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Im Auge des Sturms

FACING
THE
STORM

Tritt ein in eine düstere Welt aus Macht, Verrat und alten Schwüren.

Thema

Pick your poison

Linearer Modus
Szeneninformationen
Charaktere
Szeneneinstellung
feste Postreihenfolge
Datum
04. September 1016
Ort
Reichenviertel, Ilyas Haus
Tageszeit
18:00
#1
Pick your Poison
Scorpion or Snake?

Staub zersetzte die Lunge dort, wo er sich festsetzen konnte, die Sonne nur ein unbarmherziger Zuschausteller von der Zerstörung, die noch immer in der Hauptstadt wütete. Brocken von Häuserwänden lagen auf den Straßen verteilt, schmutzige Stoffe lagen darunter begraben, die Stöcke von Baldachinen wurden dafür verwendet, um in dem Schutt nach etwas Essbarem zu stochern. Es gab keine Menschen mehr, die sich auf den Straßen tummelten und Marktangebote schrien, zu trocken waren ihre Kehlen von dem rationierten Wasser, was gerade so reichte, um Kind und Frau überleben zu lassen. Statt Augen blickten einem Höhlen aus zu großen Köpfen entgegen, Knochen bildeten sich unter der Haut ab, keiner hatte mehr Ressourcen, um Tränen fließen zu lassen. Und weit und breit kein Mann zu sehen. Dharan al-Bahr war nichts weiter als der inhaftierte Bruder dessen, was es einmal gewesen war.
Selbst wenn die Häuser wieder als Häuser identifizierbar waren, dort, wo man die Straßen leergeräumt und die Stoffe wieder aufgehängt hatte, wo Wäsche aus den Fenstern hing und man sogar wieder angefangen hatte, die Gärten zu pflegen – selbst dort trug das Viertel nur eine Maske, um die innere Zerstörung zu verbergen. Es gab keine Marktschreier auf dem sonnigen, kahlen Platz um den Brunnen herum, hatte man in der Not doch alle Mühen darauf fokussiert, mehr Wasser zutage zu fördern. Männer in ihren Tunika blickten hier verstohlen, als würde ihnen doch jemand die Sicherheit des Reichtums nehmen und sie genauso auf ein Schiff in ein fremdes Land zwingen. Selten gab es hier einen Grund, das Haus zu verlassen, wenn doch an jeder Ecke ein verzweifelter Dieb lauern konnte, der alles dafür in Kauf nehmen würde, auch nur einen Laib trockenes Brot unter sich und den Straßenkindern aufzuteilen. Die Kunst darin war, sich das Leid mit ihnen zu teilen. In seinem Blick Verständnis auszudrücken und Wissen zu vermitteln, so wie sie wussten, dass man einer von ihnen war. Jemand, der genau wie sie auf der Straße gesessen und gehungert hatte. Jemand, der überlebt hatte. Jemand, der nun einen Namen trug, der nur von Schatten gesprochen werden konnte. Ein Amra zu sein bedeutete, die Sprache des Volkes zu sprechen, selbst, wenn man teure Gewänder trug.
Es bedeutete auch, seinen Blick vom Leid auf den Straßen abzuwenden und sich auf den Weg zu fokussieren, der vor einem lag. Devan beschritt seinen Weg mit dem breiten, sicheren Gang eines Reichen, seine Tunika in einem schlichten, aber edlen Rot gehalten, sein Bart gepflegt, die obere Hälfte der Haare glatt zurückgebunden, während die andere Hälfte auf seine Schulter fiel. Von der schwangeren Frau, die mit ihrem Kind an der Hand die Straße überquerte, erntete er keinen zweiten Blick, so mühelos schien er sich in das Bild dieses Viertels einzufügen. Das war gut so. Er wollte nicht auffallen. Sein Vorhaben sollte nicht auffallen. Es sollte normal sein, einen alten Bekannten zu besuchen und mit ihm bei Tee und Brot den frühen Abend zu verbringen. Es war auch normal, dass Devan an der Tür klopfte und lächelte, wie man einen Freund anlächelte, sobald man ihm aufmachte. „Hallo, Ilyas. Schön, dich unter den Lebenden zu sehen.“
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Nachrichten in diesem Thema
Pick your poison - von Devan Naharis - 06-04-2024, 05:12
RE: Pick your poison - von Ilyas El Mansouri - 07-04-2024, 17:36
RE: Pick your poison - von Devan Naharis - 20-04-2024, 04:21
RE: Pick your poison - von Ilyas El Mansouri - 09-06-2024, 13:51
RE: Pick your poison - von Devan Naharis - 17-06-2024, 12:01