04-05-2026, 22:52 - Wörter:
Töchter. Manchmal waren sie schlimmer als jeder Kampf, vielleicht sogar schlimmer als jeder Krieg, und vor allem, wenn man sich einer gegenübersah, deren inneres Feuer so heiß brannte, dass selbst nur ein Blick darauf zu Verbrennungen führen konnte. Und trotz alledem konnte er es nicht weiter aufschieben, dieses Gespräch mit ihr, um das Feuer zu einer Glut herunterbrennen zu lassen oder sich daran zu verbrennen … nicht, wenn in kaum mehr als einem Tag Hochzeit gefeiert werden sollte und sie dort zusammenstehen mussten als Familie. Einer Familie, zu der auch Moira gehörte, seine Wilde, seine Ungezähmte, die in ihm, wann immer er sie ansah, einen Schmerz entstehen ließ, der mit nichts zu vergleichen war, was er jemals erlebt hatte. Einen Schmerz, der seit acht Jahren zu einer stetigen Konstante geworden war. Eine Konstante, die vielleicht nie vergehen würde, weil das Loch, aus dem sie entstanden war, niemals mehr gefüllt werden konnte, ganz gleich, wie viel Garn und Flicken er dafür auch verwenden würde, weil diejenige, die es geschlagen hatte, fort war. Für immer. Ein Gedanke an Áinfean schmerzte noch immer und so schmerzte auch der Anblick von Moira stets auf eine ganz besondere Weise, weil er sie in ihr wiedersah. Tag ein, Tag aus erkannte er seine verstorbene Frau in ihr und all das machte es manchmal nicht einfach, nein, wahrlich nicht. Vor allem zum Anfang hatte er kaum den Blick auf sie richten können, ohne erneut von den Wellen der Trauer ergriffen zu werden, von dem Sog, der drohte, ihn hinabzuziehen dorthin, wo es kalt und still war und nur das Nichts wartete. Es war besser geworden, mit der Zeit, und sicherlich hatte auch Maebh ihren Teil dazu beigetragen. Die Frau, die er doch nicht gewollt, aber nun an seiner Seite hatte und die mehr war, als er jemals geglaubt hatte, und die ihn anders, aber umso viel tiefer berührte, als Áinfean es jemals getan hatte.
Doch trotz alledem würde er mit Moira sprechen müssen, mit seiner brennenden, seiner ungestümen Moira, die ihn vielleicht noch früher zur Mutter bringen würde, als er es sollte, vor allem dann, wenn es darum gehen würde, ihr einen Ehemann zu suchen, und ja … vielleicht wäre es dafür gut, wäre Áinfean noch da, um die Wogen zu glätten und ihm beizustehen bei diesem Kampf, diesem Krieg, der wahrlich ausbrechen würde, aber dies … dies war nicht mehr möglich und in diesem Augenblick nicht der Grund, warum er sich auf den Weg zu der jungen Frau gemacht hatte. Sondern um mit ihr das Gespräch zu suchen und in der Hoffnung, die Wogen zu glätten für den morgigen Tag, für die Hochzeit, die die Feste bereits summen ließ wie einen hungrigen Schwarm Bienen und die eigentlich ein Freudentag werden sollte und in Eanruigs Bauch doch ein unruhiges Gefühl entstehen ließ, das unweigerlich von Sorge herrührte und dem bitteren Geschmack der Schuld.
Er war bestrebt, darin gewesen, Moira in ihrem Zimmer aufzusuchen, dort um das wohl schon viel zu lang ausstehende Gespräch zu bitten, aber ihre Türe hatte offen gestanden und die junge Frau war darin nicht auszumachen gewesen. Eanruig hatte dies fast schon erwartet, wusste er doch um Moiras Bestreben, nach draußen zu fliehen, wenn sie etwas beschäftigte, sei es, um wahrlich kaum damenhaft sich in dem Geäst der alten Bäume im Garten einen Platz zu suchen, oder aber ihren Weg an den Hafen zu finden oder gar an den Strand. Schlug sie dahingegen doch wahrlich unweigerlich nach ihm selbst, suchte Einsamkeit und Stille in dem Antlitz der niemals endenden Wellen und dem Rauschen, das sie mit sich brachten. Somit führte ihn sein Weg durch die Flure und Gänge der Feste bis hinaus in den Garten, der von zwei Seiten von hohen Mauern umgeben war, aber trotz alledem von einer Seite mit einem Blick, der über die Klippen erbaut worden war. Dorthin, wo einige wenige Bäume standen, so alt, dass sie bereits so groß und mächtig gewesen waren wie jetzt, als Eanruig selbst noch ein Junge gewesen war. Ihre Kronen waren windschief, die Äste streckten sich zur Feste hin aufgrund der vielen Jahre unter den stetigen Winden und Stürmen von Kenmara. Dort zwischen dem Geäst konnte er die Gestalt von Moira ausmachen, seiner brennenden, seiner wilden Moira, die alles und nichts war, mit der er als Tochter jemals gerechnet hatte. Wahrlich.
Eanruig trat langsam näher, die Hände locker hinter dem Rücken zusammenhaltend, die Schultern in einer festen, nie wankenden Linie gerade zurückgezogen und den Blick doch nur halb auf die junge Frau gerichtet, die dort im Geäst saß wie ein Vogel in seinem Nest. Er schwieg mehr als einen Augenblick, bis er schließlich das Wort ergriff: „Irgendwann wirst du herunterkommen müssen … außer du hast vor, dort Teil des Geästes zu werden“, sprach er mit ruhiger, sanfter Stimme aus, den Blick auf die junge Frau gerichtet, die er Tochter nannte.
Doch trotz alledem würde er mit Moira sprechen müssen, mit seiner brennenden, seiner ungestümen Moira, die ihn vielleicht noch früher zur Mutter bringen würde, als er es sollte, vor allem dann, wenn es darum gehen würde, ihr einen Ehemann zu suchen, und ja … vielleicht wäre es dafür gut, wäre Áinfean noch da, um die Wogen zu glätten und ihm beizustehen bei diesem Kampf, diesem Krieg, der wahrlich ausbrechen würde, aber dies … dies war nicht mehr möglich und in diesem Augenblick nicht der Grund, warum er sich auf den Weg zu der jungen Frau gemacht hatte. Sondern um mit ihr das Gespräch zu suchen und in der Hoffnung, die Wogen zu glätten für den morgigen Tag, für die Hochzeit, die die Feste bereits summen ließ wie einen hungrigen Schwarm Bienen und die eigentlich ein Freudentag werden sollte und in Eanruigs Bauch doch ein unruhiges Gefühl entstehen ließ, das unweigerlich von Sorge herrührte und dem bitteren Geschmack der Schuld.
Er war bestrebt, darin gewesen, Moira in ihrem Zimmer aufzusuchen, dort um das wohl schon viel zu lang ausstehende Gespräch zu bitten, aber ihre Türe hatte offen gestanden und die junge Frau war darin nicht auszumachen gewesen. Eanruig hatte dies fast schon erwartet, wusste er doch um Moiras Bestreben, nach draußen zu fliehen, wenn sie etwas beschäftigte, sei es, um wahrlich kaum damenhaft sich in dem Geäst der alten Bäume im Garten einen Platz zu suchen, oder aber ihren Weg an den Hafen zu finden oder gar an den Strand. Schlug sie dahingegen doch wahrlich unweigerlich nach ihm selbst, suchte Einsamkeit und Stille in dem Antlitz der niemals endenden Wellen und dem Rauschen, das sie mit sich brachten. Somit führte ihn sein Weg durch die Flure und Gänge der Feste bis hinaus in den Garten, der von zwei Seiten von hohen Mauern umgeben war, aber trotz alledem von einer Seite mit einem Blick, der über die Klippen erbaut worden war. Dorthin, wo einige wenige Bäume standen, so alt, dass sie bereits so groß und mächtig gewesen waren wie jetzt, als Eanruig selbst noch ein Junge gewesen war. Ihre Kronen waren windschief, die Äste streckten sich zur Feste hin aufgrund der vielen Jahre unter den stetigen Winden und Stürmen von Kenmara. Dort zwischen dem Geäst konnte er die Gestalt von Moira ausmachen, seiner brennenden, seiner wilden Moira, die alles und nichts war, mit der er als Tochter jemals gerechnet hatte. Wahrlich.
Eanruig trat langsam näher, die Hände locker hinter dem Rücken zusammenhaltend, die Schultern in einer festen, nie wankenden Linie gerade zurückgezogen und den Blick doch nur halb auf die junge Frau gerichtet, die dort im Geäst saß wie ein Vogel in seinem Nest. Er schwieg mehr als einen Augenblick, bis er schließlich das Wort ergriff: „Irgendwann wirst du herunterkommen müssen … außer du hast vor, dort Teil des Geästes zu werden“, sprach er mit ruhiger, sanfter Stimme aus, den Blick auf die junge Frau gerichtet, die er Tochter nannte.
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