01-04-2024, 22:23 - Wörter:
Seine fast beiläufige und doch so herzliche Berührung wirkte noch lange in Elithea nach. Manchmal reichten Kleinigkeiten aus, um einen Menschen aus seiner Verzweiflung zu retten. Oft waren es keine pompösen Taten, sondern kleine Gesten, die den größten Effekt nach sich zogen. So war es auch mit seiner flüchtigen Hand an ihrem Oberarm. Am Liebsten, so kindlich war sie dann doch noch, hätte sie sich ihm an den Hals geworfen und sich in einer Umarmung vergraben, so wie sie es bisher immer bei ihrem Vater getan hatte, wenn ihr das Herz besonders schwer in der Brust gewesen war. Doch den Vater gab es nun nicht mehr und der Fürst war noch zu fremd für soviel Nähe. Außerdem gab es hier Augen, die diese Vertrautheit vielleicht auch fehlinterpretieren könnten. Trotz allem, sie war dem Fürsten dankbar für ein wenig Zärtlichkeit, die sie in ihrer Familie so schmerzlich vermisste. Und auch seine Worte umhüllten ihre Seele wie warmes Gold, nährten und stärkten sie. Elithea wollte es einfach glauben, dass sie mit dem was wie war und tat ihrer Familie irgendwie Gutes tun konnte.
Vorsichtig tauchte Elithea ihre Finger in das kühle Nass, gleichsam traurig darüber, dass sie damit die schier makellose Spiegelfläche zerstörte, aber auch erfreut darüber, wie die kleinen Wellenkreise das Mondlicht nun funkelnd tanzen ließen. "Ich will darauf vertrauen, dass alles irgendwann einen Sinn ergeben wird."[/color] lächelte sie vorsichtig zum Fürsten hin. Momentan allerdings, fiel es ihr noch schwer irgendeinen göttlichen Faden in all dem Wirrwarr zu erkennen. Selbst die Besuche in der Kapelle brachten oftmals mehr Fragen, als Antworten. Sie musste sich einfach darauf verlassen, dass die Zeit Klärung bringen würde. Wie bei Wunden, die auch ihre Zeit brauchten zu verheilen. Und je mehr Zeit man ihnen geben würde, desto geringer würden die Narben ausfallen. Aber auch Wunden brauchten oftmals Unterstützung, Salben, Cremen, Verbände. Und so brauchte Elithea Gespräche. Mit jemandem, der sie auch ernst nahm.
Nach einer kleinen Weile erinnerte sie sich an ihre gute Erziehung und dass man einem Gesprächspartner nicht die kalte Schulter zuwenden sollte, also nahm sie die Hände aus dem Wasser, trocknete sie geschwind an ihrem Tuch und drehte sich mit voller Aufmerksamkeit zum Fürsten um. Alles weitere in die Wege leiten? "Fürst, ich hoffe ihr verzeiht mir meine aufdringlichen Fragen" aber er war nunmal der engste Vertraute des Königs, wenn nicht er, wer würde ihr dann Antworten geben können? "Um welche Vorbereitungen handelt es sich? Hat der hohe König schon Pläne für uns?" Scheinbar sollten sie auch nach Kings Portal gebracht werden. Das war absehbar, oder nicht? Hier in Bardon Pass wären sie vermutlich dem Fürsten bald eine Last. In der Weite der Hauptstadt würden sie sich viel leichter unterbringen lassen und hoffentlich weniger als 'die armen Flüchtlinge aus Eastergold Meadow' oder 'die ehemalige Fürstenfamilie' oder 'die Kinder vom hingerichteten Fürsten Trakas' gelten. Und dort wären sie viel näher am Brennpunkt um neue Weichen für ihre Zukunft stellen zu können. Larissa würde wohl schnell aufblühen unter all den schmucken Adelssöhnen am Hofe. Und Endymion hätte tagaus tagein jemanden um sich um seine Position wieder zurück gewinnen zu können. Und ihre Mutter hätte eine Vielzahl an Kapellen, Kirchen und Klöstern, in denen sie beten könnte.
Aber eigentlich waren es ganz andere Fragen, die Elithea drängten. Unsicher biss sie sich auf der Unterlippe herum, suchte die richtigen Worte und wägte ab, ob sie die Antwort überhaupt hören wollte. "Euer Gnaden, sagt, wisst ihr, wie mein Vater hingerichtet wurde?" Viele Details wurden ihnen nicht verraten, schon gar nicht den Kindern. Ob die Mutter in einer stillen Minute unter vier Augen genaueres erfahren hatte, konnte Elithea nicht sagen, aber sie wollte Gewissheit haben, wollte ihren Vater gerecht werden in ihrer Trauer. Und wenn sie sich schon rächen sollte, wie es scheinbar von ihr verlangt wurde, dann wollte sie wissen, was sie dem König von Walleydor eigentlich vorwarf. Wobei, von Rache hielt sie gar nichts. Vergeltung forderte doch nur wiederum Genugtuung und dies wiederum Revanche. Ein ewiger Kreis, der nur Leiden, Blutvergießen und Trauer nach sich zog.
Vorsichtig tauchte Elithea ihre Finger in das kühle Nass, gleichsam traurig darüber, dass sie damit die schier makellose Spiegelfläche zerstörte, aber auch erfreut darüber, wie die kleinen Wellenkreise das Mondlicht nun funkelnd tanzen ließen. "Ich will darauf vertrauen, dass alles irgendwann einen Sinn ergeben wird."[/color] lächelte sie vorsichtig zum Fürsten hin. Momentan allerdings, fiel es ihr noch schwer irgendeinen göttlichen Faden in all dem Wirrwarr zu erkennen. Selbst die Besuche in der Kapelle brachten oftmals mehr Fragen, als Antworten. Sie musste sich einfach darauf verlassen, dass die Zeit Klärung bringen würde. Wie bei Wunden, die auch ihre Zeit brauchten zu verheilen. Und je mehr Zeit man ihnen geben würde, desto geringer würden die Narben ausfallen. Aber auch Wunden brauchten oftmals Unterstützung, Salben, Cremen, Verbände. Und so brauchte Elithea Gespräche. Mit jemandem, der sie auch ernst nahm.
Nach einer kleinen Weile erinnerte sie sich an ihre gute Erziehung und dass man einem Gesprächspartner nicht die kalte Schulter zuwenden sollte, also nahm sie die Hände aus dem Wasser, trocknete sie geschwind an ihrem Tuch und drehte sich mit voller Aufmerksamkeit zum Fürsten um. Alles weitere in die Wege leiten? "Fürst, ich hoffe ihr verzeiht mir meine aufdringlichen Fragen" aber er war nunmal der engste Vertraute des Königs, wenn nicht er, wer würde ihr dann Antworten geben können? "Um welche Vorbereitungen handelt es sich? Hat der hohe König schon Pläne für uns?" Scheinbar sollten sie auch nach Kings Portal gebracht werden. Das war absehbar, oder nicht? Hier in Bardon Pass wären sie vermutlich dem Fürsten bald eine Last. In der Weite der Hauptstadt würden sie sich viel leichter unterbringen lassen und hoffentlich weniger als 'die armen Flüchtlinge aus Eastergold Meadow' oder 'die ehemalige Fürstenfamilie' oder 'die Kinder vom hingerichteten Fürsten Trakas' gelten. Und dort wären sie viel näher am Brennpunkt um neue Weichen für ihre Zukunft stellen zu können. Larissa würde wohl schnell aufblühen unter all den schmucken Adelssöhnen am Hofe. Und Endymion hätte tagaus tagein jemanden um sich um seine Position wieder zurück gewinnen zu können. Und ihre Mutter hätte eine Vielzahl an Kapellen, Kirchen und Klöstern, in denen sie beten könnte.
Aber eigentlich waren es ganz andere Fragen, die Elithea drängten. Unsicher biss sie sich auf der Unterlippe herum, suchte die richtigen Worte und wägte ab, ob sie die Antwort überhaupt hören wollte. "Euer Gnaden, sagt, wisst ihr, wie mein Vater hingerichtet wurde?" Viele Details wurden ihnen nicht verraten, schon gar nicht den Kindern. Ob die Mutter in einer stillen Minute unter vier Augen genaueres erfahren hatte, konnte Elithea nicht sagen, aber sie wollte Gewissheit haben, wollte ihren Vater gerecht werden in ihrer Trauer. Und wenn sie sich schon rächen sollte, wie es scheinbar von ihr verlangt wurde, dann wollte sie wissen, was sie dem König von Walleydor eigentlich vorwarf. Wobei, von Rache hielt sie gar nichts. Vergeltung forderte doch nur wiederum Genugtuung und dies wiederum Revanche. Ein ewiger Kreis, der nur Leiden, Blutvergießen und Trauer nach sich zog.
