| Heimatlose |
| Rowan Fraser |
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| Alter |
31 |
| Beruf |
Söldner |
| Wohnort |
Heimatlos |
| Stand |
Ledig |
| User |
Mim |
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26-01-2026, 22:29 - Wörter:
Rowan Fraser war kein Mann, dem man so leicht die Laune verderben konnte. Er war die Strapazen langer Reisen gewohnt, konnte mit Entbehrungen gut leben und hatte auch kein Problem damit, sich mit kargen Mahlzeiten über Wasser zu halten, solange die Gespräche am Lagerfeuer vor sich hinflossen und er ein Ziel und dessen Erreichung klar vor Augen hatte. Tage wie diese dämpften jedoch sein sonst eher gelassenes Gemüt, vor allem nachdem er festgestellt hatte, dass sich ihrer Truppe zur Drachenjagd keinerlei weitere Krieger angeschlossen hatten. Immer wieder hatte er gehofft, dass doch noch mehr Leute dem Aufruf des Königs folgen und ihnen auf der Reise ins Ungewisse Gesellschaft leisten würden. Dass er am Ende bisher der einzige Gerüstete bleiben würde - neben dem einen oder anderen passablen Kämpfer, so wie er die zwei Männer mit Hoffnung einschätzte - , damit hatte er nicht gerechnet und in gewisser Weise machte ihn das unruhig. Zwar war er niemand, der die Anwesenheit von Frauen nicht genoss - nein, ganz im Gegenteil - aber soweit er es beobachten hatte können, war keine der drei Damen in irgendeiner Art und Weise im Kampf geschult. Rowan war sich zwar sicher, dass sie schnell heraushaben würden, dass man am besten mit dem spitzen Ende einer Waffe zustieß, wenn man sich verteidigen wollte, doch in Anbetracht der Gefahren, die ihnen auf der Suche nach dem Fabelwesen auflauern konnten, brauchte es etwas mehr als das, um unversehrt oder zumindest am Leben zu bleiben. Dabei sprach er den jungen Frauen keineswegs ihre Fähigkeiten ab. Die Gelehrte punktete in vielerlei Hinsicht - oh Wunder - mit ihrem Wissen, während Freyja durch ihre offene Art und Neugier herausstach. Tja und dann war da noch Mira. Bereits seit sie zu ihnen gestoßen war, behielt der Söldner sie im Blick. Sie war flink wie ein Hase und er war sich sicher, dass diese Fähigkeit ihrer Beine auch genauso auf ihre Finger zutraf. Alleine die Art und Weise wie sie manchmal nach Dingen griff ließ bei ihm ein Signalglöckchen im Hinterkopf klingeln. Etwas, das ihn darauf aufmerksam machen sollte, dass hinter der Fassade der Gauklerin vielleicht mehr steckte - und dass er seine Geldkatze am besten dicht unter seiner Kleidung tragen sollte. Viel mehr als ihre Ausstrahlung schien jedoch ihr Gesicht eine Erinnerung wachrütteln zu wollen, die er noch nicht so recht greifen konnte. Kaum hatte er das Gefühl einen der losen Fäden, der zur Lösung des Rätsels führte, greifen zu können, so rutschte er ihm auch schon wieder durch die Finger und ließ ihn genauso ratlos wie zuvor zurück. Dabei war ihr Verhalten weder sonderbar noch verdächtig, ähnelte in ihrer Art ein wenig der neugierigen Freyja aber war doch für sich auch wieder einzigartig. Sei es wie es sei, Rowan hatte über die Jahre hinweg ohnehin gelernt, dass es mit Vorsicht zu genießen war, anderen sein Vertrauen zu schenken und so blieb er auch jetzt wachsam.
Die Chance, diesem seltsamen Gefühl in seiner Magengrube nachzuforschen, bot sich ihm schließlich, als er gemeinsam mit Mira zur Suche nach Feuerholz eingeteilt wurde. Einen Moment lang hatte der 31-Jährige überlegt, Sandokan als Packtier mitzuführen, doch das hätte nur dafür gesorgt, dass sie das trockene Brennmaterial im Unterholz noch schwieriger erreichten. Das stetig neblige und feuchte Wetter hatte nicht gerade dazu beigetragen, Äste und Zweige zu finden, die etwas anderes taten als vor sich hinzukohlen, wenn man sie in der Hoffnung auf Wärme und ein warmes Mahl in Brand steckte. Rowan war irgendwann dazu übergegangen zumindest etwas von dem Holz in Sandokans Satteltaschen zu verstauen, damit wenigstens passables Zündmaterial zur Verfügung stand. Dass seine Wechselkleider dafür als klammes Bündel am Rand des Sattels hingen, hatte der Söldner wohl oder übel dafür in Kauf nehmen müssen.
All das war nun jedoch im Lager geblieben und alles was Rowan bei sich trug war eine kleine, handliche Axt sowie sein Schwert an seiner Seite. Zwar hätte er sich natürlich auch mit dem handlichen Werkzeug auf irgendeine Art und Weise verteidigen können, aber die liebgewonnene Waffe ließ er ohnehin nicht gerne unbeaufsichtigt unter Menschen, die er für kaum einmal länger als einen Wimpernschlag kannte. Begleitet von den Geräuschen des Waldes suchten sich die beiden einen Weg tiefer in das Dickicht, vorbei an kleinen Wällen aus Dornenhecken und anderen Pflanzen und Sträuchern, die Rowan als nicht geeignet für ein Lagerfeuer hielt. Entweder war das Holz an sich zu feucht oder zu ölig, oder die Äste so dünn, dass sie gefühlte Zentner davon herbeischleppen hätten müssen, um wirklich etwas auszurichten. Etwas weiter in der Ferne hatte er jedoch bereits ein kleines Buchenwäldchen ausgemacht, bei dem er sich eine bessere Ausbeute erwartete.
Vorsichtig auf seine Schritte achtend warf er Mira einen Blick von der Seite zu, wieder grübelnd, während seine Augen über ihr rotes Haar wanderten, in denen der Schimmer der bereits etwas tiefer stehenden Sonne tanzte. Sie war eine Seltenheit geworden in den letzten Tagen, in denen der Himmel doch von dichten Wolken gesättigt gewesen war. "Du bist also eine Gauklerin? Oder ehemals Gauklerin?" Die Frage kam ihm selbst dumm vor, war sie doch eigentlich komplett rhetorisch, aber Rowan mochte das Schweigen nicht, dass sie beide einhüllte. "Was hat dich dazu verleitet, mit uns auf die Drachenjagd zu gehen?" Sei Kopf legte sich etwas schief und er musterte sie genauer, während er mit geschickten Schritten Wurzeln und Steinen auswich. "Wenn das Vieh wirklich so groß ist, wie der König glaubt, taugt es denke ich nicht wirklich als Attraktion für reisende Schausteller..."
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| Heimatlose |
| Mira Falren |
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| Alter |
21 |
| Beruf |
Gauklerin |
| Wohnort |
Heimatlos |
| Stand |
Ledig |
| User |
Ana |
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31-01-2026, 22:30 - Wörter:
Mira hatte die letzten Tage damit verbracht, leise ihren Platz in der Gruppe zu finden. Nicht, indem sie sich in den Vordergrund drängte oder versuchte, nützlich zu wirken, sondern indem sie beobachtete, zuhörte, sich einfügte. Die Nähe der anderen Frauen war dabei unerwartet wichtig geworden. Bei ihnen fühlte sich die Welt weniger scharfkantig an. Besonders Freyja. Ihre offene Art, ihr unkompliziertes Lachen, die Selbstverständlichkeit, mit der sie Raum teilte, ohne ihn zu beanspruchen, hatten Mira etwas gegeben, von dem sie nicht gewusst hatte, wie sehr sie es vermisst hatte: Sicherheit. Zumindest genug davon, um nachts zu schlafen, ohne bei jedem Geräusch hochzuschrecken, ohne ständig mit dem Gedanken einzuschlafen, dass jemand ihr im Dunkeln ein Messer zwischen die Rippen schieben könnte. Sie war sich ziemlich sicher, dass es unter ihren Mitreisenden Menschen gab, die dazu durchaus fähig wären, vielleicht sogar willig. Aber zwischen den anderen Frauen wirkte diese Gefahr gedämpft, weiter weg.
Die Märsche hingegen setzten ihr zu. Sie war Bewegung gewohnt, ja, aber keine endlosen Fußwege mit Gewicht auf den Schultern und nassem Boden unter den Sohlen. Ihre Füße schmerzten, die Beine brannten, der Rücken fühlte sich an, als würde er jeden Moment protestieren. Doch Mira ließ sich nichts anmerken. Nicht ein Zischen, nicht ein Hinken. Schwäche war eine Einladung, das wusste sie. Und sie wusste auch, dass manche nur darauf warteten, dass sie stolperte, körperlich oder anders, um sie loszuwerden. Die Gruppe zu verlassen kam für sie nicht infrage. Nicht jetzt. Nicht nachdem sie zum ersten Mal gekostet hatte, wie sich Freiheit anfühlte. Sie würde dieses Leben nicht wieder eintauschen gegen das Alte. Gegen die Schläge. Gegen den Blick ihres Vaters, der aus einer Lappalie eine Strafe machte, die sie noch Tage später in jeder Bewegung spürte. Manchmal, wenn sie falsch auftrat oder sich streckte, glaubte sie noch immer, ein dumpfes Knacken in den Knochen zu hören, eingebildet vielleicht, längst verheilt. Aber Erinnerungen heilten langsamer als Fleisch.
In Gedanken versunken stapfte sie neben dem großen Mann durch den Wald. Ihre Aufmerksamkeit hing mehr an den Erinnerungen als am Boden, und mehr als einmal musste sie sich im letzten Moment fangen, um nicht über eine freiliegende Wurzel zu stolpern. Sie fluchte nicht. Zog nur unmerklich die Schultern zurück und ging weiter. Ihr Blick wanderte über die Bäume, suchte nach trockenem, totem Holz, fand aber kaum etwas, das diesen Namen verdiente. Alles war feucht, schwer, widerspenstig.
Immer wieder glitt ihr Blick zu Rowan hinüber. Zu dem großen Mann, dem Söldner, dem Mann mit der Rüstung. Der Einzige hier, der wirkte, als wüsste er wirklich, was er tat, wenn es ernst wurde. Sie versuchte, ihn zu lesen, so wie sie es gewohnt war. Suchte nach Brüchen, nach zu offensichtlichen Masken. Doch bei ihm griff nichts richtig. Er war wachsam, aber nicht nervös. Reserviert, aber nicht verschlossen. Ein Mann, der gelernt hatte, mit Gefahren zu leben, statt vor ihnen davonzulaufen. Das machte ihn schwer einzuordnen.
Ein umgestürzter Stamm lag quer auf ihrem Weg. Ohne groß nachzudenken setzte sie an, sprang darüber hinweg, landete auf der anderen Seite sicher, streckte sich kurz, um die Spannung aus Rücken und Schultern zu vertreiben, und ging weiter, als wäre es nichts gewesen. Erst als er sprach, hielt sie einen Moment inne.
Sie hörte ihm zu, ohne ihn anzusehen. Als er fragte, sagte sie zunächst nichts. Nur ein leises Atmen, das Rascheln der Blätter unter ihren Stiefeln. Dann, ruhig und knapp, sagte sie: „Ich war eine Gauklerin.“
Eine kleine Pause.
„Das bin ich nicht mehr.“
Mehr Erklärung schien sie ihm nicht schuldig zu sein. Sie ließ den Blick über ein paar Steine gleiten, sprang leichtfüßig darüber hinweg, wo er ihnen auswich, und zuckte schließlich kaum merklich mit den Schultern.
„Ich bin neugierig.“ fügte sie hinzu. „Und ein Drache ist, nun ja. Eine gute Geschichte.“ Ein schiefes, beinahe scheues Lächeln. „Außerdem wollte ich einmal bei etwas dabei sein, das später in Chroniken steht. Nicht immer nur zuhören.“
Bei seiner Bemerkung über die Größe des Tieres dachte sie einen Moment nach, während sie weiterging. Dann sagte sie, leise, fast nachdenklich, „Wenn er wirklich so groß ist, wie der König glaubt, wird rohe Stärke allein nicht reichen.“
Sie sah kurz zu ihm auf.
„Manchmal ist es nicht die Größe, die entscheidet. Sondern wie viele bereit sind, gemeinsam zu handeln, und wie klug.“
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| Heimatlose |
| Rowan Fraser |
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| Alter |
31 |
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Söldner |
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| User |
Mim |
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11-02-2026, 22:42 - Wörter:
Mit merkbarer Faszination beobachtete Rowan Mira dabei, wie sie behände über den gefallenen Baumstamm sprang und dabei so trittsicher wirkte wie ein Reh in seiner natürlichen Umgebung. Er musste zwar nicht behaupten, dass er bei so einer Aktion auf seinem Allerwertesten gelandet wäre, aber ob des weichen und unebenen Untergrundes wäre er sehr wahrscheinlich zumindest ins Straucheln gekommen. Dass die Antwort auf seine Frage so kurz und knapp ausfiel, löste ein dumpfes Gefühl in seiner Magengrube aus. Scheinbar war er wie bei Maebh mal wieder ins Fettnäpfchen getreten oder hatte einen wunden Punkt erwischt. Wäre er ein Arzt, oh was für Wunder hätte er mit der Gabe vollbracht. Aber so? Als einfacher Söldner? So erntete er nur Unmut, den auch seine Weggefährtin durch ihre einsilbige Antwort ausstrahlte. Also schwieg er. Schluckte weitere Fragen hinunter. Warum war es nur so schwer mit Menschen ins Gespräch zu kommen in letzter Zeit? Ein leises Seufzen drang über seine Lippen. Vielleicht war er für belanglose Plaudereien einfach nicht gemacht, zumindest wenn es um die Gegenwart von Frauen zu gehen schien. In einer Gruppe von Söldnern war ihm das bisher nie schwer gefallen, aber Männer waren in dieser Hinsicht wohl oft auch einfacher gestrickt. In den Lagern hatte er es grundsätzlich immer so erlebt, auch wenn es natürlich den einen oder anderen Eigenbrötler gab, der anders reagierte als andere. War er selbst also wirklich so einfach gestrickt? Rowan erschrak fast darüber, wie sehr ihn diese unangenehme Stille zwischen ihnen eigentlich zum nachdenken brachte. Sicher lag das an Maebh. Warum hatte er sie bitte auch Tante nennen müssen? Wie ein Pferd prustete er und wich dann einem Ast aus, der ihm fast frontal gegen die Nase geschlagen hätte.
Schließlich sprach Mira dann aber doch, durchbrach die seltsame Stimmung und ließ Rowan damit aufatmen, obwohl ihre akrobatische Leistung ihm doch das eine oder andere mal kurz das Herz stehen bleiben ließ. So viele andere Personen hätte er wahrscheinlich schon mit Stöckchen und Blattwerk aus dem Schlamm ziehen müssen. Jetzt aber machte er sich eher Sorgen, dass Mira noch als sein eigenes Rettungsseil agieren müsste, wenn er weiter versuchte mit ihr Schritt zu halten.
Das Lächeln, das sie ihm bei ihren Worten zuwarf, wollte fast so gar nicht zu der selbstbewussten Haltung der Rothaarigen passen, ließ ihn selbiges jedoch erwidern. "Oh eine gute Geschichte werdet Ihr bestimmt zu erzählen haben." Er nickte auf eine altkluge Art und Weise. "Und wenn es nicht die eines Drachen ist, dann die eines Söldners, denn Ihr mit dem Kopf aus einem Dachsbau ziehen musstet... oder so ähnlich." Sein Grinsen wurde breiter, während er eben so einem Loch im Boden auswich, in dem er fast mit seinem Stiefel hängen geblieben wäre. Wortlos lauschte er ihr dann wieder ein wenig, um sich auf den Weg zu konzentrieren und dabei weiter nach passendem Brennmaterial Ausschau zu halten. "Die Frage ist doch die: Was macht den Helden aus?" Kurz schweifte sein Blick in die Ferne, hielt an einem Punkt an den Baumwipfeln fest. "Zu viele ziehen aus, um etwas Bedeutungsvolles zu tun. Doch sind nur die Dinge bedeutungsvoll, wenn sie als solche durch andere anerkannt werden?" Fast schon eine philosophische Frage, die er hier stellte. In jungen Jahren war er nicht anders gewesen, war zu Abenteuern aufgebrochen, nur um Aufmerksamkeit von seinem Vater zu bekommen. Gebracht hatte es ihm nicht wirklich etwas, außer Frust und noch mehr ungesunden Ehrgeiz, den er erst sehr schwer wieder hatte ablegen können. "Gesprochen wie eine Söldnerin, meine liebe Mira." Anerkennend nickte er auf ihre Aussage hin. "Ein Heer von 1000 Kriegern die nur für sich allein agieren kann selbst von einem Grüppchen aus 5 Personen besiegt werden, das Hand in Hand arbeitet und einander hilft." Auf einer kleinen Lichtung angekommen, die von passenden Hölzern gesäumt war, blieb er stehen und zog die Handaxt von seinem Gürtel. "Ihr wisst mehr über die Welt, als Ihr denkt." Seine dunkle Augen fingen fragend die ihren ein. "Könnt Ihr mit einer Axt auch so gut umgehen wie mit euren Worten?" Aus seinem Lächeln blitzte der Schalk während er Mira zunickte.
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| Heimatlose |
| Mira Falren |
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| Alter |
21 |
| Beruf |
Gauklerin |
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Heimatlos |
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Ledig |
| User |
Ana |
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11-02-2026, 23:59 - Wörter:
Mira bemerkte seinen Blick, auch wenn sie so tat, als gälte ihre Aufmerksamkeit allein dem Boden vor ihnen. Sie spürte Beobachtungen fast körperlich, wie ein leises Ziehen zwischen den Schulterblättern. Als sie über den Stamm sprang, war das kein bewusster Versuch, etwas zu beweisen. Es war schlicht Bewegung, ein Ablauf, der ihrem Körper vertrauter war als gleichmäßiges Marschieren. Erst auf der anderen Seite, beim kurzen Strecken, wurde ihr bewusst, dass sie ihn wohl hatte beeindrucken können. Der Gedanke ließ sie innerlich zusammenzucken. Aufmerksamkeit war selten etwas Gutes gewesen.
Sein Schweigen danach entging ihr nicht. Sie hörte es im Rhythmus seiner Schritte, im fehlenden Nachfragen, in der Art, wie er sich plötzlich stärker auf den Weg konzentrierte. Mira kannte diese Stille gut. Sie war kein Zeichen von Desinteresse, eher von Zurückhaltung. Oder von dem Versuch, nichts falsch zu machen. Das war ihr vertrauter als jedes plumpe Bohren. Ein Teil von ihr entspannte sich unmerklich. Ein anderer blieb wachsam.
Während sie weitergingen, drifteten ihre Gedanken wieder ab. Zu den letzten Tagen. Zu den Nächten, in denen sie zwischen den anderen Frauen gelegen hatte, den Rücken an eine fremde Schulter gelehnt, den Atem eines anderen Menschen in der Nähe. Es war seltsam gewesen. Ungewohnt. Und doch hatte sie zum ersten Mal seit Langem nicht bei jedem Geräusch die Hand angespannt. Freyjas Nähe war unkompliziert, ehrlich. Keine Fragen, kein Drängen. Nur Dasein. Das hatte Mira mehr bedeutet, als sie jemals laut sagen würde.
Der Wald forderte ihren Tribut. Jeder Schritt zog in den Füßen, jede falsche Bewegung erinnerte sie an Muskeln, die nicht für lange Märsche gemacht waren. Ihr Rücken schmerzte dumpf, die Beine fühlten sich schwer an. Sie biss die Zähne zusammen, hielt die Schultern gerade. Nicht schwach wirken. Nicht angreifbar. Sie wusste zu gut, wie schnell Menschen Schwächen rochen. Wie Hunde Blut.
Als Rowan schließlich wieder sprach und sie dieses seltsame, fast erleichterte Lächeln zeigte, erwiderte sie es zögerlich. Nicht, weil sie es nicht fühlte, sondern weil sie ihm nicht ganz traute. Nicht ihm persönlich. Der Situation.
„Eine Geschichte findet sich fast immer,“ sagte sie ruhig, während sie über lose Steine sprang, die er weiträumig umging. „Man muss nur lange genug unterwegs sein.“
Sein Scherz über den Dachsbau ließ sie leise durch die Nase ausatmen. Kein Lachen, eher ein Hauch davon. Sie stellte sich kurz vor, wie dieser große Mann irgendwo feststeckte und jemand wie sie ihn herausziehen musste. Der Gedanke war… seltsam beruhigend.
Als er philosophisch wurde, verlangsamte sie unmerklich ihre Schritte. Seine Frage hallte nach. Was machte einen Helden aus. Anerkennung. Bedeutung. Dinge, die sie nie gesucht hatte und denen sie doch ständig begegnet war, ohne sie je besitzen zu dürfen. Ihr Blick hob sich zu den Baumwipfeln, folgte seinem für einen Moment.
„Vielleicht,“ sagte sie nachdenklich, „sind die Dinge am bedeutungsvollsten, die niemand sieht.“
„Die Entscheidungen, die getroffen werden, wenn kein Applaus wartet.“
Sie dachte an Nächte, an Fluchten, an Momente, in denen sie still gewesen war, wo andere geschrien hätten. An das Überleben als unsichtbare Tat. Als er sie eine Söldnerin nannte, schüttelte sie leicht den Kopf.
„Nein,“ erwiderte sie leise. „So spreche ich nicht. So denkt man, wenn man lange genug gelernt hat, dass man allein nicht weit kommt.“
Auf der Lichtung blieb sie stehen, sah sich um, musterte das Holz, das tatsächlich brauchbarer wirkte als alles zuvor. Als er die Axt zog, ging ein kaum merkliches Zucken durch ihre Schultern. Werkzeuge waren ihr vertraut. Waffen weniger. Sie ließ sich nichts anmerken.
Seine Frage traf sie unerwartet direkt. Ihre grünen Augen hoben sich zu seinen, prüfend, abwägend. Dann zuckte sie leicht mit den Schultern.
„Nicht gut,“ sagte sie ehrlich. „Aber… ausreichend, wenn es sein muss.“
Sie trat näher an einen der trockeneren Äste, legte die Hand daran, als würde sie ihn eher fühlen als sehen. Dann fügte sie hinzu, ruhiger, fester:
„Und ich lerne schnell.“
Kein Prahlen. Keine Herausforderung. Nur eine nüchterne Feststellung.
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| Heimatlose |
| Rowan Fraser |
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| Alter |
31 |
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Söldner |
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Heimatlos |
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Ledig |
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Mim |
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20-02-2026, 19:05 - Wörter:
Mira strahlte eine seltsame Ruhe aus, die Rowan zum einen stutzig machte, aber auch irgendwie beeindruckte. Man hätte meinen können eine junge Frau wie sie wäre bei so einer Reise voll Aufregung und vielleicht so etwas wie Nervosität gewesen - so wie er sie zuvor ein wenig bei Freyja gespürt hatte. Aber dem war nicht so. Wenn er der reißende Fluss war, der sich mit Stiefeln und Schwert einen Weg durch das Gelände suche - wenn es sein musste auch mit Gewalt - so war sie der stille Windhauch, der durch die Blätter wehte und unter dem sich selbst der standhafteste Baum verneigte. Ob sie auch aufbrausend sein konnte? Der Söldner vermochte es nicht zu sagen, denn schließlich kannten sie sich wenig bis gar nicht und ihre Reise dauerte noch nicht besonders lange an. Es kribbelte ihn jedoch in den Fingerspitzen zu erfahren, was außer dieser alten Seele noch in der Rothaarigen schlummern mochte. Wenn seine Menschenkenntnis ihn jedoch nicht vollkommen täuschte, so war er sich sicher, dass sie schon mehr erlebt hatte in ihrem kurzen Leben als sie aussprach. Der Dunkelhaarige erkannte es an dem unwillkürlichen Anspannen ihrer Schultern und dem kurzen Innehalten, das einem weniger aufmerksamen Beobachter vielleicht gar nicht aufgefallen wäre.
Auf ihre Aussage zu den Geschichten hin nickte er, rieb sich dann etwas verlegen wie ein Schuljunge den Hinterkopf. "Bei manchen Geschichten wäre es mir lieber, wenn sie ganz schnell in Vergessenheit geraten..." Er verzog den Mund und dachte dabei an so manches Ereignis, bei dem er sich nicht mit Ruhm bekleckert hatte - eine Übernachtung im Schweinetrog inklusive, nachdem sein Kameraden ihn zum Abschluss seiner Ausbildung so sehr mit Schnaps abgefüllt hatten, dass er nicht mehr gewusst hatte wo er war, geschweige denn wie er überhaupt hieß. Seither rührte er das scharfe Zeug nicht mehr an, trank nur aus Genuss den einen oder anderen Kelch Wein in geselliger Runde.
Kurz blinzelte er, als sie ihm hinsichtlich des Vergleiches mit einer Söldnerin widersprach. "Ich wollte Euch damit nicht kränken. Auf keine Weise." Seine Augenbrauen zogen sich zusammen. In Sachen Konversation mit Frauen hatte er wohl noch einiges an Nachhilfestunden nötig. Nur, wer hätte ihm die geben können? Seinen Cousin Cathal schätzte er in der Hinsicht fast schon genauso unbeholfen ein wie sich selbst, auch wenn der ihm durch seine Verpflichtungen zumindest in Sachen Etikette ziemlich sicher einiges voraus hatte. Rowan aber? Der umgab sich eben die meiste Zeit mit seiner Truppe und an guten Tagen vielleicht noch mit der einen oder anderen Schankmagd in den Tavernen, von denen viele oft in der Hoffnung auf eine oder zwei Münzen mehr leicht zu beeindrucken waren. Zumindest taten sie so. Und er hatte sich bisher keine Gedanken darum gemacht, schließlich wartete auf ihn nichts. Er hatte keinerlei Ländereien, keine Zukunft mit Sesshaftigkeit, die er einer Frau bieten könnte. Darum nahm er eben was er kriegen konnte - niemals mit Gewalt und immer nur in beidseitigem Einvernehmen. Sei es nun ein Lächeln oder ein geteiltes Lager für eine Nacht - schon früh hatte er gelernt, dass er im Moment leben musste und die schönen Seiten des Lebens genießen, wenn sie ihn sich boten. Grau wurden die Tage ohnehin von selbst wieder und das viel zu schnell, das hatte oftmals am eigenen Leib erfahren müssen. Also blieb einen Moment stumm, legte sich seine Worte zurecht, ehe ihm die Frage dann doch über die Lippen kam. "Musstet Ihr euch in der Vergangenheit sehr oft alleine durchkämpfen?" Er sprach nicht aufdringlich, stellte sich auf Verschlossenheit ein, aber in seiner Stimme lag ein sanfter Ton. Als Kind hatte er gelernt was Einsamkeit bedeutete, selbst wenn er von seiner Familie umgeben gewesen war. Wichtig war immer nur Tamlin gewesen, der Stolz des Vaters, der Erbhalter. Und ja, es hatte Momente gegeben, da hatte Rowan seinen Bruder aufs tiefste verachtet, während dieser ihn einfach nur mit kühler Gleichgültigkeit gestraft hatte, als wäre er ein lästiger Klotz an seinem Bein. Erst als er zum Krieger ausgebildet worden war, hatte er das Gefühl gehabt, seinen Platz in der Welt gefunden zu haben.
Rowan räusperte sich leise, während er die Axt etwas fester um den Griff fasste, sie dann aber wieder lockerer ließ, Spannung aus den Fingergliedern und den Knöcheln weichend. Er erwiderte Miras Blick, trat dann ruhig an sie heran und hielt ihr die Axt mit dem Stiel voran entgegen, während sich der scharfschneidige Kopf in seiner Hand befand, darauf achtend, dass er sich nicht daran verletzte. "Ausreichend genügt mir, das ist ausbaufähig." Er wartete bis sie die Waffe, die ihnen nun als Werkzeug dienen würde, an sich genommen hatte und begutachtete den Ast, den sie zuvor noch berührt hatte. "Das Holz hier hat die richtige Konsistenz. Schlagt es am besten nahe am Stamm ab. Nahe, aber nicht ZU nahe. Oft ist der Auswuchs knorrig und der Stahl dringt nicht gut durch die Struktur." Mit der Fingerspitze fuhr er demonstrativ an die dickere Stelle des Astes, wo dieser aus dem Stamm spross. "Der erste Schlag zeigt Euch auch gleich deutlich, ob das Holz fürs Feuer etwas taugt. Wenn es zu feucht ist, enden wir wie ein gut abgehangenes Stück Speck: Ziemlich rauchig."
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| Heimatlose |
| Mira Falren |
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| Alter |
21 |
| Beruf |
Gauklerin |
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Heimatlos |
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20-02-2026, 23:40 - Wörter:
Mira ging weiter neben ihm her, leichtfüßig wie zuvor, als würde der Waldboden sie eher tragen als bremsen. Das gedämpfte Licht zwischen den Stämmen legte sich weich auf ihr Haar, während sie den Blick prüfend durch das Unterholz schweifen ließ. Auf seine Worte hin, manche Geschichten lieber dem Vergessen zu überlassen, entwich ihr ein kurzes, helles Auflachen.
“Das kann ich gut verstehen,” meinte sie und sah für einen Moment zu ihm hinüber, ein warmes Glimmen in den Augen. “Es gibt Erinnerungen, bei denen man sich wünscht, sie wären nie geschehen. Doch gerade diese sind es oft, die uns am meisten lehren. Fehler brennen sich tiefer ein als Erfolge. Und manchmal ist es gut, sich an das Brennen zu erinnern – damit man nicht noch einmal ins Feuer greift.”
Sie hob eine schmale Schulter in einer ruhigen, beinahe nachsichtigen Bewegung und setzte ihren Weg fort. Ein Ast knackte unter ihrem Stiefel, doch sie verlagerte das Gewicht so geschickt, dass das Geräusch kaum mehr als ein Flüstern blieb.
Als er sich für seinen Vergleich entschuldigte, hielt sie kurz inne, wandte ihm den Kopf zu. In ihrem Gesicht lag weder Groll noch Spott.
“Ihr habt mich nicht gekränkt,” sagte sie ruhig, mit fester Stimme. “Wahrlich nicht. Ich weiß, dass Ihr es nicht so gemeint habt. Nur sehe ich mich selbst nicht als Söldnerin. Nicht jede, die gelernt hat, sich zu behaupten, trägt auch das Herz einer Kriegerin in sich.”
Ein schmales Lächeln zog über ihre Lippen. “Manchmal zwingt einen das Leben, Fähigkeiten zu erwerben, die man sich nie gewünscht hat. Doch das macht sie noch lange nicht zu unserer Berufung.”
Sie balancierte über einen niedrigen, moosbewachsenen Stamm, die Arme leicht ausgebreitet, als wäre es das Natürlichste der Welt. Auf seine Frage hin verlor ihr Schritt für einen Herzschlag an Leichtigkeit. Es war kaum sichtbar, nur ein leises Stocken, ein Hauch von Spannung in den Schultern.
Ihre Finger strichen gedankenverloren über die Rinde eines nahen Baumes, während sie überlegte, wie viel sie preisgeben wollte. Schließlich zuckte sie mit den Schultern, setzte ein kleines, beinahe heiteres Lächeln auf und sah ihn an.
“Wer hat es denn heutzutage schon leicht?”
Mit einem spielerischen Anflug von Anmut machte sie auf dem Stamm eine kleine Verbeugung, als hätte sie soeben eine große Weisheit verkündet, und sprang dann wieder hinab. Erst als sie weiterging, wurde ihre Stimme ernster.
“Vielleicht musste ich mich nicht so oft durchkämpfen wie manch anderer,” fuhr sie fort, während ihr Blick wieder nach vorn glitt. “Doch leicht war es nicht immer. Man lernt, mit dem Wind zu gehen, wenn er stärker ist als man selbst. Und manchmal ist Nachgeben keine Schwäche, sondern Klugheit.”
Als er ihr die Axt reichte, nahm sie sie mit beiden Händen entgegen. Das Gewicht überraschte sie schwerer, als sie erwartet hatte. Ihre Finger schlossen sich fester um den Stiel, der rau unter ihren Daumen lag. Einen Moment lang fuhr sie mit diesen prüfend über das Holz, spürte die Unebenheiten, die kleinen Kerben früherer Schläge.
Sie hörte aufmerksam zu, folgte seiner Fingerspitze mit dem Blick, musterte die Stelle, an der der Ast aus dem Stamm wuchs. Dann atmete sie tief ein, verlagerte das Gewicht, hob die Axt über die Schulter.
Der Schlag kam mit so viel Kraft, wie sie aufzubringen vermochte.
Das Metall traf das Holz mit einem dumpfen Klang. Keine tiefe Kerbe entstand, nur ein sauberer, wenn auch flacher Einschnitt. Die Erschütterung fuhr ihr durch die Arme bis in die Schultern, ließ ein unangenehmes Ziehen zurück. Für einen Moment biss sie die Zähne zusammen, ließ sich nichts anmerken.
“Nun,” murmelte sie und betrachtete das Ergebnis mit schief gelegtem Kopf, “es scheint zumindest nicht völlig ungeeignet zu sein.”
Sie hob die Axt erneut, diesmal bewusster, und setzte nach. Der zweite Schlag traf näher an derselben Stelle.
“Und sollte es uns doch zu sehr einräuchern,” fügte sie hinzu, ein feiner Anflug von Belustigung in der Stimme, “so hoffe ich, dass wir nicht wie Euer beschriebener Speck enden. Geräuchert mag ich mein Fleisch mich selbst hingegen weniger.”
Trotz des leisen Brennens in ihren Muskeln blieb ihr Ausdruck gefasst. Sie verstand nun, was er gemeint hatte das Holz gab unter der Klinge nach, wenn auch widerwillig. Und während sie erneut ausholte, lag in ihrem Blick ein stiller, unbeirrbarer Wille, sich weder von der Schwere der Axt noch von der eigenen Unsicherheit beirren zu lassen.
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| Heimatlose |
| Rowan Fraser |
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31 |
| Beruf |
Söldner |
| Wohnort |
Heimatlos |
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Ledig |
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Mim |
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22-02-2026, 22:17 - Wörter:
Miras Worte ließen Rowan nachdenklich und vorerst still zurück. Zwar sprach sie nicht schwermütig, doch er konnte ahnen, dass hinter den so tiefgründigen Worten mehr steckte als einfach nur ein wacher Geist. Nein, so sprach eine Person, die das Gesagte auch am eigenen Leib erlebt hatte und der Söldner war sich fast sicher, dass ihre Erfahrungen in Hinsicht derer Intensität weit über eine Nacht im Schweinetrog hinausgingen. Letztere hatte er sich schließlich durch seine eigene Torheit eingebrockt. Seine Begleiterin schien zwar von Außen mädchenhaft und zart, ließ aber sehr deutlich erahnen, dass sie sich mit Zähnen und Klauen ihren Weg durchkämpfen würde, wenn sie musste. Zumindest hatte Rowan das im Gefühl. Und auch wenn er in so manch anderer Hinsicht ein ordentlicher Tollpatsch mit einem Talent für das Finden von Fettnäpfchen war, so hatte er sich was den Kampfeswillen einer Person anging bisher nur selten getäuscht.
Erleichtert nickte er schließlich, als sie ihm die Sorge nahm, er hätte sie verärgert oder gar gekränkt. "Zumindest bin ich mir sicher, dass jede erworbene Fähigkeit - sei sie nun gewollt oder nicht - ein Gewinn für's Leben ist. Man kann schließlich nie wissen, was einen noch erwartet." Er schmunzelte kurz. "Zum Beispiel ein hungriger Drache. Sei es nun in Form einer matronenhaften Schwiegermutter oder eines Fabelwesens, wie wir es gerade suchen." Er hatte das Wort "jagen" absichtlich nicht verwendet, da er nach dem Gespräch mit Maebh mehr und mehr darüber nachgedacht hatte, wie sehr er den Wünschen des Königs wirklich folge leisten konnte und wollte. Die junge Frau hatte schließlich recht: Wenn es das Tier gab, dann drangen sie in sein bisher unbehelligtes Leben ein und störten dieses, würden ihm vielleicht ein Leid antun, nur weil es sich gegen eben dieses Eindringen wehrte. Rowan hatte es sich nicht eingestehen wollen, doch Tage nach der Konfrontation mit seiner ehemals Geliebten hatten ihn die Gewissensbisse gepackt. Die Reise an sich hatte er dennoch nicht sausen lassen wollte, schon alleine aufgrund der Neugier auf das, was da auf sie warten mochte. Er hatte sich jedoch felsenfest geschworen, nichts zu überstürzen und bedacht - oder so bedacht wie es möglicherweise in der Gegenwart eines riesigen Raubtieres eben ging - an die Sache heranzugehen. Ganz konnte er Miras Aussage dann aber doch auch nicht stehen lassen, obwohl er kurz mit den Gedanken abgeschweift war. "Nun, die Frage ist vielleicht auch: Was macht eine Kriegerin aus? Und nicht jede mutige und starke Frau mag eine Kriegerin sein, aber in jeder Kriegerin steckt eine mutige und starke Frau." Er stockte kurz, sein Blick von Erinnerungen verschleiert. "Ist eine Mutter, die um und für das Leben ihres Kindes kämpft nicht weit mehr Kriegerin, als jene, die für Gold einfach nur Befehle ausführen?" Er selbst konnte sich diese Frage sehr deutlich beantworten, hatte er doch auf dem Schlachtfeld bereits zu viel gesehen. Frauen und Männer, die nur ob des vollen Beutels sinnlose Kämpfe unterstützten und denen es schlussendlich egal war, gegen wen sie ihre Waffe erhoben. Manche machten sogar vor Frauen, Alten und Kindern nicht halt. Wenn Rowan sich im Leben eines geschworen hatte, dann, dass er nie zu dieser Sorte von Söldnern gehören wollte und würde. Eher ließe er sich von seinen Vorgesetzten am Strick hängen.
Während Mira über den Baumstamm balancierte, trat er mit einem großen Schritt darüber und kam dabei fast ins Straucheln, da der Boden darum herum feucht und glitschig war. Der Stamm selbst musste ob des Regens erst vor kurzem etwas an Halt verloren haben, weshalb er ganz froh war, dass die Rothaarige ihn bereits überquert hatte, ehe er selbst dies bemerkt hatte. Auf seine Schritte achtend lauschte er ihr weiter, bekam daher die leichte Veränderung in ihrer Haltung nicht mit. Und wieder einmal hatte sie Recht. Leicht hatte es in dieser Welt wohl niemand, selbst die nicht, die mit dem goldenen Löffel im Mund geboren worden waren. Man brauchte sich nur seinen Cousin Cathal ansehen: Er hatte alles, was man begehren konnte und doch war er alles andere als frei. Dinge waren ihm vorbestimmt, andere Menschen trafen Entscheidungen für ihn und dann war da natürlich auch noch die Sache mit seinem Augenlicht. Rowan mochte zwar von ihnen beiden rein äußerlich gesehen das härtere Leben gehabt haben, aber das seines besten Freundes war auch wahrlich kein Zuckerschlecken. Freiheit konnte man sich schließlich in den meisten Fällen nicht mit Geld kaufen und lieber schlief Rowan auf dem kalten Waldboden und ernährte sich tagelang nur von spärlichen Vorräten, als wie ein Vogel im goldenen Käfig zu sitzen und bei Bedarf zu singen.
Bei ihrem Ziel angekommen und nach der kleinen Einweisung, die er Mira erteilt hatte, beobachtete er die junge Frau nun, wie sie diese umsetzte. Zufrieden nickte er, trat dann seitlich an sie heran. "Wenn Ihr den Stil der Axt weiter vorne haltet, liegt sie sicherer in Euren Händen." Er warf ihr einen Seitenblick zu, nahm dann ihre Hände und positionierte sie näher am Kopf der Axt. "So etwa." Ihre Hände noch in den Seinen hob er schließlich ihren Arm etwas an. "Holt außerdem nicht zu weit aus. Der größere Schwung mag euch zwar etwas mehr Kraft in den Schlag bringen, aber gleichzeitig kostet er Euch auch Zielvermögen. Je öfter Ihr die Kerbe an derselben Stelle trefft, umso leichter könnt Ihr den Ast auch abtrennen." Während er auf ihren zweiten Versuch wartete sah er sich etwas um. "Im Nahkampf gilt übrigens das selbe. Wenn Ihr zu viel Schwung holt bietet Ihr Eurem Angreifer zu lange eine ungeschützte Angriffsfläche."
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| Heimatlose |
| Mira Falren |
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| Alter |
21 |
| Beruf |
Gauklerin |
| Wohnort |
Heimatlos |
| Stand |
Ledig |
| User |
Ana |
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23-02-2026, 21:37 - Wörter:
Mira hatte bemerkt, wie seine Worte nachklangen. Nicht in dem, was er sagte – sondern in dem, was zwischen den Sätzen lag. Sie erwiderte seinen nachdenklichen Blick nicht direkt, doch ein feines, beinahe unsichtbares Lächeln huschte über ihr Gesicht, als er von Drachen sprach.
"Ein hungriger Drache in Gestalt einer Schwiegermutter," wiederholte sie mit einem leisen Schmunzeln. "Ich hoffe, Ihr besitzt ausreichend Rüstung für ein solches Ungeheuer."
Dann wurde ihr Ausdruck wieder sanfter, ernster.
"Doch Ihr habt recht. Man weiß nie, wofür man etwas braucht. Vielleicht sind Fähigkeiten weniger dafür da, uns zu definieren, als uns vorzubereiten."
Sie sagte nichts dazu. Nicht, weil es sie nicht interessierte, sondern weil sie wusste, dass man manche Türen nicht mit Fragen öffnete, sondern mit Geduld.
Der Wald atmete schwer um sie herum. Feuchte Erde, das leise Tropfen von Wasser aus den Zweigen, das ferne Knacken eines Astes unter irgendeinem unsichtbaren Tier. Mira liebte diese Art von Stille. Sie war ehrlich. Sie verlangte nichts und versprach nichts.
Als Rowan von Fähigkeiten sprach, die immer ein Gewinn seien, dachte sie unwillkürlich an all das, was sie gelernt hatte, weil sie hatte lernen müssen. An Nächte, in denen Wachsamkeit wichtiger gewesen war als Schlaf. An Worte, die sie geschluckt hatte, statt sie auszusprechen. An das feine Gespür für Stimmungen, das sie sich angeeignet hatte wie andere das Lesen oder Rechnen.
„Nicht jede Fähigkeit fühlt sich wie ein Geschenk an.“
Es war kein Widerspruch, eher eine Ergänzung. Ihre Stimme war weich, aber nicht brüchig. Sie hatte Frieden geschlossen mit dem, was war. Meistens zumindest.
Als er darüber sprach, was eine Kriegerin ausmache, hörte sie ihm aufmerksam zu. Sie beobachtete die Art, wie er sprach, die leise Schärfe in seinen Worten, wenn es um Gold und Befehle ging. Da lag Überzeugung. Und etwas wie Abscheu.
Er war keiner von denen, die blind folgten. Das gefiel ihr mehr, als sie erwartet hätte.
„Kämpfen zu können, macht noch niemanden zur Kriegerin.“
Sie strich mit dem Daumen über das raue Holz des Axtstiels. Die Splitter waren klein, aber spürbar.
„Entscheidend ist, wofür man es einsetzt.“
Ein kurzer Atemzug, beinahe unhörbar.
„Manche Kämpfe wählt man nicht. Aber man kann wählen, ob man sich von ihnen formen lässt oder verformen.“
Ein flüchtiger Gedanke huschte durch sie hindurch. Wie oft hatte sie sich klein gemacht, um nicht anzuecken. Wie oft hatte sie Stärke gezeigt, nur um nicht zerbrechlich zu wirken. Sie hatte gelernt, präzise zu sein, weil sie es musste. Schnell zu denken. Wenig Angriffsfläche zu bieten.
Als Rowan ins Rutschen geriet, sah sie es im Augenwinkel. Ihr Körper reagierte instinktiv, spannte sich an, bereit, einzugreifen, falls er fiel. Erst als er sich fing, ließ sie die Spannung wieder los. Sie tat, als hätte sie es kaum bemerkt. Doch innerlich registrierte sie jedes Detail. Nasser Boden. Glatte Rinde. Ein Schritt zu viel Schwung.
Auch das war eine Fähigkeit. Nicht wegzusehen.
Bei der Axt legte sie all ihre Aufmerksamkeit in die Bewegung. Das Gewicht zog an ihren Armen, ehrlicher als jedes Wort. Als Rowan ihre Hände korrigierte, ließ sie es zu, ohne Zögern. Sie spürte die Veränderung sofort. Der Schwerpunkt verlagerte sich. Mehr Kontrolle, weniger Ausuferung.
Es war seltsam beruhigend, etwas so Greifbares in den Händen zu halten. Holz. Metall. Widerstand.
Sie hob die Axt erneut. Diesmal ohne Übermut. Der Schlag traf sauberer. Das Holz gab nach, nicht viel, aber genug.
Ein feines Brennen zog durch ihre Schultern. Sie ignorierte es nicht. Sie nahm es wahr. Schmerz bedeutete, dass sie lebte, dass sie arbeitete, dass sie nicht ausweichen konnte.
„Wenn man weniger Kraft hat, lernt man, genauer zu werden.“
Es war mehr als eine Feststellung. Es war eine Wahrheit, die tief in ihr verankert war. Sie hatte nie die Wahl gehabt, sich auf bloße Stärke zu verlassen. Also hatte sie gelernt zu beobachten. Zu warten. Den richtigen Moment zu erkennen.
Sie setzte erneut an. Nicht hastig. Nicht trotzig. Bewusst.
Der zweite Schlag traf die bestehende Kerbe fast exakt. Ein Splitter löste sich und fiel zu Boden. Ein kleiner Erfolg, unscheinbar, aber real.
In ihr breitete sich kein Stolz aus, eher eine stille Zufriedenheit. Kontrolle war ihr lieber als Triumph.
Sie dachte an seine Worte über Mütter, über Entscheidungen. Und zum ersten Mal erlaubte sie sich, ihn nicht nur als Begleiter zu sehen, sondern als jemanden, der ebenfalls Grenzen zog, wo andere sie überschritten.
„Ihr wirkt nicht wie jemand, der für Lärm kämpft.“
Ein kurzer Blick zu ihm, ruhig, aufrichtig.
„Das ist selten.“
Mehr öffnete sie sich nicht. Doch in ihrem Ton lag etwas Neues. Kein Schutz. Kein Ausweichen. Nur Anerkennung.
Dann hob sie die Axt wieder, spürte das Gewicht in ihren Händen, die leichte Müdigkeit in den Muskeln, und führte den nächsten Schlag aus. Nicht stärker als zuvor. Aber sicherer.
Und während das Metall erneut ins Holz schnitt, wusste sie, dass nicht jede Stärke laut sein musste, um Bestand zu haben.
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