15-05-2026, 18:06
Sie war zu ihm gekommen, unruhig und von etwas getrieben, das er nicht wirklich verstand, hatte darum gebeten, mit ihm zu sprechen, und unweigerlich war es die Sorge gewesen, die sich in die Wirrungen seines Bauches, in ihre Krallen, in die Tiefen seiner Brust gegraben hatte. Zurück erinnert an dieses eine Mal, als der Heiler mit der gleichen fahrigen Unruhe zu ihm getreten war, die Hände gerungen hatte mit der Nachricht, die so vieles in seinem damaligen Leben verändert hatte, mit der Nachricht, dass er nichts mehr tun könne … für Áinfean. Doch dies hier war nicht die gleiche Situation, es war eine andere, eine, die er noch nicht vollends verstand, während sein Blick ruhig und abwartend auf ihr lag, auf Maebh, auf der Frau, die so viel mehr für ihn war, als dass er es sich nur jemals hatte träumen lassen, und die in ihm Gefühle, Emotionen weckte, die tiefer waren als alles, was er jemals zuvor für eine Frau empfunden hatte. Es erschreckte ihn selbst noch immer und doch erfüllte es ihn ebenso mit Glück, mit einer Form dessen, was er niemals für möglich gehalten und niemals zuvor gekannt hatte und was doch der Wahrheit entsprach, wenn er sie anblickte, ihr zusah, wie sie im Erkerfenster saß und stickte oder ihren gemeinsamen Sohn auf dem Arm trug und lachte. Sie war alles und nichts, was er sich jemals hätte wünschen können, und noch immer war er dabei, diese Gefühle, das, was er dabei in den Tiefen seiner Brust, dort wo sein Herz in einem Käfig aus Fleisch und Knochen schlug, zu verstehen, denn zu allumfänglich war es, als dass er es mit einem Mal begreifen könnte.
Als sie schließlich das Wort ergriff mit der Bitte, am Anfang zu beginnen, entstand eine kleine, aber doch deutliche Falte zwischen seinen Augen und doch hörte er zu, lauschte dem, was über ihre Lippen drang und was von Augenblick zu Augenblick immer größer, immer schwermütiger wurde und in ihm doch unweigerlich noch mehr Verwirrung entstehen ließ Gewiss, sie hatte nie über ihre Mutter gesprochen. Eanruig wusste um die Umstände ihres Todes, da Celleach es ihm in einem Brief mitgeteilt hatte, doch dies, was Maebh nun äußerte, waren wahrlich schwerwiegende Anschuldigungen. Anschuldigungen, die wohl ebenso schwer zu beweisen wären und ebenso weitreichende Folgen hätten. Und doch sprach Maebh weiter, weitere Worte verließen ihren Mund und füllten die Stille des Raumes und die, die zwischen ihnen ruhte, und Eanruig hörte weiterhin schweigsam und aufmerksam zu und doch blieb die Verwirrung und die Fragen, die ihm unweigerlich auf der Zunge lagen und die doch nicht zum Ausdruck kamen, nicht, als ihre Stimme zu zittern begann und Tränen ihre Sicht trübten und er instinktiv nach ihrer Hand griff, sie festhielt und noch immer nicht verstand, bis … sie Worte aussprach, die ihn den Kontakt abbrechen ließen, seine Hand zurückziehen ließen, als habe er sich verbrannt und ja … vielleicht hatte er das auch an ihren Worten und dem, was sie mit sich brachten.
,,Und dann kam... er.“ irgendwo in Eanruig Verstand irgendwo zwischen eben jenen Windungen in seinem Kopf zerbrach etwas.
Er erhob sich, nicht mehr fähig, in diesem jenen Augenblick ihren Anblick in sich aufzunehmen, wie sie dort saß, ihre schlanke Gestalt so viel kleiner, so viel zarter als seine eigene … Diesen Anblick dieser Frau, die in diesem jenen Augenblick so schrecklich verloren wirkte und in ihm unweigerlich das Bedürfnis aufkommen ließ, auf sie zuzugehen, den Abstand, der sie zueinander trennte, zu reduzieren und nach ihren Händen zu greifen, wie bereits vor einigen Wochen zuvor, als sie gesprochen hatten, wahrlich gesprochen, und es sich nun zu wiederholen schien, doch in einem vollkommen anderen Kontext, in einem vollkommen anderen Augenblick und mit etwas, das ihm ins Herz schnitt, tiefer als jede Messerklinge es jemals schaffen würde, es schnitt tief und scharf und ließ es brennen. Und ganz gleich, wie sehr es ihn auch auf sie zu treiben mochte, das Bedürfnis nähren mochte, ihr Leid in diesem Augenblick, das sie unweigerlich zu durchleben schien, zu lindern, so waren diese Worte doch das, was ihn von ihr forttrieb. Und dann kam … er. Die Worte hielten nach und wurden mit jedem verstreichenden Herzschlag lauter und lauter, bis sie seinen Verstand, seinen Geist auszufüllen schienen und wie dröhnende Trommelschläge im Takt seines Bluts pulsieren. Die Beine des Stuhles, auf dem er saß, schoben sich mit einem kratzenden Geräusch über die Steine, die den Boden des Zimmers bildeten. Das Geräusch schnitt wie ein Peitschenschlag durch die in sich ruhende, die doch unweigerlich dröhnende Stille und unterstrich sein Erheben.
Eanruig erhob sich von seinem Platz am Tisch und auch wenn alles in ihm schrie, sich ihr zuzuwenden, ihr… Maebh, der Frau, für die er so viel mehr empfand, als dass er es jemals auch nur ansatzweise in Worte fassen oder gar selbst begreifen könnte, wandte er sich ab. Von ihr und dem Augenblick, dem Moment, und schritt hin dorthin, wo die zuckenden Flammen des Kamins ihre flackernden Schatten und verzehrten Muster über die steinernen Wände des Zimmers warfen und wie die stummen Zeugen dieses Augenblicks wirkten. Er blieb stehen, dort am Feuer, und starrte hinein in die Flammen. Seine Zunge fühlte sich dick und schwer in seinem Mund an, die Gefühle, die in seinem Inneren loderten … Schienen nicht die seinen zu sein, denn es schien ihm, als würde er in diesem jenen Augenblick von außen auf sie blicken, von außen auf diese Szene, dieses Schauspiel, denn war dies nicht ein solches? War es nicht ein Schauspiel, das er miterlebte, und war er selbst darin nur eine Randfigur, die zum Schafott geführt wurde? Denn als solches fühlte es sich an, das, was ihre Worte mit sich gebracht hatten, und hatte ihn zuvor noch das Bestreben ergriffen, eine Möglichkeit zu finden, ihre Vermutung hinsichtlich ihrer Stiefmutter zu beweisen, so erfüllte ihn jetzt nur eines … Leere.
Eine alles verschlingende Leere, die mit einem Riss einherging, der sein Inneres zu durchtrennen schien und das … was er glaubte zu empfinden für sie, für eben diese Frau, die ihm nun das wohl Schrecklichste offenbart hatte, was sie ihm hätte antun können. Ob er es verstand? Seine erste Antwort wäre wohl ein Nein gewesen … Denn rückblickend auf die Jahre, die er bereits erlebt hatte, auf das, was er bereits zuvor mit Áinfean durchgestanden hatte, auf das, was sie beide verloren hatten, bevor Cathal geboren worden war. Niemals … wahrlich niemals hatte er auch nur einen Gedanken daran verschwendet, sich von ihr abzuwenden, seine Befriedigung oder auch nur die Wärme in einem anderen Bett zu suchen, selbst als Áinfean ihm schlussendlich nach vier Ehejahren zitternd darum gebeten hatte, dass sie Zeit bräuchte, nachdem sich die Lacken ein weiteres, drittes Mal rot gefärbt hatten. Niemals, wahrlich niemals, denn der Betrug, der Verrat, der damit einherging, war für ihn etwas so Tiefgreifendes, so Erschütterndes … dass er es sich niemals hätte verzeihen können. Denn was hatte sie dafür gekonnt … wenn die Mutter es doch entschieden hatte, dass diese drei zuvor empfangenen Kinder nicht das Licht der Welt erblicken könnten … nichts und so hatte er gewartet, bis schlussendlich Cathal geboren worden war. Unweigerlich.
Als er schließlich mit noch in den Ohren widerhallendem Herzschlag die Stimme erhob, war sie ruhig, leise und doch unweigerlich von einer tiefen Müdigkeit geprägt und von etwas, das so viel tiefer ging als alles, was er jemals zuvor empfunden hatte. „Wütend … ist nicht das Wort, das ich ergriffen hätte, und es ist auch nicht das Wort, das ich ergreifen werde“, erklärte er schließlich, den Blick noch immer fest in die Flammen gerichtet, auf die zuckenden Gebilde aus Rot und Orange, die sich durch die dort aufgestapelten Scheite fraßen. „Ist Aedán mein Sohn oder ist er von ihm …?“ In seiner Stimme sammelte sich ein Hauch von Anspannung bei diesem Gedanken und er spürte den kalten Griff der Wut, die sich wie ein Kettenhandschuh um sein Innerstes schloss, während die Linie seines Kiefers zu einer harten Linie wurde. „Ich… denke nach all der Zeit und nach all dem, was ich glaubte zu fühlen … ist dieses Geständnis wohl das… Schlimmste, was du hättest tun können … ist dir dies bewusst?“ Sein Blick wandte sich von den Flammen ab und er sah hin zu ihr, zu der Frau, zu seiner Frau, für die er glaubte, mehr zu fühlen, als er jemals für möglich gehalten hatte, und die ihn mit eben diesem Geständnis nicht nur ein Messer, sondern wahrlich ein ganzes Schwert bis zum Heft in die Brust gerammt hatte. Einfach so. Als sei es nichts. „Du musst wissen … Du hättest mich darum bitten können … darum zu gehen. Maebh … und ich hätte es dir erlaubt, weißt du das? Ich hätte dir erlaubt, zu gehen, ganz gleich, wohin auch … Ich hätte es verstanden, denn wer will schon mit einem Mann leben, dessen Herz in Trauer gefangen ist, der blind ist für das, was ihm geschenkt wurde von der Mutter, und dessen Kinder es ebenso sind. Ich habe es dir bereits vor Wochen gesagt, du kannst gehen, zurück zu deinem Vater und zu demjenigen, der dein Herz erfüllt, denn ich bin es anscheinend nicht und wahrlich … wahrlich, ich kann es verstehen.“ erklärte Eanruig und um seinen Mund bildete sich ein harter, ein bitterer Zug, der sich in seinen Augen widerspiegelte, die doch unweigerlich so ruhig wirkten wie die See. Denn das, was in ihm widerhallte, das, was ihm drohte, die Brust zu zerreißen, war so übermächtig, so allumfassend, dass es nicht möglich schien, nach außen zu dringen.
„Auch ich war einmal jung … jung und einsam und verzweifelt, glaube mir, es gab diese Augenblicke, diese Zeiten damals, als Áinfean …“ Seine Stimme brach für einen Augenblick zitternd, bevor er sie durch ein Räuspern erneut stärkte. „… es hat bald fünf Jahre gedauert, bis uns Cathal geboren wurde … Fünf Jahre, in denen uns die Mutter drei Kindern das Leben verwehrte und kein einziges Mal … Kein einziges Mal habe ich auch nur den Gedanken erwogen, mich jemand anderem zuzuwenden … und es gab Gelegenheiten zu Dutzenden, aber ich tat es nicht, weil ich ein Versprechen geleistet habe, ein Versprechen vor der Mutter, und ein solches halte ich, weil ich mein Wort stets halte … immer.“ Seine Stimme wurde fester, eine Spur härter, und erneut war es die Wut, die drohte, die Überhand zu gewinnen, die kalt und nachdrücklich nach außen drängte und in seinen blauen Augen Sturm aufkommen ließ „Aber gewiss … dies waren andere Umstände, andere wie bei dir …“ Er presste die Lippen aufeinander und sein Blick wandte sich von ihr ab, während er hin zu der Dunkelheit blickte, die hinter den Fenstern des Schlafzimmers ruhte und unweigerlich drohte ihm ein Lachen die Kehle hinaufzusteigen, voller Bitterkeit und Nachdrücklichkeit, während er leicht den Kopf schüttelte. „Du hättest so vieles tun können … so vieles, Maebh, und doch hast du dich für diesen Weg entschieden, einen, der ihm die Brust zerriss und das, was dort langsam zu keimen begonnen hatte, erstickte. Unweigerlich.
„Du kannst gehen … Wenn dich das glücklich werden lassen sollte, dann geh. Verlass Kenmara, dass dir nie ein Heim war. Ich werde dich nicht aufhalten, denn das ist das letzte, was ich will, der Grund für dein Missfallen, deine Einsamkeit sein. Du wirst Áinfean sehen dürfen, denn er liebt dich … er liebt dich so wahnsinnig … Dafür wird ein Weg gefunden werden. Geh zu diesem … Mann oder demjenigen, der dein Herz mit Glück erfüllt, denn ich mag es nicht, zu füllen, und dies … dies ist in Ordnung“, erklärte er schließlich und in diesem jenen Augenblick war seine Stimme nur noch von einer unendlichen Müdigkeit erfüllt, von der Müdigkeit eines Mannes, der geglaubt hatte, zu lieben, und doch nur einer Illusion nachgejagt war wie verblassenden Nebelschwaden.
Als sie schließlich das Wort ergriff mit der Bitte, am Anfang zu beginnen, entstand eine kleine, aber doch deutliche Falte zwischen seinen Augen und doch hörte er zu, lauschte dem, was über ihre Lippen drang und was von Augenblick zu Augenblick immer größer, immer schwermütiger wurde und in ihm doch unweigerlich noch mehr Verwirrung entstehen ließ Gewiss, sie hatte nie über ihre Mutter gesprochen. Eanruig wusste um die Umstände ihres Todes, da Celleach es ihm in einem Brief mitgeteilt hatte, doch dies, was Maebh nun äußerte, waren wahrlich schwerwiegende Anschuldigungen. Anschuldigungen, die wohl ebenso schwer zu beweisen wären und ebenso weitreichende Folgen hätten. Und doch sprach Maebh weiter, weitere Worte verließen ihren Mund und füllten die Stille des Raumes und die, die zwischen ihnen ruhte, und Eanruig hörte weiterhin schweigsam und aufmerksam zu und doch blieb die Verwirrung und die Fragen, die ihm unweigerlich auf der Zunge lagen und die doch nicht zum Ausdruck kamen, nicht, als ihre Stimme zu zittern begann und Tränen ihre Sicht trübten und er instinktiv nach ihrer Hand griff, sie festhielt und noch immer nicht verstand, bis … sie Worte aussprach, die ihn den Kontakt abbrechen ließen, seine Hand zurückziehen ließen, als habe er sich verbrannt und ja … vielleicht hatte er das auch an ihren Worten und dem, was sie mit sich brachten.
,,Und dann kam... er.“ irgendwo in Eanruig Verstand irgendwo zwischen eben jenen Windungen in seinem Kopf zerbrach etwas.
Er erhob sich, nicht mehr fähig, in diesem jenen Augenblick ihren Anblick in sich aufzunehmen, wie sie dort saß, ihre schlanke Gestalt so viel kleiner, so viel zarter als seine eigene … Diesen Anblick dieser Frau, die in diesem jenen Augenblick so schrecklich verloren wirkte und in ihm unweigerlich das Bedürfnis aufkommen ließ, auf sie zuzugehen, den Abstand, der sie zueinander trennte, zu reduzieren und nach ihren Händen zu greifen, wie bereits vor einigen Wochen zuvor, als sie gesprochen hatten, wahrlich gesprochen, und es sich nun zu wiederholen schien, doch in einem vollkommen anderen Kontext, in einem vollkommen anderen Augenblick und mit etwas, das ihm ins Herz schnitt, tiefer als jede Messerklinge es jemals schaffen würde, es schnitt tief und scharf und ließ es brennen. Und ganz gleich, wie sehr es ihn auch auf sie zu treiben mochte, das Bedürfnis nähren mochte, ihr Leid in diesem Augenblick, das sie unweigerlich zu durchleben schien, zu lindern, so waren diese Worte doch das, was ihn von ihr forttrieb. Und dann kam … er. Die Worte hielten nach und wurden mit jedem verstreichenden Herzschlag lauter und lauter, bis sie seinen Verstand, seinen Geist auszufüllen schienen und wie dröhnende Trommelschläge im Takt seines Bluts pulsieren. Die Beine des Stuhles, auf dem er saß, schoben sich mit einem kratzenden Geräusch über die Steine, die den Boden des Zimmers bildeten. Das Geräusch schnitt wie ein Peitschenschlag durch die in sich ruhende, die doch unweigerlich dröhnende Stille und unterstrich sein Erheben.
Eanruig erhob sich von seinem Platz am Tisch und auch wenn alles in ihm schrie, sich ihr zuzuwenden, ihr… Maebh, der Frau, für die er so viel mehr empfand, als dass er es jemals auch nur ansatzweise in Worte fassen oder gar selbst begreifen könnte, wandte er sich ab. Von ihr und dem Augenblick, dem Moment, und schritt hin dorthin, wo die zuckenden Flammen des Kamins ihre flackernden Schatten und verzehrten Muster über die steinernen Wände des Zimmers warfen und wie die stummen Zeugen dieses Augenblicks wirkten. Er blieb stehen, dort am Feuer, und starrte hinein in die Flammen. Seine Zunge fühlte sich dick und schwer in seinem Mund an, die Gefühle, die in seinem Inneren loderten … Schienen nicht die seinen zu sein, denn es schien ihm, als würde er in diesem jenen Augenblick von außen auf sie blicken, von außen auf diese Szene, dieses Schauspiel, denn war dies nicht ein solches? War es nicht ein Schauspiel, das er miterlebte, und war er selbst darin nur eine Randfigur, die zum Schafott geführt wurde? Denn als solches fühlte es sich an, das, was ihre Worte mit sich gebracht hatten, und hatte ihn zuvor noch das Bestreben ergriffen, eine Möglichkeit zu finden, ihre Vermutung hinsichtlich ihrer Stiefmutter zu beweisen, so erfüllte ihn jetzt nur eines … Leere.
Eine alles verschlingende Leere, die mit einem Riss einherging, der sein Inneres zu durchtrennen schien und das … was er glaubte zu empfinden für sie, für eben diese Frau, die ihm nun das wohl Schrecklichste offenbart hatte, was sie ihm hätte antun können. Ob er es verstand? Seine erste Antwort wäre wohl ein Nein gewesen … Denn rückblickend auf die Jahre, die er bereits erlebt hatte, auf das, was er bereits zuvor mit Áinfean durchgestanden hatte, auf das, was sie beide verloren hatten, bevor Cathal geboren worden war. Niemals … wahrlich niemals hatte er auch nur einen Gedanken daran verschwendet, sich von ihr abzuwenden, seine Befriedigung oder auch nur die Wärme in einem anderen Bett zu suchen, selbst als Áinfean ihm schlussendlich nach vier Ehejahren zitternd darum gebeten hatte, dass sie Zeit bräuchte, nachdem sich die Lacken ein weiteres, drittes Mal rot gefärbt hatten. Niemals, wahrlich niemals, denn der Betrug, der Verrat, der damit einherging, war für ihn etwas so Tiefgreifendes, so Erschütterndes … dass er es sich niemals hätte verzeihen können. Denn was hatte sie dafür gekonnt … wenn die Mutter es doch entschieden hatte, dass diese drei zuvor empfangenen Kinder nicht das Licht der Welt erblicken könnten … nichts und so hatte er gewartet, bis schlussendlich Cathal geboren worden war. Unweigerlich.
Als er schließlich mit noch in den Ohren widerhallendem Herzschlag die Stimme erhob, war sie ruhig, leise und doch unweigerlich von einer tiefen Müdigkeit geprägt und von etwas, das so viel tiefer ging als alles, was er jemals zuvor empfunden hatte. „Wütend … ist nicht das Wort, das ich ergriffen hätte, und es ist auch nicht das Wort, das ich ergreifen werde“, erklärte er schließlich, den Blick noch immer fest in die Flammen gerichtet, auf die zuckenden Gebilde aus Rot und Orange, die sich durch die dort aufgestapelten Scheite fraßen. „Ist Aedán mein Sohn oder ist er von ihm …?“ In seiner Stimme sammelte sich ein Hauch von Anspannung bei diesem Gedanken und er spürte den kalten Griff der Wut, die sich wie ein Kettenhandschuh um sein Innerstes schloss, während die Linie seines Kiefers zu einer harten Linie wurde. „Ich… denke nach all der Zeit und nach all dem, was ich glaubte zu fühlen … ist dieses Geständnis wohl das… Schlimmste, was du hättest tun können … ist dir dies bewusst?“ Sein Blick wandte sich von den Flammen ab und er sah hin zu ihr, zu der Frau, zu seiner Frau, für die er glaubte, mehr zu fühlen, als er jemals für möglich gehalten hatte, und die ihn mit eben diesem Geständnis nicht nur ein Messer, sondern wahrlich ein ganzes Schwert bis zum Heft in die Brust gerammt hatte. Einfach so. Als sei es nichts. „Du musst wissen … Du hättest mich darum bitten können … darum zu gehen. Maebh … und ich hätte es dir erlaubt, weißt du das? Ich hätte dir erlaubt, zu gehen, ganz gleich, wohin auch … Ich hätte es verstanden, denn wer will schon mit einem Mann leben, dessen Herz in Trauer gefangen ist, der blind ist für das, was ihm geschenkt wurde von der Mutter, und dessen Kinder es ebenso sind. Ich habe es dir bereits vor Wochen gesagt, du kannst gehen, zurück zu deinem Vater und zu demjenigen, der dein Herz erfüllt, denn ich bin es anscheinend nicht und wahrlich … wahrlich, ich kann es verstehen.“ erklärte Eanruig und um seinen Mund bildete sich ein harter, ein bitterer Zug, der sich in seinen Augen widerspiegelte, die doch unweigerlich so ruhig wirkten wie die See. Denn das, was in ihm widerhallte, das, was ihm drohte, die Brust zu zerreißen, war so übermächtig, so allumfassend, dass es nicht möglich schien, nach außen zu dringen.
„Auch ich war einmal jung … jung und einsam und verzweifelt, glaube mir, es gab diese Augenblicke, diese Zeiten damals, als Áinfean …“ Seine Stimme brach für einen Augenblick zitternd, bevor er sie durch ein Räuspern erneut stärkte. „… es hat bald fünf Jahre gedauert, bis uns Cathal geboren wurde … Fünf Jahre, in denen uns die Mutter drei Kindern das Leben verwehrte und kein einziges Mal … Kein einziges Mal habe ich auch nur den Gedanken erwogen, mich jemand anderem zuzuwenden … und es gab Gelegenheiten zu Dutzenden, aber ich tat es nicht, weil ich ein Versprechen geleistet habe, ein Versprechen vor der Mutter, und ein solches halte ich, weil ich mein Wort stets halte … immer.“ Seine Stimme wurde fester, eine Spur härter, und erneut war es die Wut, die drohte, die Überhand zu gewinnen, die kalt und nachdrücklich nach außen drängte und in seinen blauen Augen Sturm aufkommen ließ „Aber gewiss … dies waren andere Umstände, andere wie bei dir …“ Er presste die Lippen aufeinander und sein Blick wandte sich von ihr ab, während er hin zu der Dunkelheit blickte, die hinter den Fenstern des Schlafzimmers ruhte und unweigerlich drohte ihm ein Lachen die Kehle hinaufzusteigen, voller Bitterkeit und Nachdrücklichkeit, während er leicht den Kopf schüttelte. „Du hättest so vieles tun können … so vieles, Maebh, und doch hast du dich für diesen Weg entschieden, einen, der ihm die Brust zerriss und das, was dort langsam zu keimen begonnen hatte, erstickte. Unweigerlich.
„Du kannst gehen … Wenn dich das glücklich werden lassen sollte, dann geh. Verlass Kenmara, dass dir nie ein Heim war. Ich werde dich nicht aufhalten, denn das ist das letzte, was ich will, der Grund für dein Missfallen, deine Einsamkeit sein. Du wirst Áinfean sehen dürfen, denn er liebt dich … er liebt dich so wahnsinnig … Dafür wird ein Weg gefunden werden. Geh zu diesem … Mann oder demjenigen, der dein Herz mit Glück erfüllt, denn ich mag es nicht, zu füllen, und dies … dies ist in Ordnung“, erklärte er schließlich und in diesem jenen Augenblick war seine Stimme nur noch von einer unendlichen Müdigkeit erfüllt, von der Müdigkeit eines Mannes, der geglaubt hatte, zu lieben, und doch nur einer Illusion nachgejagt war wie verblassenden Nebelschwaden.