23-03-2024, 13:08 - Wörter:
Zephyrs Blick wurde ein wenig weicher, als er erkannte, wie sein Schützling im Sessel immer weiter schrumpfte und in sich einsank. Sein Mundwinkel zuckte und er blickte selbst kurz betroffen auf den Boden, erforschte die einfachen Dielen und die kleinen Löcher, die vermutlich von irgendwelchen Schädlingen hineingefressen worden waren. "Ich weiß, was Du denkst, Orpheus. Aber dies ist unser Schicksal - wir müssen über unsere eigenen Belange hinaus wachsen. Weit hinauswachsen. Das ist nicht fair und nicht leicht... aber das hebt Dich von deinem Bruder ab, verstehst Du?" Leandros war derjenige, der es sich auf seiner faulen Haut bequem machte; der im gemachten Bett liegen blieb und das Leben bestmöglich auskostete. Doch irgendwann, da war Zephyr sicher, würde es ihn noch seinen Kopf kosten. Den Thron hatte es ihn bereits gekostet, wenn man Zephyr fragte. Nicht wortwörtlich, denn Leandros war dem Namen und Gesetz nach immer noch Kronprinz. Doch jeder wusste, dass ein Orpheus Castellanos die einzige Chance für die ganze Dynastie der Castellanos war. Er war derjenige, der den Namen wieder ins Licht würde führen können. Zephyr sah das bereits seit Jahren und war gewillt, dem Jungen den Weg zu ebnen, wo immer es möglich war.
Orpheus räumte dann ein, dass er keine große Feier brauchte und Zephyr nickte ihm zustimmend und anerkennend zu. "Wir dürfen sie dennoch nicht ZU klein und ZU banal werden lassen - allein schon um Ridvan oder dessen Gemahlin nicht zu beleidigen. Ich bezweifle, dass sie persönlich anwesend sein werden, doch man wird ihnen alles zutragen, was sich hier abspielt. Alles, glaube mir.", warnte er den jungen Prinzen weiter. Nicht, weil er noch mehr Druck auf ihn aufbauen wollte. Aber ihm musste einfach klar sein, dass die Abwesenheit der ben Sahids nur körperlicher Art war.
Als Orpheus ihm bezüglich einer möglichen Reise nach Avonston Green beinahe schon trotzig antwortete, lehnte Zephyr sich in seinem Sessel zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Es gab sehr viele Orte, an denen Orpheus noch nicht gewesen war. Aber das machte es nicht grade zu einer guten Idee, als nächstes dorthin zu gehen. Genauso gut würde man ihn jetzt auch nicht nach Spring's Court oder Wintergard schicken - wobei er in beiden Städten natürlich schon bei diversen Feierlichkeiten gewesen war. Es gab jedoch von Seiten des Fürsten nichts weiter hinzuzufügen. Seine vorherigen Aussagen waren vollumfänglich und eindeutig.
Orpheus empörte sich als nächstes über Zephyrs Pläne, ihn zum Gesicht des Kriegs heranziehen zu wollen. Es war ja rührend, wie Orpheus sich zu seinem Bruder bekannte, doch Zephyr ließ das trotzdem kalt. Er war schon immer ein äußerst nüchterner und wenig emotionaler Mensch gewesen. "Ich bezweifle, dass dein Bruder genug Pathos und Charisma hat, um ein Volk hinter sich zu vereinen. Oder auch nur eine zusammengewürfelte Armee...", tat er die Sache mit Leandros schnell ab und beugte sich in seinem Sessel vor um noch eindringlicher auf Orpheus einreden zu können. "Aber Du, Orpheus, Du hast diese Fähigkeiten in Dir! Zu Dir blicken die Menschen auf; sie betrachten Dich mit Achtung und Respekt. Dein Vater und dein Bruder haben den Ruf der Familie weitgehend ruiniert. Du bist die letzte Karte, die wir in diesem Spiel noch auszuspielen haben. Du bist der Einzige, dem die Massen treu folgen würden, wenn es hart auf hart kommt.
Auf diese Weise könntest Du deine Familie noch vor dem Untergang befreien...", fand er ausgesprochen klare und deutliche Worte. Er wollte Orpheus ja keinen Angst machen... doch nach Zephyrs Meinung ging es dem frühlingsländischen König nicht nur um dieses lächerliche Fürstentum Eastergold Meadow. Es war ein Affront gegen die Castellanos, gegen Castandor und alle Traditionen, die jahrhundertelang von allen akzeptiert und hingenommen wurden. Zephyr befürchtete sogar, dass es dem frühlingsländischen König darum ging, die anderen Länder gegen Castandor aufzubringen - nur um die Familie Castellanos zu stürzen und selbst jemanden als Großkönig zu stellen. Sich selbst oder seinen verzogenen kleinen Sohn. Wie sollte er das Orpheus noch deutlicher zu verstehen geben? Sie schwebten alle in Gefahr.
Dann offenbarte sich jedoch, wo Orpheus' Schwächen lagen. Mangelndes Selbstbewusstsein. Er sorgte sich um seine Frau, die Ehe und nunja, die Hochzeitsnacht. Zephyr legte den Kopf schief und betrachtete seinen jungen Schützling genaustens. Hatte Orpheus etwa noch nie.. ein Hurenhaus besucht? Wäre es an ihm gewesen, Orpheus darauf vorzubereiten, was die Ehe mit sich bringen würde? Er seufzte aus und wandte kurz nachdenklich seinen Blick von dem Prinzen ab. "Ich bin mir sicher, dass Naila als Angehörige ihres Landes dazu erzogen wurde, ihrem Gemahl zu dienen und in jeder Hinsicht für ihn da zu sein...", war die überlegte Antwort, die er zunächst von sich gab. Sicherlich - Naila würde nach außen die perfekte Ehefrau spielen, da war Zephyr sich sicher, auch wenn er die Prinzessin noch nicht allzu gut kennengelernt hatte. Doch das schien Orpheus alles weniger zu interessieren. Ihn kümmerte ganz offensichtlich, was sich hinter den Kulissen abspielte. "Nunja, es ist oft so, dass Paare erst zueinander finden müssen. Gerade auch in unseren Kreisen. Man hat nicht immer Zeit, sich wirklich kennenzulernen und eine Ehe verlangt viel Arbeit und viel Zuwendung... gerade dann, wenn sie sehr fruchtbar sein soll..." Es schmerzte ihn selbst, diese Worte zu sagen. Seine eigene Ehe war zwar für ihn sehr erfüllend - und er nahm auch an, dass Ferun mit ihm zufrieden war. Doch bisher hatte ihre Verbindung leider noch keine Früchte getragen. Orpheus wusste bestimmt, wie sehr es Zephyr schmerzte, noch immer keinen eigenen Sohn zu haben. Doch für einen König war dies noch ungleich weniger akzeptabel. "Ich bin sicher, dass Du sie mit deinem Wissen für Dich gewinnen kannst. Du bist gebildet und jederzeit in der Lage, dich in weitere Gebiete einzuarbeiten. Versuche einfach, herauszufinden, wofür sie sich interessiert. Und Dir dieses Wissen anzueignen, um mit ihr auf Augenhöhe darüber sprechen zu können.
Versuche aber auch, sie für Deine Anliegen zu interessieren und gib ihr die Möglichkeit, sich ebenfalls in diese Themen einzufinden...", riet er ihm mit ruhiger und überzeugter Stimme. Tja... und was den Rest anging... "Wäre Dir wohler, wenn ich ein Mädchen auswähle, das Dich in alles einweisen könnte..?", fragte er frei heraus. Noch waren sie nicht verheiratet, also konnte man auch nicht von einem Ehebruch sprechen. Vorallem nicht, wenn es eigentlich nur um des Lernens Willen geschah...
Orpheus räumte dann ein, dass er keine große Feier brauchte und Zephyr nickte ihm zustimmend und anerkennend zu. "Wir dürfen sie dennoch nicht ZU klein und ZU banal werden lassen - allein schon um Ridvan oder dessen Gemahlin nicht zu beleidigen. Ich bezweifle, dass sie persönlich anwesend sein werden, doch man wird ihnen alles zutragen, was sich hier abspielt. Alles, glaube mir.", warnte er den jungen Prinzen weiter. Nicht, weil er noch mehr Druck auf ihn aufbauen wollte. Aber ihm musste einfach klar sein, dass die Abwesenheit der ben Sahids nur körperlicher Art war.
Als Orpheus ihm bezüglich einer möglichen Reise nach Avonston Green beinahe schon trotzig antwortete, lehnte Zephyr sich in seinem Sessel zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Es gab sehr viele Orte, an denen Orpheus noch nicht gewesen war. Aber das machte es nicht grade zu einer guten Idee, als nächstes dorthin zu gehen. Genauso gut würde man ihn jetzt auch nicht nach Spring's Court oder Wintergard schicken - wobei er in beiden Städten natürlich schon bei diversen Feierlichkeiten gewesen war. Es gab jedoch von Seiten des Fürsten nichts weiter hinzuzufügen. Seine vorherigen Aussagen waren vollumfänglich und eindeutig.
Orpheus empörte sich als nächstes über Zephyrs Pläne, ihn zum Gesicht des Kriegs heranziehen zu wollen. Es war ja rührend, wie Orpheus sich zu seinem Bruder bekannte, doch Zephyr ließ das trotzdem kalt. Er war schon immer ein äußerst nüchterner und wenig emotionaler Mensch gewesen. "Ich bezweifle, dass dein Bruder genug Pathos und Charisma hat, um ein Volk hinter sich zu vereinen. Oder auch nur eine zusammengewürfelte Armee...", tat er die Sache mit Leandros schnell ab und beugte sich in seinem Sessel vor um noch eindringlicher auf Orpheus einreden zu können. "Aber Du, Orpheus, Du hast diese Fähigkeiten in Dir! Zu Dir blicken die Menschen auf; sie betrachten Dich mit Achtung und Respekt. Dein Vater und dein Bruder haben den Ruf der Familie weitgehend ruiniert. Du bist die letzte Karte, die wir in diesem Spiel noch auszuspielen haben. Du bist der Einzige, dem die Massen treu folgen würden, wenn es hart auf hart kommt.
Auf diese Weise könntest Du deine Familie noch vor dem Untergang befreien...", fand er ausgesprochen klare und deutliche Worte. Er wollte Orpheus ja keinen Angst machen... doch nach Zephyrs Meinung ging es dem frühlingsländischen König nicht nur um dieses lächerliche Fürstentum Eastergold Meadow. Es war ein Affront gegen die Castellanos, gegen Castandor und alle Traditionen, die jahrhundertelang von allen akzeptiert und hingenommen wurden. Zephyr befürchtete sogar, dass es dem frühlingsländischen König darum ging, die anderen Länder gegen Castandor aufzubringen - nur um die Familie Castellanos zu stürzen und selbst jemanden als Großkönig zu stellen. Sich selbst oder seinen verzogenen kleinen Sohn. Wie sollte er das Orpheus noch deutlicher zu verstehen geben? Sie schwebten alle in Gefahr.
Dann offenbarte sich jedoch, wo Orpheus' Schwächen lagen. Mangelndes Selbstbewusstsein. Er sorgte sich um seine Frau, die Ehe und nunja, die Hochzeitsnacht. Zephyr legte den Kopf schief und betrachtete seinen jungen Schützling genaustens. Hatte Orpheus etwa noch nie.. ein Hurenhaus besucht? Wäre es an ihm gewesen, Orpheus darauf vorzubereiten, was die Ehe mit sich bringen würde? Er seufzte aus und wandte kurz nachdenklich seinen Blick von dem Prinzen ab. "Ich bin mir sicher, dass Naila als Angehörige ihres Landes dazu erzogen wurde, ihrem Gemahl zu dienen und in jeder Hinsicht für ihn da zu sein...", war die überlegte Antwort, die er zunächst von sich gab. Sicherlich - Naila würde nach außen die perfekte Ehefrau spielen, da war Zephyr sich sicher, auch wenn er die Prinzessin noch nicht allzu gut kennengelernt hatte. Doch das schien Orpheus alles weniger zu interessieren. Ihn kümmerte ganz offensichtlich, was sich hinter den Kulissen abspielte. "Nunja, es ist oft so, dass Paare erst zueinander finden müssen. Gerade auch in unseren Kreisen. Man hat nicht immer Zeit, sich wirklich kennenzulernen und eine Ehe verlangt viel Arbeit und viel Zuwendung... gerade dann, wenn sie sehr fruchtbar sein soll..." Es schmerzte ihn selbst, diese Worte zu sagen. Seine eigene Ehe war zwar für ihn sehr erfüllend - und er nahm auch an, dass Ferun mit ihm zufrieden war. Doch bisher hatte ihre Verbindung leider noch keine Früchte getragen. Orpheus wusste bestimmt, wie sehr es Zephyr schmerzte, noch immer keinen eigenen Sohn zu haben. Doch für einen König war dies noch ungleich weniger akzeptabel. "Ich bin sicher, dass Du sie mit deinem Wissen für Dich gewinnen kannst. Du bist gebildet und jederzeit in der Lage, dich in weitere Gebiete einzuarbeiten. Versuche einfach, herauszufinden, wofür sie sich interessiert. Und Dir dieses Wissen anzueignen, um mit ihr auf Augenhöhe darüber sprechen zu können.
Versuche aber auch, sie für Deine Anliegen zu interessieren und gib ihr die Möglichkeit, sich ebenfalls in diese Themen einzufinden...", riet er ihm mit ruhiger und überzeugter Stimme. Tja... und was den Rest anging... "Wäre Dir wohler, wenn ich ein Mädchen auswähle, das Dich in alles einweisen könnte..?", fragte er frei heraus. Noch waren sie nicht verheiratet, also konnte man auch nicht von einem Ehebruch sprechen. Vorallem nicht, wenn es eigentlich nur um des Lernens Willen geschah...
