29-03-2026, 06:37 - Wörter:
Aurelia wusste genau, wie sehr Nadir sich auf diese Nacht freute. In der Hinsicht waren Männer doch alle gleich, wenn man ihnen ein paar angenehme Stunden mit Wein und Weib - am besten unverheiratet, jung und unprostituiert, wie sie es war - in Aussicht stellte. Wie sie die Welt regierten und doch auf die Knie fielen, sobald eine Frau Anstalten machte, die Brosche an der Schulter zu lösen und ihr Dekolletée zu präsentieren; wer glaubte, Frauen hätten keine Macht über Männer, der war in einem Kloster aufgewachsen. Und eben deswegen spielte es keine Rolle, wie sehr Nadir sich auf diese Nacht freute, denn sie beide waren sich bewusst, dass eine Antwort auf diese Frage sehr deutlich ausfiel. Was eine Rolle spielte, war Aurelias Intention hinter diesem Abend, als sie mit dem Schultertuch ihre offenen Haare bedeckte und durch den Hinterausgang der Taverne in die Dunkelheit hinaus trat.
Sie hatte ihre eigenen Nachforschungen angestellt. Hatte ihre Kontakte am Nachmittag spielen lassen und sich einen der Stammkunden in der Taverne zur Seite genommen, zu dem sie eine gute, wechselseitige Beziehung unterhielt - Informationen für Informationen, Perlen für ein Lächeln. King’s Portal war groß und erdrückend für jemanden, der nicht alle Ecken und Winkel der Stadt kannte und wusste, wie man durch dunkle Straßen navigierte. Überlebenswillen, wenn man so will. Straßen-Intelligenz, dass Aurelia auch Kontakte in den Untergrund unterhielt, wenn auch mit einer Distanz, die sie mal besser, mal weniger gut zu wahren wusste. Dass eine einfache Tochter an einem einzigen Abend mehr über einen so genannten Händler herausfinden konnte, wenn sie denn wirklich wollte, musste ihre Verabredung aber natürlich nicht gleich wissen.
Ihre Schritte waren sicher, doch eilig, absichtlich die lichten Stellen der weitläufigen Straßen mit den Öllampen und die Routen der Stadtwache umgehend; nicht, weil sie fürchtete, erwischt zu werden, sondern weil sie unnötigen Fragen aus dem Weg gehen wollte. Mit dem großen beigen Tuch, das ihre Silhouette wie einen Umhang verdeckte und den Großteil ihres Haars verdeckte bis auf die vorderen Partien, die ihr Gesicht umrahmten, ein Ende fast fahrlässig über ihre Schulter geworfen, überquerte sie schließlich die große, beladene Hafenfläche und näherte sich dem Mann, der vor der Administration wartete. Auch im dämmrigen Licht der wenigen Öllampen und der Sterne über ihnen war Nadir für sie unverkennbar. Er trug diese Selbstverständlichkeit mit sich, die nur von einem Mann ausging, der das Leben nicht fürchtete; jemand, der jeder Schwierigkeit mit einem Lächeln begegnete, weil ihm nichts und niemand ernsthaft etwas anhaben konnte. Viele wohlhabende Händler spielten diese Leichtigkeit vor, aber Aurelia hatte den Verdacht, dass seine Selbstsicherheit nicht nur gespielt war.
Er konnte sie vermutlich schon von weitem erblicken, vor allem, weil es am Hafen nicht viele Schatten gab, durch die sie sich bewegen konnte. Dennoch hielt sie es erst für nötig, ihre Stimme zu erheben, als sie vor ihm stand und nicht über den Platz schreien musste - kein Grund, mehr Aufmerksamkeit zu erregen als notwendig.
Sie hatte ihre eigenen Nachforschungen angestellt. Hatte ihre Kontakte am Nachmittag spielen lassen und sich einen der Stammkunden in der Taverne zur Seite genommen, zu dem sie eine gute, wechselseitige Beziehung unterhielt - Informationen für Informationen, Perlen für ein Lächeln. King’s Portal war groß und erdrückend für jemanden, der nicht alle Ecken und Winkel der Stadt kannte und wusste, wie man durch dunkle Straßen navigierte. Überlebenswillen, wenn man so will. Straßen-Intelligenz, dass Aurelia auch Kontakte in den Untergrund unterhielt, wenn auch mit einer Distanz, die sie mal besser, mal weniger gut zu wahren wusste. Dass eine einfache Tochter an einem einzigen Abend mehr über einen so genannten Händler herausfinden konnte, wenn sie denn wirklich wollte, musste ihre Verabredung aber natürlich nicht gleich wissen.
Ihre Schritte waren sicher, doch eilig, absichtlich die lichten Stellen der weitläufigen Straßen mit den Öllampen und die Routen der Stadtwache umgehend; nicht, weil sie fürchtete, erwischt zu werden, sondern weil sie unnötigen Fragen aus dem Weg gehen wollte. Mit dem großen beigen Tuch, das ihre Silhouette wie einen Umhang verdeckte und den Großteil ihres Haars verdeckte bis auf die vorderen Partien, die ihr Gesicht umrahmten, ein Ende fast fahrlässig über ihre Schulter geworfen, überquerte sie schließlich die große, beladene Hafenfläche und näherte sich dem Mann, der vor der Administration wartete. Auch im dämmrigen Licht der wenigen Öllampen und der Sterne über ihnen war Nadir für sie unverkennbar. Er trug diese Selbstverständlichkeit mit sich, die nur von einem Mann ausging, der das Leben nicht fürchtete; jemand, der jeder Schwierigkeit mit einem Lächeln begegnete, weil ihm nichts und niemand ernsthaft etwas anhaben konnte. Viele wohlhabende Händler spielten diese Leichtigkeit vor, aber Aurelia hatte den Verdacht, dass seine Selbstsicherheit nicht nur gespielt war.
Er konnte sie vermutlich schon von weitem erblicken, vor allem, weil es am Hafen nicht viele Schatten gab, durch die sie sich bewegen konnte. Dennoch hielt sie es erst für nötig, ihre Stimme zu erheben, als sie vor ihm stand und nicht über den Platz schreien musste - kein Grund, mehr Aufmerksamkeit zu erregen als notwendig.
“Entschuldige die Verspätung”
, erklärte sie die 15 Minuten, die sie länger gebraucht hatte. Um sich für ihn fertig zu machen, wohlgemerkt. Nach ihrer Schicht, die sie absichtlich pünktlich aufgehört hatte, war sie nach oben geeilt, um sich die Spuren des Abends von der Haut zu wischen, den Kohlestift an ihren Augenwinkeln ein klein wenig nachzuziehen und etwas Farbe auf ihre Lippen zu geben. Auch ihre Haare hatte sie ein wenig geordnet. Statt nur nach Wein und Taverne zu riechen, umgab sie eine sanfte, aber nicht aufdringliche Note von Rosen. “Ist das Zimmer in der Nähe?”
, fragte sie, nicht eilig, nachdem sie sich keine Mühe machte, den Blick zu verschleiern, der ziemlich offensichtlich an ihm herunter geglitten war und schließlich an seinen Augen haften blieb. Selbstverständlich wartete sie darauf, dass er ihr ihren Arm anbot und - am besten möglichst schnell, bevor sie doch noch jemandem über den Weg lief, den sie kannte - vom Hafen führen würde.

