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Im Auge des Sturms

FACING
THE
STORM

Tritt ein in eine düstere Welt aus Macht, Verrat und alten Schwüren.

Thema

Where we left ourselfs

Linearer Modus
Szeneninformationen
Szeneneinstellung
feste Postreihenfolge
Datum
25. November 1016
Ort
Zwischen den Städten
Tageszeit
21:55
#12
Sanna spürte dieses feine Zittern unterhalb ihres Herzens, als Veith auf ihr Gesuch nach einem Gespräch reagierte. Es war anders mit ihm. Anders, weil es eine Möglichkeit gab. Eine leise, kaum greifbare Möglichkeit auf eine Zukunft - auch wenn sie mit der Wahrheit über Valdas Vater vielleicht genau diese Möglichkeit selbst zerschlagen hatte.
Ein Teil von ihr, der zur Selbstsabotage neigte und sich stets eingeredet hatte, sie käme ohnehin besser ohne einen Mann zurecht, hoffte beinahe, dass es nun vorbei war. Dass sich alles erledigt hatte. Es würde bestätigen, was sie über Beziehungen zu wissen glaubte: dass sie nicht blieben, dass sie brüchig waren, dass man sich besser nicht zu sehr darauf verließ. Es war der vertraute Weg. Der sichere. Der mit dem geringeren Widerstand.
Doch da war noch dieser andere Teil. Leiser. Kleiner. Naiver vielleicht. Und hoffnungsvoll. Er wagte es tatsächlich, sich eine Zukunft mit Veith vorzustellen - trotz der Welten zwischen ihnen, trotz der Wahrheit, trotz des Krieges, der unmittelbar vor ihren Türen stand. Und genau dieser Teil machte ihr am meisten Angst.
„Wehe, ich muss dich lange suchen“
, sagte sie, taffer klingend, als sie sich fühlte, während ihre Fingerspitzen über seinen Handrücken glitten, der neben ihrem mitschwankte.

Dass er nach der Schlacht, auf der Rückreise, vorbeisehen würde, löste etwas in Sanna aus, das sie kaum wahrhaben wollte. Als würde er ihr ein leises Versprechen geben - und sie glaubte es. Ein halbes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen, doch sie sagte nichts mehr, denn Leifs Zelt ragte vor ihnen auf, und eine seltsame Anspannung packte sie.
Sie hatte Leif zuletzt im Sommer gesehen - wobei „Sommer“ im Winterland ein dehnbarer Begriff war. Sie hatten sich getroffen, waren jagen gegangen, hatten sich geliebt, als gäbe es keine unsichtbare Grenze zwischen ihnen. Sie wusste nicht was sie erwartete, sie wusste nur was sie gefühlt hatte. Wut - auf sich selbst, auf ihn, auf seinen Rang, seinen Status, auf die simple Tatsache, dass er kein einfacher Bauer war, der zu ihr hätte stehen können. Trauer - weil sie Norsteading verlassen hatte und damit einen großen Teil dessen verlor, was sie liebte und was sie ausmachte. Schuld. Eine irrationale, beißende Schuld, weil sie einen Mann in ihr Leben gelassen hatte und es sich ein bisschen wie Betrug anfühlte, obwohl Leif und sie sich nie etwas versprochen hatten. Und doch war da auch Liebe. Liebe für einen Mann, der wohl immer ein Teil ihres Herzens bleiben würde, weil sie ihn nicht einfach aus sich herausschneiden konnte. War das fair? Veith gegenüber nicht.

Und trotzdem huschte ein schwaches, amüsiertes Lächeln über Sannas Lippen, als sie Leifs Stimme hörte, der sich offenbar darüber mokierte, dass einfach über seinen Kopf hinweg entschieden worden war. Dieses kleine Stück Vertrautheit nahm ihr die Nervosität vor dem Gespräch - denn er war immer noch er.
Ihr Blick glitt über seine große Gestalt. Sie bemerkte die feuchten Locken, den leicht gestutzten Bart - und er sah so gut aus wie immer. Vielleicht ein wenig angespannter als bei ihrer letzten Begegnung, ein wenig Älter, aber das schrieb sie dem Krieg und seinem Trotz zu. Und dann sah er sie einfach nur an. Und sie ihn. Sanna erwartete die vertraute Wut, die Enttäuschung — doch sie kam nicht. Weder Wut über seinen Stand, noch über die Unmöglichkeit ihrer Beziehung. Es war, als hätte sich alles davongemacht, wie der Wasserdampf, der schwer aus dem Zelt waberte. Was blieb, war ein leises Ziehen in ihrer Brust und eine Zuneigung, die wohl ein Jahrhundert überdauern würde. Sie liebte ihn noch immer - und doch hatte sie sich zu gleichen Teilen von ihm gelöst, hatte Raum geschaffen, als hätte die Akzeptanz sie endlich zur Vernunft gebracht. All das, was geschehen war - die Flucht, der Angriff - hatte ihr gezeigt, dass ihre Welten zu weit voneinander entfernt waren, als dass der andere wirklich in der eigenen hätte existieren können. Und das war... in Ordnung, auch wenn es leise schmerzte.
Sie ließ sich von Leif in seine Arme ziehen, spürte den Puls unter seiner Haut, hörte seinen Herzschlag, als ihr Kopf an seiner Brust zur Ruhe kam, und fühlte das Zittern, das durch seine große Gestalt lief, als sich sein Körper um ihren legte. Ihre Arme glitten um seinen Rücken, die Hände griffen in das Leinen, das leicht feucht war — anscheinend hatte er sich nur unzureichend abgetrocknet.
„Wir sollten rein gehen...“
, raunte sie an seine Brust und lehnte sich sanft gegen ihn, um ihn zur Bewegung zu bringen.
Veiths Präsenz brannte in ihren Rücken, und erneut traf sie das Gefühl der Schuld - doch diesmal fühlte es sich anders an, nicht vertraut, nicht gewohnt. Ein leiser, fremder Stich in der Brust, der ihr zeigte, dass sich etwas verschoben hatte.
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Nachrichten in diesem Thema
Where we left ourselfs - von Sanna Lorenson - 04-11-2025, 17:30
RE: Where we left ourselfs - von Veith Alvarsson - 15-11-2025, 11:39
RE: Where we left ourselfs - von Sanna Lorenson - 18-11-2025, 22:59
RE: Where we left ourselfs - von Veith Alvarsson - 11-01-2026, 11:36
RE: Where we left ourselfs - von Sanna Lorenson - 12-01-2026, 17:40
RE: Where we left ourselfs - von Veith Alvarsson - 09-02-2026, 10:34
RE: Where we left ourselfs - von Sanna Lorenson - 10-02-2026, 00:04
RE: Where we left ourselfs - von Veith Alvarsson - 14-02-2026, 11:01
RE: Where we left ourselfs - von Sanna Lorenson - 17-02-2026, 15:11
RE: Where we left ourselfs - von Veith Alvarsson - 21-02-2026, 12:25
RE: Where we left ourselfs - von Leif Stelhammer - 01-03-2026, 08:57
RE: Where we left ourselfs - von Sanna Lorenson - 03-03-2026, 16:45
RE: Where we left ourselfs - von Veith Alvarsson - 05-07-2026, 14:05