14-02-2026, 11:01
Ihre plötzliche Nähe war berauschend und doch ließ das Geständnis, das zwischen ihnen in der kalten Nacht hing, ihn für den Bruchteil eines Atemzugs erstarren. Ihre Hand auf seiner Brust brannte durch den Stoff seines Hemds durch. Der kaum spürbare Hauch ihres Atems streifte seine Haut, warm in der kühlen Abendluft. Erst jetzt begriff er, wie sehr ihm das gefehlt hatte. Wie sehr sie ihm gefehlt hatte.
Wochenlang suchte er nach ihr. Er nahm Wege, die selbst seine Krieger mieden, fragte in abgelegenen Gasthäusern nach ihr. Jede Spur verlief im Nichts. Auch Helvi zeigte mehr Unruhe, als sie eingestand. Mit verschränkten Armen stand sie vor ihm, der Blick streng wie immer. Doch ein kaum merkliches Zittern lag in ihrer Stimme, als sie ihn bat, nach Sanna Ausschau zu halten. Nun stand sie einfach hier vor ihm. So nah, dass er das feine Zittern in ihrer Stimme noch hören konnte, obwohl sie längst verstummt war. Im Grunde seines Herzens - in jenem Teil, den er sonst sorgsam verschloss - wollte er sie nicht wieder gehen lassen. Wollte die Hand an ihrer einfach fester schließen, wollte einen Schritt nähertreten, bis zwischen ihnen kein Raum mehr blieb für Abschied oder Vernunft. Doch genau das durfte er nicht. Sie war nicht seinetwegen gekommen. Nicht wegen der unausgesprochenen Dinge, die wie Frost zwischen ihnen lagen und dennoch brannten. Sie war wegen Leif hier und wegen ihrer Tochter. Das Geheimnis, das sie ihm anvertraut hatte, lag schwerer auf ihm als jede Rüstung. Valda war nicht nur ein uneheliches Kind, sie war die Tochter des Thronfolgers. Blut von königlichem Blut. Verwundbar, ein Flüstern entfernt von einem Todesurteil, sollte es an die falschen Ohren dringen. Mit einem Mal ergab alles einen bitteren Sinn. Sannas plötzliches Verschwinden. Die Risiken, die sie auf sich genommen hatte, als hätte sie nichts mehr zu verlieren. Er hatte geglaubt, sie sei geflohen, vor ihm vielleicht, vor dem Winterland, vor Gefühlen, die unbequem waren. Doch sie war gegangen, weil sie Valda beschützen wollte und zwar mit der mütterlichen Überzeugung, die ihn zugleich traf und beschämte.
Veith spürte, wie sich sein Kiefer anspannte. Nicht aus Zorn auf sie, sondern auf die Welt, die sie in diese Lage gezwungen hatte. Auf eine Krone, die selbst in der Ferne noch nach unschuldigem Leben griff. Sein Blick wirkte plötzlich anders, weicher vielleicht, als hätte er plötzlich begriffen, weshalb Sanna fortgegangen war. Langsam, beinahe zögernd, strich sein Blick zu ihrer Hand hinab, die noch immer auf seiner Brust ruhte. Seine Finger hoben sich und berührten sie flüchtig, nur eine Spur von Wärme, ein kaum wahrnehmbares Entlanggleiten über ihre Knöchel. Für diesen einen Herzschlag war alles wieder wie damals. Wie draußen im Hinterhof vor Helvis Haus, wo der Wind zwischen den Mauern gefangen war und die Welt sich kleiner anfühlte, überschaubarer. Wo ihre Stimmen sich verloren hatten, kaum mehr als ein Hauch zwischen den Mauern und jede noch so flüchtige Berührung sich intensiv anfühlte. Es war, als hätte die Zeit einen Fehler gemacht. Als wäre Sanna nie wirklich fort gewesen. Als hätten sich die Wochen dazwischen einfach aufgelöst wie Atem in kalter Luft. Doch der Irrtum hielt nicht lange.
Der Geruch von Rauch und Eisen lag noch immer in der Nacht. Hinter ihnen klirrte Metall, ein Pferd stampfte unruhig. Der Krieg wartete nicht auf vergangene Augenblicke und zwischen ihnen stand nun mehr als unausgesprochene Gefühle. Da war Valda und Leif und eine Gefahr, die größer war als sie beide. „Sie ist also in Sicherheit.“ Es war mehr eine Feststellung als eine Frage, denn er kannte die besagte Freundin nicht, doch wenn Sanna ihr vertraute, dann musste sie zuverlässig sein. Als sie sich von ihm löste, war es, als würde ihm etwas entgleiten, das er kaum gewagt hatte zu berühren. Ihre Finger glitten von seiner Brust, langsam, beinahe widerwillig und er spürte jede einzelne Bewegung. Die kühlere Nachtluft trat sofort an die Stelle, an der eben noch ihre Wärme gewesen war. Es war ein schlichter Schritt, kaum mehr als ein Atemzug Abstand zwischen ihnen und doch fühlte es sich an, als hätte sie eine unsichtbare Linie überschritten, die er nicht zurückholen konnte.
„Ich bringe dich zu ihm“, erwiderte er schließlich. Seine Stimme war wieder gefasst und klar, als hätte er die Unruhe zwischen ihnen sorgfältig beiseitegeschoben. Ohne weitere Worte setzte er sich in Bewegung und bedeutete ihr mit einer knappen Geste, ihm zu folgen. Gemeinsam traten sie zwischen die ersten Zelte. Der Boden war vom vielen Kommen und Gehen festgetreten, hier und da glänzte feuchte Erde im Schein der Feuer. Rauch zog in flachen Schwaden zwischen den Reihen hindurch. Als sie an den ersten Feuerstellen vorbeigingen, hoben sich die Blicke. Es geschah nicht auffällig. Kein offenes Starren, keine unbedachten Worte, doch Veith bemerkte es, das kurze Innehalten einer Bewegung, das winzige Zögern, wenn ein Krieger Sanna entdeckte. Neugier lag in diesen Blicken und manchmal mehr als das. Veith veränderte kaum merklich seine Haltung. Er ging nicht schneller oder langsamer, aber er rückte eine Spur näher an ihre Seite, sodass jeder, der hinsah, verstand, dass sie unter seinem Schutz stand. „Wo bist du untergekommen hier im Frühlingsland?“ fragte er nach einigen Schritten, der Ton sachlicher als er es wollte.
Wochenlang suchte er nach ihr. Er nahm Wege, die selbst seine Krieger mieden, fragte in abgelegenen Gasthäusern nach ihr. Jede Spur verlief im Nichts. Auch Helvi zeigte mehr Unruhe, als sie eingestand. Mit verschränkten Armen stand sie vor ihm, der Blick streng wie immer. Doch ein kaum merkliches Zittern lag in ihrer Stimme, als sie ihn bat, nach Sanna Ausschau zu halten. Nun stand sie einfach hier vor ihm. So nah, dass er das feine Zittern in ihrer Stimme noch hören konnte, obwohl sie längst verstummt war. Im Grunde seines Herzens - in jenem Teil, den er sonst sorgsam verschloss - wollte er sie nicht wieder gehen lassen. Wollte die Hand an ihrer einfach fester schließen, wollte einen Schritt nähertreten, bis zwischen ihnen kein Raum mehr blieb für Abschied oder Vernunft. Doch genau das durfte er nicht. Sie war nicht seinetwegen gekommen. Nicht wegen der unausgesprochenen Dinge, die wie Frost zwischen ihnen lagen und dennoch brannten. Sie war wegen Leif hier und wegen ihrer Tochter. Das Geheimnis, das sie ihm anvertraut hatte, lag schwerer auf ihm als jede Rüstung. Valda war nicht nur ein uneheliches Kind, sie war die Tochter des Thronfolgers. Blut von königlichem Blut. Verwundbar, ein Flüstern entfernt von einem Todesurteil, sollte es an die falschen Ohren dringen. Mit einem Mal ergab alles einen bitteren Sinn. Sannas plötzliches Verschwinden. Die Risiken, die sie auf sich genommen hatte, als hätte sie nichts mehr zu verlieren. Er hatte geglaubt, sie sei geflohen, vor ihm vielleicht, vor dem Winterland, vor Gefühlen, die unbequem waren. Doch sie war gegangen, weil sie Valda beschützen wollte und zwar mit der mütterlichen Überzeugung, die ihn zugleich traf und beschämte.
Veith spürte, wie sich sein Kiefer anspannte. Nicht aus Zorn auf sie, sondern auf die Welt, die sie in diese Lage gezwungen hatte. Auf eine Krone, die selbst in der Ferne noch nach unschuldigem Leben griff. Sein Blick wirkte plötzlich anders, weicher vielleicht, als hätte er plötzlich begriffen, weshalb Sanna fortgegangen war. Langsam, beinahe zögernd, strich sein Blick zu ihrer Hand hinab, die noch immer auf seiner Brust ruhte. Seine Finger hoben sich und berührten sie flüchtig, nur eine Spur von Wärme, ein kaum wahrnehmbares Entlanggleiten über ihre Knöchel. Für diesen einen Herzschlag war alles wieder wie damals. Wie draußen im Hinterhof vor Helvis Haus, wo der Wind zwischen den Mauern gefangen war und die Welt sich kleiner anfühlte, überschaubarer. Wo ihre Stimmen sich verloren hatten, kaum mehr als ein Hauch zwischen den Mauern und jede noch so flüchtige Berührung sich intensiv anfühlte. Es war, als hätte die Zeit einen Fehler gemacht. Als wäre Sanna nie wirklich fort gewesen. Als hätten sich die Wochen dazwischen einfach aufgelöst wie Atem in kalter Luft. Doch der Irrtum hielt nicht lange.
Der Geruch von Rauch und Eisen lag noch immer in der Nacht. Hinter ihnen klirrte Metall, ein Pferd stampfte unruhig. Der Krieg wartete nicht auf vergangene Augenblicke und zwischen ihnen stand nun mehr als unausgesprochene Gefühle. Da war Valda und Leif und eine Gefahr, die größer war als sie beide. „Sie ist also in Sicherheit.“ Es war mehr eine Feststellung als eine Frage, denn er kannte die besagte Freundin nicht, doch wenn Sanna ihr vertraute, dann musste sie zuverlässig sein. Als sie sich von ihm löste, war es, als würde ihm etwas entgleiten, das er kaum gewagt hatte zu berühren. Ihre Finger glitten von seiner Brust, langsam, beinahe widerwillig und er spürte jede einzelne Bewegung. Die kühlere Nachtluft trat sofort an die Stelle, an der eben noch ihre Wärme gewesen war. Es war ein schlichter Schritt, kaum mehr als ein Atemzug Abstand zwischen ihnen und doch fühlte es sich an, als hätte sie eine unsichtbare Linie überschritten, die er nicht zurückholen konnte.
„Ich bringe dich zu ihm“, erwiderte er schließlich. Seine Stimme war wieder gefasst und klar, als hätte er die Unruhe zwischen ihnen sorgfältig beiseitegeschoben. Ohne weitere Worte setzte er sich in Bewegung und bedeutete ihr mit einer knappen Geste, ihm zu folgen. Gemeinsam traten sie zwischen die ersten Zelte. Der Boden war vom vielen Kommen und Gehen festgetreten, hier und da glänzte feuchte Erde im Schein der Feuer. Rauch zog in flachen Schwaden zwischen den Reihen hindurch. Als sie an den ersten Feuerstellen vorbeigingen, hoben sich die Blicke. Es geschah nicht auffällig. Kein offenes Starren, keine unbedachten Worte, doch Veith bemerkte es, das kurze Innehalten einer Bewegung, das winzige Zögern, wenn ein Krieger Sanna entdeckte. Neugier lag in diesen Blicken und manchmal mehr als das. Veith veränderte kaum merklich seine Haltung. Er ging nicht schneller oder langsamer, aber er rückte eine Spur näher an ihre Seite, sodass jeder, der hinsah, verstand, dass sie unter seinem Schutz stand. „Wo bist du untergekommen hier im Frühlingsland?“ fragte er nach einigen Schritten, der Ton sachlicher als er es wollte.