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Im Auge des Sturms

FACING
THE
STORM

Tritt ein in eine düstere Welt aus Macht, Verrat und alten Schwüren.

Thema

Where we left ourselfs

Linearer Modus
Szeneninformationen
Szeneneinstellung
feste Postreihenfolge
Datum
25. November 1016
Ort
Zwischen den Städten
Tageszeit
21:55
#13
Die Gewissheit, dass Valda Leifs Tochter war, ließ einen Gedanken in ihm Wurzeln schlagen, der ihn von nun an nicht mehr loslassen würde. Das Mädchen musste geschützt werden. Koste es, was es wolle. Sollte Leif fallen oder schlimmer noch, sollte auch Jorin den Krieg nicht überstehen hing die Zukunft Norsteadings an Luitwin, der jedoch gerade erst einmal elf Jahre alt war. Nicht ohne Grund setzten Herrscher alles daran, möglichst viele Nachkommen zu hinterlassen. Das Leben war unberechenbar. Krankheiten, Unfälle oder Kriege forderten ihren Tribut, und die Kindersterblichkeit war hoch genug, um selbst eine große Familie binnen weniger Jahre auszulöschen. Ein Reich brauchte Erben, nicht nur für den Thron, sondern als Hoffnung auf Kontinuität. Vielleicht zeichnete es ihn aus, dass sein Verstand sich ausgerechnet jetzt an dieser nüchternen Wahrheit festklammerte. Es war einfacher, über Thronfolgen, Bündnisse und die Zukunft Norsteadings nachzudenken, als sich einzugestehen, wie tief ihn die Erkenntnis traf, dass Sannas Herz noch immer an Leif hing. Die Politik verlangte klare Gedanken. Gefühle hingegen machten einen Mann blind und Veith wusste nur zu gut, welchen Preis Unachtsamkeit in den kommenden Tagen kosten konnte.

Dennoch ließ sich sein Herz nicht so leicht zum Schweigen bringen. Es schlug gegen jede Vernunft an, zog schmerzhaft an ihm, als wolle es sich gegen den Panzer wehren, den sein Verstand darum errichtet hatte. Er hatte sich lange eingeredet, zwischen ihm und Sanna stünde lediglich eine flüchtige Anziehung, geboren aus jener Nacht in Helvis Haus. Doch mit jedem Schritt wurde deutlicher, dass er sich selbst belogen hatte. Was er für sie empfand, war längst tiefer geworden. Selbst jetzt, als er sie durch das Lager bis zu Leifs Zelt begleitete, fand er keinen Frieden. Seine Gedanken kehrten immer wieder zu ihren Worten zurück. Zu der Art, wie sie ihn angesehen hatte. Zu dem Zittern in ihrer Stimme, das sie so tapfer zu verbergen versuchte und zu der schmerzhaften Gewissheit, dass er sie gleich zurücklassen musste, ausgerechnet bei dem Mann, gegen den er niemals würde antreten dürfen. Nicht, weil er ihn fürchtete, sondern weil Loyalität manchmal bedeutete, schweigend zurückzutreten, obwohl das eigene Herz lautstark das Gegenteil verlangte.

„Du weißt jetzt, wo du mich findest“, erwiderte er auf ihre Worte, die spielerischer klangen, als sie vermutlich beabsichtigt hatte. Für einen flüchtigen Moment glaubte Veith sogar, dass sie ihm diesen Abschied erleichtern wollte. Er konnte es ihr nicht verübeln. Also zwang auch er sich zu einem ruhigen Ausdruck, ließ sich nichts anmerken und bot weder ihr noch den Wachen vor dem Zelt auch nur den kleinsten Hinweis darauf, wie es in seinem Inneren aussah. Tief unter seiner gefassten Miene regte sich etwas, das er bisher kaum gekannt hatte. Es war kein Zorn. Auch kein Groll. Es war Eifersucht. Ein Gefühl, das sich kalt und unerbittlich in seiner Brust ausbreitete und ihn gleichzeitig mit Scham erfüllte.
Leif war sein Freund. Sein Prinz. Ein Mann, dem seine Loyalität seit Jahren gehörte und Sanna hatte nichts getan, wofür sie diese stummen Vorwürfe verdient hätte. Sie war ihm nie ein Versprechen schuldig gewesen. Alles, was zwischen ihnen entstanden war, hatte sich in den Zwischenräumen ihrer Blicke und Berührungen abgespielt, ohne jemals ausgesprochen zu werden. Sie konnte nichts brechen, was nie ausgesprochen worden war. Der Schmerz gehörte allein ihm. Also verdrängte Veith jede Regung und nickte den Wachen knapp zu. „Lasst sie eintreten.“ Kaum waren die Worte gefallen, erklang Leifs Stimme aus dem Inneren. Veiths Mundwinkel hoben sich unwillkürlich um den Hauch eines Lächelns. „Macht der Gewohnheit“, erwiderte er trocken. Er trat einen Schritt zur Seite und gab den Blick auf Sanna vollständig frei. „Verzeih mir.“

Mit vielem hatte Veith gerechnet. Mit einer knappen Begrüßung. Mit Leifs üblicher Gelassenheit, vielleicht sogar mit einem Scherz. Nicht jedoch damit. Kaum fiel Leifs Blick auf Sanna, veränderte sich sein Gesichtsausdruck. Die sonst so selbstverständliche Souveränität wich einem ungläubigen Aufleuchten. Für einen winzigen Moment schien er schlicht vergessen zu haben, wo er war. Dann überwand er den Abstand zwischen ihnen mit wenigen entschlossenen Schritten und schloss sie fest in seine Arme. Veith blieb reglos stehen. Sein Blick ruhte auf den beiden, ruhig, beinahe ausdruckslos. Nur wer ihn sehr gut kannte, hätte bemerkt, wie sich sein Kiefer unmerklich anspannte. Etwas in seiner Brust zog sich schmerzhaft zusammen. Er hatte gewusst, dass dieser Augenblick kommen würde. Er hatte sich eingeredet, darauf vorbereitet zu sein. Doch die Wirklichkeit traf ihn härter, als er erwartet hatte. Zu sehen, wie selbstverständlich Sanna in Leifs Armen verschwand, ließ all die mühsam errichteten Mauern in seinem Inneren erzittern. Einen flüchtigen, beschämenden Herzschlag lang fragte er sich, wie es sich angefühlt hätte, sie selbst noch einmal so festzuhalten. Den Gedanken erstickte er im selben Moment. Er stand ihm nicht zu. Nicht mehr. Leise ließ Veith den Atem entweichen. Er hatte getan, weshalb er gekommen war. Alles Weitere ging ihn nichts an. Ohne ein weiteres Wort trat er einen Schritt zurück. Das flackernde Licht der Fackeln fiel nur noch halb auf sein Gesicht, ehe er sich abwandte. Seine Schritte waren ruhig, gleichmäßig und verrieten nichts von dem Aufruhr, den er unter jeder kontrollierten Bewegung verbarg. Hinter ihm ließ er das Zelt, die Stimmen und den Anblick zurück, der sich unausweichlich in sein Gedächtnis eingebrannt hatte.
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Nachrichten in diesem Thema
Where we left ourselfs - von Sanna Lorenson - 04-11-2025, 17:30
RE: Where we left ourselfs - von Veith Alvarsson - 15-11-2025, 11:39
RE: Where we left ourselfs - von Sanna Lorenson - 18-11-2025, 22:59
RE: Where we left ourselfs - von Veith Alvarsson - 11-01-2026, 11:36
RE: Where we left ourselfs - von Sanna Lorenson - 12-01-2026, 17:40
RE: Where we left ourselfs - von Veith Alvarsson - 09-02-2026, 10:34
RE: Where we left ourselfs - von Sanna Lorenson - 10-02-2026, 00:04
RE: Where we left ourselfs - von Veith Alvarsson - 14-02-2026, 11:01
RE: Where we left ourselfs - von Sanna Lorenson - 17-02-2026, 15:11
RE: Where we left ourselfs - von Veith Alvarsson - 21-02-2026, 12:25
RE: Where we left ourselfs - von Leif Stelhammer - 01-03-2026, 08:57
RE: Where we left ourselfs - von Sanna Lorenson - 03-03-2026, 16:45
RE: Where we left ourselfs - von Veith Alvarsson - 05-07-2026, 14:05