16-05-2026, 01:02
Nicht wütend, also. Immerhin. Er war nicht wütend. Aber wenn sie seinen Gesichtsausdruck korrekt deutete, so war er mindestens verletzt. Zutiefst gekränkt. Und überfordert. Und natürlich hatte sie mit seiner nächsten Frage gerechnet.
«Er ist dein Sohn. Alles andere ist unmöglich», stellte sie fest. Auch wenn die Frage schmerzte, sie hatte damit gerechnet. Es war nur nachvollziehbar, dass er das wissen wollte. Aber trotzdem hinterließen die Worte einen glühenden Graben in ihrem Inneren, der sich bis in ihr Gesicht grub und dafür sorgte, dass es sich erwärmte. So sehr schmerzte es. Sie errötete, weil er sie das fragte. Aber das war eine gute Strafe. Eine faire Strafe. Sie hatte ihn fürchterlich verletzt. Schlimmer, als ein Schwert es je gekonnt hätte. Keine Rüstung hätte ihn gegen diesen heimtückischen Pfeil schützen können.
«Ich weiß», gab sie zurück. «Ich ertrug dieses Geheimnis nur nicht mehr zwischen uns. Ich fühle mich schrecklich.»
Er sprach weiter. Und sie sah ihn ein wenig fassungslos an. So vieles wollte sie ihm sagen, aber kein Wort drang über ihre Lippen. Sie sah ihn einfach nur geschockt an und fragte sich, ob sich so sterben anfühlte. War es das, was man spürte, wenn man sein Leben aushauchte? Noch nie hatte sie sich so fürchterlich gefühlt. Nicht einmal, als ihre Mutter gestorben war. Und das war sehr schlimm gewesen. Daran konnte sie sich noch gut erinnern. Aber nicht einmal das kam an diese Ohnmacht heran, die seine Worte auslösten. Aber auch jetzt sagte sie nichts. Er hatte ihr schweigend zugehört, also ließ sie ihm diese Freiheit ebenfalls. Sie wollte ihm seinen Zorn, seinen Schmerz, gar nicht nehmen. Denn er gehörte ihm alleine.
Seine Zusammenfassung... zum ersten Mal überhaupt sprach er über seine Frau. Und Maebh sah ihn geschockt und zutiefst erschüttert an. Verständnislos schüttelte sie ihren Kopf. Langsam. Nicht ablehnend. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Nur ihr Kopf arbeitete. So schnell, dass sie kaum hinterherkam. Natürlich hatte er sich nie eine andere Frau gesucht. Er hatte sie so sehr geliebt. Aber als Maebh hier angekommen war, da hatte er sie nicht geliebt. Er hatte sie gar nicht gesehen. Maebh war allein gewesen. Überfordert. Aber vermutlich konnte Eanruig das nicht verstehen. Und sie würde es ihm jetzt auch nicht erklären. Er konnte das gerade ohnehin nicht aufnehmen.
Als er allerdings weitersprach, kam sie auf die Beine. Ruckartig und mit neuer Stärke, auch wenn ihr immer noch Tränen übers Gesicht liefen. Mit einem Mal empfand sie eine Stärke, die sie in den letzten Jahren so sehr benötigt hätte, um sich in eine Position zu bringen, in der man sie hörte.
«Eanruig Fraser!», herrschte sie ihn an. «Du hörst mir jetzt zu! Ich erzähle dir das nicht, weil ich einen anderen Mann liebe! Ich erzähle dir das, weil ich dich so sehr liebe, dass ich nicht eine einzige noch so kleine Lüge zwischen uns ertrage! Ich erzähle dir das, weil ich... lieber unsere Beziehung riskiere, als dich zu belügen! Es ist einmal passiert. Ein einziges Mal. Verdammt nochmal», fluchte sie und ihre Hand schlug auf den Tisch. «Ich verstehe, dass dich das so tief verletzt hat. Ich verstehe auch, dass es ... unverzeihlich ist. Aber ich bitte dich gar nicht um Verzeihung. Ich bitte dich dazu, mich dennoch zu lieben. Mit meinen Fehlern. So wie ich dich auch mit deinen Fehlern liebe. Ich würde keinen anderen Mann wollen, verstehst du das? Für mich gibt es nur dich! Und wenn du mich fortschickst...»
Ihr stockte der Atem, sie brauchte einen Moment um sich zu sammeln.
«Dann kannst du mich auch gleich töten. Ich wüsste nicht, was ich ohne dich tun sollte. Oder ohne meinen Sohn. Mein Herz gehört doch nur euch.»
Das war die Wahrheit. Die pure Wahrheit. Aber vermutlich brachte es auch nichts. Sie stand einen Moment lang völlig verloren neben dem Tisch, dann fuhr sie sich durchs Haar und fasste nach dem Mantel, der noch über die Bettkante hing. Besser war vermutlich, sie ließ ihm Freiraum. Zog sich zurück. Vielleicht konnte sie sich zu Aedán ins Bett kuscheln? Oder sie schliem im Stall?
«Er ist dein Sohn. Alles andere ist unmöglich», stellte sie fest. Auch wenn die Frage schmerzte, sie hatte damit gerechnet. Es war nur nachvollziehbar, dass er das wissen wollte. Aber trotzdem hinterließen die Worte einen glühenden Graben in ihrem Inneren, der sich bis in ihr Gesicht grub und dafür sorgte, dass es sich erwärmte. So sehr schmerzte es. Sie errötete, weil er sie das fragte. Aber das war eine gute Strafe. Eine faire Strafe. Sie hatte ihn fürchterlich verletzt. Schlimmer, als ein Schwert es je gekonnt hätte. Keine Rüstung hätte ihn gegen diesen heimtückischen Pfeil schützen können.
«Ich weiß», gab sie zurück. «Ich ertrug dieses Geheimnis nur nicht mehr zwischen uns. Ich fühle mich schrecklich.»
Er sprach weiter. Und sie sah ihn ein wenig fassungslos an. So vieles wollte sie ihm sagen, aber kein Wort drang über ihre Lippen. Sie sah ihn einfach nur geschockt an und fragte sich, ob sich so sterben anfühlte. War es das, was man spürte, wenn man sein Leben aushauchte? Noch nie hatte sie sich so fürchterlich gefühlt. Nicht einmal, als ihre Mutter gestorben war. Und das war sehr schlimm gewesen. Daran konnte sie sich noch gut erinnern. Aber nicht einmal das kam an diese Ohnmacht heran, die seine Worte auslösten. Aber auch jetzt sagte sie nichts. Er hatte ihr schweigend zugehört, also ließ sie ihm diese Freiheit ebenfalls. Sie wollte ihm seinen Zorn, seinen Schmerz, gar nicht nehmen. Denn er gehörte ihm alleine.
Seine Zusammenfassung... zum ersten Mal überhaupt sprach er über seine Frau. Und Maebh sah ihn geschockt und zutiefst erschüttert an. Verständnislos schüttelte sie ihren Kopf. Langsam. Nicht ablehnend. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Nur ihr Kopf arbeitete. So schnell, dass sie kaum hinterherkam. Natürlich hatte er sich nie eine andere Frau gesucht. Er hatte sie so sehr geliebt. Aber als Maebh hier angekommen war, da hatte er sie nicht geliebt. Er hatte sie gar nicht gesehen. Maebh war allein gewesen. Überfordert. Aber vermutlich konnte Eanruig das nicht verstehen. Und sie würde es ihm jetzt auch nicht erklären. Er konnte das gerade ohnehin nicht aufnehmen.
Als er allerdings weitersprach, kam sie auf die Beine. Ruckartig und mit neuer Stärke, auch wenn ihr immer noch Tränen übers Gesicht liefen. Mit einem Mal empfand sie eine Stärke, die sie in den letzten Jahren so sehr benötigt hätte, um sich in eine Position zu bringen, in der man sie hörte.
«Eanruig Fraser!», herrschte sie ihn an. «Du hörst mir jetzt zu! Ich erzähle dir das nicht, weil ich einen anderen Mann liebe! Ich erzähle dir das, weil ich dich so sehr liebe, dass ich nicht eine einzige noch so kleine Lüge zwischen uns ertrage! Ich erzähle dir das, weil ich... lieber unsere Beziehung riskiere, als dich zu belügen! Es ist einmal passiert. Ein einziges Mal. Verdammt nochmal», fluchte sie und ihre Hand schlug auf den Tisch. «Ich verstehe, dass dich das so tief verletzt hat. Ich verstehe auch, dass es ... unverzeihlich ist. Aber ich bitte dich gar nicht um Verzeihung. Ich bitte dich dazu, mich dennoch zu lieben. Mit meinen Fehlern. So wie ich dich auch mit deinen Fehlern liebe. Ich würde keinen anderen Mann wollen, verstehst du das? Für mich gibt es nur dich! Und wenn du mich fortschickst...»
Ihr stockte der Atem, sie brauchte einen Moment um sich zu sammeln.
«Dann kannst du mich auch gleich töten. Ich wüsste nicht, was ich ohne dich tun sollte. Oder ohne meinen Sohn. Mein Herz gehört doch nur euch.»
Das war die Wahrheit. Die pure Wahrheit. Aber vermutlich brachte es auch nichts. Sie stand einen Moment lang völlig verloren neben dem Tisch, dann fuhr sie sich durchs Haar und fasste nach dem Mantel, der noch über die Bettkante hing. Besser war vermutlich, sie ließ ihm Freiraum. Zog sich zurück. Vielleicht konnte sie sich zu Aedán ins Bett kuscheln? Oder sie schliem im Stall?