10-06-2026, 14:11 - Wörter:
Szeneninformationen
Charaktere: Maebh Fraser & Moira Fraser
Szeneneinstellung: feste Postreihenfolge
Datum: 12. Oktober 1016
Ort: Moiras Gemächer
Tageszeit: 12:00:00
Szeneneinstellung: feste Postreihenfolge
Datum: 12. Oktober 1016
Ort: Moiras Gemächer
Tageszeit: 12:00:00
Natürlich hatte Moira sich noch nicht von diesem Moment der Schwäche – wie sie selbst es bezeichnen würde – erholt. Vermutlich würde sie sogar irgendwann heute Abend im Bett liegen und die zurückgehaltenen Tränen vergießen. Wie sehr wünschte sie sich jetzt einen Funken Normalität? Dass sie den Tod ihrer Mutter nicht rückgängig machen konnte, war ihr klar. Aber dass ihr Bruder jetzt bald eine Frau an seiner Seite haben würde und sie nicht einfach zu ihm ins Bett kriechen konnte, wann immer sie schlecht träumte oder traurig war, das war einfach zu viel. Aber sie wollte tapfer sein. Sie musste. Es blieb ihr ja am Ende auch gar nichts Anderes übrig. Also machte sie weiter und war froh, dass Maebh nichts mitbekommen hatte von diesem Moment. Natürlich hatte sie das nicht. Sie kannte Moira nicht und sie war eine blöde Hexe, die nur hier war, um Unheil anzurichten. Da blieb keine Zeit für Anderes. Auch wenn sie so eisern behauptete, dass sie sich ein besseres Verhältnis zu ihr wünschte, das waren nur Worte. Das redete die junge Fraser sich wenigstens ein, weil es so viel besser in ihr Weltbild passte als der Gedanke, dass Maebh es ernst mit ihr meinte und dass sie womöglich gar nicht so schlimm war, wie sie es glauben wollte.Moira folgte der Älteren, hörte sogar zu, was sie plante zu tun. Das war besser als sich über die eigenen Gefühle Gedanken zu machen. Und dann stoppte sie abrupt. Sowohl verbal, als auch körperlich und sie stieß leicht gegen ihren Rücken und blieb stehen und... lauschte. Nun, vielleicht war lauschen nicht die richtige Bezeichnung. Sie hörte zu. Denn die andere Frau, die los wetterte, gab sich scheinbar auch gar keine Mühe sonderlich leise oder diskret zu sein. In Moiras Kopf passierte viel. Einerseits ärgerte sie sich darüber, dass diese Frau Cathal als Maebs Sohn bezeichnete. Das war Unsinn! Aber das wurde nebensächlich, als die Prinzessin in einen weiteren Strudel der Emotionen geworfen wurde. Eigentlich sollte es sie freuen, dass Maebh so behandelt wurde. Eigentlich freute sie nämlich jede blöde Kleinigkeit, die ihr widerfuhr. Selbst wenn es nur die Gabel war, die beim Essenstisch zu Boden fiel. Und dass die Ältere sich nicht wohl fühlte, war unschwer zu erkennen. Ihre Stimme war so... anders. Verletzlich fast schon. Und wie sie zurück wich. Hatte sie Angst?
Aber es war keine Freude, die sie beherrschte. Es war etwas, das sie mit aller Gewalt von sich schütteln wollte. Denn sie hatte den Drang Maebh zu verteidigen. Denn diese Frau war scheinbar nicht ganz bei Verstand. Wenn Maebh und ihr Vater die Hochzeit absagten, dann würde Muírín nicht einfach nur wegen einer Kleinigkeit im Bett liegen. Sie war krank. Sie gehörte ins Bett und nicht stundenlang auf eine Vermählung.
Ehe Moira selbst verstand, was sie da tat, hatte sie sich schon aus der schützenden Haltung von Maebh befreit und war an ihr vorbei getreten. Sie stemmte die Hände in die Hüfte, erhob unpassender Weise das Wort. „Sie wird ihrer Pflicht nachkommen, nur nicht heute. Niemand möchte, dass sie während der Trauung zusammenbricht. Der Fürst von Kenmara hat natürlich angewiesen, dass unser Besuch dennoch wohl versorgt sein wird. Die Unterkünfte sind bereits hergerichtet. Und die Fürstin Kenmaras ist schon seit Stunden damit beschäftigt alles zu regeln. Wenn wir Euch nun also auf Euer Zimmer begleiten dürfen? Sicherlich seid Ihr von der Anreise erschöpft und möchtet Euch ausruhen?“ Die Unerschütterlichkeit ihres Vaters steckte in allen 156 Zentimetern der jungen Frau. Moira hatte sich vor Maebh sicherlich nie von ihrer besten Seite gezeigt. Doch sie lebte seit ihrer Geburt in der Festung. Sie hatte Anstand. Sie konnte mit Worten umgehen. Und auch wenn sie es sicherlich sehr bald abstreiten würde, sie versuchte hier gerade Maebh zu schützen. Wieso auch immer.

