14-06-2026, 10:57
Welchen Grund sollte der Sand haben, Spuren zu wahren, hatten sie doch nichts mehr gemein mit den Menschen, die sie hinterlassen hatten? Teil der Lebenden oder Toten, waren Fußabdrücke endlich - manche tiefer als andere, doch nie für die Ewigkeit gemacht. Die Wüste wusste das am besten. Während Männeregos sich in den Sternen sahen und glaubten, die Zukunft zu formen, dass Geschichten ihre Bildnisse noch lange über die Dünen tragen würden, wusste die Wüste, wann es Zeit war, zu vergessen und zu verschlucken. Jede Geschichte hatte ihr Ende. Und jede Geschichte hatte ihren Anfang.
Devan wusste nicht, welchem Teil seiner Geschichte er näher stand.
Der Leere in Zariyahs Worten Gehör schenkend, lag sein Blick auf dem Horizont, wo mittlerweile kein Sonnenkegel mehr zu sehen war. Nur der Himmel blutete noch, prächtig und Gold wie die Krone dessen Mannes, dem die Bürde zufallen würde, sie zu tragen. Wenn man genau hinsah, konnte man durch die staubige Atmosphäre einzelne Punkte ausmachen; die kräftigsten Sterne, deren Licht die Wanderer und Nomaden in der Wüste von Sonnenuntergang bis in die frühen Morgenstunden leitete. Ihr Licht unendlich, ihre Weisheit als Navigation für die dienend, die nach einem Weg suchend. Ein Zelt aus Karten und Wegweisern, wenn man nur wusste, wie man sie deutete. Auch in jener Nacht hatten sie geschienen, wachsam, ihr Licht gedimmt durch das Feuer und den Fackelschein des Palastes.
Zariyahs Gesicht durchzog eine kleine Note von Gefühlen, ganz im Kontrast zu dem Leuchtfeuer, das vor vielen Jahren noch ihren Körper beherrscht hatte. Sie wandelt wirklich in den Schatten, kam es Devan. Durch ihn hatte sie den Sturm verloren, der sie blendete vor den wahren Lehren des Lebens. War man mit sich selbst so im Ungleichgewicht und ließ man sich derart von den Wogen eigener Gefühle bestimmen, hatte man keinen Blick für das große Ganze. Es war ein Fehlen der Menschen, dem sich Bekannte in seinem Umfeld hingaben. Safiyya und Hafiz, die sich von Rache treiben ließen. Ilyas und Rashid, die sich an ihrer Vorstellung von Gerechtigkeit festbissen. Tariq und Keeran, deren Schatten sich durch ihre Gesichter fraßen. Sie alle glaubten, im Recht zu handeln, aber hatten sie überhaupt eine Ahnung, was Recht bedeutete? Was das Blut an ihren Händen für eine Auswirkung auf das Gleichgewicht ihres Umfeldes hatte? Und sie, die Leben für ihr täglich Brot nahmen, wussten sie die Balance zu halten, die sie mit ihren eigenen Händen jeden Tag ein Stück in eine Richtung kippen ließen?
So hatte Zariyah also gelernt. Durch viele Jahre unter Devan war ihr Feuer verblasst und unterdrückt von dem Schleier, der sich Gleichgültigkeit nannte. Sie hatte ihre eigenen Opfer gebracht, um nun hier zu sitzen, die Information der lebenden Königin über sich ergehen zu lassen und nicht weiter zu reagieren, als mit dem Schatten über ihrem Gesicht. Auch ihre Stimme klang unterdrückt, als sie schließlich fragte. Ob die Amra Alzili ein Schicksal für die Königin vorgesehen hätten?
Waren es die Amra Alzili, die über ein Schicksal entschieden? Devan sah wieder geradeaus, den Horizont fixiert, seine Brust in ruhigen, friedlichen Atemzügen auf und ab sinkend. Er wusste, wie Safiyya gerne über Yasirahs Schicksal entscheiden würde. Das hatte er in ihren Augen gesehen. Wie er Hafiz kannte, würde es ihm ähnlich gehen; nach dem Verlust seiner Kollegen würde es ihm nichts ausmachen, seine Pranken um den Hals der Königin zu legen und ihr dabei zuzusehen, wie das Licht aus ihren Augen verschwand. Wenn Yasirahs Geschichte heute zu Ende erzählt werden würde, dann waren sie hingegen nur die Exekutive einer Macht, die größer war als sie alle zusammen; dann war es wohl tatsächlich Schicksal, dass sie heute in ihrem Verließ sterben würde.
Devan aber hatte das Gefühl, dass es heute nicht zu Ende war. Von so viel Blutvergießen in einer Nacht hatte sich die Welt zu erholen und aufzuatmen. Seine Antwort war also nicht eindeutig, aber in Einklang gesprochen mit seinem Umfeld, wie er sie wahrnahm.
Devan wusste nicht, welchem Teil seiner Geschichte er näher stand.
Der Leere in Zariyahs Worten Gehör schenkend, lag sein Blick auf dem Horizont, wo mittlerweile kein Sonnenkegel mehr zu sehen war. Nur der Himmel blutete noch, prächtig und Gold wie die Krone dessen Mannes, dem die Bürde zufallen würde, sie zu tragen. Wenn man genau hinsah, konnte man durch die staubige Atmosphäre einzelne Punkte ausmachen; die kräftigsten Sterne, deren Licht die Wanderer und Nomaden in der Wüste von Sonnenuntergang bis in die frühen Morgenstunden leitete. Ihr Licht unendlich, ihre Weisheit als Navigation für die dienend, die nach einem Weg suchend. Ein Zelt aus Karten und Wegweisern, wenn man nur wusste, wie man sie deutete. Auch in jener Nacht hatten sie geschienen, wachsam, ihr Licht gedimmt durch das Feuer und den Fackelschein des Palastes.
Zariyahs Gesicht durchzog eine kleine Note von Gefühlen, ganz im Kontrast zu dem Leuchtfeuer, das vor vielen Jahren noch ihren Körper beherrscht hatte. Sie wandelt wirklich in den Schatten, kam es Devan. Durch ihn hatte sie den Sturm verloren, der sie blendete vor den wahren Lehren des Lebens. War man mit sich selbst so im Ungleichgewicht und ließ man sich derart von den Wogen eigener Gefühle bestimmen, hatte man keinen Blick für das große Ganze. Es war ein Fehlen der Menschen, dem sich Bekannte in seinem Umfeld hingaben. Safiyya und Hafiz, die sich von Rache treiben ließen. Ilyas und Rashid, die sich an ihrer Vorstellung von Gerechtigkeit festbissen. Tariq und Keeran, deren Schatten sich durch ihre Gesichter fraßen. Sie alle glaubten, im Recht zu handeln, aber hatten sie überhaupt eine Ahnung, was Recht bedeutete? Was das Blut an ihren Händen für eine Auswirkung auf das Gleichgewicht ihres Umfeldes hatte? Und sie, die Leben für ihr täglich Brot nahmen, wussten sie die Balance zu halten, die sie mit ihren eigenen Händen jeden Tag ein Stück in eine Richtung kippen ließen?
So hatte Zariyah also gelernt. Durch viele Jahre unter Devan war ihr Feuer verblasst und unterdrückt von dem Schleier, der sich Gleichgültigkeit nannte. Sie hatte ihre eigenen Opfer gebracht, um nun hier zu sitzen, die Information der lebenden Königin über sich ergehen zu lassen und nicht weiter zu reagieren, als mit dem Schatten über ihrem Gesicht. Auch ihre Stimme klang unterdrückt, als sie schließlich fragte. Ob die Amra Alzili ein Schicksal für die Königin vorgesehen hätten?
Waren es die Amra Alzili, die über ein Schicksal entschieden? Devan sah wieder geradeaus, den Horizont fixiert, seine Brust in ruhigen, friedlichen Atemzügen auf und ab sinkend. Er wusste, wie Safiyya gerne über Yasirahs Schicksal entscheiden würde. Das hatte er in ihren Augen gesehen. Wie er Hafiz kannte, würde es ihm ähnlich gehen; nach dem Verlust seiner Kollegen würde es ihm nichts ausmachen, seine Pranken um den Hals der Königin zu legen und ihr dabei zuzusehen, wie das Licht aus ihren Augen verschwand. Wenn Yasirahs Geschichte heute zu Ende erzählt werden würde, dann waren sie hingegen nur die Exekutive einer Macht, die größer war als sie alle zusammen; dann war es wohl tatsächlich Schicksal, dass sie heute in ihrem Verließ sterben würde.
Devan aber hatte das Gefühl, dass es heute nicht zu Ende war. Von so viel Blutvergießen in einer Nacht hatte sich die Welt zu erholen und aufzuatmen. Seine Antwort war also nicht eindeutig, aber in Einklang gesprochen mit seinem Umfeld, wie er sie wahrnahm.
“Das weiß ich nicht. Und ich denke auch nicht, dass die anderen es wissen.”
Hätte man bereits eine Entscheidung getroffen, so wäre Yasirah nicht in der Kanalisation gefangen. So wie die Sonne ihr Ende am Horizont kundtat, hätte Yasirahs Ende sich ebenfalls bekannt gemacht. Still und leise, wie das Verenden einer Ratte. Oder laut und dramatisch, wie das Einstürzen eines Berges. “Welches Schicksal würdest du dir für Yasirah wünschen?”
, fragte er einfach, Zariyah den Raum gebend, den Schatten ihrer Gefühle auszubreiten und für sich zu entscheiden, in welche Richtung sie gehen wollte. Manchmal war es in Ordnung, noch das Mädchen von früher zu sein, das sich von Gefühlen hatte treiben lassen; solange der Prozess sie letztendlich wieder in ihr Zentrum zurückführen würde. Dort, wo sie wieder ganz der Niemand sein konnte, der täglich über Leben und Tod entschied.