach so.
Als sie Muirín erneut ins Spiel brachte und auf seine Reaktion bei dem ersten gemeinsamen Essen anspielte, legte sich ein widerwilliger Zug um seine Lippen.
Es waren nicht seine Worte, die sie verletzten – sondern der Umstand, dass er selbst insgeheim unter den Umständen litt. Das irritierte den 25-Jährigen mehr, als er zugeben wollte. Er glaubte nicht, dass es gesund war, so empathisch zu sein. Für ihn bedeutete Fürsorge etwas anderes: kein eigenes Leid aufzuladen, es fernzuhalten oder dafür zu sorgen, dass der andere sein Leid selbst in Schach halten konnte. Vielleicht lag das an seinem Geschlecht, vielleicht an der Erziehung – wer wusste das schon.
Zwar sprach er mit Moira über ihre Gefühle, doch seine eigenen definierte er über Gedanken, über ein taktisches Kalkül, das ihn gelegentlich ärgerte, das er aber niemals laut aussprach. Offenkundige Zugeständnisse an Schmerz machten einen verletzlich. Und Verletzlichkeit war etwas, das Cathal sich nicht leisten konnte.
Sie hätte gehen können. Einfach gehen. Doch sie tat es nicht. Sie blieb. Obwohl er sich ihr gegenüber unmöglich benahm. Und so egoistisch dieser Gedanke auch war – der Prinz von Kenmara rechnete es ihr an. Dass sie nicht auswich. Dass sie die Konfrontation hielt. Dass sie sich weder kleinmachen ließ noch vor ihm zurückzuckte. Es war, als gäbe es um sie einen unsichtbaren Schutzwall, an dem die Flammen seiner Wut wirkungslos abglitten – wie Feuer an Drachenhaut, das keinen Halt fand.
Ihre Frage ließ seine Lippen zu einem schiefen, selbstironischen Lächeln zucken, doch es erreichte seine Augen nicht. Er schüttelte leicht den Kopf. Nein. Er war egoistisch. Durch und durch. Natürlich sah er zuerst sich selbst. Seine Kränkung. Seinen Anspruch. Seine Enttäuschung. Alles musste sich an ihm messen lassen, als wäre er der Mittelpunkt eines Gefüges, das sich doch nie nach ihm gerichtet hatte.
Ob dieses Verhalten aus dem Gefühl geboren war, übergangen zu werden, übersehen, nicht genug zu sein – oder ob es schlicht Bequemlichkeit war, wusste er nicht. Vielleicht redete er es sich nur schön. Vielleicht war es einfacher, die Welt für hart zu erklären, als sich einzugestehen, dass er selbst härter war, als er es sein wollte. Und vielleicht war er gar kein Opfer der Umstände. Vielleicht war er einfach so.
„Und wie verarbeitest du deinen Zorn?“
, fragte er stattdessen. Sein Kopf neigte sich leicht zur Seite, eine fast prüfende Geste, als wolle er der Frage zusätzliches Gewicht verleihen. In seiner Stimme lag keine Provokation mehr – eher ein ernsthaftes Interesse. Vielleicht sogar der vorsichtige Versuch, etwas zu verstehen, das ihm selbst entglitt.Als sie Muirín erneut ins Spiel brachte und auf seine Reaktion bei dem ersten gemeinsamen Essen anspielte, legte sich ein widerwilliger Zug um seine Lippen.
„Mir missfiel, wie sie mit dir gesprochen hat“
, schnaubte er, als müsse das genügen. Als sei es Rechtfertigung genug. „Auch wenn das in offenem Widerspruch dazu steht, wie ich selbst mit dir umgehe.“
Seine Stimme senkte sich zu einem rauen Unterton, der weniger Zorn als Selbstkritik trug. Er nannte Maebh nicht Mutter – und würde es wohl niemals tun. Doch sie gehörte zu seiner Familie. Zu diesem kleinen, eng umrissenen Kreis von Menschen, für die er sich verantwortlich fühlte, ob er wollte oder nicht. „Falls es dich beruhigt – ich habe mich danach bei ihr entschuldigt.“
Und sie sich bei ihm. Ob Muirín auch Maebh gegenüber Abbitte geleistet hatte, wusste er nicht. Es spielte in diesem Moment keine Rolle. „Diese alten Strukturen sind das eigentliche Problem“
, fuhr er fort. „Aber sie bestehen fort, weil niemand den Mut hat, sich gegen sie zu stellen. Und weil sie funktionieren.“
Er atmete tief ein und ließ den Kopf für einen Moment in den Nacken sinken – eine Geste zwischen Erschöpfung und stiller Resignation.Es waren nicht seine Worte, die sie verletzten – sondern der Umstand, dass er selbst insgeheim unter den Umständen litt. Das irritierte den 25-Jährigen mehr, als er zugeben wollte. Er glaubte nicht, dass es gesund war, so empathisch zu sein. Für ihn bedeutete Fürsorge etwas anderes: kein eigenes Leid aufzuladen, es fernzuhalten oder dafür zu sorgen, dass der andere sein Leid selbst in Schach halten konnte. Vielleicht lag das an seinem Geschlecht, vielleicht an der Erziehung – wer wusste das schon.
Zwar sprach er mit Moira über ihre Gefühle, doch seine eigenen definierte er über Gedanken, über ein taktisches Kalkül, das ihn gelegentlich ärgerte, das er aber niemals laut aussprach. Offenkundige Zugeständnisse an Schmerz machten einen verletzlich. Und Verletzlichkeit war etwas, das Cathal sich nicht leisten konnte.
„Du kannst mir bei Gelegenheit erklären, wie du die Welt siehst. Vielleicht lerne ich dabei ja noch etwas…“
, erwiderte er auf ihren Wunsch, merklich besänftigt im Vergleich zu zuvor. Seine Augen schlossen sich einen Atemzug zu lang, während er ihre Finger und Lippen spürte und den Moment aufnahm. „Und vielleicht werden wir mit der Zeit ja… Vertraute.“
Er kam ihr entgegen und stand nun ebenfalls auf. Mehr konnte er ihr gerade nicht geben – nicht im Moment. Und doch glaubte er, dass das genug war. „Man vergisst leicht, wenn man nirgendwo fremd in seinem Leben war, wie schwer es für andere sein muss, die es einmal sind“
, fuhr er fort. Am Anfang hatte Maebh vermutlich niemanden hier gehabt, dem sie sich anvertrauen konnte. Ob sie mit ihren Dienerinnen wie mit Freundinnen sprach, wusste er nicht. Ähnlich musste es seiner zukünftigen Gemahlin ergehen. „Ich schulde dir mehr, als diese Chance.“
Schließlich nickte der Fürstensohn und fuhr sich über den Stoff seiner Kleidung. „Mich würde interessieren, was deine Stiefmutter dir angetan hat – ich weiß nur nicht, wie förderlich dieses Wissen vor dem gemeinsamen Essen ist. Darum entschuldige, wenn ich später in einem ruhigeren Moment darauf zurückkomme…“
Er spürte das vertraute Kribbeln in seiner Brust, die Unruhe, die immer dann aufstieg, wenn es um den Schutz seiner Familie ging. Der Impuls, alles selbst zu regeln, jeden Schaden abzuwehren, pochte gegen seinen Verstand an. Heute jedoch wollte er ihn zügeln, den Zorn zurückhalten, den Drang, sofort einzugreifen. Heute wollte er sich von seiner besseren Seite zeigen – zumindest so gut es ging. Ein schmaler Grat zwischen Selbstbeherrschung und Ehrlichkeit, auf dem er vorsichtig balancierte. Und je länger er darüber nachdachte, desto deutlicher spürte er, dass diese kleine Entscheidung, sich zurückzunehmen, mehr Mut erforderte, als jedes schnelle Handeln je gekostet hätte.
