07-04-2024, 18:59 - Wörter:
Es schien keinen Zweck zu haben. Was Gareth anging - und auch ungleich viele andere Themen, schienen Mutter und Tochter nicht auf einen Nenner zu kommen. Glynis warf ihrer Mutter dasselbe vor, wie umgekehrt und Alys Gesicht verzog sich zu einer gequälten Maske. Diese Streitereien taten ihr natürlich weh. Auf mehreren Ebenen; doch auch körperlich strengte die Angelegenheit sie an. Sie hatte das Gefühl, sich in etwas hineinsteigern zu müssen, nur um die Oberhand behalten zu können. Das machte keine Freude und Glynis schien obendrein auch noch immun dagegen zu sein. Wie ein Ölfilm, der das Wasser ohne jede Anstrengung abstieß. Und zwischen ihnen gab es scheinbar kein Stück Seife, das sie irgendwie miteinander verbunden hätte.
Sie solle ehrlich zu sich selbst sein?
Alys konnte mit diesem Vorwurf nun wirklich nichts anfangen. Zumindest hatte sie bisher nie den Eindruck bekommen, dass sie sich selbst anlog. Oder irgendjemand anderen. Sie mochte eigennützig und egoistisch sein, zuweilen jedenfalls, doch Ehrlichkeit? Alys glaubte nicht, dass ihr daran mangelte. Genauso wenig würde sie Glynis Unehrlichkeit vorwerfen. Sie handelten und sprachen beide aus Überzeugung. Und was Glynis anging: die sprach auch noch aus Verblendung. Und glaubte, das Wort der großen Mutter besser und richtiger deuten zu können, als ihre Mutter. Das war regelrecht anmaßend. Und sie hätte sich so ein Verhalten von keiner anderen Frau bieten lassen.
Doch Alys erkannte die Tränen, die in den Augen ihrer Tochter hervorquollen. Etwas in ihr entwickelte eine Art von Mitleid. Zumindest nahm das Gesicht der Hohepriesterin einen wohlwollenderen Blick an. Doch gleichzeitig war sie auch unfassbar wütend auf Glynis, die wahrhaft glaubte, sich alles herausnehmen zu können. Tränen anderer Priesterinnen berührten Alys für gewöhnlich überhaupt nicht. Doch nun liefen sie auch noch über Glynis' zarte Wangen. Alys blinzelte ihre eigenen Empfindungen, sogar ihren Ärger, hinfort und atmete langsam und tief ein - dann wieder aus. Ihre Hand auf dem Oberarm ihrer Tochter glitt leicht ab- und dann wieder aufwärts, in einem Versuch, das Mädchen zu trösten. "Es kümmert mich, denn ich möchte nicht, dass die anderen Frauen Dich so sehen. Und ich möchte Dich ebenfalls so nicht erleben...", antwortete Alys in ruhigem, mitfühlendem Ton. Genauso hätte sie das auch nicht für andere Priesterinnen gewollt. Sie alle mussten stark sein für die schweren Aufgaben, denen sie nachzugehen hatten. Die Göttin prüfte sie alle, um die Würdigste unter ihnen ausmachen zu können. Genauso wie sie selbst nicht schwach wirken wollte vor anderen, wollte sie das auch für Glynis nicht. Immerhin... sollte sie doch in Alys' Fußspuren folgen.
Die Mutter ließ zu, dass ihre Hand von denen ihrer Tochter umschlossen wurde und versuchte, ihr einen einigermaßen warmen Blick zuzuwerfen. Nach ihrer eigenen Wahrnehmung heraus, handelte sie doch nur wie eine krankhaft liebende Mutter, die sich nichts mehr wünschte, als ihr Kind in Sicherheit zu sehen. Nunja... Selbst- und Fremdwahrnehmung drifteten ja gerne einmal auseinander. Wie in einer segnenden Geste umschloss Alys ihrer beiden Händen mit der noch freien, so, dass ihre Hand oben auf lag.
Sie hörte ihrem Kind dabei zu, wie sie versuchte, für das Dilemma eine Lösung religiöser Art zu finden, mit der sie beide dann ihren Frieden machen mussten. Ihr leuchtete ein, dass ihr Sohn natürlich letztendlich seinen eigenen Weg finden musste - Glynis hatte man schließlich auch nicht in Ketten vor das Gesicht der großen Mutter gezerrt um einen Eid abzulegen - es war von ihr erwartet worden, natürlich. Aber eine körperliche Form von Zwang hatte dabei nie stattgefunden. Und selbstverständlich dachte Alys daran, es bei Gareth genauso zu machen. "Wenn er selbst entscheiden soll, müssen wir ihm zunächst alle Wege aufzeigen. Er ist lange nicht mehr hier gewesen, Glynis. Er kennt Dich kaum, Seren noch weniger. Er kennt diesen Ort nicht mehr, weiß nur noch rudimentär von der Macht der Göttin.
Ich wünsche, dass er hier her kommt und die Kraft der Relikte fühlt; dass er erkennt, welche Wege es fernab von Kriegen und Ungeheuern noch gibt. Es ist ihm aktuell nicht möglich, eine fundierte Entscheidung zu treffen..", versuchte Alys die Worte ihrer Tochter zu bestätigen und gleichsam wieder in die richtige, von ihr gewünschte Richtung zu lenken. Manipulation, das war es im Grunde, was Alys vor hatte. Sie hätte das niemals so genannt, oder sich selbst auch nicht als Manipulator betrachtet, doch im Wesentlichen wollte sie alles in die Waagschale werfen, um Gareth davon zu überzeugen, den Weg der Druiden einzuschlagen.
Sie solle ehrlich zu sich selbst sein?
Alys konnte mit diesem Vorwurf nun wirklich nichts anfangen. Zumindest hatte sie bisher nie den Eindruck bekommen, dass sie sich selbst anlog. Oder irgendjemand anderen. Sie mochte eigennützig und egoistisch sein, zuweilen jedenfalls, doch Ehrlichkeit? Alys glaubte nicht, dass ihr daran mangelte. Genauso wenig würde sie Glynis Unehrlichkeit vorwerfen. Sie handelten und sprachen beide aus Überzeugung. Und was Glynis anging: die sprach auch noch aus Verblendung. Und glaubte, das Wort der großen Mutter besser und richtiger deuten zu können, als ihre Mutter. Das war regelrecht anmaßend. Und sie hätte sich so ein Verhalten von keiner anderen Frau bieten lassen.
Doch Alys erkannte die Tränen, die in den Augen ihrer Tochter hervorquollen. Etwas in ihr entwickelte eine Art von Mitleid. Zumindest nahm das Gesicht der Hohepriesterin einen wohlwollenderen Blick an. Doch gleichzeitig war sie auch unfassbar wütend auf Glynis, die wahrhaft glaubte, sich alles herausnehmen zu können. Tränen anderer Priesterinnen berührten Alys für gewöhnlich überhaupt nicht. Doch nun liefen sie auch noch über Glynis' zarte Wangen. Alys blinzelte ihre eigenen Empfindungen, sogar ihren Ärger, hinfort und atmete langsam und tief ein - dann wieder aus. Ihre Hand auf dem Oberarm ihrer Tochter glitt leicht ab- und dann wieder aufwärts, in einem Versuch, das Mädchen zu trösten. "Es kümmert mich, denn ich möchte nicht, dass die anderen Frauen Dich so sehen. Und ich möchte Dich ebenfalls so nicht erleben...", antwortete Alys in ruhigem, mitfühlendem Ton. Genauso hätte sie das auch nicht für andere Priesterinnen gewollt. Sie alle mussten stark sein für die schweren Aufgaben, denen sie nachzugehen hatten. Die Göttin prüfte sie alle, um die Würdigste unter ihnen ausmachen zu können. Genauso wie sie selbst nicht schwach wirken wollte vor anderen, wollte sie das auch für Glynis nicht. Immerhin... sollte sie doch in Alys' Fußspuren folgen.
Die Mutter ließ zu, dass ihre Hand von denen ihrer Tochter umschlossen wurde und versuchte, ihr einen einigermaßen warmen Blick zuzuwerfen. Nach ihrer eigenen Wahrnehmung heraus, handelte sie doch nur wie eine krankhaft liebende Mutter, die sich nichts mehr wünschte, als ihr Kind in Sicherheit zu sehen. Nunja... Selbst- und Fremdwahrnehmung drifteten ja gerne einmal auseinander. Wie in einer segnenden Geste umschloss Alys ihrer beiden Händen mit der noch freien, so, dass ihre Hand oben auf lag.
Sie hörte ihrem Kind dabei zu, wie sie versuchte, für das Dilemma eine Lösung religiöser Art zu finden, mit der sie beide dann ihren Frieden machen mussten. Ihr leuchtete ein, dass ihr Sohn natürlich letztendlich seinen eigenen Weg finden musste - Glynis hatte man schließlich auch nicht in Ketten vor das Gesicht der großen Mutter gezerrt um einen Eid abzulegen - es war von ihr erwartet worden, natürlich. Aber eine körperliche Form von Zwang hatte dabei nie stattgefunden. Und selbstverständlich dachte Alys daran, es bei Gareth genauso zu machen. "Wenn er selbst entscheiden soll, müssen wir ihm zunächst alle Wege aufzeigen. Er ist lange nicht mehr hier gewesen, Glynis. Er kennt Dich kaum, Seren noch weniger. Er kennt diesen Ort nicht mehr, weiß nur noch rudimentär von der Macht der Göttin.
Ich wünsche, dass er hier her kommt und die Kraft der Relikte fühlt; dass er erkennt, welche Wege es fernab von Kriegen und Ungeheuern noch gibt. Es ist ihm aktuell nicht möglich, eine fundierte Entscheidung zu treffen..", versuchte Alys die Worte ihrer Tochter zu bestätigen und gleichsam wieder in die richtige, von ihr gewünschte Richtung zu lenken. Manipulation, das war es im Grunde, was Alys vor hatte. Sie hätte das niemals so genannt, oder sich selbst auch nicht als Manipulator betrachtet, doch im Wesentlichen wollte sie alles in die Waagschale werfen, um Gareth davon zu überzeugen, den Weg der Druiden einzuschlagen.
