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the world is wrong side up
01.08.1016 - 12:00
Waldstück nördlich von King's Portal
Helias Winters Tyra Winters

Heimatlose
Tyra Winters
Heimatlose
Alter 26
Beruf Söldnerin
Wohnort wo das Silber sie hinführt
Stand Ledig
User Lia
#4
Tyra presste die Lippen zusammen, schob die Klinge ein winziges Stück fester an die Flanke des Fremden, um ihren Punkt zu untermauern. Seine Worte waren ein jämmerlicher Versuch, sich aus der Situation zu winden. Erkunden? Als ob! Ihre Lippen verzogen sich zu einem bitteren Lächeln, ehe ein trockenes Lachen ihre Kehle verließ. Es klang hart, beinahe mechanisch, als hätte sie die Emotion dahinter schon vor langer Zeit verloren. »Erkunden…«, wiederholte sie in einem Tonfall, der von blankem Zynismus durchzogen war. »Natürlich. Und dabei hast du zufällig eine Falle übersehen, die selbst ein Betrunkener bemerkt hätte?« Sie schürzte die Lippen, musterte abschätzig seine Rückansicht und zog die Klinge mit einer spielerischen Bewegung ein wenig zurück, ohne jedoch die Kontrolle über seine Haltung aufzugeben. »Glaubst du, ich bin so dumm? Du hast mich verfolgt, und jetzt hast du dich dämlicher angestellt, als ich erwartet hätte. Aber keine Sorge – es wird nur kurz weh tun, ich habe keine Zeit für Spielchen.« Mit einem Ruck drehte sie ihn herum, den Dolch weiterhin fest in der Hand, bereit, den Todesschnitt zu setzen, falls er auch nur den Hauch einer Gegenwehr zeigte. Doch als sie ihm ins Gesicht sah, erstarrte sie. Für einen Moment war da nur die kühne, harte Maske der Söldnerin, die jeden Zweifel an ihrem Vorhaben auslöschen sollte. Doch dann – langsam, fast schmerzlich – schob sich eine andere Erkenntnis durch den Nebel ihrer Gedanken. Ein Gesicht. Eine Augenklappe. Züge, die ihr vertraut waren wie ihr eigener Name. Nur, dass sie jetzt kantiger waren, gezeichnet von Jahren, die ihn geformt hatten. Die Männerstimme, die sie noch nicht zuordnen konnte, hatte ihn für einen Fremden gehalten, doch jetzt… jetzt sah sie, wer er wirklich war.

Helias.

Ein Schwall von Erinnerungen überkam sie, als wäre ein Damm gebrochen. Die Schreie eines Jungen, der die Aufmerksamkeit eines Bären auf sich zog, um sie zu retten, die sich wieder einmal unnötig in Schwierigkeiten gebracht hatte. Das helle Rot seines Blutes, als er sein Auge verlor. Die bitteren Tage, als sie beide in Norsteadings Dreck und Elend ums Überleben kämpften. Sein Blick, der damals schon so anders war als ihrer – nach vorne gerichtet, immer irgendwohin unterwegs, wohin sie ihm nicht folgen wollte. Ihre Hand mit dem Dolch zitterte einen Moment. Sie konnte es nicht verhindern, so sehr sie es auch wollte. Ein Muskel zuckte in ihrem Kiefer, während sie ihre Gedanken ordnete. Es dauerte nicht lange, doch die Sekunden fühlten sich an wie eine Ewigkeit. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte, nicht, was sie fühlen sollte. Also entschied sie sich für das, was sie immer tat: das Offensichtliche ignorieren, das Kinn zum Angriff senken und mit dem Kopf voran ins Chaos stürzen.

Mit einer schnellen Bewegung schnitt sie das Seil durch. Helias fiel unsanft zu Boden, ein ersticktes Keuchen entkam ihm. Tyra beobachtete ihn, die Klinge immer noch in der Hand, als würde sie auf den nächsten Angriff warten. »Ich hätte mehr von dir erwartet ... Helias«, sagte sie schließlich, ihre Stimme nun kühl und distanziert. »So eine lahme Ausrede? Das ist alles, was du nach all den Jahren zu bieten hast?« Ihre Worte trugen einen Stich von Verachtung, doch ihre Augen zeigten einen Hauch von etwas anderem. Etwas, das sie nicht benennen konnte und auch nicht benennen wollte. Tyra zog sich einen Schritt zurück, ihre Bewegungen angespannt, beinahe mechanisch. »Steh verdammt nochmal auf. Bevor ich es mir anders überlege.« Es war schwer, die harte Schale aufrechtzuerhalten, doch sie war Tyra Winters. Und Tyra Winters ließ keine Risse in ihrer Rüstung zu, schon gar nicht bei einem Geist aus der sorgsam verdrängten Vergangenheit. Sie wartete, ohne eine Hand zur Hilfe auszustrecken, und versuchte, den Ansturm der Erinnerungen niederzukämpfen. Dass er hier war, dass er wirklich vor ihr stand – das konnte nur Schwierigkeiten bedeuten. Und Tyra hatte schon genug davon in ihrem Leben. Dennoch, so sehr sie sich wehrte, etwas in ihrem Inneren regte sich. Ein leiser Funke, den sie nicht unterdrücken konnte, egal, wie sehr sie es versuchte.

Es war Helias. Und das machte alles komplizierter, als sie es je haben wollte.
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the world is wrong side up - von Helias Winters - 21-07-2024, 18:34
RE: the world is wrong side up - von Helias Winters - 01-12-2024, 00:39
RE: the world is wrong side up - von Helias Winters - 09-01-2025, 23:45
RE: the world is wrong side up - von Tyra Winters - 05-01-2025, 15:12
RE: the world is wrong side up - von Helias Winters - 06-06-2025, 18:10

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