07-04-2024, 17:28 - Wörter:
Orpheus saß still da, wobei seine Gedanken wild durcheinanderwirbelten, während er Zephyr zuhörte. Sein nachdenklicher Blick verlor sich in den Linien des Dielenbodens, während er versuchte, die Worte zu verarbeiten und spiegelte die schweren Gedanken wider, die ihn beschäftigten. Er kämpfte dagegen an, sich nicht von dem Druck überwältigen zu lassen, der auf seinen Schultern lastete - die Erwartungen seines Mentors, die Verantwortung für die Zukunft seiner Familie, die Unsicherheiten bezüglich seiner bevorstehenden Ehe.
Ein Teil von ihm wollte sich gegen die Vorstellung wehren, dass sein Schicksal bereits vorherbestimmt sei, dass er dazu bestimmt sei, die Fehler seiner Familie auszubügeln und sie sozusagen vor dem Untergang zu bewahren, auf den sein Vater und vor allem auch sein Bruder ungebremst zusteuerten. Doch ein anderer Teil von ihm konnte nicht umhin, die Wahrheit in Zephyrs Worten zu erkennen. Er konnte sich weiterhin was vormachen oder den Tatsachen irgendwann ins Auge blicken und dementsprechend handeln.
Bei Zephyrs Bemerkung über die wahrscheinliche Abwesenheit des Königspaares aus dem Sommerland bei den Feierlichkeiten und die Tatsache, dass es wichtig war, die Eltern von Naila nicht zu beleidigen, indem man die Feier zu klein ansetzte, nickte Orpheus. Ihm war klar, dass trotz der ganzen Kriegsvorbereitungen oder gerade wegen ihnen, nicht vergessen werden sollte, dass Matariyya ein wichtiger Verbündeter von Castandor war. Und dass es deshalb umso wichtiger war, dass die Hochzeit ein voller Erfolg wurde und die ben Sahids ihre Tochter in einer guten Beziehung wussten. Das machte das Ganze nicht weniger schwierig für den jungen Prinzen, denn ihm war die Wichtigkeit seiner Rolle als Nailas Ehemann durchaus bewusst.
Als Zephyr von seiner potenziellen Rolle als Anführer sprach, spürte Orpheus einen Kloß in seinem Magen. Die Vorstellung, dass möglicherweise so viel von ihm abhing, war überwältigend und er hatte nie den Drang verspürt, ein Anführer zu sein. Im Gegenteil sehnte er sich danach, einfach nur ein normaler junger Mann zu sein, frei von den Verpflichtungen und Intrigen des königlichen Lebens. Doch allem abzuschwören und seiner Familie und seinem Land den Rücken zu kehren, um anderswo ein Leben zu führen, nur um frei sein zu können, war für Orpheus auch keine Option. Er wusste, dass er das niemals mit seinem Gewissen würde vereinbaren können, seine Familie und sein Land im Stich gelassen zu haben, nur um seinen Verpflichtungen zu entfliehen. Dafür war er dann doch zu pflichtbewusst und liebte sein Land und das Volk. Er war eben doch kein Leandros. Und das hatte Zephyr schon lange erkannt, während er selbst sich noch immer gegen die Erkenntnis sträubte.
"Vielleicht hast du recht, Zephyr", begann Orpheus schließlich, seine Stimme ruhig, aber mit einem Hauch von Unsicherheit. "Aber manchmal fühlt es sich an, als wäre das Gewicht meiner Verantwortung erdrückend. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, die Familie zu retten und das Erbe der Castellanos zu bewahren, aber ich weiß nicht, ob ich dem gewachsen bin, was du in mir siehst. Bisher hatte ich immer gedacht, dass alle Augen auf Leandros ruhen würden und ich dazu bestimmt bin, ihm sozusagen den Rücken freizuhalten."
Er senkte den Blick und spielte nervös mit den Fingern. Die Vorstellung er wäre imstande die Massen anzuführen, wie Zephyr gesagt hatte, erschien ihm immer noch absurd. Er zweifelte an seinen eigenen Fähigkeiten, an seiner Fähigkeit, Menschen zu inspirieren und zu führen. Da wo Zephyr ihn bereits seit längerem sah, konnte der junge Mann sich beim besten Willen selber nicht sehen. Und wer wusste schon, ob die Menschen ihn, Orpheus, den Zweitgeborenen, überhaupt als ihren Anführer wollten. Hatte er wirklich den Pathos und das Charisma, was die Hand des Königs in ihm sah? Oder war er nur ein Junge, naiv und unerfahren, der versuchte, Held zu spielen? Doch wer sollte dann diese Aufgabe übernehmen, wenn der Thronfolger ausfiel?
„Meinst du, wir könnten mit Leandros nicht reden und ihm den Ernst der Lage klarmachen?“, versuchte der Prinz erneut die Aufgabe an denjenigen zurückzugeben, der eigentlich dafür geboren war. „Er muss doch einsehen, dass er seine Pflicht für Castandor, für seine Familie erfüllen muss. Und wir ihn dabei unterstützen werden.“ Kaum ausgesprochen, war es Orpheus eigentlich schon klar, wie die Antwort des Fürsten ausfiel. Dennoch wollte er nichts unversucht lassen, um seinen Bruder nicht doch für die Sache zu gewinnen, die eigentlich sowieso seine Aufgabe war.
"Und Naila...", setzte er zögernd fort. "Ich fühle mich manchmal so unerfahren, so unvorbereitet für all das, was vor uns liegt. Es ist, als ob ich in einem Spiel bin, von dem ich die Regeln nicht kenne. Aber du hast recht, ich werde deine Worte beherzigen und herausfinden, wofür sich die Prinzessin interessiert. Und vielleicht finden wir ja eine Gemeinsamkeit. Ich würde es mir zumindest wünschen."
Orpheus seufzte und strich sich eine Locke aus der Stirn. Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, welche Gemeinsamkeit das wohl sein könnte, denn wenn er an seine Schwestern dachte, beschränkte sich deren Beschäftigungen auf Handarbeiten und Tratsch und Klatsch des Palastes. Er liebte die beiden, doch waren sie eben einfach Frauen und interessierten sich höchstens für seine Reiseberichte. Vielleicht konnte er ja damit auch Naila unterhalten, auch wenn das sicherlich auf Dauer ein wenig einseitig wurde. Wie auch immer, Orpheus würde es zumindest versuchen, mit der Prinzessin eine Basis zu finden, auch wenn er noch nicht wusste, wie das aussehen würde. Irgendwie würde es sich schon fügen.
Was ihm eher Bauchschmerzen bereitete, war tatsächlich das, was hinter den Kulissen stattfinden sollte. Die Hochzeitsnacht und überhaupt die ehelichen Pflichten. Es war ja nicht so, dass Orpheus nicht wusste, wie sowas vonstattengehen sollte und hatte auch seine erste Erfahrung mit einer der Mägde gehabt, doch hier ging es ja um mehr, hier lagen Erwartungen auf ihm, die weit über ein Vergnügen hinaus gingen.
Als sein väterlicher Freund schließlich vorschlug, ein Mädchen auszuwählen, was den Prinzen in gewisse Dinge einweisen sollte, ließ es den jungen Mann vor Verlegenheit erröten und er senkte erneut den Blick. Er wusste, dass Zephyr ihm nur helfen wollte, doch über derlei intime Dinge zu reden war für ihn sehr peinlich. „Hm, das hat Leandros schon versucht“, gab Orpheus schließlich leise zu. „Ich… mochte sie nicht. Sie hat nicht gut gerochen. Es ging einfach nicht.“
Ein Teil von ihm wollte sich gegen die Vorstellung wehren, dass sein Schicksal bereits vorherbestimmt sei, dass er dazu bestimmt sei, die Fehler seiner Familie auszubügeln und sie sozusagen vor dem Untergang zu bewahren, auf den sein Vater und vor allem auch sein Bruder ungebremst zusteuerten. Doch ein anderer Teil von ihm konnte nicht umhin, die Wahrheit in Zephyrs Worten zu erkennen. Er konnte sich weiterhin was vormachen oder den Tatsachen irgendwann ins Auge blicken und dementsprechend handeln.
Bei Zephyrs Bemerkung über die wahrscheinliche Abwesenheit des Königspaares aus dem Sommerland bei den Feierlichkeiten und die Tatsache, dass es wichtig war, die Eltern von Naila nicht zu beleidigen, indem man die Feier zu klein ansetzte, nickte Orpheus. Ihm war klar, dass trotz der ganzen Kriegsvorbereitungen oder gerade wegen ihnen, nicht vergessen werden sollte, dass Matariyya ein wichtiger Verbündeter von Castandor war. Und dass es deshalb umso wichtiger war, dass die Hochzeit ein voller Erfolg wurde und die ben Sahids ihre Tochter in einer guten Beziehung wussten. Das machte das Ganze nicht weniger schwierig für den jungen Prinzen, denn ihm war die Wichtigkeit seiner Rolle als Nailas Ehemann durchaus bewusst.
Als Zephyr von seiner potenziellen Rolle als Anführer sprach, spürte Orpheus einen Kloß in seinem Magen. Die Vorstellung, dass möglicherweise so viel von ihm abhing, war überwältigend und er hatte nie den Drang verspürt, ein Anführer zu sein. Im Gegenteil sehnte er sich danach, einfach nur ein normaler junger Mann zu sein, frei von den Verpflichtungen und Intrigen des königlichen Lebens. Doch allem abzuschwören und seiner Familie und seinem Land den Rücken zu kehren, um anderswo ein Leben zu führen, nur um frei sein zu können, war für Orpheus auch keine Option. Er wusste, dass er das niemals mit seinem Gewissen würde vereinbaren können, seine Familie und sein Land im Stich gelassen zu haben, nur um seinen Verpflichtungen zu entfliehen. Dafür war er dann doch zu pflichtbewusst und liebte sein Land und das Volk. Er war eben doch kein Leandros. Und das hatte Zephyr schon lange erkannt, während er selbst sich noch immer gegen die Erkenntnis sträubte.
"Vielleicht hast du recht, Zephyr", begann Orpheus schließlich, seine Stimme ruhig, aber mit einem Hauch von Unsicherheit. "Aber manchmal fühlt es sich an, als wäre das Gewicht meiner Verantwortung erdrückend. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, die Familie zu retten und das Erbe der Castellanos zu bewahren, aber ich weiß nicht, ob ich dem gewachsen bin, was du in mir siehst. Bisher hatte ich immer gedacht, dass alle Augen auf Leandros ruhen würden und ich dazu bestimmt bin, ihm sozusagen den Rücken freizuhalten."
Er senkte den Blick und spielte nervös mit den Fingern. Die Vorstellung er wäre imstande die Massen anzuführen, wie Zephyr gesagt hatte, erschien ihm immer noch absurd. Er zweifelte an seinen eigenen Fähigkeiten, an seiner Fähigkeit, Menschen zu inspirieren und zu führen. Da wo Zephyr ihn bereits seit längerem sah, konnte der junge Mann sich beim besten Willen selber nicht sehen. Und wer wusste schon, ob die Menschen ihn, Orpheus, den Zweitgeborenen, überhaupt als ihren Anführer wollten. Hatte er wirklich den Pathos und das Charisma, was die Hand des Königs in ihm sah? Oder war er nur ein Junge, naiv und unerfahren, der versuchte, Held zu spielen? Doch wer sollte dann diese Aufgabe übernehmen, wenn der Thronfolger ausfiel?
„Meinst du, wir könnten mit Leandros nicht reden und ihm den Ernst der Lage klarmachen?“, versuchte der Prinz erneut die Aufgabe an denjenigen zurückzugeben, der eigentlich dafür geboren war. „Er muss doch einsehen, dass er seine Pflicht für Castandor, für seine Familie erfüllen muss. Und wir ihn dabei unterstützen werden.“ Kaum ausgesprochen, war es Orpheus eigentlich schon klar, wie die Antwort des Fürsten ausfiel. Dennoch wollte er nichts unversucht lassen, um seinen Bruder nicht doch für die Sache zu gewinnen, die eigentlich sowieso seine Aufgabe war.
"Und Naila...", setzte er zögernd fort. "Ich fühle mich manchmal so unerfahren, so unvorbereitet für all das, was vor uns liegt. Es ist, als ob ich in einem Spiel bin, von dem ich die Regeln nicht kenne. Aber du hast recht, ich werde deine Worte beherzigen und herausfinden, wofür sich die Prinzessin interessiert. Und vielleicht finden wir ja eine Gemeinsamkeit. Ich würde es mir zumindest wünschen."
Orpheus seufzte und strich sich eine Locke aus der Stirn. Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, welche Gemeinsamkeit das wohl sein könnte, denn wenn er an seine Schwestern dachte, beschränkte sich deren Beschäftigungen auf Handarbeiten und Tratsch und Klatsch des Palastes. Er liebte die beiden, doch waren sie eben einfach Frauen und interessierten sich höchstens für seine Reiseberichte. Vielleicht konnte er ja damit auch Naila unterhalten, auch wenn das sicherlich auf Dauer ein wenig einseitig wurde. Wie auch immer, Orpheus würde es zumindest versuchen, mit der Prinzessin eine Basis zu finden, auch wenn er noch nicht wusste, wie das aussehen würde. Irgendwie würde es sich schon fügen.
Was ihm eher Bauchschmerzen bereitete, war tatsächlich das, was hinter den Kulissen stattfinden sollte. Die Hochzeitsnacht und überhaupt die ehelichen Pflichten. Es war ja nicht so, dass Orpheus nicht wusste, wie sowas vonstattengehen sollte und hatte auch seine erste Erfahrung mit einer der Mägde gehabt, doch hier ging es ja um mehr, hier lagen Erwartungen auf ihm, die weit über ein Vergnügen hinaus gingen.
Als sein väterlicher Freund schließlich vorschlug, ein Mädchen auszuwählen, was den Prinzen in gewisse Dinge einweisen sollte, ließ es den jungen Mann vor Verlegenheit erröten und er senkte erneut den Blick. Er wusste, dass Zephyr ihm nur helfen wollte, doch über derlei intime Dinge zu reden war für ihn sehr peinlich. „Hm, das hat Leandros schon versucht“, gab Orpheus schließlich leise zu. „Ich… mochte sie nicht. Sie hat nicht gut gerochen. Es ging einfach nicht.“
