28-05-2026, 17:17 - Wörter:
Nachdem ihr Vater ihr eröffnet hatte, dass sie und Niamh nicht bei diesem Essen dabei sein würden am heutigen Abend, hatte sie diverse Türen knallen lassen und war schließlich mit wehendem Rock aus der Festung gestürmt. Natürlich nicht in der Absicht wegzulaufen, aber sie musste den Kopf frei bekommen und sie wollte weder ihren Vater noch Maebh sehen. Also war sie dahin gegangen, wo es sie eigentlich immer hintrieb, wenn sie all das hinter sich lassen wollte: zum Hafen. Sie war zu spät, um den ganz frühen Trubel mitzubekommen. Die Zeit, in der die meisten Leute noch in ihren Betten lagen und der Hafen schon zum Leben erwacht war, weil die ersten Fischer sich aufs Meer wagten. Sie mochte das gerne. Aber am Hafen war immer etwas los und sie war seit dem Mittag hier und hatte einige Schiffe beim An- und Ablegen beobachtet, Hafenarbeiter, die Kisten und Fässer transportierten und manchmal hatte sie einfach nur die Augen geschlossen, um all den Geräuschen hier zu lauschen. Das Zusammenspiel aus der peitschenden See und den Rufen der Hafenarbeiter war eine Mischung, die ihr Entspannung brachte.
Sie konnte nicht verhindern, dass sie trotzdem nachdachte. Sie hatte gehofft, dass sie sich nach und nach weniger ärgern würden, aber es war eher der Gegenteil der Fall. Umso länger sie darüber nachdachte, desto weniger verstand sie, wieso ihr Vater diese Entscheidung getroffen hatte. Angefangen damit, dass Cathal eine Frau verdient hatte, die er liebte und die ihn liebte. Aber das war ja leider etwas, das eben genau so funktionierte. Man heiratete nicht aus Liebe. Man heiratete, weil es sich für die Eltern lohnen sollte. Finanziell oder politisch oder Beides. Und das widerum erinnerte sie daran, dass sie auch irgendwann dran sein würde. Sicherlich nicht heute oder morgen, aber irgendwann eben. Und auch das gefiel ihr nicht. Heute war einfach kein guter Tag. Sie war frustriert, traurig, wütend und sie fühlte sich verraten und abgeschoben von ihrem Vater. Und auf Maebh war sie ohnehin immer sauer. Vielleicht sollte sie sich einfach auf eines dieser Schiffe schleichen und in eine der weit entfernten Städte reisen. Aber Moira mochte zwar jung sein, sie war aber nicht dumm. Sie wusste, dass dort auch nicht alles besser sein würde. Und vermutlich hätte sie Heimweh. Das wollte sie auch nicht.
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