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The Wolves
07.10.1016 - 21:00
Burg von Wolfsmark, Eriks Schlafgemach

Commander of Wolves
Leif Stelhammer
Winterland - Admin
Alter 24
Beruf Kronprinz von Norsteading
Wohnort Wintergard, Norsteading
Stand Verheiratet
User Letha
#1
I threw myself to the Wolves,
Only to learn of the Tenderness in their Howl
And the Loyalty in their Blood.

Es war nicht Reinka gewesen, die ihren Bruder davon hatte überzeugen müssen, noch einmal das Gespräch zu Erik zu suchen, aber sicher hatte sie einen großen Teil zu der Dringlichkeit beigetragen, die ihn heute durch die Korridore der Wolfsburg trieb. Mit festem, zügigem Schritt passierte er Fackel um Fackel; zweiundzwanzig Stück, um genau zu sein, wenn man die Halterungen in den letzten zwölf Jahren nicht anders positioniert hatte. Auch die Treppenstufen kannte er noch, die er in jungem Alter immer herunter gerast, dann wieder hochgelaufen, und wieder runter geschlittert war, nur weil er es gekonnt hatte. Heute waren seine Beine doppelt so lang und er nahm fast automatisch zwei Stufen auf einmal, und trotzdem wusste er, dass der Turm genau vierundfünfzig davon hatte. Es waren auch nur kleine Nichtigkeiten, die seine Gedanken davon abhielten, immer wieder zu seinem Schreibtisch zu gleiten und dem nicht vorhandenen Brief, der dort eigentlich schon hätte liegen sollen, dort stattdessen aber nur Leere gähnte, die ihn Tag für Tag immer ein Stück weit wahnsinniger machte. Jemand, der kurz davor war, seinen Verstand zu verlieren, beschäftige sich gerne ausgiebig mit Zahlen, hieß es.
Man sah ihm vermutlich an, dass etwas zwischen ihm und Erik vorgefallen war, ihnen beiden wohl gesagt, denn Leif selbst war sich der kalten Schulter bewusst, die sein bester Freund ihm zeigte. Vermutlich war es andersrum genauso; Leif hatte noch nie gut mit dem nachtragenden Charakter seiner Landsmänner umgehen können und verhielt sich wie ein Bär an der Speisetafel, wenn er keine Möglichkeit hatte, den unausgesprochenen Konflikt sofort an Ort und Stelle zu klären. War doch auch Weiberkram, oder? Die regelten sowas doch lieber mit Schweigen und beleidigt sein. Warum musste ausgerechnet Erik ihn mit Ignoranz und Kälte strafen, wenn er doch einen Mund hatte und ihn öffnen konnte, verdammt. Ein ‘Ich will nicht mit dir reden’ ließ Leif halt auch stutzig zurück, der doch seit Tagen eigentlich nichts anderes tun wollte, als das: Reden.
Oder vielleicht war er selbst auch noch nicht bereit gewesen. Wenn er es genau nahm, dann war er immer noch nicht bereit für das, was vor ihm lag. Aber es brachte eben auch nichts, stundenlang herumzubrüten, wie er es nun sagte, wenn die Hauptsache war, dass er es sagte. Und dass er sich entschuldigte. Scheinbar war Reinka doch mehr Mann als ihr Ehemann, denn die hatte ihrem Bruder zumindest sehr deutlich gemacht, dass er sich entschuldigen musste.

Als er also nun nach zweiundzwanzig gezündeten Fackeln und vierundfünfzig Stufen mit warmer Tunika und einem leichten Tierfell vor der Tür zu Eriks Schlafgemach stand, zögerte er nicht. Tat Leif ohnehin nie, wenn er sich entschieden hatte, etwas bei den Hörnern zu packen. Seine Faust hämmerte entschieden gegen die Tür, genau drei Mal, und er wartete ungerührt, bis er direkt in das Gesicht seines Waffenbruders starrte.
“Erik, wir müssen reden”
, war seine Begrüßung an ihn, vielleicht etwas schroffer, als er normalerweise mit ihm umging - wenn es ein vor und nach dem Streit denn überhaupt gab. Und weil er ohnehin ein sehr direkter Mensch war, sorgte die flache Hand an der geöffneten Tür dafür, dass man ihm das Holz nicht einfach so vor der Nase zuschlagen konnte, bevor er sich selbst Eintritt verschaffte in den Bau des Wolfes.
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Winterland
Erik Norrholm
Winterland
Alter 24
Beruf Prinz von Wolfsmark
Wohnort Wolfsmark
Stand Verheiratet
User Natsch
#2

Mit nachdenklicher Stirn und festem Griff hielt Erik das Schnitzmesser in der Hand, während sich das Holz langsam unter der scharfen Klinge formte. Seit einer Weile schon saß er so da, den Blick auf das unfertige Stück in seinen Händen gerichtet – doch seine Gedanken waren weit entfernt. Der Streit mit Leif lag ihm schwer auf der Brust, pochte unangenehm in seinen Schläfen, wie ein Echo, das sich nicht abschütteln ließ. Noch unangenehmer war das Gespräch mit Reinka gewesen, die – ohne es groß zu hinterfragen – instinktiv an Eriks Seite gerückt war. Natürlich hatte sie das. Es war das, was man tat, wenn man verheiratet war. Wenn man als Paar vor der Welt stand – eine Einheit. Er hätte es wissen müssen. Er hätte es vielleicht sogar erwartet. Doch auch da spürte er ein leises Unwohlsein, als hätte er sich zwischen die Familien gedrängt.

Erik seufzte leise und wandte den Blick dem zweiten Stück Holz zu. Der Wolf war bereits fertig – glatt gearbeitet, mit scharfen, wachsamen Linien. Das neue Stück in seiner Hand war das Gegenstück. Ein zweiter Wolf, kleiner, leicht geneigt, und mit einem Schlitz im Rücken, der sich über ein hervorstehendes Stück an dessen Kinn mit dem ersten verbinden würde. Zwei Hälften eines Ganzen, wie die Kinder, die aus ihrer Familie hervorgingen. Auch wenn Leif ihn gerade zur Weißglut trieb, sich stur zeigte und wie ein Bursche benahm, der nie gelernt hatte zuzuhören – sie waren verbunden. Über Blut, Geschichte, Verantwortung.

Vielleicht war es kindisch, Spielzeug zu schnitzen, das eine tiefere Botschaft tragen sollte. Doch vielleicht verstanden Kinder manchmal eher, was Erwachsene längst vergessen hatten: Dass Familie nicht immer einfach war. Aber dass sie passte, wenn man bereit war, die Formen aneinander anzulegen. Auch wenn es manchmal schnitt, bevor es hielt.

Ein harsches Klopfen an der Tür riss Erik jäh aus seinen Gedanken. Der Schnitt sauste tiefer als gewollt, das Messer schabte gefährlich nah an seiner Haut vorbei – ein Fluch presste sich zwischen seinen Zähnen hervor. Für einen Moment hielt er inne, das Holz in der einen, das scharfe Schnitzmesser in der anderen Hand. Eine aufkeimende Mischung aus Empörung und gereizter Wut loderte in ihm auf. Er war unleidlich seit dem Streit mit Leif.
Er schob den Hocker zurück, der leise über die Holzdielen kratzte, und richtete sich auf. Das grobe Leinhemd spannte über seinen Schultern, die Ärmel hochgekrempelt, an den Händen noch Holzspäne. Die gewohnte Lederhose saß fest, funktional wie alles, was er trug – kein Schnickschnack, keine Zier, nichts für den Prunk. In Wahrheit konnte man sich glücklich schätzen, dass der zukünftige Fürst von Wolfsmark in seinem eigenen Haus überhaupt etwas trug.
Es war einer der wenigen Ansprüche, die sein Vater jemals an ihn gestellt hatte. Schließlich wollte kein Fürstenrat über einen halbnackten Hitzkopf urteilen, der mit bloßem Oberkörper durch die Halle stapfte. Erik hatte sich dem gefügt, wenn auch widerwillig. Und inzwischen... nun, inzwischen war es auch Reinka, die ihn mit einem dieser tödlich stillen Blicke ansah, wenn er sich beim Anziehen zu viel Zeit ließ. Was ihn allerdings weitaus mehr beunruhigte, war die Art, wie sie die Dienstmägde betrachtete – nicht prüfend, sondern abschätzend. Wie eine Wölfin, die genau wusste, wann ihr Rudel zu groß wurde. Wenn ein Blick zu lange verweilte, wenn ein Kichern zu laut war – Reinkas Augen verfolgten jede Bewegung. Erik hatte den Verdacht, dass manch eine Magd sich weniger vor seinen blöden Sprüchen fürchtete als vor Reinkas stummen Urteil. Und vielleicht, so ehrlich musste er zu sich selbst sein, gefiel ihm das sogar ein kleines bisschen.

Erik öffnete die Tür – und blickte geradewegs in die Augen seines Waffenbruders. Sie waren einander in der Statur ebenbürtig: gleich hoch gewachsen, Schultern wie aus Stein gehauen, ihre Kiefer scharf geschnitten und das Blau ihrer Augen von beinahe identischer Intensität. Und doch war alles an ihnen gegensätzlich. Wo Erik der Fels war – standhaft, oftmals zu unbeweglich –, war Leif das Feuer: unberechenbar, hell aufflammend, schwer zu zähmen. Einer zögerte, der andere handelte. Einer hielt fest, der andere schlug zu. Wenn Erik zu laut war, wurde Leif automatisch leiser. Es war diese Unterscheidung, die sie seit Jahren nicht trennte, sondern verband. Und dabei wechselten ihre Positionen so zuverlässig wie die Gezeiten. Zwei grundverschiedene Männer, die sich besser ergänzten als eine Klinge und der Schleifstein, der sie schärfte.
Kurz glitt Eriks Blick zu der flachen Hand, die noch immer an der Tür ruhte. Seine Augenbraue zuckte kaum merklich, dann öffnete er sie ganz und ließ den prüfenden Blick wie ein Messer über die Tunika seines Waffenbruders gleiten. Ein Kommentar lag ihm auf der Zunge – bissig, vielleicht spöttisch –, aber er schluckte ihn hinunter. Stattdessen trat er einen Schritt zurück, machte wortlos Platz. "Hab mich schon gefragt, ob du den Plan zur Ausbildung noch besprechen willst – oder lieber gleich abdampfst", raunte der Blonde schließlich, während er die Tür hinter Leif mit einem hörbaren Krachen ins Schloss fallen ließ. Sein Blick blieb auf dem Thronerben liegen, abwartend. Als erwartete er tatsächlich ein sachliches Gespräch über Taktiken, von denen sie beide wussten, dass sie sie im Ernstfall ohnehin über Bord werfen würden.
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Commander of Wolves
Leif Stelhammer
Winterland - Admin
Alter 24
Beruf Kronprinz von Norsteading
Wohnort Wintergard, Norsteading
Stand Verheiratet
User Letha
#3
Im ersten Moment war es Vertrautheit, Erkennen, dass die Züge des Kronprinzen nicht mehr ganz so markant und hart hervortraten wie in den vorangegangenen Tagen. Nie hatte er sich die Mühe gemacht, sich Eriks Augenfarbe einzuprägen, seine Haarfarbe, oder wann sein Bart lang genug gewachsen war, um ihn wieder zu stutzen; er wusste es einfach. Mit diesem Gesicht war er aufgewachsen. Teilweise hatte er ihn öfter gesehen als sein eigenes Spiegelbild, mit ihm mehr Zeit verbracht als mit Jorin, hatte mit ihm zusammen mehr Höhen und Tiefen durchwandert als alleine. Mit Erik hatte er nie zwischen den Zeilen lesen müssen, hatte ihn nie analysieren müssen, weil er ihn kannte. Besser als sich selbst. Und es war genau dieses Erkennen, das sich schwer auf sein Gemüt legte, weil er in das Gesicht seines Waffenbruders blickte und ihn nicht gleich widererkannte.
Ohne den Schmerz beim Namen zu nennen, spürte er, dass er da war. Leif hatte ihn die letzten Tage ja selbst gespürt - wie einen Keil, den sie zwischen sich geschoben hatten. Auch, wenn es nicht das erste Mal war, dass sie sich beide über Tage hinweg anschwiegen, war es ein Zustand, mit dem er nicht umgehen konnte; noch unangenehmer war es, wenn er derjenige war, der das Schweigen zuerst brechen musste. Deswegen kam er lieber gleich zum Punkt. Er wartete auch nicht im Türrahmen, als Erik endlich zur Seite trat, sondern folgte ihm gleich in den Raum und schloss die Tür hinter sich. Unweigerlich fiel sein Blick auf die Holzspäne in der Ecke des Raumes, auf den Hocker, die unfertige Figur und schließlich auf das Messer in Eriks Hand, was er allerdings nicht kommentierte. Eriks Kommentar erntete hingegen durchaus ein Stirnrunzeln seinerseits, kurz versucht, auf den scharfen Ton ebenso scharf zu reagieren. Aber er beherrschte sich; so gut tatsächlich, dass er den Kommentar einfach überging und mit einem einfachen
“Nein, nicht heute.”
abtat.
Sollte er sich setzen? Instinktiv verschränkten sich seine Arme von der Brust, schon halb in der Erwartung, dass Erik es ihm gleichtun wurde. Er überlegte sichtlich, ob es etwas bringen würde, wenn er den Fürstensohn bat, sich einen Platz zu suchen, aber der würde aus Trotz wahrscheinlich sowieso genau das Gegenteil tun. Also blieb auch Leif stehen. Angespannt gruben sich seine Finger in den Stoff der Tunika über seinem Unterarm, ehe er sich zwang, sie zu entspannen, genauso wie seinen Kiefer, durch den die Vene an seiner linken Schläfe deutlicher hervortrat. Es dauerte einige ganze Herzschläge, die er brauchte, um seinen Blick endlich zu heben; dafür aber fest, ehrlich, wie er es von seinem Gegenüber genauso erwarten würde. Wahre Stärke bewies sich vielleicht wirklich nicht auf dem Schlachtfeld. Vielleicht bewies sie sich zwischen zwei Waffenbrüdern, im Inbegriff, etwas einzugestehen, was man bestenfalls als Charakterschwäche bezeichnen konnte - und schlimmstenfalls als beabsichtigten Schlag gegen Leifs eigene zweite Hälfte, die er in den letzten Tagen einfach sehr vermisst hatte.
“Es tut mir leid.”
Es kam selten vor, dass Leif sich entschuldigte, aber wenn er es tat, dann aufrichtig. Er vermisste Erik.
“Ich… war in der Nacht nicht bei mir und hab das, was ich dir an den Kopf geworfen hab, nicht so gemeint.”
Was für ein dummer, dummer Kommentar, der alles ins Rollen gebracht hatte. Es war so eine Kleinigkeit, über die sie am Lagerfeuer vielleicht hätten lachen können, hätte Leif es nur anders formuliert. Hätte er sich nicht von den Emotionen leiten lassen und sich unter Kontrolle gehabt, wie es von ihm erwartet wurde. Dass Leif nicht perfekt war und oft Dinge tat, die er im Nachhinein bereute, wusste Erik wohl am besten.
“Mein Vertrauen in dich ist unerschütterlich. Ich möchte, dass du das weißt.”
Auch wenn er es nicht immer ausdrücken konnte; dass durch seine sonst so stolze Haltung im Beisein von Erik ein wenig von seiner inneren Verletzlichkeit hindurch schien, zeigte mehr, als Worte es je formulieren könnten.
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Winterland
Erik Norrholm
Winterland
Alter 24
Beruf Prinz von Wolfsmark
Wohnort Wolfsmark
Stand Verheiratet
User Natsch
#4
“Nein, nicht heute.”

Erik hob eine Augenbraue, musterte Leif einen Moment lang schweigend, ehe er die Arme vor der Brust verschränkte – fast im Gleichklang mit dem Kronprinzen.
Die Fronten die zwischen ihnen standen wirkten verhärtet, auch wenn jene von Leif beinahe so wirkte, als würde sie schwanken. Denn in seinem Blick lag nichts scharfes, nichts was annehmen ließ, dass er um Beherrschung ring, da sich Erik gerade vielleicht ihm gegenüber etwas im Ton vergriffen hatte. Leifs Ruhe wirkte beinahe stoisch, gleichzeitig angespannt und das reizte den Norrholm fast genauso wie das übergekochte Temperament in der Nacht ihres Streits.

“Es tut mir leid.”

Einen Herzschlag lang verstand Erik nicht, was er da gerade gehört hatte. Die Worte hallten nach, fehl am Platz – wie Schnee auf glühender Kohle. Sein Gesicht entglitt ihm fast, die Überraschung stand ihm offen in die Züge geschrieben. Leif Stelhammer hatte sich entschuldigt. Und er revidierte seine Worte aus jener Nacht.

Ein Teil von Erik verspürte diese schmutzige, leise Genugtuung – wie ein Faustschlag, den man nicht austeilen musste, weil der andere sich von selbst geschlagen hatte. Eine innere Stimme grinste: Einen verdammten Punkt für mich.
Doch gleich daneben regte sich etwas anderes. Vielleicht Erleichterung. Vielleicht sogar so etwas wie Frieden. Denn wenn Erik ehrlich war – was vor allem sich selbst gegenüber selten war, – dann war er beschissen darin, lange wütend zu sein. Und er hätte verdammt noch mal nicht als Erster einknicken wollen.

Erik trat auf den Kronprinzen zu und legte ihm beide Hände auf die Schultern – fest, schwer, wie zwei Schraubstöcke. "Du bist ein verdammtes Arschloch, Leif Stelhammer." Die Worte kamen ruhig, fast sachlich – und genau das machte sie so wirkungsvoll. Der Griff an Leifs Schultern verstärkte sich. "Und vielleicht… vielleicht verzeih ich dir deine gottverdammten Worte." Ein Schnauben, rau wie ein bellender Hund. Vermutlich würde er das, auch wenn sie nach wie vor bitter schmeckten. "Aber nicht, dass ich wegen dir vor meiner Frau rumgejammert hab wie ein kleines Mädchen." Ein letzter, betont fester Druck, dann gab er ihm einen Klaps gegen die Wange. Er blieb ein Arschloch. Aber er liebte ihn.
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Commander of Wolves
Leif Stelhammer
Winterland - Admin
Alter 24
Beruf Kronprinz von Norsteading
Wohnort Wintergard, Norsteading
Stand Verheiratet
User Letha
#5
In Leifs Blick lag die Beständigkeit eines kahlen Felsens; einer, der sich nicht rührte gegen einen Schneesturm, dessen Schatten zuverlässig in jeder Nachmittagssonne den gleichen Weg wanderte und in seinen Spalten Raum für Leben bot. Es war aber nicht seine Beständigkeit, denn er war oft genug der Sturm, der unberechenbar gegen den harten Stein schlug. Es war auch nicht Eriks Standfestigkeit, war sein Stolz doch oft die pralle Sonne, die versuchte, das Eis an der Spitze zu schmelzen. Doch es war eben die Sicherheit, auf die sie sich beide verlassen konnten. Auch wenn sich Leif zuerst entschuldigte, war die Demütigung auszuhalten, weil er sich an diesen Felsen lehnen konnte. Auch wenn seine Schultern unter dem festen Griff spannten und er sich mit eigener Kraft dagegen behaupte, den Blick dabei hielt, war es der Felsen, der ihm diese selbstverständliche Kraft gab. In einer anderen Situation, mit einem anderen Menschen, wäre er unter der Beleidigung vielleicht eingeknickt und hätte seinen Stolz verteidigt, aber bei Erik räumte er mit einem knappen
„Manchmal“
ein, dass er ein halbes Arschloch war — gewesen war. Kein Schönreden. Kein Ausreden. Nicht, wenn es der Felsen war, auf den er vertraute. Den sie vor Urzeiten gemeinsam gebaut hatten.
Dennoch traf ihn die Erleichterung, als Erik seine Entschuldigung annahm, und für einen Moment sanken seine Schultern mit dem Atem, der seine Brust verließ. Eriks Pranken würden vermutlich Abdrücke hinterlassen, so fest, wie er zugriff, als müsste er Leif seine Worte spüren lassen. Aber er beschwerte sich nicht; nun war es sogar an ihm, seine Augenbrauen zu heben bei dem Geständnis, das der Blonde einräumte. Bevor er jedoch reagieren konnte, hatte er eine Hand im Gesicht.
So einfach war es also, den alten Leif wieder zu haben. Einfach so. Ein Stich trat in seine Augen und schmolz das eisige Blau mit einer Lebendigkeit, die er seit Tagen nicht mehr gespürt hatte. Man sah ihm an, wie er abwägte, ob er Erik für diese Behandlung einfach zurück boxen sollte; das Ringen zwischen einem Bruder, der Gleichstand einforderte, und einem Kronprinzen, der eigentlich über solchen Kindereien stehen sollte. Tatsächlich boxte er seinen Waffenbruder nicht, aber er war nahe dran und in seinen sich lösenden Armen und den knirschenden Fingerknochen lag ein Versprechen, das zwischen den beiden nicht ausgesprochen werden musste. Noch einmal…
„Hätte sie ruhig mal ansprechen können. Bei mir hat sie eher Konkurrenz mit der weißen Witwe aus der Einöde gemacht“
, kommentierte Leif schon nicht mehr ganz so steif, war die Dynamik doch in seine Stimme zurück gekehrt. Zum ersten Mal wandte sich auch sein Blick von Erik ab und streifte durch den vertrauten Raum an dem brennenden Kamin vorbei, wo das Holz knisterte.
„Sie nimmt dieses Ehegelübde viel zu ernst.“
Dass in seiner Stimme die Härte fehlte, nahm der Anmerkung die Schärfe, die er zwischen Verlobung und Hochzeit noch a den Tag gelegt hatte. Leif, der sich zum einen darüber amüsiert hatte, dass ausgerechnet sein Waffenbruder, der Schürzenjäger, seine unbezwingbare Schwester im Zweikampf besiegt hatte. Dann aber auch Leif, der Reinka gegenüber so einen starken Beschützerinstinkt empfand, dass er Erik vor der Zeremonie halb betrunken zur Seite genommen und ihm gedroht hatte, dass er nicht nur splitternackt in der Einöde aufwachen würde, wenn er in ihrer Gegenwart auch nur einmal einem leichten Rock hinterher starrte. Nun waren vier lausige Monate vergangen, Reinka trug ein Kind unter ihrem Herzen und fuhr ihre Krallen aus, wenn jemand Erik verletzte. Wenn Leif die beiden von weitem betrachtete, dann wusste er, was ihm und Aleena fehlte.
Hatte er sich ihr anvertraut und wie ein kleines Mädchen vor ihr rumgeheult? Natürlich nicht. Seine Dämonen hatte Leif schon immer mit sich alleine ausgemacht, oder mit einem Baumstumpf, der noch nicht genügend Keilen aufwies. In den letzten Monaten hatte sich auch zwischen ihnen etwas verändert, als wäre das Eis zwischen ihnen langsam geschmolzen, und immer öfter fiel ihm auf, dass er sich an ihrer Präsenz nicht mehr störte, sondern sie an seiner Seite akzeptierte, ihre Gegenwart sogar genoss wie einen warmen Tee mit etwas Honig, wenn er Halsschmerzen und Schnupfen mit sich rumschleppte. Aber er war weit entfernt davon, sich ihr in allem anzuvertrauen, und das Geheimnis, das zwischen ihnen lag, versetzte dem Wachstum einen Dämpfer. Dass ausschließlich Leif für diese Distanz verantwortlich war, machte es leider nicht besser, aber er sah derzeit auch keinen Ausweg aus dieser Situation heraus.
Vermutlich würde er Aleena nie sein Geheimnis anvertrauen können, etwas, womit er leben musste. Aber so wie er Erik betrachtete, im Augenwinkel die warmen Flammen, die an den Holzscheiten nagten, war er endlich bereit, die Bürde ein wenig von seinen Schultern zu heben. Er war noch nie gut darin gewesen, nicht alles mit Erik zu teilen, und die letzten Tage hatten deutlich gemacht, dass die Wahrheit längst überfällig war. Über ein Jahr hatte es gedauert, bis er hier stand und sich von einer Seite präsentierte, die zwischen ihm und seinem Waffenbruder bisher eigentlich keinen Platz gefunden hatte. Immer wenn er von ihr redete, war er so unglaublich verletzlich, dass er sich selbst überraschte. An seinen verschränkten Armen war auf einmal eine Weichheit zu erkennen, die nur ihr galt. Er wollte nicht mehr warten. Er konnte sich nicht setzen. Es musste raus, jetzt, wo er die Entschuldigung hinter sich hatte und noch einmal Kraft aus dem Felsen schöpfte, den sie zusammen gebaut hatten. Tief holte er Luft, dieses Mal ließ er die Stille nicht für sich sprechen.
„Ich habe eine Tochter, Erik.“
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Winterland
Erik Norrholm
Winterland
Alter 24
Beruf Prinz von Wolfsmark
Wohnort Wolfsmark
Stand Verheiratet
User Natsch
#6
Erik neigte den Kopf leicht zur Seite, als wägt er ab, ob er Leif noch weiter reizen sollte. Doch er entschied sich dagegen – so sehr sein Waffenbruder es auch verdient hätte. Heute wollte er sein Glück nicht überstrapazieren, wollte diesen kleinen Sieg für sich behalten. Ein stiller Triumph, der sich süß anfühlte. Erik spürte, wie ein schmaler Funken von Genugtuung in ihm aufflackerte. Ja, es tat gut zu wissen, dass Leif in den letzten Tagen Kummer gespürt hatte. Gerechtigkeit – so nannte man das. Oder er selbst. Sein Lächeln wurde breiter, herausfordernd, während das leise Knirschen von Leifs zusammengepressten Knöcheln die Luft zwischen ihnen erfüllte. Eine stumme Drohung, deutlich und scharf. Doch Erik blieb noch einen Moment unbewegt – ehe er seine Hände wieder sinken ließ.

Erik lachte leise, ein kurzes, scharfes Geräusch, das seine amüsierte Haltung verriet. Reinka als Reinkarnation der weißen Witwe? Ein Bild, das gleichzeitig gruselig und faszinierend war – und ihm auf eine seltsame Weise gefiel. "Dabei habe ich sie gebeten, dass sie dich das nicht so spüren lassen soll", sagte er und schüttelte den Kopf, die Ernsthaftigkeit in seiner Stimme nicht zu überhören. Dann trat er ans Fenster, ließ seinen Blick hinausgleiten, als würde er tatsächlich erwarten, seine Frau dort unten auf dem Platz zu sehen – vielleicht mit einem ihrer Pferde in der Hand, wissend, dass sie gerade Thema ihres Gesprächs war. Und ihn genau das später büßen lassen würde. Doch unten stand keine Reinka und auch keine weiße Witwe. Er wandte sich wieder seinem Waffenbruder zu, durchaus eine Veränderung in dessen Ausstrahlung wahrnehmend, die er jedoch nicht ganz verorten konnte.

„Ich habe eine Tochter, Erik.“

Im ersten Moment schwieg der Fürstensohn, betrachtete seinen besten Freund, als wolle er versuchen zu verstehen, was er gerade gesagt hatte. Er hat eine Tochter. Die Art, wie er das sagte, zeigte Erik, dass es sich nicht um das heranwachsende Leben unter Aleenas Herzen handelte, dass es keine bloße Behauptung war, wie er sie so oft aufgestellt hatte, dass er eine Tochter bekommen würde. Nein, Leif sagte es, als wäre sie bereits Teil seines Lebens, als trüge er sie längst in seinem Herzen. Es war keine beiläufige Erwähnung, kein bloßes Problem, das man schnell abtut – es war etwas, das ihm wirklich etwas bedeutete. Sonst hätte er sie nicht so genannt, hätte er nicht diesen Ton in der Stimme gehabt, der alles sagte, was Worte nicht fassen konnten.
Und mit dieser Erkenntnis drang eine zweite, noch tiefere Wahrheit in seinen Geist. "Wo ist sie?", entwich es ihm, die Stimme vielleicht rau vor einen Hauch Sorge und etwas, das er kaum zugeben wollte – Furcht. Wenn es nach ihm ginge, hätte ein uneheliches Kind niemals Anlass zu solchen Sorgen gegeben. Doch die rauen Gebräuche Norsteadings kannten keine Gnade für Bastarde höherer Herren – das Wort allein schmeckte bitter auf seiner Zunge –, und er wusste, dass manche Menschen hier keine Güte zeigen würden. Allem voran vermutlich Leifs Eltern. Nicht für das Kind. Nicht für den Vater, oder die Mutter. Und die Dunkelheit, die daraus erwachsen konnte, war etwas wovor er seinen Waffenbruder schützen wollte. "Ich mein... du weißt, dass ich deine Familie liebe, aber...", er ließ den Satz unvollendet, die Arme vor der Brust verschränkt und sich leicht gegen das Fensterbrett lehnend. Ihm selbst war es gleichgültig, dass das Kind unehelich war. Es war Leifs Kind – und damit Teil der Familie, die Erik mit seinem Eid beschützt hatte. Für ihn gab es keine Zweifel: Dieses Leben gehörte zu ihnen, und er würde alles tun, um es zu bewahren.
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Commander of Wolves
Leif Stelhammer
Winterland - Admin
Alter 24
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Stand Verheiratet
User Letha
#7
Es war also gesagt. Das große Geheimnis war raus, stand gesprochen in der Luft zwischen ihnen, mit einem Namen versehen. Seine Tochter. Worte, die sich nicht mehr zurücknehmen ließen und ebenso viel Gewicht in die Zukunft trugen, wie sie Leif an die Vergangenheit banden. Ein Fehler, vermutlich. Eine Kette aus rücksichtslosen Aktionen, die im Endeffekt nur seinem Selbstbewusstsein und Heldenkomplex gefrönt hatten, entstanden zwischen lustigen Abenden auf seinen Reisen umringt von Freunden - dort, wo lachende Gesichter und schöne Körper ihn effektiv davon abgelenkt hatten, welche Pflichten zu Hause auf ihn warteten. Nie hatte er ein Wort über das Warum verloren, was ihn dazu gedrängt hatte, sich immer wieder hinzugeben; das kleine Gefühl von Erfolg und Eroberung vielleicht, seine winzige Flucht vor der Verantwortung, Gewohnheit und Mitläufergedanken. Es machte keinen Unterschied, denn die Konsequenzen über seinem Handeln waren längst über seinen Kopf hinaus gewachsen.
Und hier stand er nur, den Blick auf seinen ältesten Bruder gerichtet, seinen Waffenbruder, der das kleinste Recht hatte und doch mehr Recht als alle anderen, Leif jetzt in Grund und Boden zu stampfen. Dass er ja mit einem Kind hätte rechnen müssen und sich nicht so anstellen sollte. Dass er sich das selbst eingebrockt hatte. Warum er ihm nicht davon erzählt hatte. Aber Eriks Blick sprach von einer seltenen Tiefe, die Leif nur an ihm sah, wenn ihm etwas wirklich nahe ging, wenn er verstand, ohne die Zusammenhänge zu kennen. Es ließ seinen eigenen Blick etwas aufweichen, als müsste er nicht all die innere Stärke aufbringen, um überhaupt über seine Tochter zu reden.

Sein Blick wich zur Seite aus und lange war es still, weil er nicht wusste, wie er die Frage beantworten sollte. Aus allen Fragen, die Erik hätte wählen können, nannte er genau die, auf die es keine Antwort gab, solange Leif den versprochenen Brief nicht endlich in seinen Händen hielt. Auch wenn er sich daran festhielt, dass es Valda und Sanna gut ging, wusste er um die tausend anderen Möglichkeiten und Schicksale, die sie hätten heimsuchen können. Banditen, die keine Rücksicht auf eine Mutter und ihr Kind nehmen. Ein Bär, der seinen eigenen Nachwuchs beschützt. Zwei Söldner, denen die Summe Gold größer erscheint, wenn sie mit Valda doch vor Frigga und Ariald treten. Der bevorstehende Krieg. Schlechtes Wetter.
Auch Erik wusste um diese Gefahren und Leif musste ihn nicht angucken, um zu wissen, dass ihm eine davon besonders am Herzen lag. Zumindest darauf hatte er eine Antwort - wenn seine Mutter von Valda wusste, hätte er schon längst von ihr gehört. Das leichte Kopfschütteln deutete darauf hin, dass er diese eine offene Frage ausschloss, doch was die anderen anging…
“Ich weiß nicht, wo sie ist.”
Nichts machte er sich und seinem Waffenbruder vor.
“Sie war mit ihrer Mutter beim Eisfeuerfest und wurde dort erkannt. Als Bastard identifiziert, wenn man es so nennen will.”
Leif schnaufte bei dem Wort, doch es war die kalte Realität, und es war seine Verantwortung. Ein Wort, ein Leben, was er seiner Tochter aufgedrückt hatte.
“Ich habe zwei Söldner meines Vertrauens nach beiden geschickt und warte auf einen Brief, oder… irgendwas, das mir Gewissheit gibt, wie es ihnen geht. Meines Wissens nach können sie glücklich im Feindesland sein oder von Wölfen gefressen. Ich weiß es nicht.”
Die Worte klangen schärfer als beabsichtigt, mit einem dünnen Schmerz durchzogen, den er die meiste Zeit einfach unterdrückt hielt. Aber jetzt, mit nichts als seinen verschränkten Armen so entblößt vor Erik, tat das freudlose Lächeln fast schon weh, während sich die Kaminflammen das Eis in seinen Augen schmolzen.
“Valda ist ihr Name.”
Auch ihr Name tat weh, und doch lächelte er.
“Valda Lorenson, aus Rabenrast. Sie dürfte jetzt fast drei Jahre alt sein.”
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Erik Norrholm
Winterland
Alter 24
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Stand Verheiratet
User Natsch
#8
Eriks Atem blieb ruhig, doch die Sorge arbeitete unermüdlich hinter seiner Stirn. Die Vorstellung, dass Leif nicht wusste, wo seine Tochter war – ob es ihr gut ging oder ihr etwas zugestoßen war – ließ eine unangenehme Unruhe in ihm aufsteigen. Er versuchte, sich in die Verzweiflung seines Waffenbruders hineinzuversetzen, stellte sich vor, es wäre sein eigenes Kind. Aber er wusste auch, dass er sich darin nicht verlieren durfte – nicht jetzt.

„Das Wort Bastard schließen wir bitte kategorisch aus“, schnaubte er schließlich und trat näher an Leif heran. Seine Stimme war fest, seine Haltung aufrecht, als würde allein die Entschlossenheit in seinem Blick schon Gewicht genug tragen. „Ich hasse dieses Wort. Sie ist ein Kind. Deine Tochter. Das ist alles, was zählen sollte und ich werde sie so oder so lieben - ob ehelich oder nicht.“ Seine Stimme war ruhig und leise. Einen Moment lang ließ er seine Worte in der kühlen Luft stehen, den Blick aus dem Fenster gerichtet.

Er nickte leicht. „Was ist aus demjenigen geworden, der meinte, sie erkannt zu haben?“, fragte Erik weiter und fuhr sich nachdenklich über das bärtige Kinn. Vermutlich kannte er die Antwort längst – und mit keiner geringeren würde er sich zufrieden geben.

Die Möglichkeit, dass das Kind tot war, bestand – und ließ Erik unzufrieden auf der Innenseite seiner Wangen kauen. Eine Marotte, die er seit seinen Kinderjahren nicht abgelegt hatte. „Hattest du die ganze Zeit Kontakt?“, fragte er schließlich, seine Stimme leiser und sanfter als zuvor, während sein Blick zurück zu Leif glitt.
Das freudlose Lächeln seines Waffenbruders ließ Eriks Herz eine Etage tiefer sacken. Man mochte von ihm halten, was man wollte – ein Arschloch, ein Trunkenbold –, doch wenn es um Familie ging, war Erik ein anderer Mensch. Und für ihn gab es keinen Zweifel – Valda gehörte zu seiner Familie. Ebenso schützenswert, ebenso wertvoll wie jedes andere Kind, das den Namen Stelhammer oder Norrholm trug.

Rabenrast. Ein unbedeutendes Dörfchen, das zu seinem Fürstentum gehörte. „Eigentlich sollte das abgelegen genug sein, dass sie nach dem Trubel nicht weiter auffällt…“, murmelte er, während sein Blick prüfend auf seinem besten Freund ruhte. „Aber sie haben sich in eine andere Richtung durchgeschlagen? Frühlingsland?“ Die Frage kam ruhig, doch ein unüberhörbarer Unterton von Unmut schlich sich in sein Stimme, mischte sich in das klare Blau seiner Augen. Eine Wölfin gehörte nicht in eine Schafsherde. „Ist ihre Mutter… taff?“ Er zögerte nur kurz. Eine solche Reise unternahm man nicht leichtfertig – schon gar nicht als Frau mit einem kleinen Kind im Schlepptau.
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Leif Stelhammer
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User Letha
#9
Mit Erik zu reden, nahm mehr Spannung von Leifs Schultern, als er gedacht hatte. Seine Art, diese feste innere Ruhe eines Berges, dessen Besorgnis sich offen in seinem Gesicht widerspiegelte, war genau das, was Leif jetzt sehen wollte, und auch sehen musste. Es war genau diese Weichheit eines Giganten, die er sich selbst nicht entgegenbringen konnte; wenn er in einen Teich schaute, starrten ihn nur harte Lippen und richtende Augen nieder. Weil er Schuld war. Weil er ein Kind in die Welt gesetzt hatte, dessen Existenz das stolze Bild der Stelhammer zum Wanken brachte. Weil er ein Kind alleine gelassen hatte in einer Welt, die zu unbarmherzig für ein einfaches Mädchen ohne Vater war, und er sich jetzt damit auseinandersetzen musste, dass ihr Blut an seinen Händen vielleicht gar nicht mehr in entfernter Zukunft lag. Er wollte sich gerne selbst so entgegenkommen, wie Erik es mit einer angeborenen Selbstverständlichkeit tat, und vielleicht war es genau das, was er in diesem Moment so an ihm schätzte. Leif mochte stark und stoisch rüberkommen, mit seinen verschränkten Armen und der aufrechten Haltung, aber auch er brauchte Rückhalt. Und Erik gab ihm das, ohne nachzufragen.

Sein Blick lag auf dem blonden Riesen, schweigend, während er zuließ, dass er in seinen verletzlichen Radius trat. Zwei Präsenzen wogen gegeneinander, doch in Einheit, wenn es um Valda ging. Leifs Tochter, unehelich oder nicht, die Erik mit solch einer Selbstverständlichkeit anerkannte, dass Wärme in Leifs Brust aufstieg. Für einen Moment schwieg er und ließ die Worte so im Raum stehen. Als er ausatmete, fühlte sich die winterliche Luft gar nicht mehr so kalt an.
“Nichts ist aus ihm geworden”
, antwortete er nach einer Zeit, die er genauso auch Reinka gestellt hatte, nach den Festlichkeiten in Wintergard - weniger ruhig, weniger abwägend, mit einem Geduldsfaden, der gerissen wäre, hätte sie ihm auch nur eine der fünftausend unzufriedenstellenden Nachrichten übermittelt.
“Und nichts wird noch aus ihm werden.”
In Leifs Stimme lag eine gewisse Abgebrühtheit mit einem Anflug von Gefälligkeit. Er hatte nie Mitleid mit dem Vasallen gehabt, der für diesen einen erschreckenden Tag das Schicksal seiner Familie in den Händen gehabt hatte; hätte er ihn in die Hände bekommen, lägen seine Teile jetzt vermutlich in alle Himmelsrichtungen verstreut.

Leif bemerkte die Kieferbewegung seines Waffenbruders am Rande, wie er die kleinen Gesten seiner Familienmitglieder registrierte und jedem von ihnen zuordnen konnte, wenn man ihn fragte. Er selbst merkte nur, wie die Frage nach dem Kontakt mit seiner Tochter ein kleines Loch in seine Brust bohrte und er versuchte, das Gefühl loszuwerden, indem er endlich seine Verschränkung aufbrach und sich über die eigene Schulter rieb, als würde er eine Verspannung lösen wollen. Diese Antwort brauchte etwas länger und war leiser gesprochen als die anderen, als würde ein Schatten auf ihr liegen, den er nicht abschütteln konnte.
“Nicht so oft, wie ich gerne gehabt hätte. Ich… hab sie erst kennen gelernt, da war sie schon ein Jahr alt.”
Nicht, dass man ihn oder Sanna gefragt hatte, es war einfach so passiert. Warum sollte sich Leif auch in einem kleinen Dorf wie Rabenrast aufhalten, wenn nicht auf Durchreise nach einer mehrtägigen Jagd, leicht im Herzen mit nichts weiter im Sinn als einem warmen Bad, während er auf Halger gewartet hatte. Manchmal fragte er sich, ob es nicht Schicksal war, dass sein Blick einen Moment zu lange auf der Jägerin geruht hatte, die ihrem Tagesablauf nachgegangen war - und auf dem Bündel auf ihrem Rücken, das verdächtig nach einem Kind ausgesehen hatte.
“Eventuell hab ich die Besuche in Wolfsmark manchmal als Ausrede genutzt, sie aufzusuchen.”
Ein kleiner Funken trat in seine Augen, weil manchmal eine deutliche Untertreibung war.
“Manchmal einmal, zweimal im Monat, in den Wintermonaten teilweise gar nicht. Es waren immer nur kurze Besuche am späten Abend, und doch- Du weißt nicht, wie schnell Kinder groß werden, bis du selbst eins hast.”
In seiner Stimme lag der kleine Schmerz eines Vaters, den es selbst immer die Welt gekostet hatte, seine Tochter zurückzulassen - in dem Bewusstsein, dass sie ihn brauchte, und er sie. In der Verantwortung, dass er ihr nie die Beständigkeit eines Vaters hatte geben können, der jeden Morgen zur Arbeit ging und abends wieder heimkehrte. Seiner Meinung nach hatte er es versucht, ihr ein stabiles Leben zu ermöglichen, doch in der Gleichung zählten immer zwei Menschen, und Sanna… hatte es ihm selten leichter gemacht, hilfreich zu sein.

Sicher hatte er darüber nachgedacht, wie sicher Rabenrast nach dem Winterfest für die beiden war, und im Nachhinein konnte er nur darüber den Kopf schütteln, was er Sanna schon alles vorgeschlagen hatte.
“Und ich hab immer gedacht, Valda und ihre Mutter wären sicherer in Wintergard. Ich wollte sie… keine Ahnung, beschützen, vor genau so einer Scheiße.”
Aber Sanna hatte recht behalten. Dass sie überhaupt mit Valda nach Wintergard gekommen und-... Leif behielt seine Ruhe dadurch, dass er sich dem Fenster zuwandte und sich auf die Schatten der gegenüberliegenden Dachziegel konzentrierte.
“Weiß ich nicht. Ich geh davon aus, dass sie sich ins Frühlingsland aufgemacht haben. Wohin sonst, nach Castandor?”
, schnaufte er freudlos, während die Ungewissheit unter seiner Haut brodelte und ihn nicht mehr losließ. Er wollte es ja auch wissen, und es machte ihn fertig, dass er Erik keine zufriedenstellende Antwort geben konnte.
Als die Frage nach Valdas Mutter im Raum stand, tanzten Flammen in Leifs hellen Augen. Denn Sanna war seine einzige Konstante in all den Albträumen; er wusste, dass sie stark war, und er zweifelte keine Sekunde daran, dass sie den Boden unter ihren Füßen in Bewegung setzen würde, um ihre Tochter zu schützen. Die Antwort war eine, die er seinem Waffenbruder mit absoluter Sicherheit geben konnte.
“Taffer als eine Bärenmutter.”
Er wusste, dass sie überleben würde. Wusste, dass sie ihr Leben ohne Zögern für Valda geben würde. Aber manchmal lag es nicht in einer Menschenhand, was mit zwei kleinen Leben in einer großen Welt geschah.
“Und genauso stur wie eine. Wie oft ich mir an dieser Familie-“
Leif unterbrach sich, als er schmerzhaft bemerkte, wie sich seine Finger in seine Schultermuskulatur gruben. Bewusst atmete er aus und hielt an seiner Kontrolle fest. Schließlich setzte er sich in Bewegung; sonst immer mit einem Ziel im Auge, schien nun der Weg selbst seinen Zweck zu erfüllen. Hauptsache, er bewegte sich irgendwie.
“Ich hab nicht nur gewartet und Däumchen gedreht in der Zeit. Konnte ich nicht. Als wir uns gestritten haben, bin ich nach Rabenrast geritten. Hab vielleicht gehofft, dass sie noch was zurückgelassen haben, oder ich sie finde, weiß ich nicht.”
Wider Erwarten hatte er nicht unbedingt nachgedacht. War auch nicht seine Stärke, wenn es um Valda ging.
“Valdas Großmutter ist eine alte Hexe. Sie hat mich schon immer verabscheut, ist verbittert, hat keinen Respekt, und hat mir vorgeworfen, dass ich für den Tod ihrer Familie verantwortlich bin. Ich schwöre, ich war in der Nacht so kurz davor, ihr den Hals umzudrehen…”
Ein Schatten bedeckte seine Stimme, der verriet, dass Leifs Worte gar nicht so weit hergeholt waren. Wer wusste, welches Monster in seiner Brust schlummerte, wenn er so nahe an seinem Abgrund stand, nicht schlief und nicht mehr wusste, was er noch tun sollte. Das Warten fraß sich durch seine ohnehin schon schwankende Geduld und Ausdauer, brachte seinen Stolz ins Wanken und ließ ihn mit einer Ungewissheit zurück, der er verzweifelt versuchte, mit Ablenkung aus dem Weg zu gehen. Er wusste, dass es keine Lösung war und er endlich diesen verdammten Brief in den Händen halten musste, wenn er seinen Verstand nicht verlieren wollte.
“Ich weiß nicht mehr, was ich noch tun soll, Erik. Was würdest du in meiner Situation tun?”
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Winterland
Erik Norrholm
Winterland
Alter 24
Beruf Prinz von Wolfsmark
Wohnort Wolfsmark
Stand Verheiratet
User Natsch
#10
Erik nickte schwach, als Leif von dem Mann berichtete, der Valda eventuell erkannt hatte. Es erfüllte ihn weder mit Schock noch mit Kälte, dass dieser Mensch nicht mehr war, denn es war eine Notwendigkeit, wenn es darum ging, das zu beschützen, was ihnen am Herzen lag. Was war ein Leben gegen ein anderes? Für ein reineres? Erik hätte ebenso keine Scheu gehabt – nicht einmal den Ansatz eines Zögerns –, wenn es sich dabei um seine eigene Tochter gehandelt hätte - unehelich hin oder her.

Leif als Vater war ein seltsames, aber zugleich schönes Bild für Erik. Augenblicklich wurde es warm in seiner Brust – allein bei der Vorstellung. Leifs Ruhe und das leise Senken seiner Stimme verliehen dem Moment eine ehrliche, beinahe zarte Note. Und obwohl Erik wusste, dass der Brünette einer der härtesten und größten Krieger des Winterlandes war, war es doch tröstlich zu sehen, dass auch er einen weichen Punkt hatte – einen, der nicht allein Erik galt. „Oh, ich bin gern die Ausrede dafür, dass du deine Tochter sehen kannst.“ Ein Lächeln kehrte auf Eriks Gesicht zurück, auch wenn er wusste, dass Leif und seine Tochter vermutlich niemals viel Zeit miteinander verbringen würden. Das Mädchen würde irgendwann erwachsen werden und wissen, wer er war, gewiss – doch es brauchte mehr als ein paar seltene Abende, um eine wirkliche Beziehung zu einem Kind aufzubauen. Wer wusste schon, ob sie sich überhaupt noch einmal wiedersehen würden?
„Erst ein Jahr? Dann scheint die Mutter wenig Interesse daran gehabt zu haben, dir Schwierigkeiten zu machen“, sagte der Hüne nachdenklich und neigte leicht den Kopf.

Das Reiseziel der Mutter ließ Erik erneut nicken.
„Eine Wölfin im Frühlingsland kann ich mir ja schon kaum vorstellen – aber in Castandor?“ Er schüttelte den Kopf und schnaubte leise.

Sein Blick blieb auf Leif ruhen; interessiert, und irgendwo auch verständnisvoll. Als der Brünette von ihrem Streit sprach und davon, wohin er danach geritten war, nagte tatsächlich ein schlechtes Gewissen an Erik. Er hätte Leif damals nicht allein lassen sollen – dieser Gedanke traf ihn nun mit unangenehmer Deutlichkeit. Er seufzte tief, trat einen Schritt näher und legte seine Hand kurz auf Leifs Schulter. „Es tut mir leid, dass ich nicht mitgegangen bin.“ Ein leises, ehrliches Bedauern schwang in seiner Stimme. „Aber ich bin stolz auf dich, dass du die Hexe nicht umgebracht hast.“ Ein vages Grinsen zuckte über seine Lippen. „Dann weißt du immerhin, woher die Mutter deiner Tochter ihren Biss hat“, murmelte er mit sanfter Ironie, ehe er schwieg.

Er wusste nicht, was er tun sollte.
Sein törichtes Herz würde wohl verlangen, dass er selbst nach ihr suchte. Doch sein Verstand erkannte die Hürden, die sich Leif in den Weg stellten – und die er nicht überwinden konnte. Der Krieg. Die Verpflichtungen.

„Zähneknirschend warten“, sagte er schließlich, ein unzufriedener Ausdruck lag in seinem markanten Gesicht. „Oder jemanden hinterherschicken, dem ich zu hundertfünfzig Prozent vertraue.“ Und in Eriks Fall wäre das Leif. „Du weißt, dass ich das für dich tun würde…“ Das Aber, das in seinen Worten mitschwang, gehörte jedoch dem Krieg.
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