20-02-2026, 19:05 - Wörter:
Mira strahlte eine seltsame Ruhe aus, die Rowan zum einen stutzig machte, aber auch irgendwie beeindruckte. Man hätte meinen können eine junge Frau wie sie wäre bei so einer Reise voll Aufregung und vielleicht so etwas wie Nervosität gewesen - so wie er sie zuvor ein wenig bei Freyja gespürt hatte. Aber dem war nicht so. Wenn er der reißende Fluss war, der sich mit Stiefeln und Schwert einen Weg durch das Gelände suche - wenn es sein musste auch mit Gewalt - so war sie der stille Windhauch, der durch die Blätter wehte und unter dem sich selbst der standhafteste Baum verneigte. Ob sie auch aufbrausend sein konnte? Der Söldner vermochte es nicht zu sagen, denn schließlich kannten sie sich wenig bis gar nicht und ihre Reise dauerte noch nicht besonders lange an. Es kribbelte ihn jedoch in den Fingerspitzen zu erfahren, was außer dieser alten Seele noch in der Rothaarigen schlummern mochte. Wenn seine Menschenkenntnis ihn jedoch nicht vollkommen täuschte, so war er sich sicher, dass sie schon mehr erlebt hatte in ihrem kurzen Leben als sie aussprach. Der Dunkelhaarige erkannte es an dem unwillkürlichen Anspannen ihrer Schultern und dem kurzen Innehalten, das einem weniger aufmerksamen Beobachter vielleicht gar nicht aufgefallen wäre.
Auf ihre Aussage zu den Geschichten hin nickte er, rieb sich dann etwas verlegen wie ein Schuljunge den Hinterkopf. "Bei manchen Geschichten wäre es mir lieber, wenn sie ganz schnell in Vergessenheit geraten..." Er verzog den Mund und dachte dabei an so manches Ereignis, bei dem er sich nicht mit Ruhm bekleckert hatte - eine Übernachtung im Schweinetrog inklusive, nachdem sein Kameraden ihn zum Abschluss seiner Ausbildung so sehr mit Schnaps abgefüllt hatten, dass er nicht mehr gewusst hatte wo er war, geschweige denn wie er überhaupt hieß. Seither rührte er das scharfe Zeug nicht mehr an, trank nur aus Genuss den einen oder anderen Kelch Wein in geselliger Runde.
Kurz blinzelte er, als sie ihm hinsichtlich des Vergleiches mit einer Söldnerin widersprach. "Ich wollte Euch damit nicht kränken. Auf keine Weise." Seine Augenbrauen zogen sich zusammen. In Sachen Konversation mit Frauen hatte er wohl noch einiges an Nachhilfestunden nötig. Nur, wer hätte ihm die geben können? Seinen Cousin Cathal schätzte er in der Hinsicht fast schon genauso unbeholfen ein wie sich selbst, auch wenn der ihm durch seine Verpflichtungen zumindest in Sachen Etikette ziemlich sicher einiges voraus hatte. Rowan aber? Der umgab sich eben die meiste Zeit mit seiner Truppe und an guten Tagen vielleicht noch mit der einen oder anderen Schankmagd in den Tavernen, von denen viele oft in der Hoffnung auf eine oder zwei Münzen mehr leicht zu beeindrucken waren. Zumindest taten sie so. Und er hatte sich bisher keine Gedanken darum gemacht, schließlich wartete auf ihn nichts. Er hatte keinerlei Ländereien, keine Zukunft mit Sesshaftigkeit, die er einer Frau bieten könnte. Darum nahm er eben was er kriegen konnte - niemals mit Gewalt und immer nur in beidseitigem Einvernehmen. Sei es nun ein Lächeln oder ein geteiltes Lager für eine Nacht - schon früh hatte er gelernt, dass er im Moment leben musste und die schönen Seiten des Lebens genießen, wenn sie ihn sich boten. Grau wurden die Tage ohnehin von selbst wieder und das viel zu schnell, das hatte oftmals am eigenen Leib erfahren müssen. Also blieb einen Moment stumm, legte sich seine Worte zurecht, ehe ihm die Frage dann doch über die Lippen kam. "Musstet Ihr euch in der Vergangenheit sehr oft alleine durchkämpfen?" Er sprach nicht aufdringlich, stellte sich auf Verschlossenheit ein, aber in seiner Stimme lag ein sanfter Ton. Als Kind hatte er gelernt was Einsamkeit bedeutete, selbst wenn er von seiner Familie umgeben gewesen war. Wichtig war immer nur Tamlin gewesen, der Stolz des Vaters, der Erbhalter. Und ja, es hatte Momente gegeben, da hatte Rowan seinen Bruder aufs tiefste verachtet, während dieser ihn einfach nur mit kühler Gleichgültigkeit gestraft hatte, als wäre er ein lästiger Klotz an seinem Bein. Erst als er zum Krieger ausgebildet worden war, hatte er das Gefühl gehabt, seinen Platz in der Welt gefunden zu haben.
Rowan räusperte sich leise, während er die Axt etwas fester um den Griff fasste, sie dann aber wieder lockerer ließ, Spannung aus den Fingergliedern und den Knöcheln weichend. Er erwiderte Miras Blick, trat dann ruhig an sie heran und hielt ihr die Axt mit dem Stiel voran entgegen, während sich der scharfschneidige Kopf in seiner Hand befand, darauf achtend, dass er sich nicht daran verletzte. "Ausreichend genügt mir, das ist ausbaufähig." Er wartete bis sie die Waffe, die ihnen nun als Werkzeug dienen würde, an sich genommen hatte und begutachtete den Ast, den sie zuvor noch berührt hatte. "Das Holz hier hat die richtige Konsistenz. Schlagt es am besten nahe am Stamm ab. Nahe, aber nicht ZU nahe. Oft ist der Auswuchs knorrig und der Stahl dringt nicht gut durch die Struktur." Mit der Fingerspitze fuhr er demonstrativ an die dickere Stelle des Astes, wo dieser aus dem Stamm spross. "Der erste Schlag zeigt Euch auch gleich deutlich, ob das Holz fürs Feuer etwas taugt. Wenn es zu feucht ist, enden wir wie ein gut abgehangenes Stück Speck: Ziemlich rauchig."
Auf ihre Aussage zu den Geschichten hin nickte er, rieb sich dann etwas verlegen wie ein Schuljunge den Hinterkopf. "Bei manchen Geschichten wäre es mir lieber, wenn sie ganz schnell in Vergessenheit geraten..." Er verzog den Mund und dachte dabei an so manches Ereignis, bei dem er sich nicht mit Ruhm bekleckert hatte - eine Übernachtung im Schweinetrog inklusive, nachdem sein Kameraden ihn zum Abschluss seiner Ausbildung so sehr mit Schnaps abgefüllt hatten, dass er nicht mehr gewusst hatte wo er war, geschweige denn wie er überhaupt hieß. Seither rührte er das scharfe Zeug nicht mehr an, trank nur aus Genuss den einen oder anderen Kelch Wein in geselliger Runde.
Kurz blinzelte er, als sie ihm hinsichtlich des Vergleiches mit einer Söldnerin widersprach. "Ich wollte Euch damit nicht kränken. Auf keine Weise." Seine Augenbrauen zogen sich zusammen. In Sachen Konversation mit Frauen hatte er wohl noch einiges an Nachhilfestunden nötig. Nur, wer hätte ihm die geben können? Seinen Cousin Cathal schätzte er in der Hinsicht fast schon genauso unbeholfen ein wie sich selbst, auch wenn der ihm durch seine Verpflichtungen zumindest in Sachen Etikette ziemlich sicher einiges voraus hatte. Rowan aber? Der umgab sich eben die meiste Zeit mit seiner Truppe und an guten Tagen vielleicht noch mit der einen oder anderen Schankmagd in den Tavernen, von denen viele oft in der Hoffnung auf eine oder zwei Münzen mehr leicht zu beeindrucken waren. Zumindest taten sie so. Und er hatte sich bisher keine Gedanken darum gemacht, schließlich wartete auf ihn nichts. Er hatte keinerlei Ländereien, keine Zukunft mit Sesshaftigkeit, die er einer Frau bieten könnte. Darum nahm er eben was er kriegen konnte - niemals mit Gewalt und immer nur in beidseitigem Einvernehmen. Sei es nun ein Lächeln oder ein geteiltes Lager für eine Nacht - schon früh hatte er gelernt, dass er im Moment leben musste und die schönen Seiten des Lebens genießen, wenn sie ihn sich boten. Grau wurden die Tage ohnehin von selbst wieder und das viel zu schnell, das hatte oftmals am eigenen Leib erfahren müssen. Also blieb einen Moment stumm, legte sich seine Worte zurecht, ehe ihm die Frage dann doch über die Lippen kam. "Musstet Ihr euch in der Vergangenheit sehr oft alleine durchkämpfen?" Er sprach nicht aufdringlich, stellte sich auf Verschlossenheit ein, aber in seiner Stimme lag ein sanfter Ton. Als Kind hatte er gelernt was Einsamkeit bedeutete, selbst wenn er von seiner Familie umgeben gewesen war. Wichtig war immer nur Tamlin gewesen, der Stolz des Vaters, der Erbhalter. Und ja, es hatte Momente gegeben, da hatte Rowan seinen Bruder aufs tiefste verachtet, während dieser ihn einfach nur mit kühler Gleichgültigkeit gestraft hatte, als wäre er ein lästiger Klotz an seinem Bein. Erst als er zum Krieger ausgebildet worden war, hatte er das Gefühl gehabt, seinen Platz in der Welt gefunden zu haben.
Rowan räusperte sich leise, während er die Axt etwas fester um den Griff fasste, sie dann aber wieder lockerer ließ, Spannung aus den Fingergliedern und den Knöcheln weichend. Er erwiderte Miras Blick, trat dann ruhig an sie heran und hielt ihr die Axt mit dem Stiel voran entgegen, während sich der scharfschneidige Kopf in seiner Hand befand, darauf achtend, dass er sich nicht daran verletzte. "Ausreichend genügt mir, das ist ausbaufähig." Er wartete bis sie die Waffe, die ihnen nun als Werkzeug dienen würde, an sich genommen hatte und begutachtete den Ast, den sie zuvor noch berührt hatte. "Das Holz hier hat die richtige Konsistenz. Schlagt es am besten nahe am Stamm ab. Nahe, aber nicht ZU nahe. Oft ist der Auswuchs knorrig und der Stahl dringt nicht gut durch die Struktur." Mit der Fingerspitze fuhr er demonstrativ an die dickere Stelle des Astes, wo dieser aus dem Stamm spross. "Der erste Schlag zeigt Euch auch gleich deutlich, ob das Holz fürs Feuer etwas taugt. Wenn es zu feucht ist, enden wir wie ein gut abgehangenes Stück Speck: Ziemlich rauchig."

