09-05-2026, 06:18
Das erste Leben auf dem Gewissen. Das erste fremde Blut an den Händen. Das Gefühl, Sehnen und Haut mit seiner Klinge zu durchtrennen und zu spüren, wie das Leben die Beute verließ. Es sollte ein Gefühl sein, das sich in die eigenen Erinnerungen brannte, etwas, das man nicht so schnell vergaß; und doch wusste Ivar nicht mehr, wie seine erste Jagd gewesen war. Wie viel Angst er gehabt und das Jagdmesser in seiner Hand gezittert haben musste; vielleicht, weil es in seiner Familie für Angst nie einen Raum gegeben hatte. Seine Mutter war Jägerin gewesen, ihre Hand so kalt und unnachgiebig wie der Winter selbst, und er? Nicht mehr als ein kleiner Wicht musste er gewesen sein, als sie ihn mitgenommen hatte. Der Wind hatte sich durch Mark und Knochen gefressen, während sie stundenlang durch den Schnee gestapft waren und ausgeharrt hatten, starr wie Felsenklippen. Diese Erinnerung war klar und scharf. Den Respekt, den er damals für die Natur gehabt hatte. Der Unwille und das Unverständnis, zu töten. Die Bürde der Erwartungen, die er zu erfüllen hatte, und die Leere, als er die Hasen vom Gürtel seiner Mutter baumeln sah. Das dunkle Rot an seinen Lederhandschuhen und der metallische Geruch, der davon ausging. Aber nicht an die Tötung selbst.
Ivar wusste nicht, wann Gewalt zu einem Teil seines Lebens geworden war und er es als normal angesehen hatte, anderen Lebewesen im Zuge des Überlebens - aber auch der reinen Freude - wehzutun. Seit er denken konnte, war er davon begleitet worden, bis er sich irgendwann daran angepasst hatte. Verflucht sei sein Vater, zurecht lag er nun irgendwo vergessen unter dem Schnee, aber er hatte ihm eine wichtige Lektion beigebracht: Wenn du nicht am untersten Ende der Nahrungskette stehen willst, hast du zu kämpfen. Es war die banalste Lektion, die einen auch die Natur beibrachte, wenn man lernte, sich in ihr zu bewegen.
Maria hier durchlebte all das zum ersten Mal und der Söldner konnte nicht umhin, die zitternden Hände etwas länger mit einem Blick zu bedenken, als er sollte. Er hatte kein Mitleid mit ihr, wo waren wir denn, und sicher würde er das Gefühl, das sich ganz flach über seine Brust ausbreitete, nicht als Stolz beschreiben. Überhaupt kannte er das Mädchen gar nicht. Dass er nun derjenige war, der ihr die wichtigste Lektion der Natur beibrachte? Keiner Erwähnung wert.
Und trotzdem hielt ihn etwas zurück, den Moment zu zerstören. Obwohl der Schnitt alles andere als sauber war, griff er nicht ein, sondern ließ sie machen, ließ das Quieken des Keilers an sich vorbeirauschen, während Rot den Boden tränkte. Fest hielt er den Kopf, bis das Zucken verklang und die Augen des Tieres glasig wurden.
Mit dem Leben des Keilers wich auch das Adrenalin, bis nur noch die Stille des Waldes zurückblieb. Das, und der unregelmäßige Atem des Mädchens neben ihm. Wieder bedachte Ivar sie mit einem Blick, diesmal, weil sie ihn ansprach, und nur, um schließlich mit den Schultern zu zucken und wieder ganz Er zu sein. Natürlich nahm er die Situation nicht ernst - was sollte schon ihr erster Tötungsakt bedeuten, wenn sie in Zukunft noch ganz viele davon hinter sich bringen würde.
Als er fertig war, war kaum noch etwas von dem Licht am Himmel übrig. Von den Bäumen waren nur noch dunkle Silhouetten übrig, was ihn etwas unzufrieden die Nase hochziehen ließ, weil sie jetzt Schwierigkeiten haben würden, den Weg zurück zum Lager zu finden. Mit einem Ruck stand er auf und schwang den Keiler über seine Schulter.
Ivar wusste nicht, wann Gewalt zu einem Teil seines Lebens geworden war und er es als normal angesehen hatte, anderen Lebewesen im Zuge des Überlebens - aber auch der reinen Freude - wehzutun. Seit er denken konnte, war er davon begleitet worden, bis er sich irgendwann daran angepasst hatte. Verflucht sei sein Vater, zurecht lag er nun irgendwo vergessen unter dem Schnee, aber er hatte ihm eine wichtige Lektion beigebracht: Wenn du nicht am untersten Ende der Nahrungskette stehen willst, hast du zu kämpfen. Es war die banalste Lektion, die einen auch die Natur beibrachte, wenn man lernte, sich in ihr zu bewegen.
Maria hier durchlebte all das zum ersten Mal und der Söldner konnte nicht umhin, die zitternden Hände etwas länger mit einem Blick zu bedenken, als er sollte. Er hatte kein Mitleid mit ihr, wo waren wir denn, und sicher würde er das Gefühl, das sich ganz flach über seine Brust ausbreitete, nicht als Stolz beschreiben. Überhaupt kannte er das Mädchen gar nicht. Dass er nun derjenige war, der ihr die wichtigste Lektion der Natur beibrachte? Keiner Erwähnung wert.
Und trotzdem hielt ihn etwas zurück, den Moment zu zerstören. Obwohl der Schnitt alles andere als sauber war, griff er nicht ein, sondern ließ sie machen, ließ das Quieken des Keilers an sich vorbeirauschen, während Rot den Boden tränkte. Fest hielt er den Kopf, bis das Zucken verklang und die Augen des Tieres glasig wurden.
Mit dem Leben des Keilers wich auch das Adrenalin, bis nur noch die Stille des Waldes zurückblieb. Das, und der unregelmäßige Atem des Mädchens neben ihm. Wieder bedachte Ivar sie mit einem Blick, diesmal, weil sie ihn ansprach, und nur, um schließlich mit den Schultern zu zucken und wieder ganz Er zu sein. Natürlich nahm er die Situation nicht ernst - was sollte schon ihr erster Tötungsakt bedeuten, wenn sie in Zukunft noch ganz viele davon hinter sich bringen würde.
“Hab nichts gegen Zuschauen, aber wenn du Hilfe brauchst, Miriam”
, antwortete er in typischer, spöttischer Manier und legte eine Hand auf die ihre, um sie bestimmend wegzuschieben. Ohne Zögern winkelte er seinen eigenen Dolch an und nahm die Arbeit auf, die sie angefangen hatte. Mit präzisen, geübten Schnitten ließ er das Tier ausbluten, wälzte den leblosen Körper dann auf den Rücken und zog zwei Lederschnüre aus seiner Gürteltasche, womit er die Hufe zusammenband. Er hatte genug davon, Sachen zu erklären, und irgendwie sagte ihm sein Bauchgefühl auch, dass Marie für heute genug gelernt hatte.Als er fertig war, war kaum noch etwas von dem Licht am Himmel übrig. Von den Bäumen waren nur noch dunkle Silhouetten übrig, was ihn etwas unzufrieden die Nase hochziehen ließ, weil sie jetzt Schwierigkeiten haben würden, den Weg zurück zum Lager zu finden. Mit einem Ruck stand er auf und schwang den Keiler über seine Schulter.
“Du bist doch so eine schlaue Füchsin. Dann hast du dir bestimmt den Weg zum Lager gemerkt.”
In seiner typischen Manier ließ er es natürlich so klingen, als würde er sie herausfordern, ihr Können zu zeigen, während er natürlich die beste Ahnung vom Weg hatte. Musste sie doch nicht wissen, dass er eigentlich keinen blassen Schimmer hatte. Alles kam darauf an, wie man sich und seine Fähigkeiten verkaufte.