30-03-2024, 12:58 - Wörter:
Can you see the Fuck You
In my smile?

Ivar ließ zufrieden die Kupfermünzen in seinen Händen spielen, während er die anderen dabei beobachtete, wie sie vor dem Lagerfeuer lachten und sich Geschichten erzählten. Das musste man hier tun – sich Geschichten von der Heimat erzählen, die für viele von ihnen so unerreichbar weit weg war. Wenn sie abends nicht etwas hatten, auf das sie hinfiebern konnten, dann würden sie am nächsten Tag unter der ständigen Routine ihren Verstand verlieren. So war das Leben – hart, unbarmherzig und verdammt unfair. Aber heute sollte Heofader gnädig auf einen von ihnen herabblicken, denn eine Gestalt näherte sich dem blonden Schopf mit dem Kupferbeutel in der Hand. „Ich hab einen Auftrag für dich.“ Bei Heofaders Sackhaaren.
Gut gelaunt – eine Ausnahme in diesen Tagen, aber eine immer häufigere Ausnahme – streunerte Ivar am nächsten Vormittag durch das Lager auf einem bekannten Pfad, den er schon hunderte von Malen gegangen war. Mal, um selbst die Dienste der Heereshuren zu beanspruchen, öfter, um die Zeit einer ganz besonderen Hure zu stehlen. Selten, weil ihm langweilig war und er nach Spaß suchte. Heute, weil er tatsächlich mit einer Aufgabe unterwegs war. Ein Vormittag fühlte sich doch gleich viel produktiver an, wenn man nicht zum fünfzigsten Mal in Folge seine Eier schaukelte. Er fühlte sich noch besser an, wenn Ivar wusste, dass ein Silberstück sich zu seinem kleinen Münzschatz gesellt hatten und das Doppelte auf ihn warten würde, wenn er erfolgreich in den unteren Teil des Lochs, das sich südliches Lager nannte, zurückkehren würde. Dass er einmal so tief sinken und sich von zwei Silberstücken bezahlen ließ, hätte er in seinen Lebtagen nicht mehr erwartet; eher wäre er nochmal in die Minen zurückgegangen, als sich derart so unter seinem Wert zu verkaufen. Aber Gold war hier nicht existent, Silber war rar und irgendein Scheißkerl hatte ihm auf der Überfahrt sein Erspartes ergaunert, was sich in den Wochen, die er unfreiwillig auf dem Festland festsaß, deutlich auf seine Laune ausgewirkt hatte. Mit zwei Silber war er schon einmal näher dran, den Berg aufzuholen, den Khaleds diebische (neun) Finger sich in den letzten Wochen erwirtschaftet hatten. Scheiß Diebe.
Da es sich aber momentan nur um ein Silberstück handelte, musste Ivar seinen Teil der Abmachung noch erfüllen, und das tat er aus dem Herzen heraus gerne. Endlich hatte er etwas von seinem alten Leben wieder, er konnte die Freiheit regelrecht auf der Zunge schmecken (und nein, es war nicht die abgestandene, salzige Luft, die sich hier im Lager breit gemacht hatte). Vielleicht kam es ihm deswegen in den Sinn, das Pfeifen anzufangen. Der Söldner tat die Blicke von den Seiten ab, während er seinen Weg in den nördlichen, besser aufgestellten Teil des Lagers fortführte und sein Tempo erst vor der Reihe brauner Zelte drosselte, die er auch im Schlaf hätte finden können. Dort rechts schlief die liebenswerte Sharina, drei Zelte weiter hinten Domina mit ihrem dunklen, langen Haar, und noch ein bisschen weiter hinten thronte stolz die Zeltspitze von Rana, seiner Lieblingshure. Während er so über den plattgetretenen Rasen stiefelte, fiel ihm ein Junge vor einem der Zelte auf, der auf die Beschreibung des Gesuchten zutraf; dann wiederum traf braune, schulterlange Haare und dunkle Augen auf mindestens jeden zweiten Zeltinhaber hier zu. „Bist du Stuar?“, fragte Ivar dennoch nach und stellte sich so, dass er die Sonne auf den schmächtigen Körper verdeckte, der wohl gerade dabei war, seine Kleidung in einem Zuber zu waschen. Besagter Junge mit braunen Locken blinzelte irritiert nach oben, wo er sich dem großgewachsenen, blonden Krieger gegenübersah.
