15-02-2026, 07:09 - Wörter:
Er war gut. Die Art, wie er mit ihr redete, hatte wenig von der pikanten Direktheit am Strand gemein, die ihr teilweise schon übergriffig erschienen war. Er hielt Gespräche am Laufen genau so, dass sie interessant und spannend waren, die Hälfte der Aussagen zwischen den Worten verborgen, dass Aurelia sich dabei erwischte, wie sie danach suchte - in seinem Blick, in den Pausen, in seinem Auftreten. Was sie allerdings am meisten darüber aufregte, war, dass er sie bestimmte Dinge fühlen ließ; mit Komplimenten, mit Blicken, mit seiner gesamten selbstsicheren Art. Sie war doch verrückt, diesem Fremden eine Chance einzuräumen. Verrückt dafür, dass sie sich tatsächlich geschmeichelt fühlte, als er sie klug nannte, weil es ehrlich und aufrichtig klang, und sie sich beizeiten auch einfach gerne in mehr als nur ihrem Aussehen bestätigt fühlte. Wie verrückt musste sie erst sein, ihm anzubieten, sie zu begleiten - und womöglich noch länger zu bleiben?
Aber nicht heute. Im Endeffekt endeten ihre Abenteuer doch nie in einem langfristigen Versprechen von beiden Seiten aus und sie war nicht dumm genug, den Zorn ihres Vaters auf sich zu ziehen, der ohnehin schon viel zu oft ein Auge für sie zudrückte. Wenn sie nach ihrer Schicht verschwand, fragte er schon gar nicht mehr. Aber wenn sie gar nicht erst zu ihrer Schicht erschien, würden morgen die Putzlappen fliegen.
Selbiges ließ sich über seinen Unmut behaupten, wenn er bemerkte, dass einer der Gäste auffälliges Interesse an einer seiner Töchter zeigte. Schlimmer noch, sie hatten Stammgäste, die Aurelia und Lydia mit ihrem Augapfel hüteten, wohl bewusst, dass es am Hafen wild und schamlos zugehen konnte. Da musste sie nicht auch noch jemanden einladen, der im schlimmsten Fall mit einem blauen Auge und einer gebrochenen Nase aus der Taverne geworfen werden würde; was sein schönes Gesicht zugegeben doch ziemlich entstellen würde.
Verfluchte, stattliche, gutaussehende Männer. Konnte Heofader sich nicht mal weniger Mühe bei seinen Prachtexemplaren geben?
Nicht hörbar, doch deutlich stieß die Wirtstochter die Luft aus.
“Tut Ihr das gerne? Töchter dazu bringen, sich den Anweisungen ihrer Väter zu widersetzen?”
Aurelias Blick ruhte länger, fast forschend auf ihrem Gesprächspartner, als würde sie versuchen, ihn einzuschätzen. Eigentlich kannte sie diese Art von Männern zur Genüge, und oft genug war sie auf solche hineingefallen. Leider zeugte ihre Geschichte nur davon, dass sie solchen Entscheidungen nicht ganz abgeneigt war… je dümmer, desto besser vermutlich.Aber nicht heute. Im Endeffekt endeten ihre Abenteuer doch nie in einem langfristigen Versprechen von beiden Seiten aus und sie war nicht dumm genug, den Zorn ihres Vaters auf sich zu ziehen, der ohnehin schon viel zu oft ein Auge für sie zudrückte. Wenn sie nach ihrer Schicht verschwand, fragte er schon gar nicht mehr. Aber wenn sie gar nicht erst zu ihrer Schicht erschien, würden morgen die Putzlappen fliegen.
Selbiges ließ sich über seinen Unmut behaupten, wenn er bemerkte, dass einer der Gäste auffälliges Interesse an einer seiner Töchter zeigte. Schlimmer noch, sie hatten Stammgäste, die Aurelia und Lydia mit ihrem Augapfel hüteten, wohl bewusst, dass es am Hafen wild und schamlos zugehen konnte. Da musste sie nicht auch noch jemanden einladen, der im schlimmsten Fall mit einem blauen Auge und einer gebrochenen Nase aus der Taverne geworfen werden würde; was sein schönes Gesicht zugegeben doch ziemlich entstellen würde.
“Ach”
, kommentierte sie trocken auf seine Einschätzung und war mild überrascht, dass er das Problem immerhin selbst erkannte. Das darauf folgende Angebot ließ sie überlegen. Während sie neben ihm herlief, lag ihr Blick wieder auf der Straße, innerlich abwägend, ob sie sich darauf einlassen sollte. Ach, was machte sie sich überhaupt vor. Sie hatte sich doch schon entschieden, als ihr Braun zum ersten Mal länger auf ihm geruht hatte.Verfluchte, stattliche, gutaussehende Männer. Konnte Heofader sich nicht mal weniger Mühe bei seinen Prachtexemplaren geben?
Nicht hörbar, doch deutlich stieß die Wirtstochter die Luft aus.
“Hier in Castandor ist es extrem unhöflich, eine Frau nach einem Treffen zu fragen, ohne sich mit Namen vorgestellt zu haben.”
Ein tadelnder Seitenblick in seine Richtung zeigte endlich den Unmut, den sie seit dem Strand mit sich getragen hatte. Ließ sie sich wirklich auf jemanden ein, der keine Manieren hatte? Sie glaubte sich ja selbst kaum. “Zweite Morgenstunde, vor der Hafenministration. Ich will nicht, dass man dich in der Nähe der Taverne sieht.”
Auch zu deinem Schutz, sprach sie nicht aus. Wenn er wirklich bereits Erfahrung damit gemacht hatte, Töchter dazu zu bringen, sich ihren Vätern zu widersetzen, dann wusste er ohnehin, dass er besser darin beraten war, sich nicht in der Nähe des Vaters blicken zu lassen. “Ich erwarte ein Tavernenzimmer und guten Wein. Die Karten nehme ich mit.”
Mit den Worten blieb sie stehen und wandte sich ihm zu, die Nase ein wenig gehoben in schnippischem Stolz. “Aurelia. Komm nicht zu spät.”
Sie standen an einer Wegkreuzung und Aurelia hatte nicht vor, ihn weiter mitzunehmen - auch wenn er es vorhin angeboten hatte. Bis hierhin. Wenn sie sich später ohnehin sehen würden, konnte sein Männerego es sicherlich verkraften, dass sich ihre Wege hier - vorerst - trennten. 

