14-05-2026, 10:23
Tariq neigte ein wenig den Kopf und runzelte dann die Stirn, während er den Freund – wenn er denn einer war! – nachdenklich musterte. Er fragte sich wirklich, ob Keeran das hier ernst nahm. Ob er ihn ernst nahm. Oder ob er für Keeran wie ein Schuljunge war, der noch angelernt und erzogen werden musste. Oder war er es, der sich so weit unter den Älteren stellte, dass er das Gefühl hatte, nicht einmal die Sohlen seiner Stiefel von dem Punkt aus zu erreichen, an dem er sich befand?
Er wusste es nicht. Tariq fühlte sich von Keerans Ruhe öfters eingeschüchtert. Nichts, dass er offen zugeben würde, aber die ruhige Stabilität des älteren Mannes beunruhigte ihn. Neshat ließ sich nicht in die Karten schauen. Wenn er überhaupt mal was preisgab, und das war selten genug, dann hatte Tariq eher das Gefühl, dass es nur sehr bewusst geteilte Informationen waren, die dem Mann am Ende auch nicht negativ würden ausgelegt werden können.
Der spitzfindige Kommentar machte es dabei nicht besser und aus irgendeinem Grund fühlte Tariq sich unglaublich angegriffen. Der fein platzierte Spott sorgte dafür, dass seine Ohren warm wurden und er sich insgeheim fragen musste, wie genau Keeran darauf kam, dass ihm die Leute egal waren. So ganz vollständig war das vermutlich wirklich nicht so. Aber im Grunde arbeitete auch Tariq sich einfach nur in die eigene Tasche. Und ob dabei jemand zu Schaden kam, war ihm reichlich egal. Dennoch traf der Satz. Ob es nun der Spott war oder der Umstand, dass Tariq Keeran nicht über den Weg traute, wusste er allerdings auch nicht zu sagen.
Stattdessen überging er das initiale Gefühle und konzentrierte sich auf das, was Keeran bezüglich Yasirah zu sagen hatte. Er hatte gerade den Mund öffnen wollen, um zu antworten, als sich hinter ihnen die Tür zu Keerans Arbeitszimmer aufschob und die Präsenz einer weiteren Person den Raum erfüllte. Tariq drehte nur halb den Kopf und hätte fast geseufzt, als ihm aufging, dass es sich um den Gast nur um eine einzige Person handeln konnte.
Aber da schob sich Vanja bereits an ihm vorbei und stellte ein Tablett mit Tee und Süßspeisen auf Keerans Schreibtisch ab, ehe sie beide Männer mit einem ruhigen aber durchdringenden Blick musterte.
«Ihr beiden werdet Yasirah doch ohnehin nicht dazu bekommen, dass sie mit euch mitarbeitet», eröffnete sie kurzerhand das Wort an die beiden Verschwörer, als hätte sie jedes Recht hier zu sprechen. Bei Tariq kam ihre Einmischung alles andere als gut an. Eine Frau hatte sich aus den Angelegenheiten der Männer herauszuhalten und zu tun, was man ihr sagte. Für Vanja Neshat hingegen schienen diese Regeln nicht zu gelten. Sie tat, was sie wollte, wenn sie es wollte und ein Teil von Tariq war sich absolut sicher, dass Keeran genau das mochte. Warum nahm man sich eine Frau, die man nicht bändigen konnte? Oder züchtigte er sie etwa im Schlafzimmer so hart, das all das hier abgekartetes Spiel war? Über die Beziehung der beiden wusste er nichts. Auch jetzt schienen sie nicht wirklich die Nähe zueinander zu suchen und Vanjas durchdringender Blick lag mehr auf ihm als auf ihrem Mann.
«Ich weiß, was du denkst.»
Ihre Stimme sorgte dafür, dass er den Blick zu ihr hob und sie fragend ansah.
«Aber was Yasirah angeht, sind euch als Männer die Hände gebunden. Mein Vorschlag ist – gebt ihr ein wenig Freiheit. Lasst sie aus dem Loch holen, in dem ihr sie zweifelsohne gerade verwahren werdet und gebt ihr die Illusion von Rechten. Und dann bringt ihr sie hier her. Ein wenig ehrliche Arbeit wird ihr gut tun. Ich bin mir sicher, unsere Diener werden ihr schon Benehmen beibringen, wenn sie nicht spurt.»
«Du willst die Königin hier als Sklavin arbeiten lassen?»
«Natürlich», hob Vanja die Schultern. «Sie ist nicht mehr die Königin. Sie ist die Witwe eines verstorbenen Despoten, dessen Namen man lieber schnell vergessen möchte. Wenn ihr sie jetzt auf die Straße schickt und die Leute erkennen sie, dann wird sie gelyncht, bevor ihr irgendwas dagegen tun könnt.» Sie nahm einen Schluck von ihrem Tee und hob die schmalen Schultern ein wenig an. «Wenn sie hingegen eine Weile hier gearbeitet hat und man die Spuren der harten Arbeit sieht, dann wird sie vielleicht ein wenig demütiger sein.»
«Oder in Selbstmitleid zergehen, Vanja», gab Tariq trocken zurück.
«Nun», Vanja stellte die Tasse ab und ein gleichgültiges, schmales Lächeln zupfte an den Lippen in ihrem hübschen Gesicht. «In dem Fall sind meine Peitsche und ich schnell bei der Sache. Sie wird ihren Platz schon finden.»
Tariq konnte regelrecht spüren, wie ihm eine Gänsehaut in den Nacken krabbelte und er unterdrückte nur mit viel Mühe ein Erbeben seines ganzen Körpers. Die Frau erinnerte ihn mehr an ein jagendes Raubtier als an einen Menschen mit Gefühlen. Und er musste das wissen. Diesen Gesichtsausdruck, diese Körperhaltung - die kannte er. Er transportierte diesen Eindruck selbst, wenn er etwas wollte und seinen Willen durchsetzte. Vanja Neshat war damit kein Einzelfall.
«Ich würde dir gerne widersprechen», begann er also nach einer Weile der Stille zwischen ihnen, «aber die Idee hat was.»
«Natürlich», schnaubte sie. «Sie kommt ja auch von einer Frau.»
Darüber, wie gut die Ideen von Frauen war, mochte man streiten können, fand Tariq. Aber der Umstand, dass Vanja sich so dreist in ihre Unterhaltung einmischte ließ in ihm die Frage aufkommen, ob sie noch mehr tat als das, was er jetzt beobachtete. Sprach Keeran mit ihr? Holte er sich Rat? Oder mischte sie sich einfach ein? Manipulierte sie ihren Ehemann? Und überhaupt... sie konnte mit einer Peitsche umgehen?
Nur aus den Augenwinkeln versuchte er sie zu mustern, kam aber nicht umhin, sie direkt anzuschauen. Vanja Neshat mit ihrem schönen Gesicht und den dunklen Augen, immer perfekt frisiert, geschminkt und gekleidet, war eine zierliche und schöne Frau, der man keine Grobheiten unterstellen würde. Sie ergänzte Keeran in vielerlei Hinsicht und wertete ihn schon durch die eigene Optik erheblich auf, wann immer die beiden zusammen auftraten. Vanja war bildhübsch. Sie wusste, wie sie sich zu präsentieren hatte und jetzt hatte Tariq auch noch die Information über sie bekommen, dass sie offenbar zu diversen Grausamkeiten neigte.
Der Gedanke daran, wie die zierliche Frau eine Peitsche schwang, um jemand anders als sich damit zu treffen, amüsierte ihn auch nur fast so sehr, dass er sich gerade noch so im Griff hatte. Er lachte natürlich nicht über den Gedanken. Er wollte nicht herausfinden, wie Keeran reagierte – oder Vanja selbst – wenn er die Grenzen der Gastfreundschaft zu sehr ausreizte.
Also hob er schlicht ein wenig die Schultern, ließ sie kurz kreisen und richtete sich dann ein wenig auf.
«Ich verspreche mir in erster Linie Stabilität. Und natürlich auch, dass meine Position sich festigt. Das ist nun auch nichts Neues.»
Und klang bescheiden genug um nicht durchscheinen zu lassen, dass er die vollständige Kontrolle wollte. Über das Land. Über Samir. Über die Regierung. Dass er wollte, dass Keeran das Knie vor ihm beugte. Dass die Amra begriffen, dass er es war, der die Spitze der Nahrungskette anführte. Aber er hatte jetzt keine Zeit, sich in den eigenen Machtfantasien zu ergehen.
Er wusste es nicht. Tariq fühlte sich von Keerans Ruhe öfters eingeschüchtert. Nichts, dass er offen zugeben würde, aber die ruhige Stabilität des älteren Mannes beunruhigte ihn. Neshat ließ sich nicht in die Karten schauen. Wenn er überhaupt mal was preisgab, und das war selten genug, dann hatte Tariq eher das Gefühl, dass es nur sehr bewusst geteilte Informationen waren, die dem Mann am Ende auch nicht negativ würden ausgelegt werden können.
Der spitzfindige Kommentar machte es dabei nicht besser und aus irgendeinem Grund fühlte Tariq sich unglaublich angegriffen. Der fein platzierte Spott sorgte dafür, dass seine Ohren warm wurden und er sich insgeheim fragen musste, wie genau Keeran darauf kam, dass ihm die Leute egal waren. So ganz vollständig war das vermutlich wirklich nicht so. Aber im Grunde arbeitete auch Tariq sich einfach nur in die eigene Tasche. Und ob dabei jemand zu Schaden kam, war ihm reichlich egal. Dennoch traf der Satz. Ob es nun der Spott war oder der Umstand, dass Tariq Keeran nicht über den Weg traute, wusste er allerdings auch nicht zu sagen.
Stattdessen überging er das initiale Gefühle und konzentrierte sich auf das, was Keeran bezüglich Yasirah zu sagen hatte. Er hatte gerade den Mund öffnen wollen, um zu antworten, als sich hinter ihnen die Tür zu Keerans Arbeitszimmer aufschob und die Präsenz einer weiteren Person den Raum erfüllte. Tariq drehte nur halb den Kopf und hätte fast geseufzt, als ihm aufging, dass es sich um den Gast nur um eine einzige Person handeln konnte.
Aber da schob sich Vanja bereits an ihm vorbei und stellte ein Tablett mit Tee und Süßspeisen auf Keerans Schreibtisch ab, ehe sie beide Männer mit einem ruhigen aber durchdringenden Blick musterte.
«Ihr beiden werdet Yasirah doch ohnehin nicht dazu bekommen, dass sie mit euch mitarbeitet», eröffnete sie kurzerhand das Wort an die beiden Verschwörer, als hätte sie jedes Recht hier zu sprechen. Bei Tariq kam ihre Einmischung alles andere als gut an. Eine Frau hatte sich aus den Angelegenheiten der Männer herauszuhalten und zu tun, was man ihr sagte. Für Vanja Neshat hingegen schienen diese Regeln nicht zu gelten. Sie tat, was sie wollte, wenn sie es wollte und ein Teil von Tariq war sich absolut sicher, dass Keeran genau das mochte. Warum nahm man sich eine Frau, die man nicht bändigen konnte? Oder züchtigte er sie etwa im Schlafzimmer so hart, das all das hier abgekartetes Spiel war? Über die Beziehung der beiden wusste er nichts. Auch jetzt schienen sie nicht wirklich die Nähe zueinander zu suchen und Vanjas durchdringender Blick lag mehr auf ihm als auf ihrem Mann.
«Ich weiß, was du denkst.»
Ihre Stimme sorgte dafür, dass er den Blick zu ihr hob und sie fragend ansah.
«Aber was Yasirah angeht, sind euch als Männer die Hände gebunden. Mein Vorschlag ist – gebt ihr ein wenig Freiheit. Lasst sie aus dem Loch holen, in dem ihr sie zweifelsohne gerade verwahren werdet und gebt ihr die Illusion von Rechten. Und dann bringt ihr sie hier her. Ein wenig ehrliche Arbeit wird ihr gut tun. Ich bin mir sicher, unsere Diener werden ihr schon Benehmen beibringen, wenn sie nicht spurt.»
«Du willst die Königin hier als Sklavin arbeiten lassen?»
«Natürlich», hob Vanja die Schultern. «Sie ist nicht mehr die Königin. Sie ist die Witwe eines verstorbenen Despoten, dessen Namen man lieber schnell vergessen möchte. Wenn ihr sie jetzt auf die Straße schickt und die Leute erkennen sie, dann wird sie gelyncht, bevor ihr irgendwas dagegen tun könnt.» Sie nahm einen Schluck von ihrem Tee und hob die schmalen Schultern ein wenig an. «Wenn sie hingegen eine Weile hier gearbeitet hat und man die Spuren der harten Arbeit sieht, dann wird sie vielleicht ein wenig demütiger sein.»
«Oder in Selbstmitleid zergehen, Vanja», gab Tariq trocken zurück.
«Nun», Vanja stellte die Tasse ab und ein gleichgültiges, schmales Lächeln zupfte an den Lippen in ihrem hübschen Gesicht. «In dem Fall sind meine Peitsche und ich schnell bei der Sache. Sie wird ihren Platz schon finden.»
Tariq konnte regelrecht spüren, wie ihm eine Gänsehaut in den Nacken krabbelte und er unterdrückte nur mit viel Mühe ein Erbeben seines ganzen Körpers. Die Frau erinnerte ihn mehr an ein jagendes Raubtier als an einen Menschen mit Gefühlen. Und er musste das wissen. Diesen Gesichtsausdruck, diese Körperhaltung - die kannte er. Er transportierte diesen Eindruck selbst, wenn er etwas wollte und seinen Willen durchsetzte. Vanja Neshat war damit kein Einzelfall.
«Ich würde dir gerne widersprechen», begann er also nach einer Weile der Stille zwischen ihnen, «aber die Idee hat was.»
«Natürlich», schnaubte sie. «Sie kommt ja auch von einer Frau.»
Darüber, wie gut die Ideen von Frauen war, mochte man streiten können, fand Tariq. Aber der Umstand, dass Vanja sich so dreist in ihre Unterhaltung einmischte ließ in ihm die Frage aufkommen, ob sie noch mehr tat als das, was er jetzt beobachtete. Sprach Keeran mit ihr? Holte er sich Rat? Oder mischte sie sich einfach ein? Manipulierte sie ihren Ehemann? Und überhaupt... sie konnte mit einer Peitsche umgehen?
Nur aus den Augenwinkeln versuchte er sie zu mustern, kam aber nicht umhin, sie direkt anzuschauen. Vanja Neshat mit ihrem schönen Gesicht und den dunklen Augen, immer perfekt frisiert, geschminkt und gekleidet, war eine zierliche und schöne Frau, der man keine Grobheiten unterstellen würde. Sie ergänzte Keeran in vielerlei Hinsicht und wertete ihn schon durch die eigene Optik erheblich auf, wann immer die beiden zusammen auftraten. Vanja war bildhübsch. Sie wusste, wie sie sich zu präsentieren hatte und jetzt hatte Tariq auch noch die Information über sie bekommen, dass sie offenbar zu diversen Grausamkeiten neigte.
Der Gedanke daran, wie die zierliche Frau eine Peitsche schwang, um jemand anders als sich damit zu treffen, amüsierte ihn auch nur fast so sehr, dass er sich gerade noch so im Griff hatte. Er lachte natürlich nicht über den Gedanken. Er wollte nicht herausfinden, wie Keeran reagierte – oder Vanja selbst – wenn er die Grenzen der Gastfreundschaft zu sehr ausreizte.
Also hob er schlicht ein wenig die Schultern, ließ sie kurz kreisen und richtete sich dann ein wenig auf.
«Ich verspreche mir in erster Linie Stabilität. Und natürlich auch, dass meine Position sich festigt. Das ist nun auch nichts Neues.»
Und klang bescheiden genug um nicht durchscheinen zu lassen, dass er die vollständige Kontrolle wollte. Über das Land. Über Samir. Über die Regierung. Dass er wollte, dass Keeran das Knie vor ihm beugte. Dass die Amra begriffen, dass er es war, der die Spitze der Nahrungskette anführte. Aber er hatte jetzt keine Zeit, sich in den eigenen Machtfantasien zu ergehen.