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down to the river to pray
12.10.1016 - 06:00
Maebhs Garten

Test
Maebh Fraser
Herbstland - Admin
Alter 31
Beruf Ehefrau
Wohnort Kenmara
Stand Verheiratet
User Cat
#7
Du bist nicht allein.
Dieser Satz schien in Maebhs Gedanken ein Echo auszulösen, dass sich in rapider Geschwindigkeit zu einem wahren Sturm der Emotionen aufbaute. War es Überforderung? Oder Erleichterung? War sie glücklich? Traurig? Fühlte sie sich wahrgenommen? Oder wollte sie sich verkriechen? Wie genau verhielt man sich, wenn einem so ein Satz gesagt wurde? Dabei war er an sich nichts wirklich ‹Besonderes›. Von ihrem Vater hatte sie solche Sätze oft gehört. Ihre Mutter hatte jede Gelegenheit wahrgenommen ihr zu sagen, dass sie geliebt wurde. Maebh wusste, wie sich das anfühlte, aber in den letzten Jahren hatte sie sich selbst nicht erlaubt, auch nur im Ansatz so zu leben. Sie hatte sich dieses Bedürfnis nicht eingestanden und war im Schatten anderer Menschen gewandelt.
Ihrem Sohn hingegen hatte sie genau diese Liebe, dieses Selbstverständnis, durchaus gegeben. Aeadan wusste, dass er geliebt wurde. Dass er niemals alleine war. Das er beschützt wurde.
Sie selbst hatte sich aber lange genug alles andere als beschützt gefühlt. Aber war es am Ende sie selbst gewesen, die sich diesen Schutz versagt hatte? Wäre nötig gewesen, dass sie Eanruig sagte, was sie brauchte? Aber er selbst war noch so in seiner Trauer gefangen gewesen, sie bezweifelte sehr stark, dass er sie hätte sehen können. Sehen auf dieser Ebene, auf der er sie jetzt sah.
«Es war kurz nach meiner Ankunft hier», riss Maebh sich schwerfällig aus den eigenen Gedanken darüber, ob sie selbst ihre Situation zu verantworten hatte. «Rowan und ich waren uns einfach sehr... zugetan, schätze ich.»
Damit hatte sie auch endlich den Namen des Mannes genannt. «Aber es war von Anfang an zum scheitern verurteilt und sein Geschick mit Worten umzugehen, wenn er mit einer Frau spricht, sei jetzt mal dahingestellt.»
Sie verzichtete darauf, der Freundin davon zu erzählen, wie grandios der Fraser die gesamte Unterhaltung in den Sand gesetzt hatte. Obwohl, vielleicht war es doch sinnvoll es anzuschneiden?
«Da ist nichts mehr. Er hat es immerhin auf den Punkt gebracht. Ich bin quasi seine Tante und damit wird es ohnehin... merkwürdig? Und nachdem er mir noch erklären wollte, dass ich als Frau ja gar nicht verstehen kann, wie schwer er es als Mann hat könnte es sein, dass ich ihm den Kopf ein wenig zurechtgerückt habe, nur um ihn dann stehen zu lassen. Aber Liebe ist das nicht. War es nie. Ich war einsam und für ihn eine Gelegenheit. Vielleicht fand er mich auch ansprechend. All das ist durchaus im Rahmen des Möglichen.»
Und am Ende würden sie die Wahrheit vermutlich ohnehin nicht herausfinden können. Sie und Rowan hatten irgendwas ineinander gesehen. Aber was auch immer es gewesen war – spätestens nach der Situation im Stall vor einigen Tagen hatte er alles an Land verloren, was er anfänglich gut gemacht hatte. Und gegenwärtig sah Maebh keinen Grund darin, irgendwas daran zu kitten oder wieder gutzumachen. Sie war immer noch leicht angesäuert und da er sich nicht entschuldigt hatte oder anderweitig auf sie zugekommen war, sah sie auch keinen Grund das ebenfalls zu tun. Sie wusste nicht einmal, ob er wieder abgereist war.
Sie hob also ein wenig die Schultern.
«Ich habe gute Absichten, ja. Aber reicht das aus? Er wird sich dennoch betrogen fühlen und ich weiß nicht, ob meine guten Absichten das aufwiegen, Yue. Es könnte auch sein, dass er wütend wird. Mich verstößt. Ich kann unmöglich vorhersehen, wie er reagieren wird.»
Ihr Blick richtete sich fest auf die Freundin und mit einem Mal fühlte sie sich hilflos und verloren. Als hätte man die Freude einfach aus ihrem Herz gepresst wie Saft aus den Beeren des Spätsommers, wenn man sie für den Winter in Eichenfässern vorbereitete, damit sie dort zu leckerem Wein wurden.
«Was, wenn diese Geschichte im Nachgang alles zerstört, was mir wichtig ist? Wir waren schon verheiratet. Was, wenn er anzweifelt, dass Aedan von ihm ist? Es gibt so viele Möglichkeiten, Yue. Ich weiß gar nicht, wie ich damit umgehen soll.»
Das belastete sie sehr und sie hätte gerne mit Eanruig darüber gesprochen. Ihm versichert, dass keine dieser Befürchtungen der Wahrheit entsprach, gar nicht entsprechen konnte. Dass sie ihn liebte und nicht wollte, dass er sie verstieß. Dass sie auch das gemeinsame Kind liebte und dass sie in Rowan nie verliebt gewesen war. Dass es einfach nur der Einsamkeit zu Schulden war. Sie wollte, dass er sie in den Arm nahm, ihr sagte, dass alles wieder gut würde. Das sie es gemeinsam durchstehen würden. Aber das konnte sie unmöglich von ihm erwarten. Unterm Strich hatte sie ihn betrogen und entweder sie sagte es ihm, früher oder später – ungeachtet der Konsequenzen. Oder aber sie schwieg und nahm dieses Geheimnis mit ins Grab. Aber sie konnte sich auch nicht sicher sein, ob Rowan es schaffte, den Mund zu halten. Immerhin hatte er ja bewiesen, dass er eher wie ein Klotz war, der sich grob in Lücken schob. Blieb an dieser Stelle nur zu hoffen, dass er dieselbe strategische Grütze nicht auch abzog, wenn er mit Eanruig sprach. Denn wenn das geschah, dann war es vermutlich eher schwierig, an dieser Stelle noch irgendwas zu kitten.

«Ich bin nicht mehr das Mädchen, nein. Aber meine Stiefmutter ist immer noch genau dasselbe Monster, dass sie immer schon war. Ich verstehe gar nicht, warum Vater bei ihr bleibt. Und ich bin... unfassbar missgünstig, weil diese Frau wirklich... weißt du, ich finde, man sollte an einem Menschen immer auch das positive sehen. Aber an ihr ist nichts wirklich positiv. Sie war schon immer missgünstig, verachtete jeden unter ihrem eigenen Stand und nur sie ist perfekt. An allem findet sie etwas Schlechtes und hätte ihre Ausstrahlung eine reale Auswirkung, würde vermutlich alles um sie herum verwelken und sterben.»
Und damit lag Maebh komplett richtig, auch wenn sie nicht wusste, dass die Umstände des Todes ihrer Mutter eben die Schuld ihrer Schwester waren. All diese Dinge waren für die junge Fürstin schlichtweg nicht sichtbar und hätten ein sicherlich ganz und gar anderes Bild auf die gesamte Situation geworfen. Und vor allem auf das, was Maebh zu tun gedachte.
«Am liebesten wäre mir, ich hätte eine Möglichkeit die Verbindung zwischen ihnen zu kappen. Er wirkt nicht glücklich, Yue. Er ist sogar sehr unglücklich und sie ist ein richtiges Biest. Der König schickt aus, einen Drachen zu töten? Ich kann ihm einen zeigen», stellte sie ein wenig verbittert fest. «Und dieser Drache trägt das Kostüm eines Menschen und immer nur die teuersten Dinge, die er finden kann. Sie brandschatzt und hortet, was auch immer sie in ihre Klauen bekommt. Sei es nun das Herz meines Vaters, mein Selbstewusstsein oder...»
Sie stockte und blieb ruckartig stehen. Ein wenig überrascht blinzelnd.
«Oder das Leben meiner Mutter. An der Seite eines Mannes, den sie immer wollte. Yue... meinst du, es könnte sein, dass sie was mit dem Tod meiner Mutter zu tun hat?»
Natürlich war die Frage überflüssig. Yue kannte ihre Stiefmutter wenn überhaupt nur flüchtig. Und konnte sich kaum eine Meinung darüber bilden.
Aber war das möglich? War das alles – all das Schlimme, was geschehen war – am Ende völlig außerhalb ihrer Handlungsfähigkeit gewesen? War all das, was geschehen war, nur geschehen, weil es ihre Stiefmutter gab?
Maebh fühlte etwas in sich hochkochen, dass sie nicht kannte. Und dass sie im ersten Moment sehr erschreckte. Es war heiß, fast schon glühend und schien sich mit einem Mal durch ihr gesamtes Empfinden zu fressen wie Glut durch trockenes Laub.
Zorn.
Sie war wütend. Nachvollziehbar und rechtschaffen wütend. Und während sie noch damit kämpfte, diese neue Empfindung zu regulieren geschah etwas anderes, dass sich ihrer persönlichen Wahrnehmung gänzlich entzog.

Ein Wispern ging durch den Flur, in dem sie standen, gefolgt von einem dumpfen Geräusch, dass zunächst leise war. Und dann immer stärker wurde. Es gewann an Rhythmus und Kraft und nahm nach und nach den Klang eines Herzschlages an. Ruhig, stark und stabil. Das Geräusch hüllte die Priesternovizin vollständig in sich ein und würde sie, zumindest für den Moment, von all ihren irdischen Empfindungen abschneiden.
Jahrtausende alte Magie tat ihre Wirkung, blieb für Maebh allerdings gänzlich unsichtbar, während das Bluterbe der Priesternovizin sie so tief mit den Wurzeln des Kontinents verband, dass sie das Herz eines ungeborenen Kindes schlagen hörte, dass sich viel weiter entfernt befand, als der warme Körper direkt neben ihr.
Das Geräusch schwoll zu einem wilden Intermezzo aus wummernden Herzschlägen an und ebbte schließlich völlig ab, als die Magie die Verbindung zu den noch nicht geübten magischen Sinnen der Novizin verlor. Zurück blieb nur die unbändige Lebensfreude eines ungeborenen Organismus, der bereits die Einwirkungen seiner Umwelt wahrnahm und danach strebte, das Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Das Glück und die Unbedarftheit einer jungen Seele, die noch nicht von der Welt geschädigt und verdorben war. Pure uverfälschte Unschuld.

«Yue?»
Maebhs Stimme unterbrach die plötzliche Stille mit sanfter Besorgnis.
«Geht es dir gut?»
Aufmerksam musterte sie das Gesicht der Novizin und versuchte herausfzinden, was gerade geschehen war. Ihre Wut war verflogen und hatte der Sorge einer Freundin das Feld geräumt.
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down to the river to pray - von Maebh Fraser - 26-02-2026, 01:30
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