05-04-2026, 15:12 - Wörter:
Tyra griff nach der Karaffe, kaum dass sie ihr gereicht wurde, schneller, als es ihrem Zustand eigentlich entsprechen sollte, fast gierig. Ihre Finger schlossen sich um den schmalen Hals, als war Besseres darin als nur drittklassiger Wein aus irgendeiner Taverne. Der erste Schluck schmeckte wie der Fehler der Woche. Das Zeug traf ihre Zunge wie flüssiger Honig, zu schwer, zu süß, zu warm, und sofort zog sich ihr Magen zusammen, als wolle er sie dafür bestrafen, dass sie überhaupt auf die Idee gekommen war, wieder etwas anderes als diese widerlichen Kräutersude zu sich zu nehmen. Tyra verzog das Gesicht, und musste sich zusammenreißen, den Wein nicht direkt wieder auszuspucken. „Bei Heofaders haariger Arschritze“, murmelte sie heiser und hielt sich das Gefäß einen Moment vom Leib, als wäre es ein vergifteter Gegenstand. „Das ist kein Wein, das ist der Schlüssel zur Unterwelt.“ Sie zwang sich dennoch zu einem zweiten, deutlich kleineren Schluck, vornehmlich aus Trotz, aus lang antrainierter Gewohnheit und aus diesem sturen Drang, sich nichts anmerken zu lassen. Dann drückte sie Ivar das Zeug mit einer groben Geste wieder in die Hand. „Behalt den Mist. Wenn ich schon draufgehe, dann bitte nicht durch deine Hand.“
Der Weg hinaus auf das Feld war zehrender, als sie erwartet hatte, und gleichzeitig irgendwie besser. Das Licht traf sie wie ein Schlag, nach viel zu langer Zeit in der allgegenwärtigen, stickigen Dunkelheit der Hütte fühlte sich die Welt draußen fast unwirklich an. Das warme Gold der untergehenden Sonne, das sanfte Wiegen des Grases in einer milden Brise, die klare Luft, die nach Erde und Leben roch statt nach Krankheit und Kräutern. Tyra blinzelte gegen die ungewohnte Helligkeit, hob unbewusst die Hand, als müsse sie ihre Augen schützen. Jeder Schritt war ein Kampf, ihre wackeligen Beine fühlten sich an wie fremd, als gehörten sie jemand anderem. Doch ihr Gang blieb trotzdem aufrecht. Stolz und unbeugsam. Und sie wiederholte noch einmal für sich: Lieber würde sie hier draußen sterben, als sich an Ivar festzuhalten.
Also ging sie weiter. Und weiter. Bis ihr Körper schließlich entschied, dass es genug war. Heofader sei Dank hatte auch ihre ungewaschene Begleitung entschieden, dass er sein Ziel erreicht hatte. Tyra ließ sich neben ihn ins Gras sinken, beachtlich kontrollierter, als es sich anfühlte, aber weniger geschmeidig, als sie es sich gewünscht hätte. Ein leises Ausatmen entwich ihr, was verdächtig nach einem Stöhnen klang, kaum hörbar, während sie die Hände hinter sich ins Gras drückte, die langen Beine ausgestreckt, als wäre sie unsicher, dass sie tatsächlich frei sitzen konnte. Verflucht sei Ivar, der sie einer stützenden Wand beraubt hatte. Einen Moment blieb sie einfach sitzen, den Blick nach vorn gerichtet, als wäre nichts gewesen. Als hätte sie sich aus purer Laune hier niedergelassen. Dabei musste sie Kraft sammeln. Kraft, um schließlich erneut die Hand nach der Karaffe auszustrecken, ohne dass ihre Finger zitterten. Sie nahm sie sich ohne zu fragen und betrachtete den Inhalt, als hätte er sie persönlich beleidigt.
„Ich glaube, Pferdepisse kann nicht schlechter schmecken“, murmelte sie, bevor sie einen weiteren, vorsichtigen Schluck nahm. Dieses Mal weniger gierig. Mehr prüfend. Es war immer noch widerlich, doch es brannte angenehm. Sie warf Ivar einen Seitenblick zu. Nur kurz. Zu kurz, als dass er es als taxierend hätte deuten können. Er war da. Atmend, in einem Stück. Das war alles, was zählte, oder? Und genau deshalb machte es sie wahnsinnig. „Also.“ Ihre Stimme war wieder lauter, rau, aber klar. „Jetzt hör auf, in den heißen Brei zu scheißen, oder wie das heißt.“ Sie drehte die Karaffe leicht in der Hand, ließ den Rest des Weins darin schwappen. „Wo warst du? Und komm mir nicht nochmal mit Hjorn, ich kann dir immer noch mit verbundenen Augen die Fresse polieren, wenn ich will.“ Eine Pause, Zeit für einen flachen Atemzug. „Und wie zur Hölle hast du mich hier gefunden?“ Ihre Finger krallten sich leicht um den Hals der Karaffe. Dann, ohne ihn anzusehen, hob sie das Ding wieder an, und nahm einen deutlich größeren Schluck, verzog das Gesicht, fluchte leise, und wischte sich mit dem Handrücken über den Mund, während ihr Blick stur auf den Horizont gerichtet blieb.
Der Weg hinaus auf das Feld war zehrender, als sie erwartet hatte, und gleichzeitig irgendwie besser. Das Licht traf sie wie ein Schlag, nach viel zu langer Zeit in der allgegenwärtigen, stickigen Dunkelheit der Hütte fühlte sich die Welt draußen fast unwirklich an. Das warme Gold der untergehenden Sonne, das sanfte Wiegen des Grases in einer milden Brise, die klare Luft, die nach Erde und Leben roch statt nach Krankheit und Kräutern. Tyra blinzelte gegen die ungewohnte Helligkeit, hob unbewusst die Hand, als müsse sie ihre Augen schützen. Jeder Schritt war ein Kampf, ihre wackeligen Beine fühlten sich an wie fremd, als gehörten sie jemand anderem. Doch ihr Gang blieb trotzdem aufrecht. Stolz und unbeugsam. Und sie wiederholte noch einmal für sich: Lieber würde sie hier draußen sterben, als sich an Ivar festzuhalten.
Also ging sie weiter. Und weiter. Bis ihr Körper schließlich entschied, dass es genug war. Heofader sei Dank hatte auch ihre ungewaschene Begleitung entschieden, dass er sein Ziel erreicht hatte. Tyra ließ sich neben ihn ins Gras sinken, beachtlich kontrollierter, als es sich anfühlte, aber weniger geschmeidig, als sie es sich gewünscht hätte. Ein leises Ausatmen entwich ihr, was verdächtig nach einem Stöhnen klang, kaum hörbar, während sie die Hände hinter sich ins Gras drückte, die langen Beine ausgestreckt, als wäre sie unsicher, dass sie tatsächlich frei sitzen konnte. Verflucht sei Ivar, der sie einer stützenden Wand beraubt hatte. Einen Moment blieb sie einfach sitzen, den Blick nach vorn gerichtet, als wäre nichts gewesen. Als hätte sie sich aus purer Laune hier niedergelassen. Dabei musste sie Kraft sammeln. Kraft, um schließlich erneut die Hand nach der Karaffe auszustrecken, ohne dass ihre Finger zitterten. Sie nahm sie sich ohne zu fragen und betrachtete den Inhalt, als hätte er sie persönlich beleidigt.
„Ich glaube, Pferdepisse kann nicht schlechter schmecken“, murmelte sie, bevor sie einen weiteren, vorsichtigen Schluck nahm. Dieses Mal weniger gierig. Mehr prüfend. Es war immer noch widerlich, doch es brannte angenehm. Sie warf Ivar einen Seitenblick zu. Nur kurz. Zu kurz, als dass er es als taxierend hätte deuten können. Er war da. Atmend, in einem Stück. Das war alles, was zählte, oder? Und genau deshalb machte es sie wahnsinnig. „Also.“ Ihre Stimme war wieder lauter, rau, aber klar. „Jetzt hör auf, in den heißen Brei zu scheißen, oder wie das heißt.“ Sie drehte die Karaffe leicht in der Hand, ließ den Rest des Weins darin schwappen. „Wo warst du? Und komm mir nicht nochmal mit Hjorn, ich kann dir immer noch mit verbundenen Augen die Fresse polieren, wenn ich will.“ Eine Pause, Zeit für einen flachen Atemzug. „Und wie zur Hölle hast du mich hier gefunden?“ Ihre Finger krallten sich leicht um den Hals der Karaffe. Dann, ohne ihn anzusehen, hob sie das Ding wieder an, und nahm einen deutlich größeren Schluck, verzog das Gesicht, fluchte leise, und wischte sich mit dem Handrücken über den Mund, während ihr Blick stur auf den Horizont gerichtet blieb.
![[Bild: tyra-sig.png]](https://i.postimg.cc/s27tLRQ3/tyra-sig.png)

