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patience wins hearts, just as it wins battles
02.08.1016 - 21:00
Zephyrs Zimmer im Gasthaus The Gallows, Bellport
Zephyr Athanas Orpheus Castellanos

one decree at a time
*Zephyr Athanas
Alter 37
Beruf Fürst | Hand des Königs
Wohnort Bardon Pass
Stand Verheiratet
User Team
#1
Nach seiner heutigen Unterredung und seinem Besuch beim Fürsten von Bellport, hatte Zephyr noch einen Spaziergang entlang der Hafenanlagen von Bellport unternommen. Er wollte sich selbst ein Bild davon machen, was die Ausläufer der Flutwelle angerichtet hatten. Nunja, das Schiff, mit dem sie zurückreisen würden, war glücklicherweise nicht weiter beschädigt worden, doch die Stege und einige Hafenanlagen waren ganz schön in Mitleidenschaft gezogen worden. Mit etwas Glück konnten sie morgen - oder spätestens übermorgen schon wieder aufbrechen. Er mochte sich gar nicht vorstellen, wie es in Dharan al-Bahr aussah, wo die Welle mit aller Macht ins Land geströmt war. Dennoch - wie es heiß, schickte König Ridvan seine Männer aus der Stadt in Richtung Abu Kabir um sie dort per Schiff nach King's Portal zu bringen. Gut so... sie konnten dort jeden Mann brauchen. Vorallem aber saß Zephyr auf glühenden Kohlen, weil er fürchtete, dass sein Land IHN brauchte. Augusto war der Lage bestimmt nicht Herr. Leandros noch weniger. Die anderen Berater rannten möglicherweise herum wie kopflose Hühner und auch Orpheus war hier bei ihm, anstatt vor Ort die Dinge in die Hand zu nehmen. Das war natürlich eine unglückliche Fügung und Zephyr schalt' sich selbst. Er hätte es besser wissen müssen. NATÜRLICH gab es einen Angriff genau dann, wenn die einzigen, die mit so einer Lage ansatzweise umgehen konnten, außer Landes waren.

Am heutigen Abend saß Zephyr noch in seinem gut ausgestatteten Zimmer im besten Gasthaus von Bellport und arbeitete an einigen Schriftstücken und Gedanken, die er unbedingt festhalten wollte. Auch schrieb er einen Brief an Ferun, auf die er glücklicherweise daheim in Bardon Pass zählen konnte. Sie hatte ihn umgehend über das Eintreffen der Fürstenfamilie von Eastergold Meadow informiert und er musste sie anweisen, alles zu tun, damit die Familie sicher untergebracht war. Am liebsten hätte er sie sofort nach King's Portal bringen lassen, aber der Weg dorthin war weit und ohne Schutz eher nicht anzutreten. Nicht jetzt. Und er konnte auch nicht seine eigenen Männer mit Familie Trakas losschicken, da diese Bardon Pass halten mussten, sollte Walleydor sich entschließen, weiter nach Süden vorzustoßen.
Als es klopfte hatte Zephyr beinahe schon die Zeit vergessen. Er merkte, wie dunkel es in seiner Stube geworden war und machte sich mit einem vernehmlichen Hm?!, bemerkbar. Einer seiner Wachposten öffnete die Tür. "Euer Gnaden, Prinz Orpheus ist hier und-" Zephyr ließ ihn nicht ausreden. "Prinz Orpheus und Prinzessin Desdemona dürfen immer in meine Kammer eintreten; schick ihn also rein..." Hach, diese übergenauen Wachen. Naja, besser so, als anders, nicht wahr?

Zephyr nahm einen langen Holzscheit von dem kleinen Feuer, das sein Zimmer wärmte und erhellte und zündete damit ein paar zusätzliche Kerzen an, damit sie einander wenigstens sehen konnten beim Sprechen. Natürlich wunderte Zephyr sich, was Orpheus um diese Zeit noch von ihm wollen könnte. Der Junge steckte regelmäßig voller Überraschungen, von daher war im Wesentlichen mit allem zu rechnen. Vielleicht hatte er sich die Schnapsidee, durch Farynn reisen zu wollen, wenn sein Land im Krieg war, wieder aus dem Kopf geschlagen. Er konnte natürlich tun und lassen was er wollte - Zephyr musste es billigen, aber nicht unkommentiert lassen. Da sie zehn Jahre ihres Lebens miteinander verbracht hatten, waren sie untereinander ganz vertraulich und duzten sich auch gegenseitig. Und als Orpheus schließlich sein Zimmer betrat, wallte wieder einmal der Wunsch nach einem echten, eigenen Sohn in Zephyr auf. "Komm rein, Orpheus, aber schließ' bitte die Tür hinter Dir. Verdammtes Farynn, ich hasse diese feuchte Kälte!" Natürlich merkte man auch in Farynn, dass es gerade Hochsommer war. Dennoch war es im Vergleich zu Castandor hier ungemütlich, schmuddelig und gefühlt immer nasskalt. "Du wolltest mich sehen?", fragte er und bot ihm einen Platz im Raum an, den er sich natürlich frei aussuchen konnte. Möglichkeiten gab es ja reichlich in dem luxuriösen Zimmer.
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Orpheus Castellanos
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#2
So gerne Orpheus auf Reisen war und andere Länder besuchte, so ungern fuhr er über das Wasser. Er konnte tagelang im Sattel sitzen, wenn es sein musste, und schlief auch auf einer harten Unterlage, wenn nichts anderes verfügbar war. Doch mit dem Schiff zu reisen, stellte für den jüngsten Sohn des Großkönigs eine seiner größten Herausforderungen dar. Und unter normalen Umständen versuchte er auch eine Schiffsreise möglichst zu vermeiden, gab es ja genügend Landwege, welche ebenfalls an das gewünschte Ziel führten, auch wenn es länger dauerte als per Schiff.

Doch dieses Mal hatte er eine Ausnahme gemacht, denn er wollte seiner Schwester Desdemona die Bitte nicht abschlagen, sie zu ihrem Treffen mit dem Kronprinzen des Herbstlandes zu begleiten, denn Orpheus konnte sich durchaus vorstellen, wie es seiner Schwester dabei ging. Zwar war die Hand des Königs, Zephyr, an ihrer Seite, doch Orpheus stand ihr als ihr Bruder dann doch näher und hatte ein ähnliches Schicksal vor sich wie sie, nämlich die Hochzeit mit einer fast unbekannten Person.

Somit ging der Prinz zusammen mit seiner Schwester und Zephyr an Bord eines Schiffes, um die zweitägige Reise nach Bellport anzutreten, wobei Orpheus die komplette Fahrt über in seiner Kajüte verbrachte, weil er einerseits seekrank wurde und anderseits nicht imstande war, auch nur einen Fuß an Deck zu setzen, wenn nichts als Wasser um das Schiff herum zu sehen war. Aber auch unter Deck war das Geschaukel kaum auszuhalten und er wäre am liebsten gestorben. Doch als Orpheus dachte, sein letztes Stündlein hätte geschlagen, hatten sie den Hafen von Bellport erreicht.

Als er endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatte, atmete Orpheus auf und war froh als sie auf dem Landweg weiter in die Hauptstadt Three Rivers reisten. Doch richtig genießen konnte er die Reise nicht, denn die Ereignisse schienen sich zu überschlagen. Noch bevor sie die Hauptstadt erreichten, gingen die Gerüchte um, es hätte einen Angriff auf Eastergold Meadow gegeben. Was das im Einzelnen bedeutete, erfuhren sie dann in Three Rivers am eigenen Leib, denn die geplante Verbindung zwischen Castandor und Farynn wurde kurzerhand aufgelöst, mit dem Hinweis, sie wollten sich auf keine Seite stellen, wenn sich das Königsland im Krieg befand.

Krieg! Allein das Wort ließ den jungen Prinzen erschaudern, auch wenn er noch nicht erfassen konnte, was das im Einzelnen für ihn und seine Familie bedeuten würde. Doch ihn beschlich ein ungutes Gefühl, dass der Überfall der Anfang von etwas sehr Großem sein würde, was sein bisher doch recht beschauliches Leben grundlegend auf den Kopf stellen würde.

So reisten die drei unverrichteter Dinge wieder ab und bezogen jeder ein Zimmer in einem Gasthaus in Bellport, um auf das nächste Schiff zu warten. Der Ausläufer einer Flutwelle hatte den Hafen getroffen und während Zephyr die Hafenanlage inspizierte, hatte Orpheus sich in sein Zimmer zurückgezogen, um in einem Buch, welches er mitgenommen hatte, zu lesen. Die Aussicht, am nächsten oder übernächsten Tag erneut auf das schwankende Ungetüm namens Schiff steigen zu müssen und nichts als tiefes Wasser um sich zu haben, bescherte dem jungen Prinzen Bauchschmerzen. Kaum konnte er sich auf den Text des Buches konzentrieren, denn seine Gedanken kreisten ständig um mehrere Dinge, die Schifffahrt, seine bevorstehende Vermählung mit Prinzessin Naila und den Kriegsausbruch. Und auch, wenn Orpheus sein Gewissen plagte, dass er unverzüglich nach King’s Port abreisen sollte, um das Königshaus zu unterstützen, hatte er den Entschluss gefasst, lieber auf dem Landweg weiterzureisen und somit noch ein wenig mehr Zeit in Farynn verbringen zu können. Zephyr war alles andere als begeistert über diesen Entschluss gewesen, doch hatte er bisher noch nicht allzu viel dazu gesagt, da sie auch noch nicht abschließend darüber gesprochen hatten. Doch nun war Orpheus sich sicher, dass er nicht noch einmal auf dieses Schiff steigen wollte. Wobei er sich selbst nicht eingestehen wollte, dass er die Rückkehr nach King’s Port so lange wie möglich aufschieben wollte, um sich mit seiner zukünftigen Braut noch nicht beschäftigen zu müssen.

Schließlich wurde es zu dunkel zum Lesen und Orpheus klappte das Buch zu, doch um schlafen zu können, war er zu unruhig. Tausend Dinge schwirrten ihm im Kopf herum, sodass er eine Weile im Zimmer herumtigerte, bevor er sich dazu entschloss, seinem Ausbilder, guten Freund und Berater des Königs einen abendlichen Besuch abzustatten. Zephyr war dem jungen Prinzen in den Jahren seiner Ausbildung mehr ein Vater gewesen, als sein leiblicher Vater Augusto es je war und Orpheus vertraute ihm blind.

Orpheus öffnete die Tür seines Zimmers und gab dem Wachposten zu verstehen, dass er bleiben sollte, wo er stand, während er über den Gang hinüber zu Zephyrs Zimmer lief. Vor dessen Tür stand ebenfalls ein Wachposten, sodass der Prinz diesem nun sein Anliegen, seinen Freund besuchen zu wollen, unterbreitete. Der Posten klopfte sogleich an die Tür und bevor er ihn vollständig angekündigt hatte, war bereits Zephyrs Stimme aus dem Inneren zu vernehmen, die bestätigte, dass Prinz Orpheus und Prinzessin Desdemona immer Zutritt hätten.

Der dunkelhaarige Prinz betrat den geräumigen Raum, als der Wachposten die Tür geöffnet hatte und schloss sie hinter sich, wie Zephyr gebeten hatte. Orpheus konnte die Aussage des Beraters über das Wetter durchaus bestätigen. In Castandor war es einfach das ganze Jahr über angenehm warm und hier kroch einem auch im Sommer noch die Feuchtigkeit in die Glieder. Doch sein Kopf war viel zu voll mit Gedanken, als dass Orpheus sich jetzt über das Wetter unterhalten wollte.

Den angebotenen Platz nahm Orpheus gar nicht wahr, denn er fühlte sich viel zu unruhig, um sitzen zu können. So tigerte der junge Prinz nun in Zephyrs Zimmer auf und ab, kaute dabei auf seiner Unterlippe herum und versuchte die richtigen Worte zu finden. „Entschuldige die späte Störung“⁣, begann er schließlich und blieb kurz stehen, um dann seinen Rundgang fortzusetzen.

„Meinst du, die Hochzeit wird verschoben, wenn es jetzt zum Krieg kommt?“, platzte Orpheus schließlich heraus und blickte seinen väterlichen Freund mit großen Augen an, während er weiterhin auf seiner Unterlippe herumkaute. „Kann ich dann in Farynn bleiben? Ich würde gerne noch nach Avonston Green reisen.“
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*Zephyr Athanas
Alter 37
Beruf Fürst | Hand des Königs
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#3
Nachdem er einige verfügbare Kerzen angezündet hatte und sich gerade wieder setzen wollte, fiel ihm auf, dass sein Schützling es vorzog, stehen zu bleiben. Nun, genau genommen stand er nicht herum, sondern tigerte von einer Ecke in die nächste, wie ein unruhiger Löwe im Käfig. Zephyr hob eine Augenbraue, denn er fragte sich, was so plötzlich in Orpheus gefahren war. Dann erinnerte er sich wieder, dass Orpheus ein sehr verkopfter junger Mann war. Das schränkte die möglichen Antworten nicht weiter ein. Es konnte alles mögliche sein, das ihm auf der Seele lag. Um ihn erst einmal zu beruhigen, wiederholte Zephyr das Sitzangebot nun verbal. "Bitte, nimm' doch Platz...", bat er den Jüngeren und nahm selbst Platz. Alt war er zwar noch nicht, doch die vielen Verpflichtungen und Sorgen machten auch ihm oft das Herz schwer - und die Beine. Nach einem Tag, den man im Gespräch mit einem Fürsten, in Zierrüstung und immer unter Anspannung verbracht hatte, merkte er, dass er nicht mehr Anfang 20 war. Er ging stark auf die 40 zu und spürte leider hier und da die ersten Zipperlein. Er nahm daher wieder Platz und versuchte, Orpheus' Unruhe zu ignorieren, oder ihr zumindest Raum zu geben.

Orpheus entschuldigte sich zunächst für die späte Störung, was Zephyr mit einem angedeuteten Kopfschütteln abtat. "Du weißt, ich stehe Dir zu jeder Tages- und Nachtzeit zur Verfügung...", erklärte er. Ja, Orpheus wusste das und hatte es vermutlich nur der Höflichkeit halber gesagt. Dennoch wollte Zephyr ihm diese Rückversicherung geben. Denn er schien gerade jemanden zu brauchen, der ihn auffing und für ihn da war. Forschend untersuchte er das Gesicht des Castellanos-Sprosses, als dieser sich erkundigte, ob die Hochzeit verschoben würde. Zephyrs Augen verengten sich während er zu erkennen versuchte, ob da ein Hoffnungsschimmer in Orpheus' Augen aufblitzte. "Nicht, wenn ich es vermeiden kann.
Wir sollten im Gegenteil auf eine rasche Vermählung drängen. Nicht, dass Matariyya auch noch auf die Idee kommt, sich aus unserem Krieg heraushalten zu wollen..."
, antwortete Zephyr ohne lange nachdenken zu müssen. "Ich kann Dir nicht sagen, ob wir genug Zeit haben, um eine angemessene Feier anzuberaumen. Wir müssen einfach sehen, wie schnell Ridvan seine Tochter aufs Festland schickt und für diesen Zeitpunkt die Feierlichkeiten ansetzen. Nunja, eine sonderlich große Feier wird es ohnehin nicht werden können - auf Gäste aus Walleydor und Norsteading sollten wir wohl verzichten..." Bei seinen letzten Worten versuchte er, die dünnen Lippen zu einem Lächeln auseinanderzuziehen. Vielleicht heiterte es Orpheus ja ein kleines bisschen auf. Doch ehrlich gesagt waren die Aussichten seiner Meinung nach nicht allzu rosig.

Dann erkundigte Orpheus sich jedoch danach, ob er weiterhin in Farynn würde bleiben können. Er wolle nach Avonston Green reisen. Zephyr verzog das Gesicht. "Warum denn ausgerechnet dorthin? Avonston Green ist die erste Stadt nach der Grenze zu Walleydor. Man könnte Dich erkennen...
Naja, wenn Farynn Wort hält und sich neutral verhalten möchte, können sie Dir natürlich nichts tun und auch keine kriegerischen Auseinandersetzungen auf ihrem Grund und Boden dulden, aber... ich weiß nicht, wie sicher wir uns sein können..."
, gab Zephyr seine Überlegungen preis. Er konnte sich schon vorstellen, dass das nicht die Antworten waren, die Orpheus sich vorgestellt hatte. Vermutlich hatte er eher an "Natürlich verschieben wir die Hochzeit, du kannst also so viel reisen, wie du möchtest" gedacht. Doch Zephyr war niemand, der einem falsche Illusionen machte. Er sagte einfach das, was er dachte. Ungeschönt.

"Ich verstehe, dass alles anders läuft, als Du es dir vorgestellt hast. Mir geht es auch so. Und ich verstehe, dass wir über Dein Leben sprechen und nicht meines. Hier also mein Rat.
Du bist ein Prinz von Castandor und musst nur Rechenschaft gegenüber deinem Vater, dem Religionsführer und Heofader selbst ablegen. Es steht Dir also frei, in Farynn herumzureisen.
Mir persönlich wäre es natürlich lieber, wenn Du mit Desdemona und mir zurück in die Hauptstadt kommen würdest. Ich brauche Dich dort - als das Gesicht unseres Landes. Als Galionsfigur unseres Krieges.
Verstehst Du nicht, dass das deine große Chance ist, Dir einen Namen zu machen? Noch vor Leandros? Du kannst das Gesicht des Sieges über Walleydor werden und Dir damit vielleicht einen Thron erkämpfen.
Reisen kannst Du immer noch, wenn wieder Frieden herrscht. Oder wenn Du deine neue Frau in Farynn vorstellen möchtest..."

Zephyr endete und verschränkte die Hände vor dem Bauch während er abwartete, was Orpheus dazu zu sagen hatte.
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Orpheus Castellanos
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#4
An manchen Tagen fühlte sich sein Kopf an, als wäre er doppelt so groß, so voll war dieser mit schweren Gedanken, die den jungen Prinzen plagten. Schon als Kind war Orpheus eher nachdenklich und ernst gewesen, ganz anders als sein älterer Bruder, der bei allem den Spaß bevorzugte. Manches Mal hätte der Jüngere sich gewünscht, das leichtere Gemüt zu haben und die Dinge einfach so zu nehmen, wie sie eben waren, anstatt sie zu zerdenken. Denn das brachte Orpheus oftmals in eine Art Melancholie, wenn er Dingen oder Situationen zu viel Raum gab und sie dadurch größer machte, als es nötig war.

So ging es ihm nun auch mit der bevorstehenden Hochzeit. Anstatt sich einfach damit abzufinden, was unausweichlich war und das Beste daraus zu machen, ließ Orpheus der Gedanke an seine zukünftige Braut nachts wach liegen. Denn was wäre, wenn sie sich nicht ausstehen konnten und ein ganzes Leben miteinander verbringen mussten? Was wäre, wenn sie einfach kein Gesprächsthema finden würden und niemals miteinander reden konnten? Was wäre, wenn er sich vor Naila blamierte, weil er nicht die richtigen Worte fand und sie ihn für dumm hielt? Was wäre, wenn er in der Hochzeitsnacht versagte und sie ihn erst recht für unfähig hielt? Was wäre, wenn …

Und so ging es unentwegt weiter und je länger Orpheus darüber grübelte, was alles sein könnte, umso schlimmer wurde seine Panik vor der bevorstehenden Hochzeit. Das war auch der Grund gewesen, warum der junge Prinz lieber eine Fahrt über das Meer in Kauf genommen hatte, als in King’s Portal zu bleiben, um seine Verlobte näher kennenzulernen. Somit kam die Reise nach Farynn recht gelegen, auch wenn Orpheus natürlich auch seiner Schwester zur Seite stehen wollte. Das gab dem jungen Mann die Gelegenheit, seine bevorstehende Hochzeit für eine Weile zu vergessen.

Doch nachdem sie unfreiwilliger Weise nun so schnell wieder auf der Rückreise waren, drängten sich die Gedanken an Naila und die Hochzeit wieder penetrant in den Vordergrund und ließen Orpheus keine Ruhe finden. Hinzu kamen die besorgniserregenden Berichte über den unweigerlich bevorstehenden Krieg, was seine Unruhe nicht unbedingt besser machte. Dennoch war das eine Übel vielleicht mit dem anderen Übel bis auf Weiteres abwendbar. Denn wer wollte schon eine Hochzeit feiern, wenn Krieg vor der Tür stand?

Als Orpheus es nicht mehr aushielt, suchte er seinen väterlichen Freund und Mentor Zephyr auf und konnte vor lauter Unruhe keinen Sitzplatz finden. Erst bei Zephyrs zweiter Aufforderung ließ er sich schließlich in einem der Sessel nieder, knetete dabei seine Finger, und platzte schließlich mit der alles entscheidenden Frage heraus.
Allerdings fiel Zephyrs Antwort nicht so aus, wie der junge Prinz es sich erhofft hatte. Orpheus sackte etwas in dem Sessel zusammen und wirkte mit einem Mal so hilflos, wie er sich im Angesicht der unvermeidlichen Ereignisse, die ihm bevorstanden, auch fühlte. Dennoch musste er zugeben, dass Zephyrs Antwort die einzig richtige war, denn Castandor konnte es sich nicht leisten, zu riskieren, einen Verbündeten zu verlieren. Und dabei ging es nicht um sein eigenes Wohl, sondern das des ganzen Königreiches, das war dem Zweitgeborenen durchaus bewusst.

„Ich verstehe“, sagte Orpheus leise und senkte den Kopf, so dass seine dunklen Locken in seine Stirn fielen. Ihm war es sehr unangenehm mit Zephyr über seine Gefühle zu sprechen, dennoch war der Ältere der engste Vertraute, den er hatte und der ihm mehr ein Vater war, als sein eigener es je sein konnte. „Ich brauche keine große Feier.“ Als Zephyr meinte, dass sie auf Gäste aus Walleydor und Norsteading wohl verzichten sollten, blickte der Junge auf und sah ihn an. Erst langsam begriff Orpheus wirklich, in was für einer Lage sich Castandor befand, denn bisher hatte er sich weitestgehend aus den politischen Geschehnissen herausgehalten. Immerhin war er weder der König, noch der Thronfolger. Auch wenn ihn Politik durchaus interessierte und er mit Zephyr hin und wieder darüber gesprochen hatte, war ihm nie in den Sinn gekommen, dass er vielleicht mal selber die entscheidende Rolle würde spielen müssen.

Zephyrs Begeisterung über Orpheus‘ Pläne nach Avonston Green zu reisen, hielten sich mehr als in Grenzen. Ganz im Gegenteil hielt er es nicht für besonders klug, ausgerechnet diese Stadt zu besuchen. Der Prinz hob die Schultern. „Na, weil ich dort noch nicht war“, gab er als Erklärung auf die Frage seines Freundes an. Er hätte auch sagen können, „weil ich die Rückkehr nach Hause so lange wie möglich aufschieben will.“

Die Erklärung seitens der Hand des Königs, welche daraufhin folgte, war sachlich und durchaus nachvollziehbar, dennoch ließ sie Orpheus erblassen. Er sollte die Galionsfigur des Krieges sein? Sich einen Namen machen und den Thron besteigen, wenn sie siegreich waren? Der Prinz schluckte hart, als Zephyr geendet hatte und ihn erwartungsvoll ansah. „Wie kannst du sowas sagen, wenn nicht ich, sondern Leandros der Thronfolger ist? Er ist dafür geboren, eines Tages König zu sein. Er sollte doch die Truppen Castandors zum Sieg führen. Er... mein Bruder. Nicht ich. Sollte ich ihn nicht in allem unterstützen? Wie kannst du dir so sicher sein, dass ich derjenige sein sollte, der an seiner statt dort triumphiert?“

Orpheus verstummte und blickte auf seine ineinander verschränkten Finger, denn Zephyr hatte eigentlich nur das ausgesprochen, was sich schon seit längerer Zeit abzeichnete und ihm auch irgendwie klar war, auch wenn er sich das bisher nicht eingestehen wollte. Dass Leandros sich nicht unbedingt dafür zu eignen schien, die Nachfolge des Königs anzutreten. Ihm schienen die Regierungsgeschäfte nicht wichtig zu sein und da wo Orpheus ein offenes Ohr für die Belange des Volkes hatte, war Leandros schnell gelangweilt und schielte lieber dem nächsten Rock hinterher. Dennoch war er der Erstgeborene und somit der Thronfolger. Und er würde auch dieses Privileg nicht einfach so aufgeben, da war Orpheus sich sicher. Und mit seinem Bruder zu brechen, war ein Gedanke, der dem jungen Prinzen erst recht Bauchschmerzen verursachte.

Als Zephyr seine neue Frau erwähnte, seufzte der Prinz leise auf. Das nächste Thema, welches ihm auf der Seele lastete. „Meine neue Frau“, murmelte Orpheus und kaute auf seiner Unterlippe herum. „Was ist, wenn sie mich nicht leiden kann? Oder ich sie? Wenn … wenn ich sie enttäusche? Wenn ich das nicht schaffe ...das ... nach der Hochzeit?" Sein Kopf sank noch ein Ticken weiter nach unten, damit Zephyr nicht sah, wie seine Wangen glühten, als er versuchte das auszudrücken, wovor er sich am meisten fürchtete.
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*Zephyr Athanas
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User Team
#5
Zephyrs Blick wurde ein wenig weicher, als er erkannte, wie sein Schützling im Sessel immer weiter schrumpfte und in sich einsank. Sein Mundwinkel zuckte und er blickte selbst kurz betroffen auf den Boden, erforschte die einfachen Dielen und die kleinen Löcher, die vermutlich von irgendwelchen Schädlingen hineingefressen worden waren. "Ich weiß, was Du denkst, Orpheus. Aber dies ist unser Schicksal - wir müssen über unsere eigenen Belange hinaus wachsen. Weit hinauswachsen. Das ist nicht fair und nicht leicht... aber das hebt Dich von deinem Bruder ab, verstehst Du?" Leandros war derjenige, der es sich auf seiner faulen Haut bequem machte; der im gemachten Bett liegen blieb und das Leben bestmöglich auskostete. Doch irgendwann, da war Zephyr sicher, würde es ihn noch seinen Kopf kosten. Den Thron hatte es ihn bereits gekostet, wenn man Zephyr fragte. Nicht wortwörtlich, denn Leandros war dem Namen und Gesetz nach immer noch Kronprinz. Doch jeder wusste, dass ein Orpheus Castellanos die einzige Chance für die ganze Dynastie der Castellanos war. Er war derjenige, der den Namen wieder ins Licht würde führen können. Zephyr sah das bereits seit Jahren und war gewillt, dem Jungen den Weg zu ebnen, wo immer es möglich war.

Orpheus räumte dann ein, dass er keine große Feier brauchte und Zephyr nickte ihm zustimmend und anerkennend zu. "Wir dürfen sie dennoch nicht ZU klein und ZU banal werden lassen - allein schon um Ridvan oder dessen Gemahlin nicht zu beleidigen. Ich bezweifle, dass sie persönlich anwesend sein werden, doch man wird ihnen alles zutragen, was sich hier abspielt. Alles, glaube mir.", warnte er den jungen Prinzen weiter. Nicht, weil er noch mehr Druck auf ihn aufbauen wollte. Aber ihm musste einfach klar sein, dass die Abwesenheit der ben Sahids nur körperlicher Art war.

Als Orpheus ihm bezüglich einer möglichen Reise nach Avonston Green beinahe schon trotzig antwortete, lehnte Zephyr sich in seinem Sessel zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Es gab sehr viele Orte, an denen Orpheus noch nicht gewesen war. Aber das machte es nicht grade zu einer guten Idee, als nächstes dorthin zu gehen. Genauso gut würde man ihn jetzt auch nicht nach Spring's Court oder Wintergard schicken - wobei er in beiden Städten natürlich schon bei diversen Feierlichkeiten gewesen war. Es gab jedoch von Seiten des Fürsten nichts weiter hinzuzufügen. Seine vorherigen Aussagen waren vollumfänglich und eindeutig.

Orpheus empörte sich als nächstes über Zephyrs Pläne, ihn zum Gesicht des Kriegs heranziehen zu wollen. Es war ja rührend, wie Orpheus sich zu seinem Bruder bekannte, doch Zephyr ließ das trotzdem kalt. Er war schon immer ein äußerst nüchterner und wenig emotionaler Mensch gewesen. "Ich bezweifle, dass dein Bruder genug Pathos und Charisma hat, um ein Volk hinter sich zu vereinen. Oder auch nur eine zusammengewürfelte Armee...", tat er die Sache mit Leandros schnell ab und beugte sich in seinem Sessel vor um noch eindringlicher auf Orpheus einreden zu können. "Aber Du, Orpheus, Du hast diese Fähigkeiten in Dir! Zu Dir blicken die Menschen auf; sie betrachten Dich mit Achtung und Respekt. Dein Vater und dein Bruder haben den Ruf der Familie weitgehend ruiniert. Du bist die letzte Karte, die wir in diesem Spiel noch auszuspielen haben. Du bist der Einzige, dem die Massen treu folgen würden, wenn es hart auf hart kommt.
Auf diese Weise könntest Du deine Familie noch vor dem Untergang befreien..."
, fand er ausgesprochen klare und deutliche Worte. Er wollte Orpheus ja keinen Angst machen... doch nach Zephyrs Meinung ging es dem frühlingsländischen König nicht nur um dieses lächerliche Fürstentum Eastergold Meadow. Es war ein Affront gegen die Castellanos, gegen Castandor und alle Traditionen, die jahrhundertelang von allen akzeptiert und hingenommen wurden. Zephyr befürchtete sogar, dass es dem frühlingsländischen König darum ging, die anderen Länder gegen Castandor aufzubringen - nur um die Familie Castellanos zu stürzen und selbst jemanden als Großkönig zu stellen. Sich selbst oder seinen verzogenen kleinen Sohn. Wie sollte er das Orpheus noch deutlicher zu verstehen geben? Sie schwebten alle in Gefahr.

Dann offenbarte sich jedoch, wo Orpheus' Schwächen lagen. Mangelndes Selbstbewusstsein. Er sorgte sich um seine Frau, die Ehe und nunja, die Hochzeitsnacht. Zephyr legte den Kopf schief und betrachtete seinen jungen Schützling genaustens. Hatte Orpheus etwa noch nie.. ein Hurenhaus besucht? Wäre es an ihm gewesen, Orpheus darauf vorzubereiten, was die Ehe mit sich bringen würde? Er seufzte aus und wandte kurz nachdenklich seinen Blick von dem Prinzen ab. "Ich bin mir sicher, dass Naila als Angehörige ihres Landes dazu erzogen wurde, ihrem Gemahl zu dienen und in jeder Hinsicht für ihn da zu sein...", war die überlegte Antwort, die er zunächst von sich gab. Sicherlich - Naila würde nach außen die perfekte Ehefrau spielen, da war Zephyr sich sicher, auch wenn er die Prinzessin noch nicht allzu gut kennengelernt hatte. Doch das schien Orpheus alles weniger zu interessieren. Ihn kümmerte ganz offensichtlich, was sich hinter den Kulissen abspielte. "Nunja, es ist oft so, dass Paare erst zueinander finden müssen. Gerade auch in unseren Kreisen. Man hat nicht immer Zeit, sich wirklich kennenzulernen und eine Ehe verlangt viel Arbeit und viel Zuwendung... gerade dann, wenn sie sehr fruchtbar sein soll..." Es schmerzte ihn selbst, diese Worte zu sagen. Seine eigene Ehe war zwar für ihn sehr erfüllend - und er nahm auch an, dass Ferun mit ihm zufrieden war. Doch bisher hatte ihre Verbindung leider noch keine Früchte getragen. Orpheus wusste bestimmt, wie sehr es Zephyr schmerzte, noch immer keinen eigenen Sohn zu haben. Doch für einen König war dies noch ungleich weniger akzeptabel. "Ich bin sicher, dass Du sie mit deinem Wissen für Dich gewinnen kannst. Du bist gebildet und jederzeit in der Lage, dich in weitere Gebiete einzuarbeiten. Versuche einfach, herauszufinden, wofür sie sich interessiert. Und Dir dieses Wissen anzueignen, um mit ihr auf Augenhöhe darüber sprechen zu können.
Versuche aber auch, sie für Deine Anliegen zu interessieren und gib ihr die Möglichkeit, sich ebenfalls in diese Themen einzufinden..."
, riet er ihm mit ruhiger und überzeugter Stimme. Tja... und was den Rest anging... "Wäre Dir wohler, wenn ich ein Mädchen auswähle, das Dich in alles einweisen könnte..?", fragte er frei heraus. Noch waren sie nicht verheiratet, also konnte man auch nicht von einem Ehebruch sprechen. Vorallem nicht, wenn es eigentlich nur um des Lernens Willen geschah...
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Orpheus Castellanos
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Orpheus saß still da, wobei seine Gedanken wild durcheinanderwirbelten, während er Zephyr zuhörte. Sein nachdenklicher Blick verlor sich in den Linien des Dielenbodens, während er versuchte, die Worte zu verarbeiten und spiegelte die schweren Gedanken wider, die ihn beschäftigten. Er kämpfte dagegen an, sich nicht von dem Druck überwältigen zu lassen, der auf seinen Schultern lastete - die Erwartungen seines Mentors, die Verantwortung für die Zukunft seiner Familie, die Unsicherheiten bezüglich seiner bevorstehenden Ehe.

Ein Teil von ihm wollte sich gegen die Vorstellung wehren, dass sein Schicksal bereits vorherbestimmt sei, dass er dazu bestimmt sei, die Fehler seiner Familie auszubügeln und sie sozusagen vor dem Untergang zu bewahren, auf den sein Vater und vor allem auch sein Bruder ungebremst zusteuerten. Doch ein anderer Teil von ihm konnte nicht umhin, die Wahrheit in Zephyrs Worten zu erkennen. Er konnte sich weiterhin was vormachen oder den Tatsachen irgendwann ins Auge blicken und dementsprechend handeln.

Bei Zephyrs Bemerkung über die wahrscheinliche Abwesenheit des Königspaares aus dem Sommerland bei den Feierlichkeiten und die Tatsache, dass es wichtig war, die Eltern von Naila nicht zu beleidigen, indem man die Feier zu klein ansetzte, nickte Orpheus. Ihm war klar, dass trotz der ganzen Kriegsvorbereitungen oder gerade wegen ihnen, nicht vergessen werden sollte, dass Matariyya ein wichtiger Verbündeter von Castandor war. Und dass es deshalb umso wichtiger war, dass die Hochzeit ein voller Erfolg wurde und die ben Sahids ihre Tochter in einer guten Beziehung wussten. Das machte das Ganze nicht weniger schwierig für den jungen Prinzen, denn ihm war die Wichtigkeit seiner Rolle als Nailas Ehemann durchaus bewusst.

Als Zephyr von seiner potenziellen Rolle als Anführer sprach, spürte Orpheus einen Kloß in seinem Magen. Die Vorstellung, dass möglicherweise so viel von ihm abhing, war überwältigend und er hatte nie den Drang verspürt, ein Anführer zu sein. Im Gegenteil sehnte er sich danach, einfach nur ein normaler junger Mann zu sein, frei von den Verpflichtungen und Intrigen des königlichen Lebens. Doch allem abzuschwören und seiner Familie und seinem Land den Rücken zu kehren, um anderswo ein Leben zu führen, nur um frei sein zu können, war für Orpheus auch keine Option. Er wusste, dass er das niemals mit seinem Gewissen würde vereinbaren können, seine Familie und sein Land im Stich gelassen zu haben, nur um seinen Verpflichtungen zu entfliehen. Dafür war er dann doch zu pflichtbewusst und liebte sein Land und das Volk. Er war eben doch kein Leandros. Und das hatte Zephyr schon lange erkannt, während er selbst sich noch immer gegen die Erkenntnis sträubte.

"Vielleicht hast du recht, Zephyr", begann Orpheus schließlich, seine Stimme ruhig, aber mit einem Hauch von Unsicherheit. "Aber manchmal fühlt es sich an, als wäre das Gewicht meiner Verantwortung erdrückend. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, die Familie zu retten und das Erbe der Castellanos zu bewahren, aber ich weiß nicht, ob ich dem gewachsen bin, was du in mir siehst. Bisher hatte ich immer gedacht, dass alle Augen auf Leandros ruhen würden und ich dazu bestimmt bin, ihm sozusagen den Rücken freizuhalten."

Er senkte den Blick und spielte nervös mit den Fingern. Die Vorstellung er wäre imstande die Massen anzuführen, wie Zephyr gesagt hatte, erschien ihm immer noch absurd. Er zweifelte an seinen eigenen Fähigkeiten, an seiner Fähigkeit, Menschen zu inspirieren und zu führen. Da wo Zephyr ihn bereits seit längerem sah, konnte der junge Mann sich beim besten Willen selber nicht sehen. Und wer wusste schon, ob die Menschen ihn, Orpheus, den Zweitgeborenen, überhaupt als ihren Anführer wollten. Hatte er wirklich den Pathos und das Charisma, was die Hand des Königs in ihm sah? Oder war er nur ein Junge, naiv und unerfahren, der versuchte, Held zu spielen? Doch wer sollte dann diese Aufgabe übernehmen, wenn der Thronfolger ausfiel?

„Meinst du, wir könnten mit Leandros nicht reden und ihm den Ernst der Lage klarmachen?“, versuchte der Prinz erneut die Aufgabe an denjenigen zurückzugeben, der eigentlich dafür geboren war. „Er muss doch einsehen, dass er seine Pflicht für Castandor, für seine Familie erfüllen muss. Und wir ihn dabei unterstützen werden.“ Kaum ausgesprochen, war es Orpheus eigentlich schon klar, wie die Antwort des Fürsten ausfiel. Dennoch wollte er nichts unversucht lassen, um seinen Bruder nicht doch für die Sache zu gewinnen, die eigentlich sowieso seine Aufgabe war.

"Und Naila...", setzte er zögernd fort. "Ich fühle mich manchmal so unerfahren, so unvorbereitet für all das, was vor uns liegt. Es ist, als ob ich in einem Spiel bin, von dem ich die Regeln nicht kenne. Aber du hast recht, ich werde deine Worte beherzigen und herausfinden, wofür sich die Prinzessin interessiert. Und vielleicht finden wir ja eine Gemeinsamkeit. Ich würde es mir zumindest wünschen."

Orpheus seufzte und strich sich eine Locke aus der Stirn. Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, welche Gemeinsamkeit das wohl sein könnte, denn wenn er an seine Schwestern dachte, beschränkte sich deren Beschäftigungen auf Handarbeiten und Tratsch und Klatsch des Palastes. Er liebte die beiden, doch waren sie eben einfach Frauen und interessierten sich höchstens für seine Reiseberichte. Vielleicht konnte er ja damit auch Naila unterhalten, auch wenn das sicherlich auf Dauer ein wenig einseitig wurde. Wie auch immer, Orpheus würde es zumindest versuchen, mit der Prinzessin eine Basis zu finden, auch wenn er noch nicht wusste, wie das aussehen würde. Irgendwie würde es sich schon fügen.

Was ihm eher Bauchschmerzen bereitete, war tatsächlich das, was hinter den Kulissen stattfinden sollte. Die Hochzeitsnacht und überhaupt die ehelichen Pflichten. Es war ja nicht so, dass Orpheus nicht wusste, wie sowas vonstattengehen sollte und hatte auch seine erste Erfahrung mit einer der Mägde gehabt, doch hier ging es ja um mehr, hier lagen Erwartungen auf ihm, die weit über ein Vergnügen hinaus gingen.

Als sein väterlicher Freund schließlich vorschlug, ein Mädchen auszuwählen, was den Prinzen in gewisse Dinge einweisen sollte, ließ es den jungen Mann vor Verlegenheit erröten und er senkte erneut den Blick. Er wusste, dass Zephyr ihm nur helfen wollte, doch über derlei intime Dinge zu reden war für ihn sehr peinlich. „Hm, das hat Leandros schon versucht“, gab Orpheus schließlich leise zu. „Ich… mochte sie nicht. Sie hat nicht gut gerochen. Es ging einfach nicht.“
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one decree at a time
*Zephyr Athanas
Alter 37
Beruf Fürst | Hand des Königs
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#7
Nachdem Zephyr sehr vieles gesagt hatte, lehnte er sich zunächst einmal wieder zurück und atmete ruhig durch. Es war viel, das sie soeben schon besprochen hatten. Ihm war klar, dass er die Flügel seines jungen Freundes da ganz schön massiv gestutzt hatte. Doch es musste sein. Orpheus schien diesen Weckruf gebraucht zu haben. Trotzdem kam Zephyr nicht umhin, einen Hauch von Mitleid zu empfinden. Orpheus kam ihm oft noch so jung und unbedarft vor. So verblendet und kindlich. Diese Anwandlungen mussten nun endlich ein Ende haben. Sein Land war im Krieg. Seine Familie am Boden der Beliebtheit. Eine Ehe stand ihm unmittelbar davor. Und was wollte Orpheus tun? Am liebsten reisen... schön nahe an die Grenze zum Feind.
Zephyr atmete tief durch und betrachtete Orpheus nachdenklich. Dann endlich fing er zu sprechen an. Vermutlich waren es nur wenige Wimpernschläge an Zeit gewesen, die verstrichen war. Doch für den Älteren fühlte es sich wie eine halbe Ewigkeit an. Vielleicht hast Du recht, überlegte Orpheus und Zephyr legte den Kopf schief, verkniff sich das bestätigende und zustimmende Nicken und ließ den Prinzen erst einmal ausreden.

Ohne über das Gesprochene wirklich nachdenken zu müssen, sprach Zephyr direkt weiter. Man musste das Eisen schmieden, solange es heiß war. "Ich weiß, dass das Gewicht dieser Verantwortung erdrückend sein kann. Ich weiß es ganz genau, jedoch nicht aus dem Grund, den Du jetzt wohl denkst. Ja, auch ich bin mit mannigfaltigen Aufgaben vertraut, aber ich rede nicht von mir selbst.", sagte Zephyr und beugte sich wieder weit vor. "Ich habe gesehen, wie diese Verantwortung über die Jahre hinweg erst deinen Vater und dann deinen Bruder erdrückt hat.." Möglicherweise war diese Aussage ein wenig kontraproduktiv. Er wusste, dass Orpheus sich sehr viele Gedanken über alles machte. "Dein Vater versucht, seine Verantwortung an mich abzugeben und sich in die Trinksucht zu flüchten.
Und dein Bruder stürzt sich in eine Liebschaft nach der nächsten. Alles, nur um eine vermeintliche Ausrede dafür zu haben, warum er keine Verantwortung übernehmen möchte. Manchmal glaube ich fast, er macht das mit Absicht..."
, überlegte Zephyr und gab etwas ziemlich Ungeheuerliches zu. Er nahm offenbar an, dass Leandros sich - zumindest stellenweise - absichtlich dumm und desinteressiert zeigte. Nur, um dem allen zu entgehen. Bisher hatte es ganz gut funktioniert - Zephyr hatte bisher ganz gut funktioniert. Doch die Hand des Königs allein in den Krieg zu schicken - ohne Rest der Galionsfigur, hielt Zephyr für Wahnsinn. Jetzt, wo der Krieg gekommen war, brauchte er einen Castellanos, der für sein Volk noch nicht vollkommen verbrannt war. Er brauchte Orpheus. Außerdem... was hatte Orpheus bisher schon getan, das seinem Bruder irgendwie den Rücken freigehalten hatte?

Zephyr sah zu, wie Orpheus mit seinen Fingern spielte. Und dann fragte er doch glatt, ob man nicht mit Leandros reden könne. Zephyr unterdrückte gerade noch ein verächtliches Schnauben. Er hatte Leandros schon lange abgeschrieben. Lange. "Sprich' mit ihm, wenn Du glaubst, etwas erreichen zu können.
Möglicherweise kannst Du besser zu ihm durchdringen, als ich. Er weiß genau, dass ich ihn schon vor Jahren aufgegeben habe..."
, gab der Fürst von Bardon Pass ungeniert zu. Er fühlte sich nicht mal schlecht dabei, das zu sagen. "Wenn ihr eine Doppelspitze unter deinem Kommando bilden könntet, würde das den Menschen sicherlich gefallen...", überlegte Zephyr tatsächlich. Möglicherweise war Leandros' Ruf ja doch noch nicht komplett verloren... vielleicht konnte Orpheus trotzdem etwas Ausrichten. Doch er musste auf jeden Fall die Federführung der Angelegenheit übernehmen. Gemeinsam mit Zephyr.

Dann sprachen sie weiter über das Thema Naila und Zephyr spürte erneut die Unruhe in seinem jungen Schützling aufkommen. "Deine Gefühle sind vollkommen berechtigt, Orpheus. Ich nehme an, so geht es jedem jungen Mann, der seine bevorstehende Ehe ernst nimmt. Man will seine Frau nicht enttäuschen. Oder ihre Eltern. Und gleichzeitig will man nicht selbst enttäuscht werden. Alle Verantwortung dafür scheint einem zuzufallen, ... aber ich nehme an, dass Frauen da ganz ähnlich denken..", überlegte Zephyr und rieb sich nachdenklich das Kinn. Nagut, seine Frau Ferun war da wohl eine Ausnahme. Sie schien nie vor etwas zurückzuschrecken. Sie dachte viel nach, diskutierte mit ihm. Doch er glaubte nicht, dass sie jemals der Ehe wegen Angst verspürt hatte. Dafür war sie einfach nicht der richtige Typ Frau. Sie war so unerschrocken... und das liebte er ehrlich gesagt an ihr. Ein eingeschüchtertes Mäuschen an seiner Seite würde ihn vermutlich zu Tode langweilen. "Keine Sorge, Orpheus... du bist derart vielseitig interessiert und begeisterungsfähig - ihr werdet bestimmt einige Gemeinsamkeiten finden...", beteuerte der ältere und hoffte, sein junges Gegenüber dadurch aufgemuntert zu haben.

Glücklicherweise blieb Zephyr wenigstens diese eine Sache erspart. Er hätte sich natürlich darum gekümmert - ohne Zweifel. Aber es nicht tun zu müssen, war immerhin eine Last weniger, die er auf sich nehmen musste. In solchen Dingen lag ebenfalls mehr Verantwortung, als man annehmen mochte. Es konnte schließlich einiges schief gehen, das Orpheus möglicherweise für die nächsten Jahre verspannte ... oder was auch immer. Als Orpheus dann jedoch zugab, dass Leandros das schon versucht hatte, schnaufte Zephyr empört aus. ... das hätte er sich ja denken können. "Ehrlich gesagt habe ich auf dem Gebiet der leichten Mädchen selbst keine große Erfahrung...
Aber natürlich könnte ich trotzdem versuchen, jemanden zu finden, der sauber und ansprechend ist..."
, schlug Zephyr vor. Denn er konnte es ihm ja schlecht selbst zeigen. Oder ... wollte er etwa genauer darüber reden? "Gibt es etwas Bestimmtes, das Du wissen möchtest..?", fragte er daher vage nach.
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Orpheus Castellanos
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#8
Orpheus fühlte sich leicht schwindlig, und es war ein Glück, dass er saß, sonst hätte ihm diese Erkenntnis buchstäblich den Boden unter den Füßen weggezogen. Es war ihm durchaus bewusst, wie die Dinge in Castandor schon seit geraumer Zeit liefen. Sein Vater schien nur noch daran interessiert zu sein, dass sein Becher stets voll Wein war, während sein Bruder vor jeglicher Verantwortung floh und sich von einem Vergnügen zum nächsten hangelte. Doch der jüngere Castellanos-Spross hatte einfach die Augen davor verschlossen und sich darauf ausgeruht, dass er eh nur der Zweitgeborene war. Diesen Zahn hatte Zephyr ihm nun endgültig gezogen.

Er schluckte hart, als die volle Wucht der Erkenntnis wie eine Welle über ihn hereinbrach und ihn zu ertränken drohte. Er versuchte verzweifelt, seine Gedanken in Worte zu fassen, aber selbst für ihn klang es wie eine Ausrede, als versuche auch er sich nur vor der Verantwortung zu drücken. Doch wäre er dann nicht genauso feige wie sein Vater und sein Bruder? Waren sie nicht alle nur privilegierte Feiglinge, die sich auf ihren Lorbeeren ausruhten und ihre Tage in trügerischer Behaglichkeit verbrachten? Zephyr fand klare Worte, die genau das beschrieben, was Orpheus nun mit aller Deutlichkeit bewusst wurde: die Last der Verantwortung, die es bedeutete, die Krone Castandors zu tragen. Das war es, wovor sie alle zurückwichen. In die Trunksucht, die flüchtigen Liebschaften, und er selbst, Orpheus, tat dasselbe mit seinen endlosen Reisen. Er floh vor der Verantwortung, die letztlich allein dem König oblag. Die Erkenntnis fühlte sich an wie ein eiskalter Schwall aus einem Eimer Wasser. Warum hatte er das nicht früher begriffen?

Es war, als ob Orpheus aus einem angenehmen Traum erwacht wäre, der sich als Illusion seines wahren Lebens entpuppte. Die Realität war kalt und unbarmherzig, stand an den Toren seiner Heimat in glänzender Rüstung und mit gezückten Schwertern, begierig nach Blut und dem Thron. Sein zögerlicher Vorschlag, er könnte mit Leandros sprechen, traf nicht gerade auf Begeisterung bei Zephyr, doch dessen geschickter Geist erkannte sofort einen kleinen möglichen Vorteil darin. Orpheus hegte einen Funken Hoffnung, dass sein Bruder doch noch nicht als Kronprinz verloren war, und nickte bei Zephyrs Idee. "Ich werde es versuchen. Vielleicht kann ich ihm endlich die Ernsthaftigkeit der Lage klarmachen." Es war nicht viel mehr als ein Strohhalm, denn Orpheus hatte Leandros seit Wochen kaum gesehen und wusste nicht, ob er überhaupt zuhören würde. Aber es war besser als nichts.

Nachdenklich starrte der junge Mann ins prasselnde Feuer. Sein Kopf schmerzte von den vielen quälenden Gedanken, die sich wie Dornen in seinem Verstand verfingen. Viele dieser Gedanken waren noch unvollendet und warteten darauf, zu Ende gedacht oder mit anderen verknüpft zu werden. Doch eins war Orpheus nun klar: Er musste eine Entscheidung treffen. Er konnte nicht länger so tun, als wäre alles in Ordnung und die Welt eine fröhliche Bühne für seine Reisen. Er konnte seine Heimat nicht im Stich lassen. Außerdem war er als Ritter ausgebildet worden, und auch wenn er keine Freude am Kämpfen fand, wusste er, was es bedeutete, eine Klinge zu führen.

"Zephyr", begann Orpheus schließlich und sah seinen Ausbilder entschlossen an, auch wenn seine Stimme leicht zitterte, "ich werde mich meinen Pflichten stellen. Ich werde nicht wie mein Vater und mein Bruder davonlaufen. Castandor braucht uns und vertraut auf uns. Wir dürfen unser Volk nicht enttäuschen." Er richtete sich etwas auf und wirkte plötzlich älter und erwachsener, als er war. "Ich werde gemeinsam mit Leandros die Truppen führen. Und wenn er nicht will, dann eben allein." Orpheus verstummte, als ihm bewusst wurde, was er gerade gesagt hatte, und schluckte erneut. "Ich... werde deine Hilfe brauchen, mehr als je zuvor, Zephyr."

Neben diesem ernsten Thema gab es auch noch eine andere Schlacht, die der junge Prinz zu schlagen hatte, und er wusste nicht, was ihm mehr Kopfzerbrechen bereitete. Doch auch hier erwies sich sein früherer Ausbilder und Freund als äußerst hilfreich. Seine einfühlsamen Worte beruhigten Orpheus ein wenig. Offenbar war er nicht der einzige Mann auf der Welt, der sich wegen bevorstehender Herausforderungen, die eine Ehe mit sich brachten, sorgte.

Vielleicht, so dachte Orpheus, war es tatsächlich möglich, gemeinsame Interessen mit Prinzessin Naila zu finden, wie Zephyr meinte. Auch wenn er sich im Moment nicht vorstellen konnte, was das sein könnte. Las sie Gedichte oder die Werke antiker Meister? Interessierte sie sich für Malerei, Musik oder die alte Sprache des Herbstlandes, Fliach? Oder war sie wie die anderen adligen Frauen nur an Hofintrigen und Affären interessiert, während sie ihre Stickereien vollendete und ihren Tee süßte? Er nickte wenig überzeugt, doch Zephyr konnte sicher sein, dass Orpheus seine Worte ernst nahm und lange genug darüber nachdenken würde. Vielleicht würde er sogar irgendwann zu einer Lösung kommen, wie er mit Naila Gemeinsamkeiten finden könnte. "Ich hoffe, du hast recht und wir finden gemeinsame Interessen."

Das nächste Thema war für Orpheus das Peinlichste, doch wusste er nicht, mit wem er sonst seine Sorgen teilen konnte. Leandros hatte ihn nur ausgelacht, als er ihm die junge Frau präsentierte, und sein kleiner Bruder hatte nicht einmal gewollt, dass sie sich auszog, geschweige denn ihn berührte. Wie konnte man nur so verklemmt sein? Doch er hatte einfach nicht verstanden, dass für den jüngeren Prinzen mehr dazu gehörte als ein hübsches Gesicht und ein weiblicher Körper, um sich hinzugeben. So etwas wie Vertrauen dem anderen Menschen gegenüber.

"Nein, ich möchte niemand Fremdes in meinem Bett haben. Und genau das ist das Problem, Zephyr. Ich kenne die Prinzessin kaum und weiß nicht, was ihr gefällt und was nicht. Ich möchte sie gerne zufriedenstellen, dass sie sich wohlfühlt. Doch habe ich gehört, dass es Frauen kein Vergnügen, sondern nur Schmerzen bereitet, beim ersten Mal. Ist das wahr? Wie kann ich das verhindern? Ich will ihr doch nicht wehtun."
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*Zephyr Athanas
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#9
Wie nicht anders zu erwarten gewesen war, versuchte Orpheus sich an seinen letzten Ausweg zu klammern: Leandros' Verantwortungsbewusstsein zu wecken. Zephyr fand es erstaunlich und gleichzeitig erschreckend, dass Orpheus mehr Hoffnung in seinen Bruder legte, als in seinen Vater, der mit dem Regierungsgeschäft und dem Gewicht der Krone schon seit Jahrzehnten leben musste. Doch Zephyr versuchte, nachsichtig mit seinem jungen Schützling zu sein. Er hatte es mehr als einmal erlebt, dass die Ausbildung zum Ritter einen jungen Mann von seinen Eltern entfremdete. Sie lernten andere Moralvorstellungen, nabelten sich ab und wurden alleine mit ihrem Ausbilder erwachsen. Zephyr würde seine helfende Hand nach all den Jahren, in denen er schon mit Orpheus unter einem Dach gelebt hatte, nun nicht zurückziehen. Er würde ihn nicht im Stich lassen, niemals.
Oder wenigstens... konnte er sich aktuell keine Konstellation vorstellen, in der es ihm notwendig erscheinen würde, Orpheus fallen zu lassen. Der Tag mochte kommen und Zephyr wusste, dass ihm letztendlich nur die eigene Haut rettenswert erscheinen würde. Das Hause Castellanos hatte auch ihn jahrelang gut ausgenutzt. Doch Zephyr beschwerte sich nicht - er hatte dem König gerne nachgeschenkt und dabei selbst die Zügel in die Hand genommen. Näher würde er in seiner Lebzeit wohl nicht mehr ans Königsein herankommen.

"Versuche es. Du würdest mich positiv überraschen. Und es würde den Castellanos nur zum Vorteil gereichen.
Doch hüte Dich davor, zu viel Zeit auf Leandros zu verschwenden. Und hüte Dich vor zu großen Hoffnungen. Gib' ihm eine realistische Chance, eine kleine Bedenkzeit - wenn Du musst - aber dann musst Du weitermachen.
Ich kann diesen Krieg nicht alleine für euch gewinnen und dabei selbst alles riskieren"
, sprach er eindringlich auf den Jungen ein. Orpheus konnte das wohl auch kaum von ihm verlangen - auch nicht aufgrund der Tatsache, dass Zephyr als Fürst nur einer von vielen Vasallen des Großkönigshauses war. Sicher... er war den Castellanos in erster Linie treu ergebener Diener - doch Loyalität konnte auch nachlassen, wenn man das Gefühl hatte, allein auf weiter Flur zu stehen.
Natürlich wollte er seinem jungen Gegenüber nicht drohen - mitnichten. Doch der Ernst der Lage musste klar und deutlich - unmissverständlich - ausgesprochen werden.

Zephyr beobachtete, wie Orpheus in das prasselnde Feuer blickte. Es gab viel für ihn zu verdauen,... er verstand den Jüngeren. Doch er hatte aktuell kein gesteigertes Mitleid für ihn. Abermals lehnte Zephyr sich zurück, ließ seinen Blick jedoch ganz genau auf dem Prinzen ruhen. Dessen Schwester schlief vermutlich bereits den Schlaf der Gerechten und hatte keine andere Sorgen, als dass Padraig Greymark sie zurückgewiesen hatte - und somit ihre Aussicht, jemals irgendwo Königin werden zu können, gegen Null tendierte. Was ihr damit alles erspart blieb, konnte wohl keiner wirklich sagen. Doch vermutlich: eine Menge.
Orpheus ergriff schließlich wieder das Wort und Zephyr blickte mit einer gehobenen Augenbraue auf. Zephyrs Lippen zogen sich zu einem Lächeln auseinander und sein Kopf nickte voll Zustimmung. Er streckte die Hand aus und legte sie Orpheus brüderlich auf die Schulter. "Sehr gut. Nicht weniger habe ich von Dir erwartet.
Du kannst Dich auf mich verlassen!"
, beteuerte er in einfachen, klaren Worten, da er wusste, dass er Orpheus nun den Rücken stärken musste. Doch mit ihm... war noch nicht alles verloren. Orpheus war es somit wert, dass man ihn unterstützte und auf Händen trug.

Auch Zephyr war froh, dass sie mit Naila ein zwar seichteres, aber nicht weniger wichtiges Thema besprechen konnten. "Natürlich werdet ihr das. Du wirst sehen - auch sie wird das größte Interesse haben, schnell mit Dir auf einen Nenner zu kommen. Als Prinzessin eines Landes wird sie nicht komplett dumm sein ... sie wird den Ernst eurer Lage sehr schnell erkennen. Ebenso wird sie die Notwendigkeit einer stabilen Verbindung schnell erkennen. Vermutlich hat sie genauso viel Angst, einen Fehler zu machen, wie Du.
In den Tagen vor der Hochzeit wird es sicherlich Gelegenheiten geben, in denen ihr euch austauschen könnt. Gerne stelle ich euch dafür auch meine Räumlichkeiten zur Verfügung. Oder spiele Anstandsdame..."
, bot Zephyr an, denn er wollte den beiden jungen Leuten gerne auf die Sprünge helfen.
Das nächste Thema war da ungleich delikater. Zephyr war ein verheirateter Mann. Und er hatte auch vor seiner Ehe nicht gerade keusch gelebt. Doch Gedanken hatte er sich nur das eine Mal gemacht. Jedoch nicht viele...
"Nun, ich bin selbst kein Weib und kann daher auch nur wenig Verlässliches zu diesen Dingen beitragen. Dass Du Schmerzen vollkommen verhindern kannst, kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen. Aber Du kannst dafür Sorgen, dass sie sich bei Dir wohlfühlt, dass sie sich Dir weitgehend öffnet..." Es fiel Zephyr zugegebenermaßen auch schwer, darüber zu sprechen. "Lass' Dir einfach Zeit und versuche nicht, es zu überstürzen und schnell hinter Dich zu bringen. Bei manchen Paaren dauert es auch ein wenig, bis sie sich aufeinander abgestimmt haben, schätze ich..." Er kannte Prinzessin Naila zu wenig, um sie besser einschätzen zu können, daher tat er sich mit der Prognose schwer.
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Orpheus Castellanos
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#10
Orpheus hegte tatsächlich weiterhin große Hoffnungen, dass sein Bruder Leandros sich angesichts der aktuellen Lage an seine Pflichten als Thronfolger erinnern würde. Es war für ihn schwer vorstellbar, dass der Kronprinz so wenig Interesse an Castandor und seinem Volk zeigte, dass ihm das Schicksal des Thrones gleichgültig war. Bei seinem Vater Augusto hatte Orpheus diese Hoffnung hingegen schon lange aufgegeben. Nicht, weil Augusto in der Vergangenheit ein schlechter König gewesen wäre, sondern weil er heute, als alter Mann, immer mehr in seine Weinträume flüchtete und das Königreich nicht mehr führen konnte. Orpheus war keineswegs naiv; er hatte selbst gesehen, wie der Großkönig in den letzten Jahren an Kraft verlor und die Regierungsgeschäfte zunehmend in Zephyrs Hände legte. Das war aus seiner Sicht richtig und notwendig, denn Zephyr war zweifellos der fähigste Mann in ganz Castandor. Die Castellanos hatten sich darauf verlassen, dass das Königreich irgendwie weitergeführt wurde, während Augusto noch als Galionsfigur diente, deren Glanz stetig schwand. Die Frage, wie lange er diese Rolle noch ausfüllen konnte, wurde immer drängender, und wer würde dann seinen Platz einnehmen? Derjenige, der es sollte, war mehr an der Macht interessiert, als an der Verantwortung seinem Volk gegenüber.

Zephyrs klare Worte bezüglich des Kronprinzen zwangen auch Orpheus, einzusehen, dass seine Hoffnung auf Leandros vielleicht nur eine Illusion war, die bald wie eine Seifenblase zerplatzen könnte. Er nickte langsam, als sein Mentor ihm riet, nicht zu lange auf seinen Bruder zu warten, sondern selbst Verantwortung zu übernehmen. Und dieser letzte Satz zwang den Prinzen schließlich zu einer Entscheidung, die ihm alles abverlangte "Ich kann diesen Krieg nicht alleine für euch gewinnen und dabei selbst alles riskieren", hatte Zephyr gesagt.

Orpheus wusste, dass er sich entscheiden musste. Er könnte wie sein Bruder taub und stumm bleiben, einfach weiterreisen und Castandor seinem Schicksal überlassen, besonders weil er außerhalb des Landes war. Doch was wäre, wenn er eines Tages zurückkehren wollte? Würde seine geliebte Heimatstadt dann noch dieselbe sein oder würden dort fremde Fahnen wehen? Er musste seinen Mut zusammennehmen und der Verantwortung ins Auge sehen, wie ein wahrer Ritter. Auch wenn allein der Gedanke, die Rolle seines Bruders oder sogar seines Vaters übernehmen zu müssen, ihm Übelkeit bereitete. Würde er unter der Verantwortung, ein Königreich zu führen, zusammenbrechen oder daran wachsen? Das konnte er erst herausfinden, wenn er es versuchte.

Als Orpheus schließlich erklärte, dass er bereit sei, die Truppen zu führen, mit Leandros oder allein, verzogen sich Zephyrs Lippen zu einem Lächeln, als er dem Jüngeren die Hand auf die Schulter legte. Diese Geste stärkte das Selbstvertrauen des jungen Prinzen mehr, als Zephyr vermutlich ahnte. Doch er brauchte einfach die Gewissheit, dass er nicht allein an der Front stand, so wie Zephyr betont hatte.

"Ich weiß, was du für uns und für Castandor tust, Zephyr, und wir sind dir mehr als zu Dank verpflichtet, auch wenn mein Vater und mein Bruder das scheinbar vergessen haben", sagte Orpheus aufrichtig. "Ohne dich wäre der Thron wohl schon längst für die Castellanos verloren. Wenn ich verhindern kann, dass ein fremdes Banner über dem Palast wehen wird, werde ich alles in meiner Macht Stehende tun."

Orpheus verstummte und rieb sich nachdenklich über die schmerzende Stelle zwischen seinen Augenbrauen. Zu viele Gedanken bereiteten ihm Kopfschmerzen, doch konnte er das Grübeln nicht abstellen. Er wusste, dass er den Rest der Nacht damit verbringen würde, eine geeignete Strategie zu überlegen, wie er Leandros doch noch überzeugen könnte. Vielleicht würden sie hier bis zum Morgengrauen sitzen und diese dringende Angelegenheit besprechen müssen, das hatte Orpheus nun klar erkannt.

"Zephyr, hast du mit Vater ... mit dem Großkönig gesprochen?", fragte er schließlich nach einer Weile des Schweigens, während seine Gedanken um die nächsten Schritte kreisten. "Was sind seine Pläne? Die Truppen stehen noch unter seinem Befehl. Sie werden mir nicht einfach so folgen, ohne seine Zustimmung, oder? Augusto ist immer noch der amtierende Großkönig, und es ist wichtig zu wissen, welche Strategie er verfolgt. Gibt es Möglichkeiten für Friedensverhandlungen? Glaubst du, König Charles wäre dazu bereit? Vielleicht können wir weiteres Blutvergießen vermeiden."

Zephyrs Zuversicht hinsichtlich der Verbindung zu Prinzessin Naila erleichterte den jungen Prinzen ungemein. Sicherlich hatte sie eine umfassende Bildung genossen, und möglicherweise würden sie tatsächlich Gemeinsamkeiten entdecken, wo Orpheus bisher keine gesehen hatte. Die Vorstellung, dass die Prinzessin genauso viel Angst davor haben könnte, einen Fehler zu machen wie er selbst, beruhigte ihn ebenfalls. Er hatte sie als perfekt angesehen, doch das könnte auch eine einstudierte Maske sein, um ihre eigene Unsicherheit zu verbergen. Orpheus wusste nur zu gut, wie es war, nach außen hin eine Rolle zu spielen, während im Inneren alles anders aussah.

"Vielen Dank, Zephyr, für dein Angebot und deine Unterstützung", sagte er nach einer Weile des nachdenklichen Schweigens, die Augen auf das prasselnde Feuer gerichtet. "Vielleicht ist es tatsächlich wichtig, dass wir uns in einer neutralen Umgebung kennenlernen. Ich werde dich wissen lassen, ob ich dein Angebot in Anspruch nehmen werde." Diese Antwort war absichtlich vage gehalten, da der zurückhaltende Prinz noch nicht sicher war, inwieweit er bereit war, Naila vor der Hochzeit kennenzulernen.

Orpheus hielt erneut inne und dachte über Zephyrs Worte bezüglich der Schmerzen einer Frau beim ersten Mal nach. "Ich verstehe, das hatte ich schon vermutet. Aber ich werde mein Bestes tun, um sicherzustellen, dass Naila sich wohlfühlt und wir uns einander ohne Hast annähern können." Seine Miene wurde ernster, als er fortfuhr. "Es ist eine Verantwortung, die ich ernst nehme. Und ich hoffe, dass sie Geduld mit mir haben wird und keinen Leandros im Bett erwartet." Mit diesen Worten war das Thema endlich angesprochen, das ihm am meisten Sorgen bereitete.
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