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Im Auge des Sturms

FACING
THE
STORM

Tritt ein in eine düstere Welt aus Macht, Verrat und alten Schwüren.

Thema

Where we left ourselfs

Linearer Modus
Szeneninformationen
Szeneneinstellung
feste Postreihenfolge
Datum
25. November 1016
Ort
Zwischen den Städten
Tageszeit
21:55
#10
Unruhe regte sich in ihm, nicht mehr die schneidende Sorge der vergangenen Wochen, sondern etwas anderes, Weicheres und Gefährlicheres. Wochenlang hatte er sich um sie gesorgt. Die Jägerin war einfach aufgebrochen, ohne ihm oder Helvi ein Wort zu hinterlassen, als sei sie dem Wind gefolgt. Er hätte wütend sein sollen. Hätte ihr Vorwürfe machen, hätte sich an seinem Zorn festhalten müssen. Doch jetzt, da sie vor ihm stand und mit ruhiger Stimme erzählte, wo sie gewesen war und warum, zerfiel dieser Zorn, noch ehe er Gestalt annehmen konnte. Sie waren kein Liebespaar. Zwischen ihnen lagen keine Schwüre, keine Versprechen, auf die er sich hätte berufen können. Nichts, was ihm das Recht gegeben hätte, sie zur Rechenschaft zu ziehen. Nur dieses Ziehen in seiner Brust. Das Sehnen nach ihr, nach ihrer Nähe, nach der Erinnerung an ihre Berührung in jener Nacht in Helvis Haus. Seitdem trug er dieses Verlangen mit sich, unausgesprochen, unausweichlich. Es fraß sich durch ihn wie ein lautloses Feuer, das keine Asche hinterließ und doch alles verzehrte.

Doch sie hatte ihm die Wahrheit offenbart. Valda war Leifs Tochter. In ihm wurde es still. So plötzlich, als hätte jemand eine Kerze ausgeblasen, von der er nicht einmal gewusst hatte, wie sehr sie brannte. Etwas, das er nicht benannt hatte, brach in sich zusammen. Er wusste nicht, was zwischen Leif und Sanna noch bestand. Ob ihre Nähe nur ein Schatten vergangener Nächte war oder ob sie sich heimlich noch immer fanden, fern von Blicken und Fragen. Vielleicht war sie nur hier, getrieben von der Furcht, Valda könnte ihren Vater zum letzten Mal sehen. Vielleicht war es mehr. Vielleicht war es alles. Er wollte es nicht wissen. Leif war sein Freund und der Prinz von Norsteading. Wenn es einen Platz gab, an dem er nicht stehen durfte, dann zwischen ihnen.

Ihre Worte trafen ihn unvorbereitet. Sie standen am Beginn eines Krieges. Er hätte an Banner denken müssen, an Klingen, an Männer und Frauen, die ihm folgen würden. Hätte das Zittern vor der Schlacht in sich suchen sollen. Doch in diesem Moment fürchtete er sich nicht vor dem, was draußen auf ihn wartete, sondern vor dem, was sie ihm sagen wollte. Vor dem, was zwischen ihnen ausgesprochen werden musste. „Natürlich habe ich Zeit für dich“, erwiderte er schließlich und seine Stimme klang ruhiger, als er sich fühlte. Er scheute dieses Gespräch. Scheute die Klarheit, die es bringen würde. Denn ein Teil von ihm wusste längst, dass das, was zwischen ihnen hätte wachsen können, niemals Wirklichkeit werden würde. Nicht unter diesen Umständen. Trotzdem wollte er sie sehen. Wollte ihre Stimme noch einmal hören, wollte die Art, wie sie seinen Namen sagte, als läge darin mehr als bloße Gewohnheit. Gerade das verriet ihm, wie tief er bereits gefallen war. Tiefe, die ihm in einem Krieg gefährlicher werden konnte als jede Klinge.

Veith bemerkte die Blicke ebenso wie sie. Das kurze Stocken von Gesprächen, das seitliche Mustern, dieses halb offene, halb verschämte Starren, das in einem Lager schneller wuchs als Feuer in trockenem Gras. Er merkte aus dem Augenwinkel heraus, wie Sanna das Kinn kaum merklich hob. Eine ruhige Selbstverständlichkeit lag darin, mit der sie ihren Platz behauptete, als gehöre sie hierher. Als hätte sie nie woanders gestanden. Ein kaum sichtbares Lächeln strich über sein Gesicht. Er passte seinen Schritt an, so geringfügig, dass es wie Zufall wirkte. Ein halber Schritt näher, bis ihre Körper sich beinahe berührten. Die Wärme von ihr war selbst durch Stoff und Leder spürbar, flüchtig nur, aber deutlich genug. Es war keine Berührung, die man hätte benennen können und doch war sie da. Etwas in ihm spannte sich an. Er nahm plötzlich jedes Detail wahr: den Rhythmus ihrer Schritte neben seinen, den leisen Zug ihres Atems, die Art, wie ihr Ärmel bei der Bewegung kurz an seinem streifte. Für einen Moment vergaß er die Blicke. Nicht, weil sie verschwanden, sondern weil ihre Nähe alles andere überlagerte. Sanna stand nicht hinter ihm, nicht schutzsuchend. Sie ging neben ihm und das gefiel ihm mehr, als es sollte.

Leifs Zelt ragte vor ihnen auf, die schwere Plane vom Abendwind leicht bewegt. Zwei Männer standen davor, die Gesichter im flackernden Licht der Fackeln halb im Schatten. Veith nickte ihnen zu, dann wandte er sich noch einmal Sanna zu. „Das werde ich“, sagte er leise. Die Worte klangen knapp, beinahe spröde, als müsse er sie kurzhalten, um nicht mehr preiszugeben, als ihm zustand. Mit jedem Schritt auf dieses Zelt zu war ihm bewusster geworden, dass er sie nur bis hierher begleiten konnte. Dass es nun nicht mehr an ihm war, neben ihr zu gehen. Etwas flackerte in seinem Blick, zu flüchtig, um benannt zu werden, zu deutlich, um es ganz zu verbergen. Dann trat er einen Schritt zurück. Die Distanz war gering, kaum mehr als eine Armlänge und fühlte sich doch an wie eine Grenze. Er wandte sich an die Wachen. „Lasst sie eintreten.“
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Nachrichten in diesem Thema
Where we left ourselfs - von Sanna Lorenson - 04-11-2025, 17:30
RE: Where we left ourselfs - von Veith Alvarsson - 15-11-2025, 11:39
RE: Where we left ourselfs - von Sanna Lorenson - 18-11-2025, 22:59
RE: Where we left ourselfs - von Veith Alvarsson - 11-01-2026, 11:36
RE: Where we left ourselfs - von Sanna Lorenson - 12-01-2026, 17:40
RE: Where we left ourselfs - von Veith Alvarsson - 09-02-2026, 10:34
RE: Where we left ourselfs - von Sanna Lorenson - 10-02-2026, 00:04
RE: Where we left ourselfs - von Veith Alvarsson - 14-02-2026, 11:01
RE: Where we left ourselfs - von Sanna Lorenson - 17-02-2026, 15:11
RE: Where we left ourselfs - von Veith Alvarsson - 21-02-2026, 12:25
RE: Where we left ourselfs - von Leif Stelhammer - 01-03-2026, 08:57
RE: Where we left ourselfs - von Sanna Lorenson - 03-03-2026, 16:45
RE: Where we left ourselfs - von Veith Alvarsson - 05-07-2026, 14:05