09-04-2024, 13:02 - Wörter:
War es das? Ganz natürlich, dass sie nachfragte? Elithea richtete sich etwas erstaunt und doch erfüllt von Zutrauen auf. Die alte Erzieherin hatte ihr und ihrer Schwester eigentlich immer eingebläut, dass Frauen bloß nicht zu neugierig sein sollten und dass manche Themen einfach nicht für Frauen gemacht waren und daher auch nicht ihre Aufmerksamkeit bedurften. Politik, Wissenschaft, Kriegswesen... sowas eben. Das war nur für Männer bestimmt. Frauen sollten sich bloß in Zurückhaltung üben und nicht auffallen. Intelligent durften sie schon sein, nur sollten sie es nicht zur Schau stellen und sich mit den Männern messen wollen. Dass Zephyr ihre Nachfrage nun aber lobte und ihr sogar eine ehrliche, ausführliche Antwort zugedachte, wollte Elithea ihm hoch anrechnen. Nicht oft war es, dass Erwachsene ein Kind, noch dazu ein Mädchen wie sie, ernst genug nahmen und ihnen einen fast schon gleichwertigen Respekt entgegen brachten. Sicherlich, für eine Ehe war sie längst alt genug, dennoch glaubte Elithea sicher nicht, dass sie dem Fürsten auch nur in irgendeiner Hinsicht gewachsen war. Seine weltgewandte Lebenserfahrung übertraf ihre behütete Erziehung um ein Vielfaches. Der Krieg hatte wirklich für alle vollkommen aus dem Nichts getroffen. Die Konsequenzen der Entscheidung eines Einzelnen würde noch für viele Wochen, Monate und vermutlich sogar Jahre die Zukunft von vielen maßgeblich beeinflussen. Selbst die Kinder des Hochkönigs blieben davon nicht verschont. "Gab es keine Vorzeichen für einen Angriff? Warum hatte der König von Walleydor das Bedürfnis Eastergold Meadow einzunehmen?" Solch eine Entscheidung trifft man doch nicht über Nacht, einfach aus einer Laune heraus. Oder? Was aber hatte den Anlass gegeben? War ihr Vater vielleicht selbst Schuld gewesen, hatte er den König von Walleydor brüskiert? Oder hatte Castandor das Nachbarland vor den Kopf gestoßen? Sie würde es nicht wissen, denn Politik war nie Teil ihres Alltags gewesen.
"Ich danke euch sehr, Euer Gnaden, dass wir in eurer Burg Zuflucht finden durften. Die Tage auf der Flucht waren wahrlich anstrengend und erschöpfend. Der Schutz eurer Mauern und die freundliche Aufnahme
eurer Familie und eurer Dienerschaft haben uns endlich wieder Ruhe und Sicherheit gegeben." Sie nahm wohl an, dass ihre Mutter sich ordentlich bedankt hatte, doch so sicher war sie sich nicht, denn deren Gedanken schwebten oft genug in geistlicheren Sphären in den letzten Tagen. "Eine Rückeroberung wird nicht einfach, oder? Und vor allem die einfache Bevölkerung wird wiederum maßgeblich darunter leiden müssen. Gerade die, die am wenigsten dafür können." grübelte Elithea und sah auf ihre in Mitleidenschaft gezogenen Finger, die selbst im schwachen Mondlicht deutlich rötlich erschienen vom nervösen Herumgezupfe. Sich selbst beruhigend atmete sie tief durch und zwang sich die Hände zusammengeballt in den Schoß. Mal sehen, wie lang dies anhalten würde. Ihr war durchaus bewusst, dass der Angriff einen Gegenschlag verlangte. Ein Krieg war unausweichlich und all das 'nur' um die Stadt wieder an das castandoriansiche Herrschaftsgebiet anzuschließen und ihre Familie neuerlich auf den Thron zu setzen. War es das wert? Eine blasphemische Frage, die sich ihr da aufdrängte. Natürlich verlangte es nach Revanche, aber Elithea sah es ein wenig pragmatischer momentan. Bis sie wieder als Tochter eines regierenden Fürsten, nein, als Schwester eines regierenden Fürsten, angesprochen werden würde, würden noch Jahre vergehen, so wie es schien. Bis dahin war sie.... wer? Eine Prinzessin ohne Titel, Land, Mitgift und Sinn. Eine beschädigte Ware. Diesen Makel würde sie nie los werden. Was also, würde die Zukunft für sie bereit halten?
Elithea spitzte die Ohren. "Ihr glaubt doch nicht etwa, dass das Frühlingsland bis nach Nardon Pass eindringen würde?" Das war doch schon einige Meilen hinter der Grenze und tief in castandorischem Herzland. Das wäre doch wirklich sehr wagemutig und fast schon leichtsinnig! "Ihr meint, wir sind hier in Gefahr?" Und schon kam ihre Nervosität wieder. Und noch ehe sie sich versah, zupfte sie wieder an ihren Nägeln herum. Mussten sie auf Attentäter acht geben? Waren walleydorische Truppen schon hinter der Grenze gesichtet worden? Gab es Gerüchte über weitere Angriffe? Kings Portal wäre sicherlich ein besserer Aufenthaltsort, auch weil die Burg des Fürsten hier in Bardon Pass wohl nicht auf Dauer noch einen Haufen zusätzlicher Mäuler füttern wollte.
Die folgende Pause war gefüllt mit sich überschlagenden Gedanken, die sich in Elitheas Kopf ausbreiteten wie ein dröhnendes Konzert aus kakophonischen Dudelsäcken. Sie war dem Fürsten dankbar, dass er sich versicherte, nachdem sie nach ihrem Vater gefragt hatte. Kaum nämlich, dass die Worte ihre Lippen verlassen hatten, war sie sich selbst nicht mehr sicher, ob sie die Antwort hören wollte. Aber sie wollte es. Besser die Wahrheit zu wissen, als mit tausend grausamen Fantasien leben zu müssen. Sie nickte. Zaghaft, aber deutlich. Aufmerksam lauschte sie den Worten des Fürsten von Bardon Pass. So einfach ging das also. Man brauchte sich nur zu beraten und ein Dokument vorlesen und schon verlor ein Fürst, ein Gatte, ein Vater einfach so seinen Kopf. Das wars. Mehr brauchte es nicht, kein Gericht, keine Verteidigung, kein Grund. War das die Gerechtigkeit des Landes? Natürlich wäre ihr Vater eine Gefahr gewesen, doch der König von Walleydor war ebenfalls eine Gefahr. Jeder war eine Gefahr, der Pläne verfolgte, die andere als Gefahr betrachteten. Das war doch der Lauf der Dinge? Solange ihr Bruder noch am Leben war, würde die Gefahr auch nicht vorbei sein, dass Eastergold Meadow wieder für die Trakas zurückerobert werden sollte. Oder hatte der Großkönig vielleicht sogar im Sinn, die Stadt einer anderen Adelsfamilie zu übergeben, weil man die Trakas für unfähig hielt? Schließlich hatten sie die Stadt für Castandor verloren. Kurz war es. Ein Streich, dann war der Kopf vom Körper getrennt. Ohne Schmerz. Wenigstens was. Elithea schluckte einen großen Kloß in ihrem Hals herunter. Nun hatte sie wenigstens Gewissheit, was auch immer sie damit anstellen würde. "Danke." klang ihre Stimme ein wenig kratzig, aber sie schaffte es gerade noch, die Tränen zurück zu halten. Sie wollte nicht mehr weinen, nicht deswegen, es hatte doch eh keinen Sinn. Es war geschehen, keine Wehklage würde den Vater wieder zurück bringen. Lieber erinnerte sie sich an ihn voller Leben und Lachen, als ohne Kopf fern seiner Familie.
"Ich danke euch sehr, Euer Gnaden, dass wir in eurer Burg Zuflucht finden durften. Die Tage auf der Flucht waren wahrlich anstrengend und erschöpfend. Der Schutz eurer Mauern und die freundliche Aufnahme
eurer Familie und eurer Dienerschaft haben uns endlich wieder Ruhe und Sicherheit gegeben." Sie nahm wohl an, dass ihre Mutter sich ordentlich bedankt hatte, doch so sicher war sie sich nicht, denn deren Gedanken schwebten oft genug in geistlicheren Sphären in den letzten Tagen. "Eine Rückeroberung wird nicht einfach, oder? Und vor allem die einfache Bevölkerung wird wiederum maßgeblich darunter leiden müssen. Gerade die, die am wenigsten dafür können." grübelte Elithea und sah auf ihre in Mitleidenschaft gezogenen Finger, die selbst im schwachen Mondlicht deutlich rötlich erschienen vom nervösen Herumgezupfe. Sich selbst beruhigend atmete sie tief durch und zwang sich die Hände zusammengeballt in den Schoß. Mal sehen, wie lang dies anhalten würde. Ihr war durchaus bewusst, dass der Angriff einen Gegenschlag verlangte. Ein Krieg war unausweichlich und all das 'nur' um die Stadt wieder an das castandoriansiche Herrschaftsgebiet anzuschließen und ihre Familie neuerlich auf den Thron zu setzen. War es das wert? Eine blasphemische Frage, die sich ihr da aufdrängte. Natürlich verlangte es nach Revanche, aber Elithea sah es ein wenig pragmatischer momentan. Bis sie wieder als Tochter eines regierenden Fürsten, nein, als Schwester eines regierenden Fürsten, angesprochen werden würde, würden noch Jahre vergehen, so wie es schien. Bis dahin war sie.... wer? Eine Prinzessin ohne Titel, Land, Mitgift und Sinn. Eine beschädigte Ware. Diesen Makel würde sie nie los werden. Was also, würde die Zukunft für sie bereit halten?
Elithea spitzte die Ohren. "Ihr glaubt doch nicht etwa, dass das Frühlingsland bis nach Nardon Pass eindringen würde?" Das war doch schon einige Meilen hinter der Grenze und tief in castandorischem Herzland. Das wäre doch wirklich sehr wagemutig und fast schon leichtsinnig! "Ihr meint, wir sind hier in Gefahr?" Und schon kam ihre Nervosität wieder. Und noch ehe sie sich versah, zupfte sie wieder an ihren Nägeln herum. Mussten sie auf Attentäter acht geben? Waren walleydorische Truppen schon hinter der Grenze gesichtet worden? Gab es Gerüchte über weitere Angriffe? Kings Portal wäre sicherlich ein besserer Aufenthaltsort, auch weil die Burg des Fürsten hier in Bardon Pass wohl nicht auf Dauer noch einen Haufen zusätzlicher Mäuler füttern wollte.
Die folgende Pause war gefüllt mit sich überschlagenden Gedanken, die sich in Elitheas Kopf ausbreiteten wie ein dröhnendes Konzert aus kakophonischen Dudelsäcken. Sie war dem Fürsten dankbar, dass er sich versicherte, nachdem sie nach ihrem Vater gefragt hatte. Kaum nämlich, dass die Worte ihre Lippen verlassen hatten, war sie sich selbst nicht mehr sicher, ob sie die Antwort hören wollte. Aber sie wollte es. Besser die Wahrheit zu wissen, als mit tausend grausamen Fantasien leben zu müssen. Sie nickte. Zaghaft, aber deutlich. Aufmerksam lauschte sie den Worten des Fürsten von Bardon Pass. So einfach ging das also. Man brauchte sich nur zu beraten und ein Dokument vorlesen und schon verlor ein Fürst, ein Gatte, ein Vater einfach so seinen Kopf. Das wars. Mehr brauchte es nicht, kein Gericht, keine Verteidigung, kein Grund. War das die Gerechtigkeit des Landes? Natürlich wäre ihr Vater eine Gefahr gewesen, doch der König von Walleydor war ebenfalls eine Gefahr. Jeder war eine Gefahr, der Pläne verfolgte, die andere als Gefahr betrachteten. Das war doch der Lauf der Dinge? Solange ihr Bruder noch am Leben war, würde die Gefahr auch nicht vorbei sein, dass Eastergold Meadow wieder für die Trakas zurückerobert werden sollte. Oder hatte der Großkönig vielleicht sogar im Sinn, die Stadt einer anderen Adelsfamilie zu übergeben, weil man die Trakas für unfähig hielt? Schließlich hatten sie die Stadt für Castandor verloren. Kurz war es. Ein Streich, dann war der Kopf vom Körper getrennt. Ohne Schmerz. Wenigstens was. Elithea schluckte einen großen Kloß in ihrem Hals herunter. Nun hatte sie wenigstens Gewissheit, was auch immer sie damit anstellen würde. "Danke." klang ihre Stimme ein wenig kratzig, aber sie schaffte es gerade noch, die Tränen zurück zu halten. Sie wollte nicht mehr weinen, nicht deswegen, es hatte doch eh keinen Sinn. Es war geschehen, keine Wehklage würde den Vater wieder zurück bringen. Lieber erinnerte sie sich an ihn voller Leben und Lachen, als ohne Kopf fern seiner Familie.
