16-02-2026, 07:35
Die Welt war laut, von Kräften getrieben, die kein Mensch wirklich nachvollziehen konnte, doch hier oben kam nie etwas davon an. Man hörte den Marktschreier entfernt und Stimmen von Kindern, die spielten, Frauen, die um ihre Lebensmittel warben. Die streitende Waschfrau mit der Schwiegermutter am anderen Ende der Gasse. Eine Bewegung im Augenwinkel von Laken, die abgehängt wurden auf dem Flachdach zwei Ecken weiter. Maulende Katzen, die ihr Revier verteidigten. Ein schreiendes Baby.
Doch all der Lärm spielte hier oben keine Rolle. Getragen und verdünnt von warmer Luft blieb nur ein Schleier übrig, durch den die Welt losgelöst wirkte, als würde man sie von einem Aussichtspunkt betrachten und überlegen, ob es wert war, ein Teil von ihr zu sein. Welche Kräfte auch immer die Welt bewegten, sie hatten hier keine Bedeutung. Eine Rückzugsmöglichkeit. Ein Zuhause.
Hätte Devan diesen Ruhepol nicht, wer weiß, ob er seine Berufung lange hätte ausüben können, ohne irgendwann aus dem inneren Gleichgewicht zu kommen.
Ebenso wollte er, dass seine Schüler an diesem Ort eine Ruhe fanden, die in dem Chaos der Hauptstadt längst keine Selbstverständlichkeit war. Auf den Straßen, laut und bunt, ging es um das nackte Überleben. Schwächere - Kinder ohne ein Auffangnetz - wurden unter den Teppich gekehrt und mussten zusehen, wie sie über den nächsten Tag kamen. Es war eine bittere Realität, die er selbst nicht überlebt hatte in Jahren, die so weit zurück lagen, dass sie sich anfühlten wie ein anderes Leben. Eine Realität, die seinen Schülern bewusst war, weil sie einen Teil von sich selbst auf den Straßen gelassen hatten. Weil sie ständig aufs Neue hindurch schritten und sich immer wieder damit konfrontieren mussten, dass Armut - selbst durchlebt oder nur am Rande des peripheren Sichtfeldes - ein Teil ihres Lebens war. Weil sie teilweise selbst dafür verantwortlich waren, wenn sie Aufträge annahmen und sich bildeten in Techniken, die das Töten verienfachten; und weil sie mit dem Tod des Königs vielleicht etwas bewegt hatten, was die Münze auf der Straße ausbalancieren würde.
Dass Zariyah sich dieser Ruhe bediente, erfüllte Devan mit einer ruhigen Zufriedenheit, die er nur jemandem gegenüber empfand, dessen Leben er in seine Verantwortung zählte. Er wusste nicht, woher das kam. Als er das Mädchen zu seiner Schülerin gemacht hatte, dann nur, weil er etwas in ihr gesehen hatte, das ihn an sich selbst erinnert hatte. Der Schatten, der sie verfolgte, war der Gleiche gewesen, in den er auf der Straße geschlüpft war, ohne zu wissen, wie man ihn wieder ablegte. Vielleicht, weil er so viel von dem Jungen in ihr gesehen hatte, der sich damals ohne Angst an die Fersen von Rabia geheftet hatte, hatte er ihr beibringen wollen, wie man den Schatten nutzte. Und nun, wo er sie mehr als das gelehrt hatte, merkte er, dass sie ein Teil von seinem Schatten geworden war.
Ruhig lag sein Blick auf ihrer Silhouette, nachdem sie das Schweigen gebrochen hatte mit einem trockenen Kommentar, der ihn nach all den Jahren weder überraschte noch unvorbereitet traf. Genauso wenig lachte er darüber. Dünne Falten zeichneten die Partie um seine Augenwinkel, als sich das Licht der untergehenden Sonne in seinen Augen fing und seine Haut in dunkles Gold tauchte. Die Kernschale für einen Moment zwischen zwei Fingern reibend, ließ er sie schließlich zurück in die Schale fallen und wandte seinen Blick ab, über die Dächer zum Horizont, den die Sonne rot färbte.
Doch all der Lärm spielte hier oben keine Rolle. Getragen und verdünnt von warmer Luft blieb nur ein Schleier übrig, durch den die Welt losgelöst wirkte, als würde man sie von einem Aussichtspunkt betrachten und überlegen, ob es wert war, ein Teil von ihr zu sein. Welche Kräfte auch immer die Welt bewegten, sie hatten hier keine Bedeutung. Eine Rückzugsmöglichkeit. Ein Zuhause.
Hätte Devan diesen Ruhepol nicht, wer weiß, ob er seine Berufung lange hätte ausüben können, ohne irgendwann aus dem inneren Gleichgewicht zu kommen.
Ebenso wollte er, dass seine Schüler an diesem Ort eine Ruhe fanden, die in dem Chaos der Hauptstadt längst keine Selbstverständlichkeit war. Auf den Straßen, laut und bunt, ging es um das nackte Überleben. Schwächere - Kinder ohne ein Auffangnetz - wurden unter den Teppich gekehrt und mussten zusehen, wie sie über den nächsten Tag kamen. Es war eine bittere Realität, die er selbst nicht überlebt hatte in Jahren, die so weit zurück lagen, dass sie sich anfühlten wie ein anderes Leben. Eine Realität, die seinen Schülern bewusst war, weil sie einen Teil von sich selbst auf den Straßen gelassen hatten. Weil sie ständig aufs Neue hindurch schritten und sich immer wieder damit konfrontieren mussten, dass Armut - selbst durchlebt oder nur am Rande des peripheren Sichtfeldes - ein Teil ihres Lebens war. Weil sie teilweise selbst dafür verantwortlich waren, wenn sie Aufträge annahmen und sich bildeten in Techniken, die das Töten verienfachten; und weil sie mit dem Tod des Königs vielleicht etwas bewegt hatten, was die Münze auf der Straße ausbalancieren würde.
Dass Zariyah sich dieser Ruhe bediente, erfüllte Devan mit einer ruhigen Zufriedenheit, die er nur jemandem gegenüber empfand, dessen Leben er in seine Verantwortung zählte. Er wusste nicht, woher das kam. Als er das Mädchen zu seiner Schülerin gemacht hatte, dann nur, weil er etwas in ihr gesehen hatte, das ihn an sich selbst erinnert hatte. Der Schatten, der sie verfolgte, war der Gleiche gewesen, in den er auf der Straße geschlüpft war, ohne zu wissen, wie man ihn wieder ablegte. Vielleicht, weil er so viel von dem Jungen in ihr gesehen hatte, der sich damals ohne Angst an die Fersen von Rabia geheftet hatte, hatte er ihr beibringen wollen, wie man den Schatten nutzte. Und nun, wo er sie mehr als das gelehrt hatte, merkte er, dass sie ein Teil von seinem Schatten geworden war.
Ruhig lag sein Blick auf ihrer Silhouette, nachdem sie das Schweigen gebrochen hatte mit einem trockenen Kommentar, der ihn nach all den Jahren weder überraschte noch unvorbereitet traf. Genauso wenig lachte er darüber. Dünne Falten zeichneten die Partie um seine Augenwinkel, als sich das Licht der untergehenden Sonne in seinen Augen fing und seine Haut in dunkles Gold tauchte. Die Kernschale für einen Moment zwischen zwei Fingern reibend, ließ er sie schließlich zurück in die Schale fallen und wandte seinen Blick ab, über die Dächer zum Horizont, den die Sonne rot färbte.
“Das Wetter ist gut.”
Sie fragte nicht, er antwortete nicht. Es war eine einfache Feststellung, so vom Alltäglichen getrieben, dass man sich wundern konnte, ob hier oben wirklich die Assassinen saßen, die einen König auf dem Gewissen hatten. Gleichzeitig sprach es den Heilungsprozess von Devan an; heute war er erholt genug, um aufs Dach zu gehen und sich von den letzten Sonnenstrahlen wärmen zu lassen. “Wie geht es deinen Wunden?”
, fragte er schließlich, ohne sie erneut anzusehen. Er gab den Worten keine extra Bedeutung, ließ stattdessen die Routine nach einem gewöhnlichen Auftrag sprechen - auch wenn er sich nach mehr erkundigte als nur ihren körperlichen Wunden.