08-05-2024, 22:42 - Wörter:
Monotonie gepaart mit Einsamkeit begräbt die Seele unter den Mühlsteinen der Langeweile. Diese gleichförmige Abnutzung des Tages ermüdete den Geist und nahm ihm die Nahrung zu wachsen und zu gedeihen. Träge Eintönigkeit, die sich immer wieder in sich selbst wiederholte, zermürbte das Gemüt der rastlosen Gestalt, die nun schon viel zu lange an ein und denselben Ort gefesselt war. Wem gelang es schon still im Glück zu ruhen, wenn die Welt doch ein Netzwerk aus Wegen und Orten an ihren Kreuzungspunkten waren? Eine Brücke zwischen Geburt und Tod, über die man unablässig schreiten musste? Wer in einem sesshaften Aufenthalt Wurzeln schlug, betrog sich doch nur selbst, dass alles Vergnügen in mittelbarer Reichweite lag, kleinkariert und kurzsichtig verneinend, dass auch außerhalb der eigens gesteckten Grenzen noch Abenteuer wartete. Genügsamkeit und Zufriedenheit beschwerten die Schritte auf dem Pfad zur Vollendung des eigenen Schicksals. Selbst die Wolken zogen dahin, standen nicht still getrieben vom jagenden Hauch des Windes. Baum und Blatt entwickelten sich im Rad des Jahres, durchliefen Tod und Wiedergeburt ein ums andere Mal, immer wachsend, immer sterbend. Und auch das Wasser brach sich Bahn durch die Natur, schuf aus eigener Kraft und durch zähe Sturheit neue Schlingen, das Land zu befruchten. Wenn alles Still wäre, regungslos und in seiner Position eingefroren, welchen Nutzen hätte es dann für den Kreislauf des Lebens?
Sie war ein Schatten und auch Schatten mussten weiterziehen, in anderen Schatten aufgehen und sich in neue Schatten verwandeln. Doch boshafte Umstände verboten ihr das Weiterziehen, nein, schlimmer noch, sie hatte sich diese Bewegungslosigkeit selbst ausgesucht, um ihm gefällig zu sein, um ihm zu helfen, um ihm nahe zu sein. Sie selbst hatte ihren Alltag in ein zermürbendes Rad der unendlichen Wiederholungen verwandelt. Jeden Morgen stand sie auf und hüllte sich in die Maskerade einer Hure, schmückte ihr Haar und ihr Antlitz, kleidete sich in die schönsten Kleider, die sie hatte und trat als neue Gestalt in die Welt hinaus, sie zu verführen und zu benutzen. Mittlerweile hatte sie sich zumindest den Vorteil erarbeitet, mit Mühe und Charme, dass sie nur mehr wenige Männer am Tag bedienen musste, um die ihr notwendigen Münzen zu verdienen, denn wer sie wollte, der musste tief in die Taschen greifen und entsprechend wohlhabend sein, um sich ihrer Dienste zu versichern. Wie leid sie all der behaarten Körper war, die sich ihr anbiederten und sie begafften. Immer dieselben, gierigen Blicke, hinter denen Fantasien schlummerten, die sie doch nicht wagten auszuleben. Wie einfach es doch war diesen simplen, stumpfsinnigen Wesen das Paradies vorzugaukeln. Es war fast schon lachhaft, wie tumb sie doch waren und selbst das kleinste Kompliment, zart betörend ins Ohr gesäuselt, sie schon zur Ekstase brachte.
Sie machte sich ein Spiel daraus, einen Zeitvertreib, um dem öden Trott zu entgehen, der sie im Würgegriff hielt. Nach so vielen Jahren festgefahren und festgewachsen war es immer schwerer den Geist beweglich zu halten. Sie durfte nicht verlernen, was sie gelernt hatte, durfte nicht schwächeln und nicht unaufmerksam werden. Denn wenn sie versagte, wenn sie verfehlte, wenn sie scheiterte, dann hatte sie keinen Nutzen mehr, dann war ihr Leben gänzlich ohne Sinn für ihn. Ja, er. Ihre Sehnsucht, die sie sich nicht eingestehen wollte. Ihre Lebensmitte, um die sich all ihr Sein drehte. Ihr Halt und ihre Sicherheit. Die einzige Familie und der einzige Freund. Vertrauter, Verdorbener, Verlorener. Belisarius. Er war ihre Fantasie, er war ihre Ekstase, er war ihre Lust. Der Hauch einer Erinnerung an eine Berührung von ihm, ein Kuss oder gar nur ein Blick, ein Lächeln, das nie gewesen war und doch nur ihr galt, all dies genügte, um ihr den Höhepunkt zu bescheren, den die Freier sich so gern selbst zuschreiben wollten. Törichte Trotteln! Wenn sie doch nur wüssten, dass ihre stümperhaften Versuche ihr einen Laut der Verzückung zu entlocken nicht den gewünschten Effekt hatten, dass alles nur gespielt war, so makellos, dass die meisten in voller Überzeugung mit stolzgeschwellter Brust ihr Zimmer wieder verließen. Aber für die Hure selbst war all diese körperliche Vereinigung nicht mehr als eine Pflichterfüllung, die zwar reizvoll war und unterhaltsam, die ihr manchmal sogar Erregung brachte, aber weit entfernt war von Leidenschaft oder Begehren und noch weiter weg von ehrlicher Lust.
Für heute hatte sie genug. Auch wenn der Abend die lukrativste Zeit war für leibliches Vergnügen, so spürte sie, dass sie heute keinen Kunden mehr annehmen sollte. Manche wollten es Vorahnung nennen, Eingebung, Intuition. Doch für Skadi war es mehr eine Gewissheit, geboren aus der innig verwobenen Verbindung mit dem einen Menschen, den sie mehr als alles andere brauchte, mehr noch als die Luft zum Atmen. Eingerollt auf einem Bett aus Polstern und Decken, so bunt und schillernd wie die schönsten Schmetterlinge, versanken ihre Gedanken in einer höllischen Spirale aus jauchzender Hoffnung und niedergeschlagener Vorsicht. Würde er kommen? Oder betrog sie ihre Erwartung? Was er wohl dachte, was er wohl tat, was er wohl fühlte. Welche Sorgen plagten ihn? Welche Freuden spickten seinen Tag? Was passierte außerhalb dieser elenden Mauern, draußen in der Welt voller Vielfalt und Abwechslung? Dachte er an sie, war sie noch Teil seines Lebens? So viele Fragen, die sich alle nur um ihn drehten, wie ein Rad, immer schneller, schwindelerregend wirbelten sie in ihrem Kopf herum, dröhnten, pochten, donnerten erbarmungslos. Hilflos vergrub die Hure ihr Gesicht in den Armen, versuchte sich zu beruhigen. Doch je später es wurde, desto mehr schwand die Gewissheit, dass er, den sie sich so sehr herbei sehnte, noch kommen würde.
Was wenn nicht? Hatte er sie vergessen? Hatte er jemand anderen gefunden, mit dem er lieber seine Zeit verbringen wollte? Was band seine Zeit, seine Aufmerksamkeit? Ein tiefer, zittriger Seufzer entfloh ihrer Kehle, hallte durch das Zimmer, brach sich an den Tüchern und Vorhängen, drang zu ihr zurück und umarmte sie tröstend. Wie sehr sie ihn vermisste, war kaum in Worte zu fassen. Als würde man einem Menschen seines Herzens berauben und erwarten, dass er auch noch ohne das schlagende Organ lebensfähig wäre. Welch ein Irrglaube! Immer mehr verschmolz die Lustbringerin mit den Schatten ihrer eigenen Umgebung, wollte versinken in den weichen Kissen und so noch mehr sich der Welt entziehen, die doch ohne ihn ohnehin nicht lebenswert für sie war.
Benommen von dem Elend seines Fernbleibens, vernahm sie erst viel zu spät sein Rufen, wollte wohl erst gar nicht wahrhaben, dass selbst sie, die niedrigste aller Frauen der Unterschicht, doch ein wenig Glück erfahren durfte, wo doch ihre Erfahrung ganz anderes bisher für sie bereit gehalten hatte. Nichts als Verlust und Einsamkeit war ihr bisher beschieden gewesen, ein Zustand, der sich erst durch das zufällige Zusammentreffen mit dem Kriegsmeister geändert hatte. Nun, nun war er nahe, nun kam er zu ihr, nun durfte sie ihn bald in die Arme schließen!
„Belisar“ antwortete sie seinem Ruf mit heiserer Stimme, in der sich doch die Stärke der Zuversicht mitmischte. „Belisar!“ noch einmal jubelte ihre Zunge, sang seinen Namen, gab der Hoffnung endlich ein Ziel. Katzengleich erhob sie sich aus den Polstern, so geschmeidig, dass kaum ein Laut zu vernehmen war. Wie an unsichtbaren Fäden zog es sie zur Tür, hin zu ihm, der ihren Leib vibrieren ließ, wie die straff gespannten Saiten einer Laute zu einer gar göttlich-dämonischen Melodie.
Er war der einzige, bei dem sie nicht auf ihr Aussehen achtete, der sie annahm, wie sie war, der sie sah, durch sie hindurch, hinter die Fassade und die vorsichtig gewählte Maske, hinein in ihre Seele, tief in ihr Herz. Mit hastigem Dringen öffnete sie kaum dass er geklopft hatte die Tür, so schwungvoll, dass der hauchdünne Kaftan aus nachtpurpur Seidenorganza wie ein tanzender Nebel um sie wallte. In ihrem Gesicht stand die Freude seines Kommens so offensichtlich geschrieben, dass es kaum zu ertragen war. „Belisar“ wisperte sie voller Erleichterung und führte ihn an der Hand in ihr eigenes kleines Paradies. Hinter ihm schloß sie die Tür, zog noch einen Vorhang vor, um sie noch weiter von der Außenwelt zu trennen. Nichts und niemand sollte sie stören oder belauschen. Hier waren sie allein, nur sie zwei, fern aller skeptischer Augen und neugieriger Ohren. Wohl wie ihn auch, zwang eine Sehnsucht sie in seine Arme, die tiefer ging als ein rein körperliches Vergnügen. In ihm fand sie eine Verbundenheit, die jede Faser in ihrem Leib mit dem seinen verknüpfte. Mit ihm gab es eine Zufriedenheit, die mehr galt als bloße lustvolle Erregung. Sie brauchte seine Nähe, wollte seine Haut an der ihren fühlen, ihn berühren und sich an ihn schmiegen, wollte ihn küssen und liebkosen, sich mit ihm unterhalten und durch Gespräche ihrer beider Geist herausfordern, wollte lachen, weinen, unbeschwert sein. Und dann an seiner Seite einschlafen, Ruhe finden, Geborgenheit erleben.
„Ich bin froh, dass du heute zu mir gekommen bist“ zog sie ihn weiter, näher an sich heran, bis sie sich so nahe waren, dass sie seinen Pulsschlag hören konnte. Wie viel doch allein in einem Blick liegen konnte, was nur sie beide verstanden.
Sie war ein Schatten und auch Schatten mussten weiterziehen, in anderen Schatten aufgehen und sich in neue Schatten verwandeln. Doch boshafte Umstände verboten ihr das Weiterziehen, nein, schlimmer noch, sie hatte sich diese Bewegungslosigkeit selbst ausgesucht, um ihm gefällig zu sein, um ihm zu helfen, um ihm nahe zu sein. Sie selbst hatte ihren Alltag in ein zermürbendes Rad der unendlichen Wiederholungen verwandelt. Jeden Morgen stand sie auf und hüllte sich in die Maskerade einer Hure, schmückte ihr Haar und ihr Antlitz, kleidete sich in die schönsten Kleider, die sie hatte und trat als neue Gestalt in die Welt hinaus, sie zu verführen und zu benutzen. Mittlerweile hatte sie sich zumindest den Vorteil erarbeitet, mit Mühe und Charme, dass sie nur mehr wenige Männer am Tag bedienen musste, um die ihr notwendigen Münzen zu verdienen, denn wer sie wollte, der musste tief in die Taschen greifen und entsprechend wohlhabend sein, um sich ihrer Dienste zu versichern. Wie leid sie all der behaarten Körper war, die sich ihr anbiederten und sie begafften. Immer dieselben, gierigen Blicke, hinter denen Fantasien schlummerten, die sie doch nicht wagten auszuleben. Wie einfach es doch war diesen simplen, stumpfsinnigen Wesen das Paradies vorzugaukeln. Es war fast schon lachhaft, wie tumb sie doch waren und selbst das kleinste Kompliment, zart betörend ins Ohr gesäuselt, sie schon zur Ekstase brachte.
Sie machte sich ein Spiel daraus, einen Zeitvertreib, um dem öden Trott zu entgehen, der sie im Würgegriff hielt. Nach so vielen Jahren festgefahren und festgewachsen war es immer schwerer den Geist beweglich zu halten. Sie durfte nicht verlernen, was sie gelernt hatte, durfte nicht schwächeln und nicht unaufmerksam werden. Denn wenn sie versagte, wenn sie verfehlte, wenn sie scheiterte, dann hatte sie keinen Nutzen mehr, dann war ihr Leben gänzlich ohne Sinn für ihn. Ja, er. Ihre Sehnsucht, die sie sich nicht eingestehen wollte. Ihre Lebensmitte, um die sich all ihr Sein drehte. Ihr Halt und ihre Sicherheit. Die einzige Familie und der einzige Freund. Vertrauter, Verdorbener, Verlorener. Belisarius. Er war ihre Fantasie, er war ihre Ekstase, er war ihre Lust. Der Hauch einer Erinnerung an eine Berührung von ihm, ein Kuss oder gar nur ein Blick, ein Lächeln, das nie gewesen war und doch nur ihr galt, all dies genügte, um ihr den Höhepunkt zu bescheren, den die Freier sich so gern selbst zuschreiben wollten. Törichte Trotteln! Wenn sie doch nur wüssten, dass ihre stümperhaften Versuche ihr einen Laut der Verzückung zu entlocken nicht den gewünschten Effekt hatten, dass alles nur gespielt war, so makellos, dass die meisten in voller Überzeugung mit stolzgeschwellter Brust ihr Zimmer wieder verließen. Aber für die Hure selbst war all diese körperliche Vereinigung nicht mehr als eine Pflichterfüllung, die zwar reizvoll war und unterhaltsam, die ihr manchmal sogar Erregung brachte, aber weit entfernt war von Leidenschaft oder Begehren und noch weiter weg von ehrlicher Lust.
Für heute hatte sie genug. Auch wenn der Abend die lukrativste Zeit war für leibliches Vergnügen, so spürte sie, dass sie heute keinen Kunden mehr annehmen sollte. Manche wollten es Vorahnung nennen, Eingebung, Intuition. Doch für Skadi war es mehr eine Gewissheit, geboren aus der innig verwobenen Verbindung mit dem einen Menschen, den sie mehr als alles andere brauchte, mehr noch als die Luft zum Atmen. Eingerollt auf einem Bett aus Polstern und Decken, so bunt und schillernd wie die schönsten Schmetterlinge, versanken ihre Gedanken in einer höllischen Spirale aus jauchzender Hoffnung und niedergeschlagener Vorsicht. Würde er kommen? Oder betrog sie ihre Erwartung? Was er wohl dachte, was er wohl tat, was er wohl fühlte. Welche Sorgen plagten ihn? Welche Freuden spickten seinen Tag? Was passierte außerhalb dieser elenden Mauern, draußen in der Welt voller Vielfalt und Abwechslung? Dachte er an sie, war sie noch Teil seines Lebens? So viele Fragen, die sich alle nur um ihn drehten, wie ein Rad, immer schneller, schwindelerregend wirbelten sie in ihrem Kopf herum, dröhnten, pochten, donnerten erbarmungslos. Hilflos vergrub die Hure ihr Gesicht in den Armen, versuchte sich zu beruhigen. Doch je später es wurde, desto mehr schwand die Gewissheit, dass er, den sie sich so sehr herbei sehnte, noch kommen würde.
Was wenn nicht? Hatte er sie vergessen? Hatte er jemand anderen gefunden, mit dem er lieber seine Zeit verbringen wollte? Was band seine Zeit, seine Aufmerksamkeit? Ein tiefer, zittriger Seufzer entfloh ihrer Kehle, hallte durch das Zimmer, brach sich an den Tüchern und Vorhängen, drang zu ihr zurück und umarmte sie tröstend. Wie sehr sie ihn vermisste, war kaum in Worte zu fassen. Als würde man einem Menschen seines Herzens berauben und erwarten, dass er auch noch ohne das schlagende Organ lebensfähig wäre. Welch ein Irrglaube! Immer mehr verschmolz die Lustbringerin mit den Schatten ihrer eigenen Umgebung, wollte versinken in den weichen Kissen und so noch mehr sich der Welt entziehen, die doch ohne ihn ohnehin nicht lebenswert für sie war.
Benommen von dem Elend seines Fernbleibens, vernahm sie erst viel zu spät sein Rufen, wollte wohl erst gar nicht wahrhaben, dass selbst sie, die niedrigste aller Frauen der Unterschicht, doch ein wenig Glück erfahren durfte, wo doch ihre Erfahrung ganz anderes bisher für sie bereit gehalten hatte. Nichts als Verlust und Einsamkeit war ihr bisher beschieden gewesen, ein Zustand, der sich erst durch das zufällige Zusammentreffen mit dem Kriegsmeister geändert hatte. Nun, nun war er nahe, nun kam er zu ihr, nun durfte sie ihn bald in die Arme schließen!
„Belisar“ antwortete sie seinem Ruf mit heiserer Stimme, in der sich doch die Stärke der Zuversicht mitmischte. „Belisar!“ noch einmal jubelte ihre Zunge, sang seinen Namen, gab der Hoffnung endlich ein Ziel. Katzengleich erhob sie sich aus den Polstern, so geschmeidig, dass kaum ein Laut zu vernehmen war. Wie an unsichtbaren Fäden zog es sie zur Tür, hin zu ihm, der ihren Leib vibrieren ließ, wie die straff gespannten Saiten einer Laute zu einer gar göttlich-dämonischen Melodie.
Er war der einzige, bei dem sie nicht auf ihr Aussehen achtete, der sie annahm, wie sie war, der sie sah, durch sie hindurch, hinter die Fassade und die vorsichtig gewählte Maske, hinein in ihre Seele, tief in ihr Herz. Mit hastigem Dringen öffnete sie kaum dass er geklopft hatte die Tür, so schwungvoll, dass der hauchdünne Kaftan aus nachtpurpur Seidenorganza wie ein tanzender Nebel um sie wallte. In ihrem Gesicht stand die Freude seines Kommens so offensichtlich geschrieben, dass es kaum zu ertragen war. „Belisar“ wisperte sie voller Erleichterung und führte ihn an der Hand in ihr eigenes kleines Paradies. Hinter ihm schloß sie die Tür, zog noch einen Vorhang vor, um sie noch weiter von der Außenwelt zu trennen. Nichts und niemand sollte sie stören oder belauschen. Hier waren sie allein, nur sie zwei, fern aller skeptischer Augen und neugieriger Ohren. Wohl wie ihn auch, zwang eine Sehnsucht sie in seine Arme, die tiefer ging als ein rein körperliches Vergnügen. In ihm fand sie eine Verbundenheit, die jede Faser in ihrem Leib mit dem seinen verknüpfte. Mit ihm gab es eine Zufriedenheit, die mehr galt als bloße lustvolle Erregung. Sie brauchte seine Nähe, wollte seine Haut an der ihren fühlen, ihn berühren und sich an ihn schmiegen, wollte ihn küssen und liebkosen, sich mit ihm unterhalten und durch Gespräche ihrer beider Geist herausfordern, wollte lachen, weinen, unbeschwert sein. Und dann an seiner Seite einschlafen, Ruhe finden, Geborgenheit erleben.
„Ich bin froh, dass du heute zu mir gekommen bist“ zog sie ihn weiter, näher an sich heran, bis sie sich so nahe waren, dass sie seinen Pulsschlag hören konnte. Wie viel doch allein in einem Blick liegen konnte, was nur sie beide verstanden.
