14-05-2026, 12:46 - Wörter:
Szeneninformationen
Charaktere: Maebh Fraser & Yue Bai
Szeneneinstellung: feste Postreihenfolge
Datum: 12. Oktober 1016
Ort: Maebhs Garten
Tageszeit: 06:00
Szeneneinstellung: feste Postreihenfolge
Datum: 12. Oktober 1016
Ort: Maebhs Garten
Tageszeit: 06:00
«Bis jetzt haben wir mehr nebeneinander her gelebt», stellte sie fest. «Aber gestern Abend hatten wir ein Gespräch und er hat.. er hat mich das erste Mal gesehen. Wirklich gesehen. Emotional. Und er hat sich entschuldigt und ich fühle mich schlecht weil ich weiß, dass ihn zerstören wird was ich zu sagen habe. Ich hatte überlegt, ob ich ihn bitte, unser Gelübde zu erneuern. Uns von unseren Vergehen reinzuwaschen, indem wir sie uns erzählen. Für mich ist das, was ich getan habe nur entstanden, weil er mich nicht gesehen hat. Für ihn hingegen wird es sicher anders sein. Er wird in der eigenen Trauer gar nicht begriffen haben, was ich brauche. Aber jetzt tut er das und ich bin ... glücklich darüber.»
War sie wirklich. Aber auch unglücklich. Denn belogen hatte sie ihn dennoch. Oder eher einfach nichts gesagt. Wie auch immer. Es war erst einmal nur wichtig, dass sie eine Lösung fand. Aber vielleicht gab es auch keinen perfekten Weg.
Am Ende würde sie sich seinem Zorn stellen müssen. Sie würde ihm die Wahrheit sagen, denn sie liebte ihn. Mit ihrer ganzen Seele, von ganzem Herzen mit allem, was diese Welt an Gefühlen für den menschlichen Verstand zu bieten hatte. Sie liebte ihn so sehr, dass sie dafür gerade sogar riskieren würde, weil es ihr wichtiger war, ihm die Wahrheit zu sagen, statt sich selbst zu schützen.
Sie liebte ihn so sehr, dass sie dafür sogar die Beziehung opfern würde, wenn sie nur ehrlich zu ihm sein konnte. Ehrlichkeit war ihr wichtiger als der Selbstschutz, den diese Lüge bedeutete.
«Ich glaube, den perfekten Weg gibt es nicht. Ich kann es nicht noch länger mit mir herumtragen. Vielleicht muss er gar nicht wissen, wer es war. Nur, dass es jemanden gab. Nur, dass er mir wichtiger ist als alles andere.»
Sie spürte es ganz intensiv. Er war ihr wichtig. Und wenn jemand einem wichtig war, dann belog man diese Person nicht auf so eine perfide Art und Weise. Dann sprach man die Wahrheit und stellte sich den Konsequenzen. Weil man die Person liebte. Das gehörte sich so.
Das sie die Freundin allerdings offenkundig abgehängt hatte, als es um ihre Stiefmutter ging, überraschte Maebh nicht einmal. Das Lächeln, dass sich auf ihr Gesicht malte, war eher schief. Einen Witz gab es nicht, denn ihr Verdacht war ihr bitter ernst. Sie hätte es ihr zugetraut. All das, was passiert war, hatte am Ende nur ihr in die Tasche gespielt.
Sie würde mit Eanruig darüber sprechen müssen. Über alles, was geschehen war. Er musste alles wissen. Auch damit er verstand, wie es hatte passieren können, dass sie einen solchen Fehler gemacht hatte. Dass sie sich einen Moment Schwäche erlaubt hatte. Nicht mehr hatte stark sein können. Sie hatte ein wenig Nähe gebraucht. Und sie bekommen. Mit Eanruig an sich hatte das wenig zu tun gehabt. Sie war jung und dumm gewesen.
Nein. Sie musste das anständig machen. Ihm alles erzählen. Und dann was geschehen war. Ihn um Hilfe bitten. Nicht um Verzeihung. Sie musste ihm die Gewissheit geben, dass er wütend sein durfte. Auch auf sie. Sie würde ihm Raum lassen und sich ein wenig zurückziehen, bis er sich wieder gefangen hatte. Oder aber mit ihm streiten? Sie wusste es noch nicht. Am Ende jedenfalls würde sie improvisieren müssen, denn ihr Mann war – was das anging – für sie noch nicht berechenbar.
Immer noch besorgt musterte sie das Gesicht der Freundin, die völlig abwesend wirkte. Und schüttelte dann den Kopf. «Etwas gehört?»
Nein. Sie hörte nichts, außer dem Rauschen des Meeres und dem Dröhnen des Windes, der hart gegen die unerbittlichen Mauern Kenmaras schlug. Etwas, das sie eigentlich liebte, doch jetzt gerade war es eher bedrückend. Sie sorgte sich um die Freundin.
«Ich habe gar nichts gehört. Was hast du denn wahrgenommen?», wollte sie wissen und stützte Yue ein wenig, als sie spürte, wie sie instabiler auf den eigenen Füßen stand. «Wir sollten uns einen Moment hinsetzen», entschied die junge Fürstin und nickte zu einer der Bänke, die hier standen. «Na komm. Und dann erzählst du mir, was das grade war.»

