23-09-2024, 22:10 - Wörter:
Der ganze Raum war erfüllt vom Echo des Liedes, das ihre Körper aus Liebe zueinander angestimmt hatte. In jeder Ecke klang die Melodie wider, die sich zwischen ihren Seelen entspann. Die Luft war schwanger von den Tönen der ungesagten Zuneigung, die die beiden verlorenen Gestalten aneinander führte. Skadis Wesen jauchzte in die Stille hinein, frohlockte nach dem Liebesspiel, nach dem sie sich so sehr gesehnt hatte. Und gleichsam folgte den Freudenschorälen dunklere Noten des Abschieds und der Trennung, des Wartens und der Entfernung. Sie wusste, dass jeder Augenblick der innigsten Nähe gefolgt sein musste von den kräftezehrenden Stunden der Einsamkeit, in denen sie nicht wusste, wie es ihm ging oder woran er dachte. Es blieb der Liebesdienerin nichts anderes übrig, als sich an der momentanen Nähe zu nähren und davon zu zehren, wenn er ihr wieder fern war. In solchen Augenblicken verstand sie sich teilweise selbst nicht mehr. Einst eine Kreatur, die sich an kein anderes Lebewesen binden wollte, die keiner Freundschaft oder gar nur tieferen Bekanntschaft fähig war, die jede Begegnung mit anderen Menschen als lähmend und zeitraubend empfand, war sie nun an einen Höllenfürst gebunden, hatte sich selbst mit ihm verknüpft, so eng, dass jede Faser ihres Seins mit ihm in Einklang war. Er hatte sie geformt, sie an sich gezwungen, wobei viel Zwang gar nicht notwendig war. Er hatte eine Art an sich, charmant und charismatisch, einnehmender als jedes noch so süße Suchtmittel hatte er sie abhängig gemacht nach ihm. Und sie hatte es mit offenen Armen akzeptiert, war ihm freudig gefolgt und hatte sich ihm angedient, wollte ihm gefällig sein. Wie seltsam. Nun lag sie hier, neben ihm, räkelte sich in der Wärme der aufgeheizten Laken, suhlte sich in der Nähe seines stattlichen Körpers, von dem sie jedes Haar und jede Narbe auswendig kannte.
Wonnig lächelnd ließ sie hinter geschlossenen Augen das eben Geschehene wiederholen, brannte es in ihre Erinnerung für die Zeit, in der sie ihn vermissen musste. Ihre grazilen Finger streichelten über ihren sanft verschwitzten Körper, fuhren die Stellen an ihrer Brust nach, die seine Finger zuvor berührt hatten. Seine suchenden Küsse entlockten ihr ein keckes Schnurren, begleitet von leisem Murmeln. “Du bist ja wahrlich unersättlich, mein liebster Schattenfalke.“ Öffnete sie die dunkeln Augen, als er ihr eine Strähne aus dem Gesicht strich. Funkelnde Finsternis lag in ihrem Blick, warm und verlockend, anders als die triste Ödnis, die oft hinter seinen Augen ruhte. Doch sie wusste, dass seine Zärtlichkeiten nur ein Necken waren, keine Aufforderung für eine zweite Runde. Noch nicht. Doch sie konnte sich selbst nicht daran hindern, dass ihre Hand nun auch seine Seite streichelnd verwöhnte, ihn ein wenig an sich zog und schließlich seine Handinnenfläche mit ihren warmen Lippen küsste. Jede Narbe, jede Schrunde, jede harte Haut war ihr ein Zeichen seiner Stärke und des Kampfes, den sie gemeinsam führen mussten, um dieser Welt ein wenig Freude abzuringen. Sie würde mit ihm an vorderster Front streiten, wenn er sie dazu auffordern würde. Sie würde mit ihm gehen, an seiner Seite sich der Welt entgegenstellen und mit vorgerecktem Kinn dem Schicksal die Stirn bieten. Für sie gab es kein Morgen und das Gestern war ohnehin verlorene Zeit. Nur das Jetzt zählte, das Heute, der Augenblick, jeder noch so kostbare Moment. Kein Gedanke belastete ihr Gemüt nach ungewisser Zukunft. Was einst kommen würde, würde sie bald genug erfahren, warum sollte sie sich mit Vorahnungen und Sorgen quälen? Und dennoch machte er es ihr schwer, sich nicht in zauberhafte Träume zu ergehen, von einem Leben, das nur ihnen beiden gehörte. Ein Leben zu zweit, vereint und nebeneinander, in Liebe verbunden für alle Welt sichtbar. Ein Leben, in dem sie nebeneinander einschlafen und wieder aufwachen würden, sich des anderen immer gewiss. Wie wunderschön und sonnendurchflutet waren diese Träume. Wie lächerlich und utopisch, unerreichbar fern und unsäglich fremd. Was wäre das für ein Leben? Voller Liebe zwar, doch ebenso voller Langeweile. Voller Freude, voller Fadess. Voller Ewigkeit und Eintönigkeit. Sie waren nicht dazu geschaffen gemeinsam ein normales Leben zu führen, wie es doch so vielen vergönnt war, die tagaus tagein dem ewig gleichen Trott noch etwas Glückliches abgewinnen konnten. Dafür war Skadi nicht geschaffen. Monotonie und Gleichförmigkeit waren ihr Untergang, noch verstärkt, wenn sie an einen einzigen Ort gezwungen war. Sie war nicht dafür gemacht sesshaft zu sein und Wurzeln zu schlagen.
Aber Belisarius? Manchmal meinte sie in ihm einen stillen Wunsch zu erahnen, nach Ruhe und Geborgenheit, nicht mehr getrieben zu sein von seinen Dämonen und den Traumata seiner Familie. Doch vermutlich waren das nur Fetzen eines Seins, das selbst ihm nicht mehr eigen war. Seine Finger an ihren Lippen entlockten ihr ein sachtes Seufzen, holten sie wieder in den himmlischen Augenblick zurück, dem sie sich doch nicht verwehren wollte. Nur ihm war es vergönnt sie mit simplen, fast nichtigen Berührungen so sehr zu entflammen, dass sie meinte verbrennen zu müssen. Kaum dass seine Zärtlichkeit ihr entzogen wurde, leckte sie sich sehnsüchtig über die verlassenen Lippen. Kaum, dass er neben ihr in die Kissen gesunken war, rutschte sie näher an ihn, stützte nun ihrerseits ihren Kopf auf ihre Hand, den Ellbogen neben ihn abgestützt. Verspielt tanzten nun ihre Fingerkuppen über seinen Oberkörper, kreisten, kräuselten, kitzelten, ließen nicht ab von ihm, auch wenn die Stimmung an Gravitas und Schwermut gewonnen hatte. Kein Wunder, die Wirklichkeit drang immer unerbittlicher in die Sphäre der Liebenden ein, umarmten sie wie alte Bekannte. Skadi und ihrem Belisarius war es nie lang erlaubt sich der brutalen Realität der Welt zu entziehen. Sie waren längst verwachsen mit dem Spiel, das sie beide spielen mussten, dessen Regeln sie teilweise selbst schrieben und in dem sie selbst ihre Positionen bestimmten. Sie taten, was getan werden musste. Doch während Belisarius sich in weiser und teils bitterer Voraussicht mit den möglichen Ausgängen der Winkelzüge beschäftigte, interessierte Skadi nur der nächste Auftrag, die nächste Bewegung. Was sein musste, musste sein. Der Ausgang war ihr in der Hinsicht nicht wichtig. Sie kämpfte nicht für ein höheres Gut, ein hehres Ziel. Moral oder Skrupel war jenen vorbehalten, die an eine Zukunft glaubten und jene in ihrem Sinn gestalten wollten. Skadi war kein Schöpfer, kein Planer, kein Stratege. Sie war ausführendes Werkzeug, Spielstein und Akteur. Sie war die Hand zu seinem Hirn. Sie war der Hebel, er war das Herz. Und jenes spürte sie klar und stark in seiner Brust schlagen.
Seine Worte brachten auch sie nun zurück in eine besonnene Ernsthaftigkeit. Die Zeit der Lust und Leidenschaft war vorbei. Nun hieß es Taktieren, auch wenn ihr das oft nicht so leicht fiel wie ihm. Sie erkannte die Zwischentöne, die hinter seiner Stirn grübelten. Sie beide waren zerrissen, hin und her gerissen zwischen Tun und Wollen, nur dass Skadi ein gewisser Pragmatismus innewohnte. “Es liegt nicht an uns die Welt zu verändern. Wir sind nicht in der Position, dass unsere Entscheidungen derartig Gewicht hätten. Wir können nur tun, was wir für richtig halten, um zu überleben und den Teil der Welt, der uns umgibt, zu formen.“ raunte sie beruhigend. Warum wollte er auch die Welt im Ganzen aus den Angeln heben und das Rad neu erfinden? Das war doch die Aufgabe des Adels, dem sie sich dienend angetragen hatten. Nun, zumindest Belisarius. Von Skadis Anteil hatte wohl niemand eine Ahnung. Sie war ein Nichts. “Norsteading??“ richtete sie sich nun kerzengerade auf. In ihrer Stimme schwangen eine Vielzahl von Emotionen mit. Ihre Haut begann zu kribbeln und zu kitzeln vor Aufregung über die lang ersehnte Abwechslung. Und gleichsam fürchtete sie die drohende Trennung von ihrem Geliebten. In ihren Augen glitzerte der Schalk der neuen Herausforderung, der gleichsam überschattet wurde von der Trauer über die zehrende Entfernung. So sehr sie sich auch nach etwas Neuem verzehrte, so sehr scheute sie sich dennoch auch von Belisarius Seite zu weichen. Ja, Ambivalenz war Skadis ureigenstes Wesen. Wankelmütig, unstet und flatterhaft. Schon runzelte sich ihre Stirn in freudigem Nachdenken über die nächsten Schritte ihres Auftrags, sodass sie fast seine zarten Liebesbekundungen überhört hätte. “Mein Falke, am liebsten wäre mir, dass ich für bei dir sein könnte. Mit dir streiten und dir zur Seite stehen, wenn du Unterstützung brauchst. Du bist mein Leben. Dein Schicksal ist das meine. Wir werden uns gemeinsam der Hölle des Kriegs stellen.“ versicherte sie ihm ihre ewige Treue und Ergebenheit, die weit tiefer ging als ein lausiger Lehnsschwur. Es war ein göttliches Versprechen einer heiligen Verbundenheit, die nur der Tod würde trennen können. “Belisarius… das hier ist das einzige Leben das wir haben und es mit dir teilen zu dürfen ist mehr, als ich mir je erträumt hätte.“ genau deshalb verabscheute sie Wunschgedanken und Hirngespinste. Sie gaukelten einem nur Bilder vor, die niemals wahr werden würden und vergällten damit die Vorzüge der Realität, die man aus einem Antrieb erschaffen hatte. “Und wenn es zu Ende geht, werde ich auch dieses mit dir teilen. Denn ohne dich gibt es kein Leben für mich.“ Wo den Kriegsherrn nun Schwermut befiel, ergriff Skadi ein fast schon glorreicher Kampfesgeist. Sie stellte sich dem Schicksal mit stolzgeschwellter Brust entgegen, streitlustig und fatalistisch. Für sie gab es keine Zukunft in Glück und Sonnenschein. Und kein Jenseits, das auf sie wartete und sie mit besseren Zeiten lockte. Nein, aller Schmerz und alle Freude lag in dem einen Leben, das jedem Menschen geschenkt worden war. Und daraus wollte sie das Beste machen. “Norsteading, also. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal wieder in das kalte Königreich zurück kehren würde. Sag mir, willst du mich an den Königshof von Ariald einschleusen oder soll ich mir über eines der Fürstenhäuser Zugang verschaffen? In welcher der Familien siehst du das größte Potenzial, dass sie sich zu unseren Gunsten leiten lassen?“ Ihre Hand lag noch immer über seinem Herzen und nun folgte auch noch ihre Wange, die sich an seine Brust legte, um seinem Herzschlag zu lauschen. Wie ein Uhrwerk pochte es, gab den Takt vor für den gemeinsamen Feldzug, den es nun zu planen galt. Doch durch Skadis Körper wühlten zwei ganz andere Stürme, die widersprüchlicher nicht sein konnten.
Wonnig lächelnd ließ sie hinter geschlossenen Augen das eben Geschehene wiederholen, brannte es in ihre Erinnerung für die Zeit, in der sie ihn vermissen musste. Ihre grazilen Finger streichelten über ihren sanft verschwitzten Körper, fuhren die Stellen an ihrer Brust nach, die seine Finger zuvor berührt hatten. Seine suchenden Küsse entlockten ihr ein keckes Schnurren, begleitet von leisem Murmeln. “Du bist ja wahrlich unersättlich, mein liebster Schattenfalke.“ Öffnete sie die dunkeln Augen, als er ihr eine Strähne aus dem Gesicht strich. Funkelnde Finsternis lag in ihrem Blick, warm und verlockend, anders als die triste Ödnis, die oft hinter seinen Augen ruhte. Doch sie wusste, dass seine Zärtlichkeiten nur ein Necken waren, keine Aufforderung für eine zweite Runde. Noch nicht. Doch sie konnte sich selbst nicht daran hindern, dass ihre Hand nun auch seine Seite streichelnd verwöhnte, ihn ein wenig an sich zog und schließlich seine Handinnenfläche mit ihren warmen Lippen küsste. Jede Narbe, jede Schrunde, jede harte Haut war ihr ein Zeichen seiner Stärke und des Kampfes, den sie gemeinsam führen mussten, um dieser Welt ein wenig Freude abzuringen. Sie würde mit ihm an vorderster Front streiten, wenn er sie dazu auffordern würde. Sie würde mit ihm gehen, an seiner Seite sich der Welt entgegenstellen und mit vorgerecktem Kinn dem Schicksal die Stirn bieten. Für sie gab es kein Morgen und das Gestern war ohnehin verlorene Zeit. Nur das Jetzt zählte, das Heute, der Augenblick, jeder noch so kostbare Moment. Kein Gedanke belastete ihr Gemüt nach ungewisser Zukunft. Was einst kommen würde, würde sie bald genug erfahren, warum sollte sie sich mit Vorahnungen und Sorgen quälen? Und dennoch machte er es ihr schwer, sich nicht in zauberhafte Träume zu ergehen, von einem Leben, das nur ihnen beiden gehörte. Ein Leben zu zweit, vereint und nebeneinander, in Liebe verbunden für alle Welt sichtbar. Ein Leben, in dem sie nebeneinander einschlafen und wieder aufwachen würden, sich des anderen immer gewiss. Wie wunderschön und sonnendurchflutet waren diese Träume. Wie lächerlich und utopisch, unerreichbar fern und unsäglich fremd. Was wäre das für ein Leben? Voller Liebe zwar, doch ebenso voller Langeweile. Voller Freude, voller Fadess. Voller Ewigkeit und Eintönigkeit. Sie waren nicht dazu geschaffen gemeinsam ein normales Leben zu führen, wie es doch so vielen vergönnt war, die tagaus tagein dem ewig gleichen Trott noch etwas Glückliches abgewinnen konnten. Dafür war Skadi nicht geschaffen. Monotonie und Gleichförmigkeit waren ihr Untergang, noch verstärkt, wenn sie an einen einzigen Ort gezwungen war. Sie war nicht dafür gemacht sesshaft zu sein und Wurzeln zu schlagen.
Aber Belisarius? Manchmal meinte sie in ihm einen stillen Wunsch zu erahnen, nach Ruhe und Geborgenheit, nicht mehr getrieben zu sein von seinen Dämonen und den Traumata seiner Familie. Doch vermutlich waren das nur Fetzen eines Seins, das selbst ihm nicht mehr eigen war. Seine Finger an ihren Lippen entlockten ihr ein sachtes Seufzen, holten sie wieder in den himmlischen Augenblick zurück, dem sie sich doch nicht verwehren wollte. Nur ihm war es vergönnt sie mit simplen, fast nichtigen Berührungen so sehr zu entflammen, dass sie meinte verbrennen zu müssen. Kaum dass seine Zärtlichkeit ihr entzogen wurde, leckte sie sich sehnsüchtig über die verlassenen Lippen. Kaum, dass er neben ihr in die Kissen gesunken war, rutschte sie näher an ihn, stützte nun ihrerseits ihren Kopf auf ihre Hand, den Ellbogen neben ihn abgestützt. Verspielt tanzten nun ihre Fingerkuppen über seinen Oberkörper, kreisten, kräuselten, kitzelten, ließen nicht ab von ihm, auch wenn die Stimmung an Gravitas und Schwermut gewonnen hatte. Kein Wunder, die Wirklichkeit drang immer unerbittlicher in die Sphäre der Liebenden ein, umarmten sie wie alte Bekannte. Skadi und ihrem Belisarius war es nie lang erlaubt sich der brutalen Realität der Welt zu entziehen. Sie waren längst verwachsen mit dem Spiel, das sie beide spielen mussten, dessen Regeln sie teilweise selbst schrieben und in dem sie selbst ihre Positionen bestimmten. Sie taten, was getan werden musste. Doch während Belisarius sich in weiser und teils bitterer Voraussicht mit den möglichen Ausgängen der Winkelzüge beschäftigte, interessierte Skadi nur der nächste Auftrag, die nächste Bewegung. Was sein musste, musste sein. Der Ausgang war ihr in der Hinsicht nicht wichtig. Sie kämpfte nicht für ein höheres Gut, ein hehres Ziel. Moral oder Skrupel war jenen vorbehalten, die an eine Zukunft glaubten und jene in ihrem Sinn gestalten wollten. Skadi war kein Schöpfer, kein Planer, kein Stratege. Sie war ausführendes Werkzeug, Spielstein und Akteur. Sie war die Hand zu seinem Hirn. Sie war der Hebel, er war das Herz. Und jenes spürte sie klar und stark in seiner Brust schlagen.
Seine Worte brachten auch sie nun zurück in eine besonnene Ernsthaftigkeit. Die Zeit der Lust und Leidenschaft war vorbei. Nun hieß es Taktieren, auch wenn ihr das oft nicht so leicht fiel wie ihm. Sie erkannte die Zwischentöne, die hinter seiner Stirn grübelten. Sie beide waren zerrissen, hin und her gerissen zwischen Tun und Wollen, nur dass Skadi ein gewisser Pragmatismus innewohnte. “Es liegt nicht an uns die Welt zu verändern. Wir sind nicht in der Position, dass unsere Entscheidungen derartig Gewicht hätten. Wir können nur tun, was wir für richtig halten, um zu überleben und den Teil der Welt, der uns umgibt, zu formen.“ raunte sie beruhigend. Warum wollte er auch die Welt im Ganzen aus den Angeln heben und das Rad neu erfinden? Das war doch die Aufgabe des Adels, dem sie sich dienend angetragen hatten. Nun, zumindest Belisarius. Von Skadis Anteil hatte wohl niemand eine Ahnung. Sie war ein Nichts. “Norsteading??“ richtete sie sich nun kerzengerade auf. In ihrer Stimme schwangen eine Vielzahl von Emotionen mit. Ihre Haut begann zu kribbeln und zu kitzeln vor Aufregung über die lang ersehnte Abwechslung. Und gleichsam fürchtete sie die drohende Trennung von ihrem Geliebten. In ihren Augen glitzerte der Schalk der neuen Herausforderung, der gleichsam überschattet wurde von der Trauer über die zehrende Entfernung. So sehr sie sich auch nach etwas Neuem verzehrte, so sehr scheute sie sich dennoch auch von Belisarius Seite zu weichen. Ja, Ambivalenz war Skadis ureigenstes Wesen. Wankelmütig, unstet und flatterhaft. Schon runzelte sich ihre Stirn in freudigem Nachdenken über die nächsten Schritte ihres Auftrags, sodass sie fast seine zarten Liebesbekundungen überhört hätte. “Mein Falke, am liebsten wäre mir, dass ich für bei dir sein könnte. Mit dir streiten und dir zur Seite stehen, wenn du Unterstützung brauchst. Du bist mein Leben. Dein Schicksal ist das meine. Wir werden uns gemeinsam der Hölle des Kriegs stellen.“ versicherte sie ihm ihre ewige Treue und Ergebenheit, die weit tiefer ging als ein lausiger Lehnsschwur. Es war ein göttliches Versprechen einer heiligen Verbundenheit, die nur der Tod würde trennen können. “Belisarius… das hier ist das einzige Leben das wir haben und es mit dir teilen zu dürfen ist mehr, als ich mir je erträumt hätte.“ genau deshalb verabscheute sie Wunschgedanken und Hirngespinste. Sie gaukelten einem nur Bilder vor, die niemals wahr werden würden und vergällten damit die Vorzüge der Realität, die man aus einem Antrieb erschaffen hatte. “Und wenn es zu Ende geht, werde ich auch dieses mit dir teilen. Denn ohne dich gibt es kein Leben für mich.“ Wo den Kriegsherrn nun Schwermut befiel, ergriff Skadi ein fast schon glorreicher Kampfesgeist. Sie stellte sich dem Schicksal mit stolzgeschwellter Brust entgegen, streitlustig und fatalistisch. Für sie gab es keine Zukunft in Glück und Sonnenschein. Und kein Jenseits, das auf sie wartete und sie mit besseren Zeiten lockte. Nein, aller Schmerz und alle Freude lag in dem einen Leben, das jedem Menschen geschenkt worden war. Und daraus wollte sie das Beste machen. “Norsteading, also. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal wieder in das kalte Königreich zurück kehren würde. Sag mir, willst du mich an den Königshof von Ariald einschleusen oder soll ich mir über eines der Fürstenhäuser Zugang verschaffen? In welcher der Familien siehst du das größte Potenzial, dass sie sich zu unseren Gunsten leiten lassen?“ Ihre Hand lag noch immer über seinem Herzen und nun folgte auch noch ihre Wange, die sich an seine Brust legte, um seinem Herzschlag zu lauschen. Wie ein Uhrwerk pochte es, gab den Takt vor für den gemeinsamen Feldzug, den es nun zu planen galt. Doch durch Skadis Körper wühlten zwei ganz andere Stürme, die widersprüchlicher nicht sein konnten.
