10-03-2024, 09:02 - Wörter:

Nailas Blick glitt über den Tisch und blieb an dem purpurfarbenen Stoff hängen, kaum dass ihr Verlobter seine Meinung kundgetan hatte. Ohne sich ihm zuzuwenden, war sie sich doch seinem Blick bewusst und beugte sich der Aufmerksamkeit, während ihre Finger sich unscheinbar ineinander verknoteten. Ihre Lippen einen Spalt breit geöffnet, wirkte sie überrascht, als er die Jasminblumen erwähnte, und fast augenblicklich floh ihr Blick hinüber zu den fünf Blumengestecken, die man als Vorschlag für sie angefertigt hatte. „Jasmin.“ Halb eine Frage, halb eine Feststellung, riss sie sich von ihrer festgesetzten Position los und glitt an Orpheus vorbei. „Nun, wisst Ihr, ich habe mich zu den ansässig blühenden Blumen beraten lassen. In der Tat ist die Jasminblüte eine gern gesehene Erscheinung in den Gärten meiner Heimat und wird in diversen wohltuenden Düften verarbeitet.“ Naila umrundete die Ecke des Tisches, wobei ihre Finger sanft die Kante streiften. „Hingegen blühen die Drillingsblumen besonders kräftig in Castandor und erfüllen Eure Gärten mit einem ganz einzigartigen, bunten Leben. Ich dachte mir, vielleicht können wir Eurer Familie eine Freude bereiten, wenn wir den Saal damit schmücken.“ Erst hinter den Blumengestecken kam die Prinzessin zum Stehen, nun fast gegenüber von Orpheus und ihm vollends, geradeheraus zugewandt. „Oder…“ Ihre Hände suchten, fanden und umschlossen den roten Strauch, der mit seiner satten Farbe aus der Menge herausstach. In Rot war das Wappen ihrer Familie bekleidet, aber es gab noch einen anderen Grund, warum Naila diese Blumen hatte auswählen lassen. „… vielleicht würde es Euch eine Freude bereiten, wenn sich ein Stück Herbstland an den Tischen finden würde? Ich habe gehört, die Fuchsie und der Klee wachsen besonders üppig auf den Hügeln bei Kenmara.“ Nailas Blick hob sich und kreuzte den von Orpheus mit einer gewissen Erwartung, aber keinesfalls aufdringlich. Eher neugierig. „Wegen Euren Reisen. Ihr habt doch ein paar Monate dort verweilt, oder nicht?“ Ihre Worte ließen Raum für eine Ausführung, die sie sich insgeheim auch wünschte. Lange genug hatte Naila stumm zugesehen, wie Bote um Bote sie mit Entschuldigungen abgekleidet hatte, seit Orpheus wieder in der Stadt war. Es hatte keinen Moment gegeben, in dem sie ihn nach seinen Reisen oder seinem Befinden hatte fragen können. Ohne zu viel zu verlangen, erhoffte sie sich doch, dass er es in seinem Geiste finden konnte, ihr einen kleinen Einblick von dem zu geben, an das sie sich in naher Zukunft binden würde. Noch so viele Boten konnten ihr von seinen Reisen erzählen, aber sie wollte es aus seinem Munde hören. Vielleicht tat er ihr ja diesen Gefallen in dieser halben Privatsphäre, die sie in dem großen Saal versuchte zu schaffen. In einem Friedensangebot hielt sie ihm das Blumengesteck hin, auf dass er es vielleicht annehmen mochte.
