05-05-2026, 14:23 - Wörter:

Natürlich wusste die Prinzessin, wieso ihr Vater hier war. Wahlweise wollte er sie rügen, oder sich erklären und ihr seine Entscheidung gut reden. Sie wollte nichts davon hören, vielleicht auch ein bisschen, weil er womöglich Recht haben könnte. Und das bedeutetet unweigerlich auch, dass Maebh Recht hätte. Und davon abgesehen, war sie einfach noch nicht so weit. Sie war noch nicht bereit sich damit zu beschäftigen und noch weniger bereit zu verzeihen. Und ihr Vater machte auch nicht gerade den besten Versuch dazu. „Ich sorge nur dafür, dass mein Körper schön und ansehnlich bleibt, Vater.“ Immerhin war man als Frau anders kaum etwas wert. Andererseits... wäre es wohl eine Option einfach fett zu werden, damit die Chancen schlechter ständen, dass man jemanden fand, der sie haben wollte als Weib? Sie verdrängte den Gedanken schnell wieder. Irgendwer würde sich wegen ihres Standes immer für sie interessieren. Die Bewerber würden nur schlechter werden. Und dann würde sie letztendlich einfach nur einen unansehnlichen Mann an ihre Seite bekommen. Das wollte sie auch nicht. Wenn es schon keine andere Option gab, als dass sie irgendwann einmal verheiratet werden würde, dann doch bitte wenigstens mit einem gut aussehenden Mann. Besser noch: gutaussehend, nett und lustig. Sie hatte Vorstellungen von ihrem Traumprinzen, aber sie wusste auch, dass das Heiraten von Traumprinzen den Frauen in Geschichten vorbehalten war.
„Vielleicht möchtet Ihr ja herauf kommen oder seid Ihr bereits ein alter Mann?“ Sie war frech. Sie war sogar so frech, dass andere Leute jetzt sicherlich erschrocken die Luft angehalten hätten. Aber wenigstens hatte Moira sich versichert, dass niemand in der Nähe war. Denn auch wenn sie wütend war, so war sie nicht töricht genug, die Stellung ihres Vaters mit Füßen zu treten. Sie schätzte ihn. Nur eben jetzt gerade in diesem Moment nicht. Und ja – sie überschritt hier eine Grenze und wusste das auch. Für gewöhnlich bekam nur Maebh diesen Trotz ab, deswegen war sie bereits Sekunden nach ihrer Dreistigkeit auch besorgt, dass sie zu sehr über die Stränge geschlagen hatte. Vielleicht lenkte sie deswegen auch ein Stück weit ein. Sie wollte, dass ihr Vater verstand, dass sie verstimmt war. Sie wollte nicht, dass er sie hasste. „Ich komme herunter“, erklärte sie daher, schwang die Beine vom Ast auf dem sie saß herunter und ohne große Probleme und ohne ihren Rock auch nur ein bisschen zu beschädigen, kletterte sie hinab. Sobald sie festen Boden unter den Füßen hatte, blickte sie zu ihrem Vater auf. Unsicher, ob er ihr jetzt wortwörtlich die Ohren langziehen würde. Verdient hätte sie es wohl.
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