20-04-2024, 07:45 - Wörter:

Die Stimme von der Seite ließ ihn seinen Kopf zur Seite neigen, den Neuankömmling nur kurz einer Musterung unterziehend. Braune, schulterlange Haare. Ah ja, so einfach kanns gehen, wenn man nur ein wenig Geduld mitbrachte. Ivars Gesicht erhellte sich, als er sich dem anderen zuwandte und den Jungen links liegen ließ. „Ah, gut dass du fragst.“ Als wäre ihm gerade was eingefallen, griff der Söldner nach dem Beutel an seinem Gürtel, oder täuschte die Bewegung zumindest an. Einen Herzschlag später grub sich seine Faust in das Kinn seines Gegenübers. Wie er das vermisst hatte. Seine Hand schmerzte angenehm, aber süßer schmeckte die Verwirrung in der gesunden Gesichtshälfte des anderen. Ob sie gesund bleiben würde? Ivar hatte sich noch nicht entschieden. Er bevorzugte es doch, sich überhaupt nicht zu entscheiden und einfach damit zu gehen, worauf er gerade Lust hatte. „Du kannst mir tatsächlich helfen. Wegen dir hab ich heute Zahltag.“ Erheitert grinste der Winterländer und warf dem Jungen, der vor Schrecken über seinen Waschzuber gestolpert war und entsetzt auf seinen Händen nach hinten krabbelte, um den Schauplatz zu verlassen, nur einen kurzen Blick zu. Mit einer wegwerfenden, kuschenden Geste bedeutete er ihm, sich zu verpissen, auch wenn es ihm egal war, ob er Zuschauer hatte. Eigentlich konnten sie sich sogar sicher sein, dass sie welche hatten und mit ein bisschen Pech würden hier bald Soldaten auftauchen, die ihm das Leben doch deutlich erschweren würden. Er sollte kurzen Prozess mit seinem Ziel machen, aber wer konnte es ihm schon verübeln, die Situation noch etwas auskosten zu wollen. So lange, wie er darauf gewartet hatte.
„Du hättest den anderen heute Stuar sein lassen sollen. Ich hätts ihm abgekauft.“ Unbewusst rieb Ivar sich die Knöchel seiner Faust, die unter dem Hieb gelitten hatten. Zugegeben, er war heute vielleicht ein wenig empfindlich und spürte so Kleinigkeiten wie einen Faustschlag irgendwie ein wenig mehr als sonst. Lag bestimmt am Wetter, auch wenn sich das nicht von den letzten Tagen unterschied und Ivar leicht mit der Stirn runzeln ließ. „Also, wie machen wir das am besten? Lässt du dich brav von mir verprügeln oder willst du so tun, als hättest du eine Chance gegen mich?“, erwartete er doch tatsächlich eine Antwort auf eine unmögliche Frage. Jetzt, wo er Stuar gefunden hatte, kam es sowieso überhaupt nicht mehr in Frage, dass er ihn gehen lassen würde. Da konnte er ihm doch wenigstens die Wahl lassen, wie er sein eigenes Schicksal besiegeln wollte; Ivar würde dann auf die ein oder andere Weise gerne nachhelfen.
