24-03-2026, 21:23 - Wörter:
«Sprich anständig mit mir, Rowan Fraser», mahnte Maebh ihn nun doch harsch. «Oder ist das die Art und Weise, wie du mit deiner eigenen Tante zu sprechen pflegst?»
Daran war er selbst schuld. Er hatte das zu verantworten und wenn er sie jetzt auch noch anfuhr, dann hatten die Glocken gleich aber wirklich dreizehn geschlagen! Für wen hielt er sich? Erst machte er ihr Vorwürfe, dass das ja seine einzige Möglichkeit war, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, dann erzählte er ihr, dass er keine Perspektive hatte und jetzt wollte er, dass sie dieses Problem löste. Sie runzelte ein wenig die Stirn.
«Was möchtest du denn sein? Hast du dir überhaupt mal über alternativen Gedanken gemacht?», hielt sie dagegen, ein ruhiges Bollwerk gegen seinen über sie fließenden Zorn. Ein Fraser eben. Besser war es, wenn man sich ruhig verhielt und wartete, bis der Sturm sich legte. In dieser Zeit sah man ihm lächelnd und ruhig ins Gesicht und war wie das Gebirge, dass die Luftmassen bremste, sodass der Sturm deutlich an kraft verlor. Als er sie allerdings fragte, ob sie eine Ahnung hatte, was es bedeuten musste, sich ständig beweisen zu müssen, schnaubte sie leise, antwortete aber zunächst nicht. Dazu würde sie ihm gleich was sagen. Also schwieg sie und hörte ihm zu, den Blick aufmerksam auf ihn gerichtet, während er wütete und nun seinerseits sie mit Vorwürfen überwarf. Gespannt sah sie ihm dabei zu, wie er quasi eine höhere Summe gegen sich selbst setzte. Und das zwangsweise verlieren würde.
Maebh hatte längst entschieden, dass sie gar nicht groß auf das eingehen würde, was er ihr entgegenwarf. Stattdessen hatte sie ihm was anderes aufzuzeigen. Und vielleicht begriff er dann endlich, was eigentlich das Problem in dieser Welt war. Was immer das Problem war. Und es auch noch eine Weile sein würde.
Sie wartete einen Moment, als er endlich verstummte. Die Stille wog schwer zwischen ihnen, während sie ihm gegenüberstand, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, gerade. Ruhig. Dann holte sie Luft.
«Du musst dich beweisen?», wollte sie dann wissen. «Oh, wie unerquicklich. Wie außergewöhnlich. Natürlich weiß ich nicht, wie das ist. Ich bin immerhin kein Mann. Entschuldige bitte, Rowan. Das war ein Fehler, der mir nie wieder unterlaufen wird...»
Auch sie konnte spöttisch sein. Wenngleich es sie überraschte, wie sehr diese Emotion gerade wie warmer Honig von ihren Worten tropfte. Sie richtete sich noch ein wenig mehr auf, fast wie ein General beim Appell.
«Setz dich gerade hin! Aber nicht zu steif. Sprich nur, wenn du angesprochen wirst – aber sei dabei unterhaltsam. Lächle – nein! Nicht zu sehr! Sei anmutig, aber fall nicht dabei auf. Sei gebildet, aber nicht gebildeter als der Mann. Sei neugierig, aber nicht zu neugierig. Niemand mag plappernde, neugierige Frauen! Stell Fragen, aber bring den Mann nicht in Verlegenheit. Sei fügsam. Nein, sei sanft. Sei bescheiden. Und wenn du all das bist, dann sei bitte auch noch interessant genug, damit man dich nicht übersieht. Achte auf deinen Gang. Deine Stimme. Deine Hände. Gestikulier nicht. Zeige Körpersprache. Achte darauf wie du sitzt, stehst, atmest. Iss wenig, nein mehr, das ist unhöflich! Sprich leise. Nimm keinen Raum ein – aber bezaubere alle, wenn es nötig ist! Sei nicht zu aufdringlich, aber präsent, wenn du deinen Mann auszeichnen sollst! Widersprich nicht, aber sei die Opposition. Sag nicht zu viel. Sei deutlich. Nein fügsam. Dein Mann ist dein Gott. Nein, dein Führer. Nein, dein Gleichgestellter. Sei lustvoll. Nein, genügsam. Sei Mutter! Nein, sei Konkubine. Sei schön! Nicht so unnatürlich! Und mach. Dabei. Nie. Einen. Verdammten. FEHLER!»
Sie war mit den letzten Worten näher an ihn heran gekommen, ehe sie sich wieder zurück auf ihre Fußsohlen fallen ließ und den Kopf schüttelte.
«Nur, weil alle anderen es machen, ist es deshalb noch lange nicht richtig, Rowan», gab sie schlicht zurück. «Wenn du nicht einmal dazu in der Lage bist, mit mir eine normale Unterhaltung darüber zu führen, dass wir unterschiedliche Ansichten haben, bin nicht ich das Problem. Wenn du nicht einen Moment lang darüber nachdenken kannst, ob ich vielleicht richtig liege, sondern dich in Rage redest... dann sagt das mehr über dich aus als über mich.»
Sie streichelte Céo nochmal über die Nase und wandte sich dann von ihm ab.
«Ich hoffe nur, wenn es hart auf hart kommt, denkst du an meine Worte. Und tust das Richtige.»
Ruhigen Schrittes verließ sie den Stall ohne sich noch einmal umzudrehen.
Daran war er selbst schuld. Er hatte das zu verantworten und wenn er sie jetzt auch noch anfuhr, dann hatten die Glocken gleich aber wirklich dreizehn geschlagen! Für wen hielt er sich? Erst machte er ihr Vorwürfe, dass das ja seine einzige Möglichkeit war, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, dann erzählte er ihr, dass er keine Perspektive hatte und jetzt wollte er, dass sie dieses Problem löste. Sie runzelte ein wenig die Stirn.
«Was möchtest du denn sein? Hast du dir überhaupt mal über alternativen Gedanken gemacht?», hielt sie dagegen, ein ruhiges Bollwerk gegen seinen über sie fließenden Zorn. Ein Fraser eben. Besser war es, wenn man sich ruhig verhielt und wartete, bis der Sturm sich legte. In dieser Zeit sah man ihm lächelnd und ruhig ins Gesicht und war wie das Gebirge, dass die Luftmassen bremste, sodass der Sturm deutlich an kraft verlor. Als er sie allerdings fragte, ob sie eine Ahnung hatte, was es bedeuten musste, sich ständig beweisen zu müssen, schnaubte sie leise, antwortete aber zunächst nicht. Dazu würde sie ihm gleich was sagen. Also schwieg sie und hörte ihm zu, den Blick aufmerksam auf ihn gerichtet, während er wütete und nun seinerseits sie mit Vorwürfen überwarf. Gespannt sah sie ihm dabei zu, wie er quasi eine höhere Summe gegen sich selbst setzte. Und das zwangsweise verlieren würde.
Maebh hatte längst entschieden, dass sie gar nicht groß auf das eingehen würde, was er ihr entgegenwarf. Stattdessen hatte sie ihm was anderes aufzuzeigen. Und vielleicht begriff er dann endlich, was eigentlich das Problem in dieser Welt war. Was immer das Problem war. Und es auch noch eine Weile sein würde.
Sie wartete einen Moment, als er endlich verstummte. Die Stille wog schwer zwischen ihnen, während sie ihm gegenüberstand, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, gerade. Ruhig. Dann holte sie Luft.
«Du musst dich beweisen?», wollte sie dann wissen. «Oh, wie unerquicklich. Wie außergewöhnlich. Natürlich weiß ich nicht, wie das ist. Ich bin immerhin kein Mann. Entschuldige bitte, Rowan. Das war ein Fehler, der mir nie wieder unterlaufen wird...»
Auch sie konnte spöttisch sein. Wenngleich es sie überraschte, wie sehr diese Emotion gerade wie warmer Honig von ihren Worten tropfte. Sie richtete sich noch ein wenig mehr auf, fast wie ein General beim Appell.
«Setz dich gerade hin! Aber nicht zu steif. Sprich nur, wenn du angesprochen wirst – aber sei dabei unterhaltsam. Lächle – nein! Nicht zu sehr! Sei anmutig, aber fall nicht dabei auf. Sei gebildet, aber nicht gebildeter als der Mann. Sei neugierig, aber nicht zu neugierig. Niemand mag plappernde, neugierige Frauen! Stell Fragen, aber bring den Mann nicht in Verlegenheit. Sei fügsam. Nein, sei sanft. Sei bescheiden. Und wenn du all das bist, dann sei bitte auch noch interessant genug, damit man dich nicht übersieht. Achte auf deinen Gang. Deine Stimme. Deine Hände. Gestikulier nicht. Zeige Körpersprache. Achte darauf wie du sitzt, stehst, atmest. Iss wenig, nein mehr, das ist unhöflich! Sprich leise. Nimm keinen Raum ein – aber bezaubere alle, wenn es nötig ist! Sei nicht zu aufdringlich, aber präsent, wenn du deinen Mann auszeichnen sollst! Widersprich nicht, aber sei die Opposition. Sag nicht zu viel. Sei deutlich. Nein fügsam. Dein Mann ist dein Gott. Nein, dein Führer. Nein, dein Gleichgestellter. Sei lustvoll. Nein, genügsam. Sei Mutter! Nein, sei Konkubine. Sei schön! Nicht so unnatürlich! Und mach. Dabei. Nie. Einen. Verdammten. FEHLER!»
Sie war mit den letzten Worten näher an ihn heran gekommen, ehe sie sich wieder zurück auf ihre Fußsohlen fallen ließ und den Kopf schüttelte.
«Nur, weil alle anderen es machen, ist es deshalb noch lange nicht richtig, Rowan», gab sie schlicht zurück. «Wenn du nicht einmal dazu in der Lage bist, mit mir eine normale Unterhaltung darüber zu führen, dass wir unterschiedliche Ansichten haben, bin nicht ich das Problem. Wenn du nicht einen Moment lang darüber nachdenken kannst, ob ich vielleicht richtig liege, sondern dich in Rage redest... dann sagt das mehr über dich aus als über mich.»
Sie streichelte Céo nochmal über die Nase und wandte sich dann von ihm ab.
«Ich hoffe nur, wenn es hart auf hart kommt, denkst du an meine Worte. Und tust das Richtige.»
Ruhigen Schrittes verließ sie den Stall ohne sich noch einmal umzudrehen.
