02-07-2024, 22:02 - Wörter:
Sie wusste, dass es Hafiz mit der Situation nicht gut ging. Zugegeben – wem ging es damit überhaupt gut? Frauen verloren ihre Männer, Kinder ihre Väter, Familien ihr Einkommen. Es war ein absolut dummer, grausamer und verheerender Schachzug, doch das schien das Königshaus anders zu sehen. Hafiz war es nicht gewohnt, sich im Hintergrund zu halten. Er war laut und seine pure Ausstrahlung war Präsenz. Jetzt musste er ein paar Tage, oder eher Wochen, den Ball flach halten und Safiyya wollte eigentlich gar nicht wissen, was passierte, wenn man diesen hungrigen Tiger einsperrte – selbst wenn es in den Räumlichkeiten eines Bordells war. Grummelnd schob er sich an ihr vorbei, aber sie hatte nur ein müdes Kopfschütteln dafür übrig. Vielleicht verstand es der Hobby-Boxer nicht, aber sie arbeitete hier und konnte schließlich nicht alles für ihn stehen und liegen lassen.
Bei seinen Worten musste sie schallend lachen, obwohl sie das sonst fast nie tat. Jedenfalls nicht ehrlich. Hier schon. „Ich bezweifle, dass du dir das leisten kannst.“, zog sie ihn auf, ohne es böse zu meinen und winkte ihn dann mit. „Ich muss mal sehen, was Ayla gezaubert hat. Ich hab auch noch nicht gegessen.“ Viel zu tun eben. „Ist zur Zeit ein bisschen Mau. Der Markt, auf den wir sonst gehen, liegt direkt an der Küste.“, murmelte sie und schluckte wieder etwas schwerer. Da hatten die Menschen gerade andere Sorgen als ihre Marktstände. Langsam wussten sie nicht mehr wohin mit ihren Problemen. Safiyya werkelte gerade an dem Tresen, als Hafiz wieder sprach und sie scharf aufsah. „Heofader? Bleib‘ mir nur fern mit diesem Ba – “, sie hielt inne und schluckte ihren Zorn herunter. „Welcher verdammte Gott schwemmt Kinder davon und raubt ihnen jetzt noch ihre Väter?“, zischte sie wütend und knallte unsanft eine Flasche Wein auf den Tisch. Einschenken konnte er sich jetzt selbst.
Safiyyas Familie hatte den Glauben nicht ausgiebig gelebt. Natürlich waren sie zu Messen gegangen, aber in dem geschäftigen Leben einer großen Familie hatten regelmäßige Gebete wenig Zeit gefunden. Mit mehr und mehr Leid hatte Safiyya zu zweifeln begonnen, ob diese höhere Macht es wirklich gut mit ihnen meinte, oder ob der Gott Matariyya schlichtweg vergessen hatte. Vielleicht war Heofader auch einfach nur ein Gott der Reichen, schenkte ihnen Paläste und Prunk, während er den Rest in deren eigenen Pisse ertrinken ließ. Vielleicht waren diese Gedanken aber auch nur ein Ventil für ihren Ärger. „Gut?“, fragte sie dann schob eine Haarsträhne zurück an ihren Platz. Denken war nicht Hafiz‘ Stärke, aber das musste es auch nicht. „Auf kurz gedacht, ja. Das wird sicher eine der lukrativsten Wochen seit langem. Aber wenn alle unsere Kunden das Land verlassen, kommen ziemlich dunkle Monate auf uns zu. Ganz unabhängig davon, dass die gesamte Wirtschaft zusammenbrechen wird, wenn so viele Arbeitskräfte wegfallen.“ Von den emotionalen Folgen ganz zu schweigen. Sie schüttelte den Kopf und ging dann kurz ins Nebenzimmer, um Hafiz eine Schale mit heißem Eintopf zu holen. „Für normale Menschen ist das scharf. Du hast deine Geschmacksknospen ja schon mit zu viel Chilli getötet.“, entgegnete sie und reichte ihm noch einen Löffel. Nachdenklich stützte sie sich auf der Theke ab. „Ich weiß nicht, ich hab mich noch nicht endgültig entschieden“, ging sie dann wieder auf seine Frage ein. „Verzweifelte Männer, die sich auf den Weg in den eigenen Tod machen sind meistens keine guten Kunden.“ Sie sah auf und musterte das geschundene Gesicht vor ihr. "Hast du nicht gesagt, du willst dich bedeckt halten?", fragte sie und nickte der eindeutig neuen Wunde an seiner Schläfe zu.
Bei seinen Worten musste sie schallend lachen, obwohl sie das sonst fast nie tat. Jedenfalls nicht ehrlich. Hier schon. „Ich bezweifle, dass du dir das leisten kannst.“, zog sie ihn auf, ohne es böse zu meinen und winkte ihn dann mit. „Ich muss mal sehen, was Ayla gezaubert hat. Ich hab auch noch nicht gegessen.“ Viel zu tun eben. „Ist zur Zeit ein bisschen Mau. Der Markt, auf den wir sonst gehen, liegt direkt an der Küste.“, murmelte sie und schluckte wieder etwas schwerer. Da hatten die Menschen gerade andere Sorgen als ihre Marktstände. Langsam wussten sie nicht mehr wohin mit ihren Problemen. Safiyya werkelte gerade an dem Tresen, als Hafiz wieder sprach und sie scharf aufsah. „Heofader? Bleib‘ mir nur fern mit diesem Ba – “, sie hielt inne und schluckte ihren Zorn herunter. „Welcher verdammte Gott schwemmt Kinder davon und raubt ihnen jetzt noch ihre Väter?“, zischte sie wütend und knallte unsanft eine Flasche Wein auf den Tisch. Einschenken konnte er sich jetzt selbst.
Safiyyas Familie hatte den Glauben nicht ausgiebig gelebt. Natürlich waren sie zu Messen gegangen, aber in dem geschäftigen Leben einer großen Familie hatten regelmäßige Gebete wenig Zeit gefunden. Mit mehr und mehr Leid hatte Safiyya zu zweifeln begonnen, ob diese höhere Macht es wirklich gut mit ihnen meinte, oder ob der Gott Matariyya schlichtweg vergessen hatte. Vielleicht war Heofader auch einfach nur ein Gott der Reichen, schenkte ihnen Paläste und Prunk, während er den Rest in deren eigenen Pisse ertrinken ließ. Vielleicht waren diese Gedanken aber auch nur ein Ventil für ihren Ärger. „Gut?“, fragte sie dann schob eine Haarsträhne zurück an ihren Platz. Denken war nicht Hafiz‘ Stärke, aber das musste es auch nicht. „Auf kurz gedacht, ja. Das wird sicher eine der lukrativsten Wochen seit langem. Aber wenn alle unsere Kunden das Land verlassen, kommen ziemlich dunkle Monate auf uns zu. Ganz unabhängig davon, dass die gesamte Wirtschaft zusammenbrechen wird, wenn so viele Arbeitskräfte wegfallen.“ Von den emotionalen Folgen ganz zu schweigen. Sie schüttelte den Kopf und ging dann kurz ins Nebenzimmer, um Hafiz eine Schale mit heißem Eintopf zu holen. „Für normale Menschen ist das scharf. Du hast deine Geschmacksknospen ja schon mit zu viel Chilli getötet.“, entgegnete sie und reichte ihm noch einen Löffel. Nachdenklich stützte sie sich auf der Theke ab. „Ich weiß nicht, ich hab mich noch nicht endgültig entschieden“, ging sie dann wieder auf seine Frage ein. „Verzweifelte Männer, die sich auf den Weg in den eigenen Tod machen sind meistens keine guten Kunden.“ Sie sah auf und musterte das geschundene Gesicht vor ihr. "Hast du nicht gesagt, du willst dich bedeckt halten?", fragte sie und nickte der eindeutig neuen Wunde an seiner Schläfe zu.
