14-03-2026, 07:11
Am unbezahlbarsten war immer der Moment, in dem jemand merkte, dass seine peinlichen Versuche nicht unbemerkt blieben, auch wenn Ivar zugeben musste, dass er in der Wildnis selten auf jemanden traf, der sich wirklich so ungeschickt anstellte. Das ließ ihn schnell auf eine Sache schließen: Die Frau war es nicht gewohnt, allein unterwegs zu sein. Ihre unbeholfenen Bewegungen und den Plansch-Spaß, den sie hier veranstaltete, hatten etwas von einem Kleinkind, das gerade lernte, zu laufen - na ja, würde sie nicht so vehement dabei fluchen. Als sie bei seinem Anblick auch noch das Gleichgewicht verlor und sich fast längst in den kleinen Flusslauf gelegt hätte, hob sich Ivars rechter Mundwinkel ganz von alleine. Schadenfreude, seine liebste Freude.
Der Söldner machte weder Anstalten, von seinem Pferd zu steigen, noch sich sonst irgendwie zu regen. Seine zwei Kreuzschwerter waren versteckt unter seinem Reisemantel, genauso wie die zwei Dolche an seinen Oberschenkeln. Er könnte die Frau, wenn er denn wollte, ein bisschen einschüchtern, einfach weil er ihr in jeder Hinsicht überlegen war. Tat er aber nicht, was war er doch heute gnädig.
Der Söldner machte weder Anstalten, von seinem Pferd zu steigen, noch sich sonst irgendwie zu regen. Seine zwei Kreuzschwerter waren versteckt unter seinem Reisemantel, genauso wie die zwei Dolche an seinen Oberschenkeln. Er könnte die Frau, wenn er denn wollte, ein bisschen einschüchtern, einfach weil er ihr in jeder Hinsicht überlegen war. Tat er aber nicht, was war er doch heute gnädig.
“Die Vorführung genießen”
, rief er ihr stattdessen auf die Distanz zu, während Pferd unter ihm den Hals reckte, um an das frische Gras zu kommen. Ivars Augenbrauen schossen in die Höhe - auch wenn er nicht den ganzen Satz verstand, er konnte sich doch etwa ausmalen, was sie gesagt hatte. Ihm selbst lagen Sprüche auf der Zunge, die er ihr in jeder anderen Situation wohl gerne zugeworfen hätte. Dass sie es vielleicht mal versuchen sollte, die Fische mit ihren Kurven abzulenken, die durch die nassen Klamotten wirklich gut zur Geltung kamen. Oder dass sie ihre Klamotten lieber ausziehen sollte, um später wenigstens in trockene Kleidung schlüpfen zu können. Dass er sie gerne in einer anderen Situation fluchen hören würde. Und in jeder anderen Situation hätte Ivar das wohl auch gemacht, einfach um sich an ihrer empörten Reaktion zu amüsieren. Aber bevor er das tat, wollte er wenigstens noch etwas von ihr wissen. “Ich suche eine Gruppe von Leuten, Abenteurer. Ein Mann mit einer Narbe auf dem Nasenrücken ist dabei. Hast du welche vorbeikommen gesehen?”
Seine Stimme gehoben, um über dem Rauschen des Baches gut verständlich zu sein, hatte er sich etwas auf dem Pferderücken aufgerichtet. So unterhaltsam er die Situation auch fand und ihr gerne noch ein bisschen länger dabei zugeschaut hätte, wie sie sich blamierte, wollte er eigentlich schnell weiter, um die sogenannten Drachenjäger noch vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen. Ob sie sich wirklich Jäger nennen könnten, davon würde er sich dann selbst überzeugen. Den Erzählungen der Bürger nach war auch die ein oder andere Frau dabei, was Ivar eigentlich nicht so ganz glauben konnte - oder wollte. Welche Frau außer ne Wanderheilerin gab schon gerne den Luxus eines Bettes auf, um in feuchtem Geäst zu schlafen und von einem Drachen - wenn es denn einer war - als Mitternachtssnack gesehen zu werden.