06-06-2025, 18:10 - Wörter:
Gab es Zufälle? Manchmal glaubte er nicht daran. Es wirkte manchmal, als würde das Leben sich Situationen von Hand zu Hand reichen, ineinander übergehen - von Tragödien bis zu Glücksmomenten - um einen da hin zu führen, wo man hin sollte. Früher nahm er sich mal vor, Tyra aufzusuchen, sobald sich die Möglichkeit ergab. Er sah sich manchmal gar als Ritter, der Tyra von den eins doch schwierigen Lebensverhältnissen gerettet hätte. Hätte er das getan, wäre sie wohl in einem Lachanfall ausgebrochen. Zugleich weiß er nicht, ob er das Gefühl gehabt hätte, irgendjemanden retten zu müssen. Manchmal hatte er eher gehofft, dass sie ihn rettete, denn sein Leben am Hof war mehr ein Gefängnis - etwas, was ihn eingrenzte, einsperrte. Die Idee, dass sie plötzlich in seinem Fenster auftauchte, um ihn rauszuholen, war durchaus da.
Und so tappte er inmitten des Waldes in ihre Falle. In den meisten Fällen wäre er nun tot. Er wusste nicht genau, was er von ihren Worten halten sollte. Irgendetwas zwischen Wut, Kritik, Verletztheit? Sie wusste, dass nicht er die Wahl getroffen hatte. Helias selbst blieb ruhig, lauschte schlicht. Ihre Fassade, die sie aufgebaut hatte, veränderte sich. Trotzdem sah er da noch das Mädchen, mit dem er aufwuchs. Er erkannte, dass sie es begraben hatte. Ähnlich wie er wohl sich begraben musste, um zu überleben und durchzukommen. Unberechtigt war ihre Kritik nicht. Und zugleich nahm er es nicht als Tadel auf, blickte nicht beschämt zu Boden. Helias blieb locker in seiner Art, lauschend, aufmerksam - und doch wohl irgendwie adelig, wie er dort zu ihr aufsah. Und ein Kommentar konnte er sich doch nicht verkneifen: "Oh, glaub mir, der Hof ist ein größeres Schlangennest als die Wildnis." Sein Blick blieb aufrecht. "In der Wildnis weiß man wenigstens, wer einen umbringen will." Wenn man die Falle sah, jedenfalls.
Derb war sie in ihrer Art dennoch weiterhin. Das schätzte er ja auch an ihr. Sie schätzten sich aber anders. Helias war der Ruhepol, was der Dynamik oft gut tat. Und doch gab es da dieses Ungebremste, das selten zu Vorschein kam, aber da war. Und so ließ er sie ... abkühlen. Auf gewisse Art und Weise. Als sie sich weg bewegte, überraschte sie aber auch ihn damit, wie sie ihn am Kragen packte. Es waren viele Emotionen, die sie zeigte, lebte, während Helias kaum welche zeigte. Das unterschied sie wohl von jeher. Konnte er was erwidern? Dass er sie mitnehmen oder mit ihr flüchten wollte? Dass es nicht seine Wahl war? Sie wusste es, er wusste es. Es gab keinen Grund, alte Wunden aufzureißen. "Das hätte ich auch nicht erwartet ...", entgegnete er doch ruhig. Es gab wohl viele, die er hier erwartet hätte ... Und so ließ er auch diese Tirade über sich ergehen. Sie hatte recht damit, dass es wohl bessere Kleidung dafür gab. Andererseits plante er nicht zwangsläufig diese Art von Tour.
Erst nach einigen Minuten schien es, dass sie abkühlte, stiller wurde, ruhiger wurde. Das war bei Tyra relativ. Er erkannte, dass sie nicht wütend auf ihn war, sondern er etwas aufriss, was sie längst aufgegeben hatte. Unweigerlich fühlte Helias dasselbe, aber er stellte es außergewöhnlich ... gelassen dar. Innerlich wusste er jedoch kaum, richtig zu reagieren. Er war froh, sie gefunden zu haben, denn ... sie wirkte wie ein Schlüssel aus dem Gefängnis, in dem er gefangen war. "Ich habe es schon ewig satt. Aber es ist ... ein Gefängnis. Ein goldener Käfig. Jeder Moment, an dem ich nicht in meinen Gemächern bin, ist für mich befreiend. Also ja, ich ... wandere. Durch die Stadt, durch die Wildnis.", erklärte er kurzerhand.
Dann musterte sie ihn, was er entgegnete. Sie waren beide nicht mehr die jugendlichen Gestalten von damals. Er dürr, sie mehr ein Knabe als Mädchen. Dies änderte sich - heute war sie eine attraktive Frau, wenngleich er dies nicht lustvoll feststellte, sondern realistisch. Ihr Verhalten jedoch blieb beim Knaben. Sie wirkte Unruhig, emotional - und Helias, der die Ruhe selbst schien, war überfordert. "Das gilt auch für dich." Gut, sie war wohl muskulöser als die Frauen, die er kannte. Sie würde wohl so einigen Rittern am Hofe Konkurrenz machen.
War er dort drin gewachsen oder ist doch nur verkommen? Was kryptisch schien, brachte ihn zum Nachdenken. Die Zeit veränderte ihn, vieles an ihm. Tief in seinem Inneren fühlte er sich dennoch wie der wilde Junge von damals. Er glaubte immer, dass er sich wieder Zuhause fühlen würde, wenn er Tyra begegnet. Doch nun fühlte er sich fremd in zwei Welten. "Immer.", entgegnete Helias knapp. "Ich hatte immer gehofft, dich wiederzufinden." Und wenngleich er nicht wusste, ob es angemessen war, tat er es trotzdem: "Und was ist mit dir?"
Und so tappte er inmitten des Waldes in ihre Falle. In den meisten Fällen wäre er nun tot. Er wusste nicht genau, was er von ihren Worten halten sollte. Irgendetwas zwischen Wut, Kritik, Verletztheit? Sie wusste, dass nicht er die Wahl getroffen hatte. Helias selbst blieb ruhig, lauschte schlicht. Ihre Fassade, die sie aufgebaut hatte, veränderte sich. Trotzdem sah er da noch das Mädchen, mit dem er aufwuchs. Er erkannte, dass sie es begraben hatte. Ähnlich wie er wohl sich begraben musste, um zu überleben und durchzukommen. Unberechtigt war ihre Kritik nicht. Und zugleich nahm er es nicht als Tadel auf, blickte nicht beschämt zu Boden. Helias blieb locker in seiner Art, lauschend, aufmerksam - und doch wohl irgendwie adelig, wie er dort zu ihr aufsah. Und ein Kommentar konnte er sich doch nicht verkneifen: "Oh, glaub mir, der Hof ist ein größeres Schlangennest als die Wildnis." Sein Blick blieb aufrecht. "In der Wildnis weiß man wenigstens, wer einen umbringen will." Wenn man die Falle sah, jedenfalls.
Derb war sie in ihrer Art dennoch weiterhin. Das schätzte er ja auch an ihr. Sie schätzten sich aber anders. Helias war der Ruhepol, was der Dynamik oft gut tat. Und doch gab es da dieses Ungebremste, das selten zu Vorschein kam, aber da war. Und so ließ er sie ... abkühlen. Auf gewisse Art und Weise. Als sie sich weg bewegte, überraschte sie aber auch ihn damit, wie sie ihn am Kragen packte. Es waren viele Emotionen, die sie zeigte, lebte, während Helias kaum welche zeigte. Das unterschied sie wohl von jeher. Konnte er was erwidern? Dass er sie mitnehmen oder mit ihr flüchten wollte? Dass es nicht seine Wahl war? Sie wusste es, er wusste es. Es gab keinen Grund, alte Wunden aufzureißen. "Das hätte ich auch nicht erwartet ...", entgegnete er doch ruhig. Es gab wohl viele, die er hier erwartet hätte ... Und so ließ er auch diese Tirade über sich ergehen. Sie hatte recht damit, dass es wohl bessere Kleidung dafür gab. Andererseits plante er nicht zwangsläufig diese Art von Tour.
Erst nach einigen Minuten schien es, dass sie abkühlte, stiller wurde, ruhiger wurde. Das war bei Tyra relativ. Er erkannte, dass sie nicht wütend auf ihn war, sondern er etwas aufriss, was sie längst aufgegeben hatte. Unweigerlich fühlte Helias dasselbe, aber er stellte es außergewöhnlich ... gelassen dar. Innerlich wusste er jedoch kaum, richtig zu reagieren. Er war froh, sie gefunden zu haben, denn ... sie wirkte wie ein Schlüssel aus dem Gefängnis, in dem er gefangen war. "Ich habe es schon ewig satt. Aber es ist ... ein Gefängnis. Ein goldener Käfig. Jeder Moment, an dem ich nicht in meinen Gemächern bin, ist für mich befreiend. Also ja, ich ... wandere. Durch die Stadt, durch die Wildnis.", erklärte er kurzerhand.
Dann musterte sie ihn, was er entgegnete. Sie waren beide nicht mehr die jugendlichen Gestalten von damals. Er dürr, sie mehr ein Knabe als Mädchen. Dies änderte sich - heute war sie eine attraktive Frau, wenngleich er dies nicht lustvoll feststellte, sondern realistisch. Ihr Verhalten jedoch blieb beim Knaben. Sie wirkte Unruhig, emotional - und Helias, der die Ruhe selbst schien, war überfordert. "Das gilt auch für dich." Gut, sie war wohl muskulöser als die Frauen, die er kannte. Sie würde wohl so einigen Rittern am Hofe Konkurrenz machen.
War er dort drin gewachsen oder ist doch nur verkommen? Was kryptisch schien, brachte ihn zum Nachdenken. Die Zeit veränderte ihn, vieles an ihm. Tief in seinem Inneren fühlte er sich dennoch wie der wilde Junge von damals. Er glaubte immer, dass er sich wieder Zuhause fühlen würde, wenn er Tyra begegnet. Doch nun fühlte er sich fremd in zwei Welten. "Immer.", entgegnete Helias knapp. "Ich hatte immer gehofft, dich wiederzufinden." Und wenngleich er nicht wusste, ob es angemessen war, tat er es trotzdem: "Und was ist mit dir?"
