26-01-2025, 17:40 - Wörter:
Der Moment, in dem Devan begann, sich auf den Aufstieg vorzubereiten, war voller Kontraste: Ihre Blicke ruhten auf seinen Bewegungen – ruhig, bedacht, methodisch. Jede seiner Handlungen schien durchdacht, aber da war auch diese leise Skepsis, die ihn immer begleitete, wenn es um eine Herausforderung wie diese ging. Barfuß. Sie selbst hatte an diesem Ungetüm längst das Vertrauen in ihre Hände und Füße gewonnen, in vielen Narben und Schwielen, die die Wüste und unzählige Kletterpartien hinterlassen hatten. Sie selbst trug keine Bandagen – dieser Felsen war ihr Feind und zugleich ein vertrauter Tanzpartner, der nur auf einen falschen Schritt wartete. Es war nicht das erste Mal, dass sie diesen Giganten bezwang. Vielleicht war es das fünfte oder sechste Mal, und dennoch war jeder Aufstieg einzigartig. Der Stein veränderte sich, wurde glatt geschliffen vom Sand, vom Wind, von der Zeit. Und doch wusste sie, wie sie ihn zu lesen hatte. Während Devan sich vorbereitete, ließ sie die Vergangenheit durch ihre Gedanken ziehen. Wie oft war sie schon hier gewesen, wie oft hatte sie diese lebensgefährliche Wand bezwungen – für gewöhnlich allein. Aber mit Devan war es anders. Seine wortkarge Art, sein Schweigen, das mehr sagte als tausend Worte, ließ sie innehalten. Sie verstand ihn, vielleicht besser als die meisten, und genoss seine Präsenz, auch wenn sie nichts sagten. Manchmal reichte das Gefühl, dass jemand da war, jemand, dem sie vertraute, vollkommen aus.
Sein Vorschlag, nebeneinander zu klettern, ließ sie für einen Moment innehalten. Sie warf ihm einen Blick zu, prüfend, aber nicht wertend. Dass er von der Möglichkeit eines Sturzes sprach, berührte sie kaum. Natürlich konnte einer von ihnen fallen – das Risiko war immer da. Aber sicherlich nicht Devan. Er war ihr Lehrmeister gewesen, die Person, die ihr diese Welt gezeigt und sie in all ihren Facetten geschärft hatte. Der Mensch, der ihr den Geschmack von Freiheit verschafft hatte. Die Möglichkeit, dass er scheiterte, war in ihren Augen so unwahrscheinlich, dass sie nur leise nickte. »Gut«, bestätigte sie. Kein Widerwort, kein Zögern. Sie vertraute ihm, wie sie sich selbst vertraute.
Die ersten Meter waren einfach, eine Art Aufwärmen für das, was noch kommen würde. Ihre Finger fanden die kleinen Rillen und Vorsprünge, die ihre Muskeln testeten, und sie bewegte sich mit einer Präzision, die sie in jahrelangen Versuchen und Verfehlungen erlangt hatte. Ihre Füße tasteten nach Halt, jeder Schritt war bedacht, und doch wirkte es fast mühelos. Der Stein war noch erhitzt von der langsam schwindenden Wüstenhitze unter ihren Händen, nahezu verlockende, winzige Vorsprünge hier und da, aber sie wusste, wie sie ihren Körper zu halten hatte. Und vor allem, wo. Der Aufstieg war kein Kampf, sondern ein Dialog. Der Felsen sprach in seiner Sprache, und sie antwortete. Es war wie ein Tanz, bei dem jede Bewegung auf die andere abgestimmt war. Mit der Zeit fiel sie in eine Art meditativen Zustand. Ihr Atem wurde ruhig, gleichmäßig, fast unhörbar. Sie lauschte dem Wind, der leise über ihnen pfiff, spürte die rasch abkühle Nachtluft auf ihrer Haut. Es gab nichts außer dem Moment – den Kontakt ihrer Haut mit dem Stein, die Spannung in ihren Muskeln, die Stille, die sie umgab. Jeder Griff, jeder Schritt war ein Teil eines größeren Ganzen, und sie ließ sich davon tragen, wurde eins mit der Wand, mit der Bewegung.
Doch dann geschah es.
Ein plötzlicher Laut riss sie aus ihrer Trance – ein kurzes, scharfes Geräusch von rutschendem Gestein. Ihr Kopf schnellte herum, ihre Augen fanden Devan. Sein Fuß hatte den Halt verloren, und für einen Moment war sein Körper im Ungleichgewicht, von nur noch vier Fingergelenken gehalten. Es war ein Anblick, der ihr Herz für einen schrecklichen Moment stocken ließ. Doch bevor Panik sie überwältigen konnte, handelte sie. Ohne zu zögern, löste sie eine Hand vom Felsen, schob ihren Körper seitlich, sodass sie näher an ihn herankam. Ihre nun freie Hand streckte sich aus, fand seinen Arm, und mit einer Kraft, die man ihrer zierlichen Gestalt nicht zugetraut hätte, hielt sie ihn. Der Ruck, als sein Gewicht ihr Gleichgewicht bedrängte, war gewaltig, und sie spürte, wie reißender Schmerz durch ihre Schulter jagte, doch sie ließ nicht los. Sie konnte nicht. Ihre Beine suchten instinktiv nach einem besseren Halt, fanden einen kleinen Vorsprung, der ihr die Stabilität gab, die sie brauchte. Ihre Finger krallten sich um seinen Arm, während ihre Muskeln unter der Belastung zitterten, sie verengte mit beinahe wütenden Miene die Augen. Mit einer langsamen, kontrollierten Bewegung zog sie ihn näher an die Felswand, die Zähne zusammenbeißend, während sie ein schmerzerfülltes Stöhnen nicht unterbinden konnte.
Sein Vorschlag, nebeneinander zu klettern, ließ sie für einen Moment innehalten. Sie warf ihm einen Blick zu, prüfend, aber nicht wertend. Dass er von der Möglichkeit eines Sturzes sprach, berührte sie kaum. Natürlich konnte einer von ihnen fallen – das Risiko war immer da. Aber sicherlich nicht Devan. Er war ihr Lehrmeister gewesen, die Person, die ihr diese Welt gezeigt und sie in all ihren Facetten geschärft hatte. Der Mensch, der ihr den Geschmack von Freiheit verschafft hatte. Die Möglichkeit, dass er scheiterte, war in ihren Augen so unwahrscheinlich, dass sie nur leise nickte. »Gut«, bestätigte sie. Kein Widerwort, kein Zögern. Sie vertraute ihm, wie sie sich selbst vertraute.
Die ersten Meter waren einfach, eine Art Aufwärmen für das, was noch kommen würde. Ihre Finger fanden die kleinen Rillen und Vorsprünge, die ihre Muskeln testeten, und sie bewegte sich mit einer Präzision, die sie in jahrelangen Versuchen und Verfehlungen erlangt hatte. Ihre Füße tasteten nach Halt, jeder Schritt war bedacht, und doch wirkte es fast mühelos. Der Stein war noch erhitzt von der langsam schwindenden Wüstenhitze unter ihren Händen, nahezu verlockende, winzige Vorsprünge hier und da, aber sie wusste, wie sie ihren Körper zu halten hatte. Und vor allem, wo. Der Aufstieg war kein Kampf, sondern ein Dialog. Der Felsen sprach in seiner Sprache, und sie antwortete. Es war wie ein Tanz, bei dem jede Bewegung auf die andere abgestimmt war. Mit der Zeit fiel sie in eine Art meditativen Zustand. Ihr Atem wurde ruhig, gleichmäßig, fast unhörbar. Sie lauschte dem Wind, der leise über ihnen pfiff, spürte die rasch abkühle Nachtluft auf ihrer Haut. Es gab nichts außer dem Moment – den Kontakt ihrer Haut mit dem Stein, die Spannung in ihren Muskeln, die Stille, die sie umgab. Jeder Griff, jeder Schritt war ein Teil eines größeren Ganzen, und sie ließ sich davon tragen, wurde eins mit der Wand, mit der Bewegung.
Doch dann geschah es.
Ein plötzlicher Laut riss sie aus ihrer Trance – ein kurzes, scharfes Geräusch von rutschendem Gestein. Ihr Kopf schnellte herum, ihre Augen fanden Devan. Sein Fuß hatte den Halt verloren, und für einen Moment war sein Körper im Ungleichgewicht, von nur noch vier Fingergelenken gehalten. Es war ein Anblick, der ihr Herz für einen schrecklichen Moment stocken ließ. Doch bevor Panik sie überwältigen konnte, handelte sie. Ohne zu zögern, löste sie eine Hand vom Felsen, schob ihren Körper seitlich, sodass sie näher an ihn herankam. Ihre nun freie Hand streckte sich aus, fand seinen Arm, und mit einer Kraft, die man ihrer zierlichen Gestalt nicht zugetraut hätte, hielt sie ihn. Der Ruck, als sein Gewicht ihr Gleichgewicht bedrängte, war gewaltig, und sie spürte, wie reißender Schmerz durch ihre Schulter jagte, doch sie ließ nicht los. Sie konnte nicht. Ihre Beine suchten instinktiv nach einem besseren Halt, fanden einen kleinen Vorsprung, der ihr die Stabilität gab, die sie brauchte. Ihre Finger krallten sich um seinen Arm, während ihre Muskeln unter der Belastung zitterten, sie verengte mit beinahe wütenden Miene die Augen. Mit einer langsamen, kontrollierten Bewegung zog sie ihn näher an die Felswand, die Zähne zusammenbeißend, während sie ein schmerzerfülltes Stöhnen nicht unterbinden konnte.
