25-02-2026, 11:27 - Wörter:
Ihre Augenbrauen wanderten nach oben und der nächste Tiefschlag ließ in der Tat nicht auf sich warten. Warum auch immer es so war, Maebh schien heute keinerlei Lust zu haben, einfach klein beizugeben. «Was weißt du schon davon», begann sie, «wie es uns geht. Du bist doch nie da, Rowan. Du könntest dich hier genauso zur Ruhe setzen. Wir fänden für alles eine Lösung, aber du entscheidest für dein Leben. Nicht wir. Nicht dein Vater. Du bist ein Mann. Deine Entscheidungsgewalt wird also immer höher sein als die meine. Wie wäre es also zur Abwechslung, wenn du dich einen Moment in Demut übst? Mir gegenüber? Dir gegenüber? Dem Umstand gegenüber, dass du hingehen darfst, wohin du möchtest?»
Sie musterte ihn mit einem durchdringenden Blick und schüttelte dann den Kopf.
«Hunderte Frauen haben diesen Luxus nicht, Rowan. Wir werden verheiratet und setzen uns in das ach so schöne gemachte Nest. Mit einem zumeist fremden Mann, der für uns völlig unberechenbar ist. Wird er uns schlagen? Uns ignorieren? Uns vergewaltigen? Achtet er uns? Säuft und frisst er, während für uns Frauen gerade mal ein Minimum übrig bleibt? Du hast keine Ahnung, Rowan Fraser, was es bedeutet, diese Last zu tragen. Wenn jemand für dich bestimmt. Wenn dir deine Freiheiten genommen werden. Du kannst das gar nicht wissen, denn du bist ein Mann und der Schwanz zwischen deinen Beinen ist dein Grundrecht, dass dafür sorgt, dass du vor all diesen Dingen zum Großteil geschützt bist!»
Dann schnaubte sie. «Was kümmert dich, was alle anderen denken?», sie ging an ihm vorbei und griff beherzt nach einem der großen Heuballen, um den zur Seite zu wuchten. «Dir kann egal sein, was sie denken. Sie müssen nicht in deinem Kopf sein. Du schon. Alles, was du tust, hat eine verdammte Konsequenz, Rowan. Es ist dabei egal, ob du mir auf die Füße trittst und ich dich dafür zur Rechenschaft ziehe. Oder ob du über das Leben einer anderen Person bestimmst. Oder einer Kreatur.»
Der Heuballen landete ein paar Zentimter weiter auf dem Boden und als er ihr dann auch noch vorwarf, dass sie sich ja nie Gedanken gemacht hätte, hielt sie inne. Und wandte sich zu ihm um. Die sonst so sanften Augen funkelten gefährlich im Halbdunkel des Stalls und sie hob anklagend den Zeigefinger, um ihn gegen Rowans Brust zu drücken.
«Wie kommst du nur auf sowas?», wollte sie harsch wissen. «Ich mache mir ständig Gedanken! Um dich! Um Cathal! Um die Mädchen! Um meinen Sohn. Meinen Mann. Ich denke darüber nach, wieviele Männer in den Krieg ziehen müssen, weil der Großkönig es so will! Ich denke ständig über alles nach! Und ich treffe keine meiner Entscheidungen einfach so und mache mir keine Gedanken darüber! Das kann ich mir gar nicht erlaubten, Rowan! Und du solltest dir das auch nicht erlauben können!»
Sie verdrehte die Augen.
«Du sollst nicht verkopft sein. Du sollst rational sein! Und darüber nachdenken, was hier eigentlich los ist! Ihr wisst nichts über diesen Drachen. Aber ihr werdet ihn jagen. Was, wenn er das als Angriff sieht? Was, wenn wir diesen Drachen brauchen?»
Sie verschränkte die Arme vor der Brust. Und musterte ihren Neffen – ja, ihren Neffen! – einmal von oben bis unten.
«Dann kann ich das nicht ändern, Rowan. Die Welt ist ohnehin voller Gefahren. Und Eltern schützen ihre Kinder so gut wie sie es nun einmal können. Und nein, darüber denke ich nicht nach. Die Welt ist voller Gefahren. Ich weiß das. Aber wenn ich diese Art zu denken zulasse, dann lasse ich mein Kind nicht einmal mehr in den Garten, denn es könnte von einer der zahlreichen Wildbienen gestochen werden. Oder er stürzt beim die Treppe runterlaufen. Es gibt so viele Möglichkeiten und ich kann sie dir alle aufzählen. Aber er könnte keinen Schritt mehr tun, Rowan. Und manche Dinge muss man nehmen, wie sie sind. Aber wir Menschen können uns doch nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit verhalten, als wären wir die absolute Spitze der Nahrungskette! Wir entscheiden diese Dinge doch nicht.»
Das war absonderlich! Merkwürdig! Sie wollte so nicht sein. Jedes Lebewesen hatte dieselbe Daseinsberechtigung. Etwas zu jagen, weil es vielleicht gefährlich sein könnte, das kam ihr nicht in den Sinn. Ohnehin war die Jagd für sie etwas eigenartiges, das man sich weniger zur Lebensmittelbeschaffung ausgedacht hatte als zum Bespaßen der eigenen Grausamkeit. Und überhaupt war die Drachenjagd keine Gefahrenbewertung. Der König wollte eine Trophäe. Sonst hätte man es nicht als Jagd bezeichnet. Dann wäre das alles komplett anders aufgestellt worden. Aber das war es nicht. Diese Männer zogen los, um den Drachen zu töten.
«Der Mensch ist das einzige Tier, dass sich so dermaßen über die Ordnung der Natur hinwegsetzt, Rowan. Wir jagen schon lange nicht mehr, um uns zu ernähren. Wir jagen, weil wir Freude darin empfinden. Es ist ein Sport geworden. Wir haben keine natürlichen Fressfeinde und wir vermehren uns wie die Kaninchen. Und offenbar verlieren wir nun auch unsere Demut vor dem, was wir nicht kennen. Du wirfst mir vor, dass du mein Gesicht nicht sehen willst, wenn etwas schlimmes geschieht. Du wirst das Gesicht auch nicht sehen können, wenn du stirbst. Denn dann kommst du nicht mehr nach Hause. Aber der Schmerz wird genauso real sein. Man wird dich hier vermissen. Und wenn der Drache stirbt ... welche Auswirkungen wird das haben? Nur weil du vielleicht für einen Moment darüber nachdenkst, dieses Wesen zu schützen, wird das nicht für alle so sein. Das wird eine ganz eigene Dynamik entwickeln, im dümmsten Fall. Und dann, Rowan? Was tust du, wenn die größte Gefahr plötzlich nicht mehr der Drache ist sondern die anderen Menschen, die genauso gedankenlos und begeistert auf die Pirsch gegangen sind wie du?»
Sie hatte endlich das Heunetz für Céo zu Ende gestopft und richtete sich nun auf.
«Was ist dann?»
Sie musterte ihn mit einem durchdringenden Blick und schüttelte dann den Kopf.
«Hunderte Frauen haben diesen Luxus nicht, Rowan. Wir werden verheiratet und setzen uns in das ach so schöne gemachte Nest. Mit einem zumeist fremden Mann, der für uns völlig unberechenbar ist. Wird er uns schlagen? Uns ignorieren? Uns vergewaltigen? Achtet er uns? Säuft und frisst er, während für uns Frauen gerade mal ein Minimum übrig bleibt? Du hast keine Ahnung, Rowan Fraser, was es bedeutet, diese Last zu tragen. Wenn jemand für dich bestimmt. Wenn dir deine Freiheiten genommen werden. Du kannst das gar nicht wissen, denn du bist ein Mann und der Schwanz zwischen deinen Beinen ist dein Grundrecht, dass dafür sorgt, dass du vor all diesen Dingen zum Großteil geschützt bist!»
Dann schnaubte sie. «Was kümmert dich, was alle anderen denken?», sie ging an ihm vorbei und griff beherzt nach einem der großen Heuballen, um den zur Seite zu wuchten. «Dir kann egal sein, was sie denken. Sie müssen nicht in deinem Kopf sein. Du schon. Alles, was du tust, hat eine verdammte Konsequenz, Rowan. Es ist dabei egal, ob du mir auf die Füße trittst und ich dich dafür zur Rechenschaft ziehe. Oder ob du über das Leben einer anderen Person bestimmst. Oder einer Kreatur.»
Der Heuballen landete ein paar Zentimter weiter auf dem Boden und als er ihr dann auch noch vorwarf, dass sie sich ja nie Gedanken gemacht hätte, hielt sie inne. Und wandte sich zu ihm um. Die sonst so sanften Augen funkelten gefährlich im Halbdunkel des Stalls und sie hob anklagend den Zeigefinger, um ihn gegen Rowans Brust zu drücken.
«Wie kommst du nur auf sowas?», wollte sie harsch wissen. «Ich mache mir ständig Gedanken! Um dich! Um Cathal! Um die Mädchen! Um meinen Sohn. Meinen Mann. Ich denke darüber nach, wieviele Männer in den Krieg ziehen müssen, weil der Großkönig es so will! Ich denke ständig über alles nach! Und ich treffe keine meiner Entscheidungen einfach so und mache mir keine Gedanken darüber! Das kann ich mir gar nicht erlaubten, Rowan! Und du solltest dir das auch nicht erlauben können!»
Sie verdrehte die Augen.
«Du sollst nicht verkopft sein. Du sollst rational sein! Und darüber nachdenken, was hier eigentlich los ist! Ihr wisst nichts über diesen Drachen. Aber ihr werdet ihn jagen. Was, wenn er das als Angriff sieht? Was, wenn wir diesen Drachen brauchen?»
Sie verschränkte die Arme vor der Brust. Und musterte ihren Neffen – ja, ihren Neffen! – einmal von oben bis unten.
«Dann kann ich das nicht ändern, Rowan. Die Welt ist ohnehin voller Gefahren. Und Eltern schützen ihre Kinder so gut wie sie es nun einmal können. Und nein, darüber denke ich nicht nach. Die Welt ist voller Gefahren. Ich weiß das. Aber wenn ich diese Art zu denken zulasse, dann lasse ich mein Kind nicht einmal mehr in den Garten, denn es könnte von einer der zahlreichen Wildbienen gestochen werden. Oder er stürzt beim die Treppe runterlaufen. Es gibt so viele Möglichkeiten und ich kann sie dir alle aufzählen. Aber er könnte keinen Schritt mehr tun, Rowan. Und manche Dinge muss man nehmen, wie sie sind. Aber wir Menschen können uns doch nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit verhalten, als wären wir die absolute Spitze der Nahrungskette! Wir entscheiden diese Dinge doch nicht.»
Das war absonderlich! Merkwürdig! Sie wollte so nicht sein. Jedes Lebewesen hatte dieselbe Daseinsberechtigung. Etwas zu jagen, weil es vielleicht gefährlich sein könnte, das kam ihr nicht in den Sinn. Ohnehin war die Jagd für sie etwas eigenartiges, das man sich weniger zur Lebensmittelbeschaffung ausgedacht hatte als zum Bespaßen der eigenen Grausamkeit. Und überhaupt war die Drachenjagd keine Gefahrenbewertung. Der König wollte eine Trophäe. Sonst hätte man es nicht als Jagd bezeichnet. Dann wäre das alles komplett anders aufgestellt worden. Aber das war es nicht. Diese Männer zogen los, um den Drachen zu töten.
«Der Mensch ist das einzige Tier, dass sich so dermaßen über die Ordnung der Natur hinwegsetzt, Rowan. Wir jagen schon lange nicht mehr, um uns zu ernähren. Wir jagen, weil wir Freude darin empfinden. Es ist ein Sport geworden. Wir haben keine natürlichen Fressfeinde und wir vermehren uns wie die Kaninchen. Und offenbar verlieren wir nun auch unsere Demut vor dem, was wir nicht kennen. Du wirfst mir vor, dass du mein Gesicht nicht sehen willst, wenn etwas schlimmes geschieht. Du wirst das Gesicht auch nicht sehen können, wenn du stirbst. Denn dann kommst du nicht mehr nach Hause. Aber der Schmerz wird genauso real sein. Man wird dich hier vermissen. Und wenn der Drache stirbt ... welche Auswirkungen wird das haben? Nur weil du vielleicht für einen Moment darüber nachdenkst, dieses Wesen zu schützen, wird das nicht für alle so sein. Das wird eine ganz eigene Dynamik entwickeln, im dümmsten Fall. Und dann, Rowan? Was tust du, wenn die größte Gefahr plötzlich nicht mehr der Drache ist sondern die anderen Menschen, die genauso gedankenlos und begeistert auf die Pirsch gegangen sind wie du?»
Sie hatte endlich das Heunetz für Céo zu Ende gestopft und richtete sich nun auf.
«Was ist dann?»
