Dieses Forum nutzt Cookies
Dieses Forum verwendet Cookies, um deine Login-Informationen zu speichern, wenn du registriert bist, und deinen letzten Besuch, wenn du es nicht bist. Cookies sind kleine Textdokumente, die auf deinem Computer gespeichert sind; Die von diesem Forum gesetzten Cookies düfen nur auf dieser Website verwendet werden und stellen kein Sicherheitsrisiko dar. Cookies auf diesem Forum speichern auch die spezifischen Themen, die du gelesen hast und wann du zum letzten Mal gelesen hast. Bitte bestätige, ob du diese Cookies akzeptierst oder ablehnst.

Ein Cookie wird in deinem Browser unabhängig von der Wahl gespeichert, um zu verhindern, dass dir diese Frage erneut gestellt wird. Du kannst deine Cookie-Einstellungen jederzeit über den Link in der Fußzeile ändern.


Gold turns to rust
08.11.1016 - 15:43
Palast der Castellanos
Desdemona Castellanos *Zephyr Athanas

Unregistered
Desdemona Castellanos
Alter
Beruf
Wohnort
Stand
User
#1

Die Schritte, die Desdemona durch die Gänge des Palastes der Castellanos setzte, waren kontrolliert, bedacht – nicht langsam, aber auch nicht eilig. Ihre stahlblauen Augen glitten über die hohen Wände, verweilten auf den Gemälden vergangener Könige, und schenkten ihnen die Aufmerksamkeit, die ihnen sonst längst niemand mehr zuteilwerden ließ. Das Haus der Castellanos war dem Verfall nahe, und die toten Augen der Porträts ruhten richtend auf der Tochter Augustos. Vermutlich würden sie dasselbe denken wie sie, wenn sie ihren Vater erneut über einer Flasche Wein zusammensinken sahen, oder ihren Bruder, der des Nachts torkelnd zurückkehrte, den Kragen schief, das Haar zerzaust vom Rausch oder fremden Händen. Sie waren eine Schmach für das Haus der Könige – keine Träger seiner Würde, sondern Risse im Fundament, durch das die Geschichte sickerte wie vergiftetes Wasser. Eine Beleidigung für den Namen Castellanos, die man am liebsten aus dem Stammbaum tilgen, herausbrennen sollte wie eine Krankheit, bevor sie weiterwucherte.
Daran änderte auch nichts, dass ihr Vater sich nun, wie durch ein Wunder wachgeküsst, wieder in die Belange des Reichs einzubringen schien – als ließe sich Verantwortung wie ein Mantel ablegen und beliebig wieder überwerfen. Und auch nicht, dass Leandros’ Leine plötzlich kürzer lag, als wolle man seine Ausschweifungen nun mit spät entdeckter Strenge zügeln. Ein paar Wochen gespielter Selbstdisziplin – oder wie auch immer er diesen Anflug von Pflichtgefühl nennen mochte – wogen keine Jahre des moralischen Bankrotts auf. Man konnte einen morschen Thron polieren, aber er blieb morsch.

Orpheus wäre ein leichter zu ertragender König als Leandros. Zwischen seinen Schläfen saß immerhin ein denkender Kopf – einer, der sich nicht nur für den Glanz der Krone interessierte, sondern für das, was sie bedeutete. Einer, der bereit war, aus der Geschichte zu lernen, statt sich seine Zukunft aus Wein, Eitelkeit und den Schenkeln käuflicher Zuneigung zu formen. Und Naila? Es war keine Qual, sich einzugestehen, dass auch sie eine gute Königin abgeben würde. Ihr Intellekt war geschärft, und ihre Fürsorge – so sehr Desdemona sich dagegen zu wehren versuchte – besaß eine Wärme, die fast berührte. Ihr einziger Makel: Sie könnte mehr strahlen. Doch das würde sie mit der Zeit sicher.

Die Absage ihrer Familie an der Krönung des neuen Königs im Sommerland hatte Desdemona kaum berührt. Es war in ihren Augen ein taktischer Fehltritt, nicht mehr. Ihre Neugier auf das Machtvakuum nach dem Mord an Nailas Familie wog schwerer als jede moralische Entrüstung. Dort, wo Blut floss, öffneten sich Türen – und ihr Vater, vermutlich getrieben von gekränktem Stolz, hatte sie mit einem Handwedeln wieder geschlossen.
Seine Beweggründe? Nicht unverständlich. Aber vielleicht töricht. Denn während er sich als stolzer Castellano ins Schneckenhaus zurückzog, könnten sich andere Königreiche positionieren. Wenn dieser Verbündete fiel, was blieb dann noch? Das Herbstland war neutral wie immer – also würde Castandor isoliert dastehen. Umringt von Barbaren des Winterlandes und der Sippe aus dem Frühlingsland. Noch hatte Castandor das größere Heer, doch der Punkt würde kommen - da war sich Desdemona sicher - da diese Größe nicht mehr genügen würde.

Als die junge Blondine bei ihrem Urgroßvater ankam, lächelte sie schwach, ehe zielstrebige Schritte sie aus ihren Gedanken rissen. Ihr Blick wanderte durch den langen Marmorflur und entdeckte eine beschäftigte Gestalt. Vermutlich hatte er noch unfassbar viel zu tun, denn soweit Desdemona wusste, würde er heute abreisen. Es gab also keinen Grund, warum sie ihn dabei stören sollte, außer dem, dass allein sein Anblick reichte, um den Fluss ihrer Gedanken zu unterbrechen. Denn wenn sie eines in den vergangenen Jahren beobachten konnte und gelernt hatte, war es, dass Zephyr zu allem eine Meinung hatte und nicht selten war diese interessant.
Desdemona ließ ihren Blick einen Moment zu lange auf der Gestalt ruhen – auf dem strebsamen Gang, der mühelosen Eleganz, mit der er sich durch die Halle bewegte, als gehöre sie ihm. Vielleicht tat sie das auch. Nicht im rechtlichen Sinne, aber in der Art, wie gewisse Männer jeden Raum beherrschten, ohne ein Wort zu sagen. Sie sollte ihn nicht aufhalten. Nicht heute. Und doch... Sie ließ ihre Ahnen hinter sich, ging ihm drei Schritte entgegen, ein schwaches Lächeln auf den Lippen. "Zephyr, wie so oft in letzter Zeit beschäftigt unterwegs — aber es ist schön, Euch zu sehen. Ich hoffe, der Tag gönnt Euch einen Moment zum Durchatmen… und für ein Gespräch." Sie machte eine kleine Geste, als wäre sie bereit, sich seinem Tempo anzupassen, falls er nur kurz verweilen wollte und bald weiterging.
Neues Inplayzitat
Inplayzitat hinzufügen
Zitat
Folgendes Zitat wird als denkwürdiger Inplay-Moment eingetragen.
 


Nachrichten in diesem Thema
Gold turns to rust - von Desdemona Castellanos - 01-07-2025, 08:58
RE: Gold turns to rust - von *Zephyr Athanas - 11-07-2025, 10:40
RE: Gold turns to rust - von Desdemona Castellanos - 28-07-2025, 12:09
RE: Gold turns to rust - von *Zephyr Athanas - 17-08-2025, 06:56

Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste