09-01-2025, 23:45 - Wörter:
Und es würde seine letzte Lektion werden. Sie war nicht überzeugt von seinen Wort - und ziemlich direkt. Das erste Mal schoss nun Angst - ja, wohl Todesangst in den Mann, der noch ein kurzes "Nein, nein, warte ..." herausbrachte - bis sie einander ansahen. Ob er ihre Züge erkannte oder sofort wusste, dass ihr Zögern etwas Größeres zu bedeuten hatte, war wohl im Nachhinein schwierig rekonstruierbar. Hätte sie nun das Messer angesetzt, dann hätte er ihren Namen wohl nicht aussprechen können.
Grundsätzlich konnte er es auch nicht. Es waren zu viele Gedanken, die auf ihn eindroschen, als er vor ihr hing. Eben noch fast dem Tode nah, starrte sie ihn nun an. Aus einer harten Miene wurde eine weiche - und er konnte sich nicht annährend erklären, was dazu führte. Doch der Moment des Zögerns ließ zu, dass er die Fakten langsam miteinander verknüpfte. Sie schnitt also das Seil durch und so unsanft er in die Höhe gezogen wurde, so unsanft fiel er zu Boden. Aber lebendig, zumindest glaubte er das nach dem Sturz, die zumindest zu ein paar Prellungen führen würde - nichts, was er nicht gewohnt war. Erst als sie seinen Namen aussprach, wurde es offensichtlich. Es war als lag ihm ihr Name auf der Zunge, doch er war zu beschäftigt damit, sich an das eigene Leben zu klammern. Tyra. Es löste etwas in ihm aus; eine Freude, die allerdings von der Situation überschattet wurde - oder zumindest noch nachhallte. Sie waren wohl beide keine Menschen, die einander um den Hals fallen würden. Sie beide jedoch hatten sich auch verändert, sie waren keine Kinder mehr. Er verstand ohnehin nie, was er für sie empfand, immerhin hatte er sie gerettet und sich ein unverkennbares Merkmal eingeholt - eines, das wohl bis heute dazu führte, dass man ihn eher fürchtete als bewunderte. Als lediger Mann keine einfache Aussicht.
Er kehrte rhetorisch jedoch schnell zur Lockerheit zurück - einfach um nicht zu zugeben, dass ihm soeben das Herz in die Hose gerutscht war. "Ich sehe du hattest einen guten Meister ...", sagte er fast schon neckisch, während er auf dem Boden lag. "Der etwas eingerostet ist, das stimmt ..." Sie neckte ihn, was nichts Neues war. Früher war es eine Art Liebessprache, wenn man es so nennen wollte. Es war jedoch ungewohnt, am Hofe drückte man sich so gewählt und bewusst aus. Während er sich erhob, schaute er sich die Konstruktion der Falle an - etwas, was man sehen konnte. "Die Jahre am Hofe zwischen all den parfümierten Ärschen, heißen Bädern und weichen Betten tun mir wohl nicht so gut." Selbstkritik war durchaus berechtigt. Dann schwieg er, schaute sie an, bis er ein "Tyra ..." hervorbrachte. Es klang wehleidig, vermissend und trotzdem derb. Er war sich nicht ganz klar, was er tun sollte, um die Freude auszudrücken. "Gut siehst du aus. Fühlst du dich oft von Männern verfolgt?"
