27-05-2026, 18:55 - Wörter:
Sie liebte ihren Vater. Das tat sie wirklich. Und sie liebte ihn nicht nur, sie schätzte ihn auch und wusste, dass er ein guter Mann und ein guter Fürst war. Aber das änderte nichts daran, dass sie sauer auf ihn war. Vielleicht war sogar das Gegenteil der Fall. Wenn sie nichts von ihm halten würde, wäre das einfach nur ein weiterer Strich auf einer Liste von negativen Dingen. So tat es ihr jedoch besonders weh. Weil sie nicht einschätzen konnte, ob er einfach nur nachlässig in seiner Entscheidung gewesen war, oder das bewusst so gemacht hatte. In jedem Fall war sie sich in einer Sache sicher: Maebh hatte mindestens eine Teilschuld daran. Wenn nicht sogar die komplette Schuld dafür. Und dass er das zuließ, machte es eigentlich nur schlimmer. Denn wohin sollte das nur führen? Man würde sie immer weiter weg drängen. Cathal würde bald mit einer Frau verheiratet sein, dann würde man sie irgendwann verheiraten und weg schicken und dann irgendwann Niamh, sodass nur noch Maebh und ihr Sohn blieben, der irgendwann Fürst werden würde und Cathal, der einfach nur das behinderte Anhängsel der Familie war. Denn anders sahen sie ihn nicht. Das machte sie fuchsteufelswild. Und sie konnte nichts daran ändern.Aber Moira wusste auch, dass sie um dieses Gespräch nicht herum kommen würde. Sicherlich, sie könnte sich dem entziehen und sich auf ihrem Zimmer einsperren, aber sie würde ja nicht Woche um Woche dort verbringen können. Irgendwann musste sie ja doch heraus kommen. Und sie wusste wie eisern und geduldig ihr Vater sein konnte. Also folgte sie ihm. Wann immer er einen Schritt tat, musste sie zwei machen, um mit ihm Schritt halten zu können. Nach seinen Worten schwieg sie einige Momente und ging einfach nur neben ihm her. Sie dachte ernsthaft über seine Worte nach, aber sie konnte es nicht verstehen. Vielleicht wollte sie es auch nicht. „Ich verstehe es nicht, Vater. Wenn Muirín doch Teil der Familie werden soll, dann hätten Niamh und ich dabei sein müssen und nicht Maebh vor uns! Wir sind viel, länger Teil dieser Familie als sie! Sie wird uns vorgezogen. Immer und immer wieder.“ Und das tut weh. Sie wollte es sagen, tat es aber nicht. Sie wollte, dass er wusste, dass sie wütend war. Aber die Tatsache war, dass sie nicht nur wütend, sondern allen voran verletzt war. Ihre Stimme bebte. Und es fehlte nicht viel, dass Tränen über ihr Gesicht laufen würden. Denn am Ende war das wohl der Kern des Ganzen: wieso war Maebh mehr wert? Wieso drehte sich alles um diese Frau? Das war einfach nicht in Ordnung.
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